Schwarzer Holunder
Der Holunder (Sambucus nigra) ist eine der beliebtesten heimischen Pflanzen. Er ist tief verwurzelt im Brauchtum und hat auch einen festen Platz in der Naturheilkunde. Seine schwarzen Beeren und die zarten, weißen Blütendolden werden seit Jahrhunderten als Heilmittel und Nahrungsmittel geschätzt. Besonders bekannt ist Holunder für seine kräftigende Wirkung auf das Immunsystem, seine schweißtreibenden Eigenschaften bei Erkältungskrankheiten und seine vielfältige Verwendbarkeit in der Küche.
Für mich persönlich gehört der Holunder zu den wichtigsten Pflanzen bei einer beginnenden Erkältung. Gemeinsam mit Beifuß, der durch seine stark wärmende Wirkung Kälte vertreibt, verwende ich den Holunder schon bei den ersten Anzeichen einer Erkältung. Dazu trinke ich heißen Holunderblütentee bei Halsweh und nehme ein heißes Bad mit Beifuß.
Holunder in der Kulturgeschichte
Holunder war Frau Holle, der Erdgöttin, geweiht. Die heilige Pflanze stellt aber auch ein Tor zur Unterwelt dar. Nach altem Volksglauben konnte Holunder negative Einflüsse von außen fernhalten. Ja, sogar von Haus, Hof und Stall anziehen und in die Erde ableiten. Zudem glaubte man, Holunder könne durch Opfergaben, welche unter den Busch gestellt wurden, Krankheiten von den Menschen fern halten.
Ebenso galt er als Schutzstrauch gegen böse Geister und Dämonen. Im alten England trugen Bestatter zum Schutze stets etwas Holunderholz bei sich und in Amerika findet man noch heute viele Friedhöfe mit Holundersträuchern, welche dort zur Abwehr böser Geister gepflanzt wurden.1
In der Ernährung
Sowohl die fein duftenden essbaren Blüten als auch die Vitamin-C-reichen Beeren lassen sich in vielfältige Genüsse verwandeln.
Hinweis: In Blättern, Rinde und Beeren des Holunders ist der Giftstoff Sambunigrin (ein Glykosid) enthalten, der sich ab einer Temperatur von 76,3 °C zersetzt. Roh verzehrt, wirken die Blätter und Holunderbeeren in größeren Mengen leicht giftig. Es kann zu Übelkeit und Erbrechen kommen. Deshalb solltest du diese Pflanzenteile nie roh verzehren, sondern nur abgekocht.
Holunderblüten-Rezepte
Die schneeweißen Blütendolden werden für Holunderblüten-Sirup, Marmelade und Holunderblütengelee, Limonade und für Eis verwendet oder in Pfannkuchenteig ausgebacken.

Darüber hinaus eignen sie sich zur Herstellung von Holundersekt, Holunderwein oder Holunderessig. Einzelne kleine Blüten sind eine hübsche Dekoration für Wildkräutersalate. Mit den aromatischen Blüten kannst du aber auch leckere Holunderblüten-Torten oder Holler-Muffins backen.

Hier findest du noch viele weitere Rezepte für Holunderblüten
Holunderbeeren-Rezepte
Aus den kleinen schwarzen wird häufig Saft hergestellt. Dieser wird dann weiterverarbeitet zu Gelee, Punsch oder Sirup. Früher wurden Holunderbeeren auch häufig zu Suppen verarbeitet.
Tipp: Wie du Holundersaft herstellst und köstlichen Apfel-Holunder-Punsch zubereitest, erfährst du hier.
Weitere Rezepte für Holunderbeeren findest du hier.

Mehr kulinarische Rezepte für die Holunderblüten, -beeren und 35 andere Pflanzen findest du in unserem Buchtipp:
Heilende Anwendungen
Holunder hat viele gesundheitsfördernde Wirkungen. Die Blüten werden vor allem als schweißtreibender Tee bei Erkältungskrankheiten und Grippe eingesetzt. Sie enthalten Flavonoide, ätherische Öle und Schleimstoffe, die für die entzündungshemmende, schmerzlindernde und fiebersenkende Wirkung verantwortlich sind.2 Die Beeren wiederum liefern Anthocyane, die zellschützend wirken und freie Radikale binden.3
Früher wurde auch die Rinde als Entgiftungs- und Reinigungsmittel verwendet. Sie enthält jedoch Blausäure in größeren Mengen, weshalb auf eine Selbstbehandlung verzichtet werden sollte. Rohe Beeren enthalten Sambunigrin, das Magenbeschwerden verursachen kann. Für Kinder unter 2 Jahren ist Holunder nicht geeignet.
Saft und Tee aus den Beeren
Traditionell werden Holundersaft und Holunderbeerentee getrunken, um die Abwehrkräfte zu stärken. Zudem soll es den Körper unterstützten bei viralen Infektionen, was durch Studien zur Wirksamkeit von Holunder bei Grippe unterstützt wird.4
Ich selbst habe sehr gute Erfahrungen mit ungesüßtem Beerensaft bei Halsweh gemacht. Hier erfährst du, wie du Holundersaft ganz einfach selbst herstellst.

Holunderblütentee
Schon bei den Ureinwohnern Nordamerikas gehörte Holunderblütentee zur Schwitzhüttenzeremonie. Der Tee ist schweißtreibend, harntreibend und schleimlösend. Des Weiteren soll Holunderblütentee fiebersenkend und schmerzlindernd wirken. Zudem kann es Rheuma- und Gichtbeschwerden sowie Heuschnupfen lindern.

Bei Schlafproblemen, vor allem im Zusammenhang mit Ängsten oder Depressionen, kann vor dem Schlafen gehen getrunkener Tee mit Holunderblüten oder ein Holunderblütenbad helfen.
Viele weitere Informationen und Rezepte zu Tees mit Wildpflanzen findest du in unserem Buch:
Holunderblütentinktur
Die Heilkräfte der Holunderblüten kannst du auch in einer hausgemachten Tinktur aufbewahren. Sie hilft unter anderem bei hartnäckigen Erkältungskrankheiten und kann äußerlich angewandt die Wundheilung unterstützen.

Naturkosmetik mit Holunderblüten
Die goldgelben Blüten des Holunders kannst du auch in hausgemachten Pflegeprodukten wie Deodorants, Hautlotionen, Blüttenwassern und mehr verwenden.

Wie du ein Deospray mit Holunderblüten herstellst, erfährst du hier.

Holunder als Färbemittel
Schon die alten Germanen verwendeten die schwarzen Beeren als Färbemittel für Leder und Stoffe sowie für Haare. Mittlerweile hat unsere Lebensmittel- und Textilindustrie Holunderbeeren als natürliches Färbemittel wiederentdeckt.
Mehr heilsame Rezepte mit Holunder und anderen Garten- und Wildkräutern findest du in diesem Buch:
Holunder erkennen und sammeln
Der bis zu 11 Meter hohe Holunderstrauch wächst überall dort, wo Menschen wohnen, und ist vielfach wild an Weges- und Waldrändern zu finden.
- Er kann bis zu 20 Jahre alt werden
- Der Stamm wird bis zu 25 cm dick
- Die Rinde ist im jungen Stadium grün mit grauen Sprenkeln, im älteren Stadium braun
- Die Blätter sind unpaarig gefiedert
- Sie haben 3-7 gezähnte, zugespitzte Einzelblätter
- Die Blüten wachsen in bis zu 30 cm großen Dolden
- Sie sind weiß und die Einzelblüten besitzen 5 Kronblätter
- Die Früchte sind rund, zunächst grün und im reifen Zustand tiefschwarz
Holunder wächst besonders gut auf Wasseradern.
- Heidböhmer E.: Gesund mit Holunder: Körper und Seele stärken mit dem vitaminreichen Alleskönner. Heidböhmer, Ellen. F.A. Herbig Verlagsbuchhandlung GmbH. 5. Auflage. 2019 ↩︎
- Ulbricht, C., Basch, E., Cheung, L., Goldberg, H., Hammerness, P., Isaac, R., Khalsa, K. P. S., Romm, A., Rychlik, I., Varghese, M., Weissner, W., Windsor, R. C. & Wortley, J. (2014). An Evidence-Based Systematic Review of Elderberry and Elderflower (Sambucus nigra) by the Natural Standard Research Collaboration. Journal Of Dietary Supplements, 11(1), 80–120. ↩︎
- Zakay-Rones, Z., Thom, E., Wollan, T. & Wadstein, J. (2004b). Randomized Study of the Efficacy and Safety of Oral Elderberry Extract in the Treatment of Influenza A and B Virus Infections. Journal Of International Medical Research, 32(2), 132–140. ↩︎
- Ulbricht, C., Basch, E., Cheung, L., Goldberg, H., Hammerness, P., Isaac, R., Khalsa, K. P. S., Romm, A., Rychlik, I., Varghese, M., Weissner, W., Windsor, R. C. & Wortley, J. (2014). An Evidence-Based Systematic Review of Elderberry and Elderflower (Sambucus nigra) by the Natural Standard Research Collaboration. Journal Of Dietary Supplements, 11(1), 80–120. ↩︎
Steckbrief
- Kurzbeschreibung
- Holunder ist ein uralter, mystischer Hausstrauch, welcher schon immer die Nähe zu Menschen suchte. Für die genussreiche Küche und zum Heilen ist er ein Tausendsassa, der uns gleich zweimal im Jahr reich beschenkt. Im Frühjahr bringt er schneeweiße Blüten hervor, im Herbst schwarze, aromatische Beeren. Dieser Strauch der Gegensätze hilft uns, Harmonie sowie ein inneres Gleichgewicht zu finden.
- Lateinischer Name
- Sambucus nigra
- Andere Namen
- Ellhorn, Flieder, Schwarzholder, Holderbusch, Eller, Holder, Höller, Kelkenbusch
- Familie
- Moschuskrautgewächse (Adoxaceae)
- Erntemonate
- Apr - Jun, Sep - Nov
- Verwendbare Pflanzenteile
- Blätter, Blüten, Früchte
- Blattform
- unpaarig gefiedert
- Blütenfarbe
- weiß
- Fundorte
- Waldränder, Wegränder, Hecken, Gärten
- Verwechslungsgefahr
- Mit dem giftigen roten Holunder, dessen Beeren sind rot und die Blüten riechen sehr unangehm, wächst meist nur im Wald
- Giftigkeit
- teilweise giftig
- Hinweise zur Giftigkeit
- Die Beeren nur im reifen Zustand und gekocht verzehren
- Inhaltsstoffe
- ätherische Öle, Bitterstoffe, Carotinoide, Flavonoide, Glykoside, Kalium, Vitamin A, Vitamin B, Vitamin C
- Eigenschaften
- anregend, antibakteriell, auswurffördernd, beruhigend, blutreinigend, entgiftend, entspannend, entzündungshemmend, fiebersenkend, harntreibend, herzstärkend, kräftigend, schleimlösend, schmerzstillend, schweißtreibend
- Hilft bei
- Augenschwäche, Bluthochdruck, Bronchitis, Erkältungen, Fieber, Gicht, Halsschmerzen, Harnwegsentzündungen, hohe Cholesterinwerte, Husten, Ischias, Nasennebenhöhlenentzündung, Nervosität, Rheuma, Schlafstörungen, Verbrennungen


















Der Holunder ist wirklich eine wunderbare Pflanze, besonders in dieser kalten Jahreszeit. Ich greife bei den ersten Anzeichen einer Erkältung immer zu selbstgemachtem Beerensaft und Holunderblütentee. Es ist erstaunlich, wie gut er dem Körper hilft, sich zu stärken und schnell wieder wohlzufühlen. Schön, dass ihr dieses wertvolle Wissen teilt, es sollte wirklich viel mehr in unseren Alltag integriert werden.
Warum schreibt ihr, dass der rote Holunder giftig ist.
Den kann man doch genau so verarbeiten, wie den Schwarzen.
Liebe Cori,
genauso wie beim schwarzen Holunder müssen die Beeren des roten Holunders gekocht werden, da sie sonst unbekömmlich sind und zu Verdauungsstörungen oder ähnlichen Problemen führen können. Giftig sind beim roten Holunder allerdings insbesondere die Kerne, was sich auch durch Kochen nicht ändert. Sie müssen daher, anders als beim schwarzen Holunder, unbedingt entfernt werden, denn ansonsten wäre die Frucht giftig – daher ist der Hinweis schon wichtig.
Liebe Grüße
Hallo liebe Leute, gerne würde ich eine Tinktur aus Holunderbeeren (also nicht Holunderblüten…) herstellen. Der normale Vorgang wäre nun, die Beeren in hochprozentigen Wodka anzusetzen und einige Wochen ziehen zu lassen. Nun sind die Beeren aber in rohem Zustand leicht giftig. Kann man trotzdem daraus eine Tinktur herstellen und wenn ja, wie genau bzw. was müsste ich da beachten? Vergiften möchte ich mich nämlich nicht… Über hilfreiche Antworten würde ich mich freuen. Danke schonmal.
Hallo!
Vielen Dank für den tollen Beitrag.
Gelten die Infos, gerade im Hinblick auf entgiftenden Tee aus den Blättern, auch auf andere Sambucus Nigra Sorten? Ich habe einen black lace im Garten.
Danke und viele Grüße
Hallo Silke,
du kannst die Beeren und Blüten des Black-Lace-Züchtung ebenso verwendet wie die des wilden Holunders.
Liebe Grüße
Dennis
Danke für die Infos! Also wenn ich rohe, getrocknete Beeren mit heißem Wasser übergieße als Tee sind sie in dem Sinne nicht mehr roh und damit nicht mehr giftig? 🤔
Ich verwende Blüten als auch Beeren. Aus den Blüten mache ich Sirup, getrocknet für Tee, Hydrolat für Kosmetik und aus den Beeren Likör, “Hollerkoch” in Gläser eingeweckt und auch Holleressig. Dieser ist eine ganz feine Sache und “dunkelviolett” sieht ganz besonders hübsch auf Salaten oder im Sommer auf Mozarella aus 🙂
Hallo, kann man Holunderblüten trocknene, damit man auch später Tee daraus zubereiten kann?
Ja, auf jeden Fall! Wir gehen gerade sehr sparsam mit den allerletzten Blüten unseres Vorrats um, damit sie noch ein paar Wochen halten 🙂 Achte beim Trocknen darauf, dass sie nicht im direkten Sonnenlicht liegen.
Ach was bin ich wieder begeistert – von der Pflanze im Ganzen und von dem guten Beitrag natürlich. Danke <3