Giersch

Der Gärtner will Giersch bekämpfen und entfernen. Dabei könnte er dieses immer nachwachsende Wildgemüse achten und sinnvoll in Ernährung und Heilung nutzen.

Giersch (Aegopodium podagraria) ist für viele Hobbygärtner eher ein Ärgernis als ein Segen. Denn er breitet sich schnell und hartnäckig aus. Doch wer sich näher mit ihm beschäftigt, entdeckt in ihm eine wahre Schatztruhe der Natur. Als Heilkraut, vitaminreiche Gemüsepflanze und pflegeleichter Bodendecker bietet er zahlreiche Einsatzmöglichkeiten für Küche, Hausapotheke und Garten.

Herkunft, Geschichte, kulturelle Bedeutung

Der Name „Zipperleinskraut“ weist bereits auf seine traditionelle Verwendung gegen Gicht („Zipperlein“) hin. Dies ist traditionell das Hauptheilungsgebiet des Giersch, so ist die Krankheit sogar Teil des lateinischen Namens – „podagraria“ bedeutet Gicht. Aegopodium bezieht sich auf das Aussehen der Blätter, welche einem Ziegenhuf ähneln. Im Volksmund wird er daher auch Geißfuß, Zipperleinskraut oder Dreiblatt genannt.

Giersch stammt ursprünglich aus Europa und Teilen Asiens. Schon im Mittelalter wurde er in Klostergärten gezielt kultiviert, insbesondere durch die Benediktinermönche, die ihn gegen Gicht und rheumatische Beschwerden einsetzten.1 Hildegard von Bingen beschrieb den Giersch als wirkungsvolles Mittel gegen schmerzhafte Gelenkentzündungen.2

Kräuterpfarrer Künzle nannte Giersch eine „herrliche Medizin“. Er nutzte ihn als Mittel gegen Krampfadern, Husten, Gicht, Rheuma und Verstopfung.3

In der Volksmedizin galt er als Kraut der Armen, da er nahezu überall wuchs und leicht zu beschaffen war.

Giersch in der Ernährung

Giersch gehört als Doldenblütler zur Familie der Gemüse- und Würzpflanzen – wie Möhre, Pastinake, Kümmel, Petersilie und Dill. Die jungen, hellgrünen Blätter schmecken angenehm mild, leicht nach Petersilie und Möhre. Sie lassen sich vielseitig verwenden. Besonders genießbar sind die jungen Triebe und Blätter. Durch regelmäßiges Ernten treiben immer wieder junge Blätter nach.

Aber die Pflanze ist nicht nur geschmacklich hervorzuheben, sie ist auch reich an Vitamin C, Provitamin A, Eisen, Kalium, Magnesium und sekundären Pflanzenstoffen.4 Gierschblätter enthalten sogar 15-mal so viel Vitamin C wie Kopfsalat!5

Die wohlschmeckenden Blätter passen gut zu Salat, in Suppen, als Spinat-Ersatz sowie als Füllungen oder auf Pizza, in Wildkräuter-Aufstrichen, im Smoothie und in einem würzigen Giersch-Pesto.

Ein würziges und gesundes Gierschpesto lässt sich in kurzer Zeit aus nur wenigen Zutaten selber machen.

Weitere köstliche Gerichte mit Giersch findest du hier.

An heißen Sommertagen kannst du den Giersch auch für eine leckere Limonade verwenden. Er eignet sich besonders gut in einem Erfrischungsgetränk für den Alltag. Er ist mild im Geschmack und gibt uns viele Mineralien wie Eisen, Magnesium, Kalzium und Kalium zurück, die der Körper im Sommer durch Schwitzen verliert.

Der Gärtner will Giersch bekämpfen und entfernen. Dabei könnte er dieses immer nachwachsende Wildgemüse achten und sinnvoll in Ernährung und Heilung nutzen.

Als aromatische Zutat für Suppen (z. B. der Gründonnerstagssuppe) und Eintöpfe oder auch zur Dekoration eignen sich die kleinen, weißen Blüten.

Samen werden frisch oder getrocknet als Gewürz verwendet.

Weitere kulinarische Anwendungen für den Giersch und andere Pflanzen findest du in unseren Buchtipps:

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Heilende Anwendungen von Giersch

Die Heilkraft des Giersch beruht vor allem auf seinen ätherischen Ölen, Flavonoiden, Cumarinen und Mineralstoffen. Wissenschaftlich wurde die Wirkung noch nicht eingehend untersucht. Doch traditionell – in der Volksmedizin – wurde er bei Gicht, Rheuma, Blasenproblemen und zur Entschlackung verwendet. Seine harntreibende Wirkung hilft, Harnstoff aus dem Körper auszuleiten, was gerade bei Gelenkerkrankungen unterstützend wirkt.

Auch äußerlich kann Giersch verwendet werden: als Umschlag bei Insektenstichen, Hautentzündungen oder geschwollenen Gelenken.6

Hinweis: In normalen Mengen ist Giersch unbedenklich. Schwangere sollten jedoch bei innerlicher Anwendung vorsichtig sein und im Zweifel ärztlichen Rat einholen. Einige Inhaltsstoffe (z. B. ätherische Öle, Cumarine) in hohen Dosen können potenziell problematisch sein, obwohl konkrete Risiken für Giersch nicht gut dokumentiert sind.

Giersch-Tee

Alternativ zum Verzehr des frischen Krauts kann auch ein Tee aus den Blättern getrunken werden. Der Gierschtee unterstützt bei Blasenentzündung und Schnupfen. Außerdem wird er traditionell dafür verwendet, schädliche Stoffe aus dem Körper auszuschwemmen. Für den Tee 250 ml kochendes Wasser über zwei Esslöffel des Krauts geben und nach zehn Minuten abseihen.

Der Gärtner will Giersch bekämpfen und entfernen. Dabei könnte er dieses immer nachwachsende Wildgemüse achten und sinnvoll in Ernährung und Heilung nutzen.

Äußerlich können Umschläge mit dem Tee bei Insektenstichen, Verbrennungen und Hämorrhoiden helfen.

Badezusatz

In der Volksmedizin wird für eine lindernde Wirkung bei Gicht, Rheuma, Hexenschuss und Ischiasschmerzen ein Gierschabsud dem Badewasser zugegeben. Hierzu 500 g Giersch mit genügend Wasser aufkochen, etwa 15 Minuten stehen lassen und dann dem Badewasser zugeben.

Der Absud der Blätter wirkt auch beruhigend bei Hautreizungen und kann als Gesichtswasser verwendet werden. Die enthaltenen Gerbstoffe und ätherischen Öle sorgen für eine klärende Wirkung.

Eine alternative ist dieser selbstgemachte Badezusatz mit Giersch.

Ein Rheumabad lindert entzündliche Gelenkschmerzen. Medizinische Badezusätze gibt es zwar zu kaufen, sie lassen sich mit Giersch aber leicht selber machen.

Hier findest du ein Rezept für eine selbstgemachte Salbe mit Giersch.

Anwendungen im Garten

Wer Giersch bewusst anbauen möchte, sollte ihm einen abgrenzbaren Platz bieten, etwa in einem großen Topf oder Hochbeet. Ideal ist ein halbschattiger Standort mit humusreichem, feuchtem Boden. Die Pflanze vermehrt sich über Rhizome und Samen. Regelmäßiges Ernten verhindert eine unkontrollierte Ausbreitung.

Tipp: Wenn Giersch im Garten überhandnimmt, kann ihm sozusagen ein Zaun aus Buschbohnen gezogen werden. Denn diese mag Giersch nicht.

Giersch eignet sich auch für einen selbst gemachten Dünger. Er ist reich an Mineralien, insbesondere Kalium und hilft stark zehrenden Pflanzen wie Kartoffeln, Gurken, Tomaten, Paprika oder Kürbis.

Der Gärtner will Giersch bekämpfen und entfernen. Dabei könnte er dieses immer nachwachsende Wildgemüse achten und sinnvoll in Ernährung und Heilung nutzen.

Erkennung und Sammeltipps

Der Gärtner will Giersch bekämpfen und entfernen. Dabei könnte er dieses immer nachwachsende Wildgemüse achten und sinnvoll in Ernährung und Heilung nutzen.

Giersch hat keine besonderen Ansprüche an den Standort und ist am Rande von Wegen und Wäldern, unter Hecken, in Parks und in Gärten zu finden. Von den giftigen Vertretern der Doldenblütler unterscheidet er sich in seiner Blattform.

  • Die Blätter haben einen dreikantigen, bis zu 20 cm langen Stiel und sind dreigeteilt
  • Sie sind spitz, leicht behaart und haben einen gezähnten Rand
  • Der Blütenstängel wird bis zu 90 cm hoch und ist leicht kantig bis rund
  • Oben sitzt eine 12–18 strahlige Doldenblüte
  • Die abgeflachten Samen sind etwa 3 mm groß
  • Die ganze Pflanze verströmt den typischen Gierschgeruch

Wenn du dir unsicher bei der Bestimmung von Wildkräutern bist, empfehlen wir die Teilnahme an einer Wildkräuterwanderung und Pflanzenbestimmungsbücher wie dieses:

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  1. Giersch – Die vergessene Heilpflanze: Von Schmerzen befreit: Mein Weg zur Heilung von Rheuma mit der Kraft der Natur: Spieler, Gundula. ↩︎
  2. Die Ernährungstherapie der Hildegard von Bingen: Rezepte, Kuren und Diäten (Ganzheitliche Naturheilkunde mit Hildegard von Bingen) : Strehlow, Dr. Wighard. ↩︎
  3. Pflanzencode: Der Schlüssel zum Pflanzenreich: Kleindienst-John, Ingrid. ↩︎
  4. Ternes, W., Täufel, A., Tunger, L. & Zobel, M. (2005). Lebensmittel-Lexikon ↩︎
  5. Franke, Dr. Wolfgang, 1995 „Wildgemüse“ ↩︎
  6. Jakubczyk, K., Łukomska, A., Czaplicki, S., Wajs-Bonikowska, A., Gutowska, I., Czapla, N., Tańska, M. & Janda-Milczarek, K. (2021). Bioactive Compounds in Aegopodium podagraria Leaf Extracts and Their Effects against Fluoride-Modulated Oxidative Stress in the THP-1 Cell Line. Pharmaceuticals, 14(12), 1334. ↩︎

Steckbrief

Kurzbeschreibung
Ausdauernde, krautige Pflanze mit dreigeteilten Blättern und weißen Doldenblüten
Lateinischer Name
Aegopodium podagraria
Andere Namen
Dreiblatt, Erdholler, Geißblatt, Geißfuß, Bodenholunder
Familie
Doldenblütler (Apiaceae)
Erntemonate
Mrz - Sep
Verwendbare Pflanzenteile
Blätter, Blüten, Samen, Triebe
Blattform
dreizählig, gefiedert
Blütenfarbe
weiß
Fundorte
lichte Laubwälder, Heckenränder, Wegränder, Parks und Gärten
Verwechslungsgefahr
mit anderen Doldenblütlern, die auch hochgiftige Vertreter haben
Giftigkeit
ungiftig
Hinweise zur Giftigkeit
Ungiftig, aber auf sichere Bestimmung achten
Inhaltsstoffe
ätherische Öle, Bor, Cumarine, Eisen, Flavonglykoside, Harze, Kalium, Kalzium, Kupfer, Magnesium, Mangan, Saponine, Titan, Vitamin A, Vitamin C
Eigenschaften
antibakteriell, antimykotisch, entsäuernd, entzündungs­­hemmend, harntreibend, kräftigend
Hilft bei
Blasenentzündungen, Erkältungen, Frühjahrsmüdigkeit, Gicht, Hämorrhoiden, Husten, Insektenstiche, Ischias, Rheuma, Verbrennungen, Verstopfung
Erkennung / Sammeltipps
Dreikantiger Stiel, möhriger Geruch, dreigeteilte Blätter
Anbau
Im Topf oder Garten möglich, wuchert schnell

21 Kommentare
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  1. Der Girsch hat sein typisches Geruch! Man kann es nicht verwechseln! Sehr empfehlenswert beim Gicht und Rhema als Tee ,Tinktur oder Salbe!

    Antworten
  2. Ich habe irgendwo mal gehört oder gelesen (weiß nicht mehr wo), dass man nur Girsch von bestimmten Standorten essen darf. Stimmt das oder habe ich da was falsch verstanden?

    Antworten
    • Wie auch bei allen Gemüsen soll natürlich der Boden nicht mit Pflanzenschutzmitteln jeder Art oder Dünger behandelt bzw kontaminiert sein. Dann kann der Giersch gegessen werden. Richtig zubereitet schmeckt er gut.

  3. Ich habe eine Frage: kann man die Giersch Blätter auch trocknen? Ich habe in dem sehr interessanten Artikel nichts darüber gefunden…

    Antworten
    • Franziska Knecht
      Franziska

      Hallo Antje, an sich spricht nichts dagegen den Giersch zu trocknen. Diese kannst du beispielsweise zum Würzen verwenden wie andere getrocknete Kräuter. Bekannter ist jedoch die Verwendung von getrockneten Samen zum Würzen.
      Liebe Grüße

    • Ich trockne den Giersch jedes Jahr. Wenn er getrocknet ist, zerreibe ich ihn zwischen den Händen leicht und fülle das in verschließbare Gläser. Mache ich an verschiedene Speisen.

  4. Welche ätherische Öl enthält Giersch?
    Kann das je nach Standort variieren?

    Antworten
  5. Amicus Curiae

    Jeden Tag mehrere Blätter aus das Brot, eine Knofizehe (zum Leidwesen der Mitmenschen…) kleingehackt und weiteres Grün/Rotgewächs, einen Apfel, eine Apfelsine und das Gewicht stabil halten, perfekt.

    Dann Brennessel im Küchenpapier gedrückt und geklopft, anschließend daraus im Mixer ein Tagesgetränk, sättig und schmeckt.

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  6. Gert Lettgen

    Schade, dass ich das Buch nicht bekommen kann. Überall kann ich mit Kreditkarte recht einfach bezahlen. Hier leider nicht, extra Passwort hier Zusatz-SMS dort. Am Ende sollte ich noch einmal bei meiner Bank anrufen, um ein Passwort zu erfragen. Das ist mir offen gestanden zu kompliziert.

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  7. Michaela Jung

    Ich hab gerade den Bericht entdeckt, da ich eine Pflanze in meinem Garten für Giersch halte. Gibt es auch ähnlich aussehnde Pflanzen, die giftig sind? “Unsere” Blätter sind irgendwie nicht ganz so spitz und blühen hab ich sie auch noch nie sehen. Sie wachsen zwischen Lavendel, Astern und Goldähren.

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    • Hallo Michaela, es besteht eine leichte Verwechslungsgefahr mit anderen Doldenblütlern. Wie bei allen Wildpflanzen sollte man sehr genau hinsehen. Sehr typisch für den Giersch sind seine dreikantigen Stiele. Wenn du unsicher bist, kannst du vielerorts an einer Wildkräuterwanderung teilnehmen und die Pflanzen direkt in der Natur mit Experten kennenlernen. Hier findest du vielleicht einen Anbieter in deiner Region: kostbarenatur.net/verzeichnis/

  8. Michael Herrmann

    Hi, ich glaube ich hab mir jetz mein Pesto aus der falschen Pflanze gemacht…. Ich war mir so sicher das da Giersch in unserem Hof wächst… Bitte kann mir einer sagen was ich mir da jetz einverleibt habe XD https://uploads.disquscdn.com/images/be5c91c038e739d8836a1bcb09f2c0d0a75751a5bb2dacde90627bc227ca07d1.jpg https://uploads.disquscdn.com/images/2cdb97a3ea2066cde27863a79d603c29839b853e39fa46eaf1c67405882d0e64.jpg

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  9. Wir freuen uns auf deinen Bericht!

    Antworten
  10. Light In The Wild

    Schöner und informativer Artikel über den Girsch. Ich selbst verwende ihn auch immer wieder in der Küche, er schmeckt mir nur nicht besonders 😉
    Die Idee mit dem Zaun aus Buschbohnen kannte ich noch nicht, hört sich interessant an. Wenn ich einen Garten mit Girsch hätte, würde ich es gleich probieren.

    LG und weiter so, Aaron 🙂

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    • Danke Aaron, wie bei allen Nahrungsmitteln ist es eine Geschmackssache, und manche von uns brauchen den Girsch einfach nicht.

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