Dill

Dillkraut und Dillsamen enthalten wertvolle Vitalstoffe und verdienen einen festen Platz im Garten, in der Küche und in der Hausapotheke.

Schon beim Gedanken an frischen Gurkensalat steigt vielen der Duft von Dill (Anethum graveolens) in die Nase. Das feine Kraut ist in unseren Küchen allgegenwärtig und doch wissen viele nicht, wie vielseitig es wirklich ist. Dill schmeckt nicht nur wunderbar – er wirkt auch wohltuend auf Verdauung, beruhigt Nerven und kann sogar bei Einschlafproblemen helfen. Seine filigranen Blättchen und der aromatische Duft machen ihn unverwechselbar.

Kulturelle Bedeutung und Geschichte

Schon im alten Ägypten fand Dill als Heil- und Gewürzpflanze vielseitige Verwendung. Im berühmten Papyrus Ebers wird das Kraut innerlich gegen Schmerzen und äußerlich bei Gefäßbeschwerden an Schultern und Oberschenkeln empfohlen.

Auch in der griechischen Antike war Dill hochgeschätzt. Hippokrates empfahl ihn als mild abführendes und reinigendes Mittel für den Uterus. Einige Jahrhunderte später führte Dioskurides Dill in seiner Materia Medica1 als Heilpflanze gegen Leibschmerzen und Blähungen an, während Plinius und Galen seine Wirkung bei Magen- und Darmerkrankungen beschrieben.

Die Römer setzten Dill zusätzlich zur Wundbehandlung ein und gaben ihn sogar den Gladiatoren, um deren Widerstandskraft zu stärken.

Auch in der mittelalterlichen Klostermedizin spielte die Pflanze eine Rolle: Hildegard von Bingen schrieb in ihrer Physica2, dass roher Dill traurig mache, gekochter hingegen bei Gicht helfe und sogar als Aphrodisiakum wirksam sei.

In der Ernährung

Dill bringt nicht nur Geschmack in die Küche, sondern auch viele wertvolle Nährstoffe. Vor allem die Blätter, aber auch die Samen sind essbar. Die grünen Dillspitzen enthalten für ein Kraut reichlich Vitamin C, Beta-Carotin, Eisen und Kalzium.3 Du kannst sie frisch über Kartoffeln, Salate oder Fischgerichte streuen – so bleiben Aroma und Nährstoffe erhalten.

Quark mit Gurke und Dill

Das erfrischende Aroma des Dills passt hervorragend zu Quark. Für eine Portion Kräuterquark mit Dill benötigst du folgende Zutaten:

  • 1 Bund frischen Dill
  • ½ Salatgurke
  • 2–3 Zehen Knoblauch
  • 250 g Quark
  • 100 g saure Sahne
  • 1 EL hochwertiges Pflanzenöl
  • 1 EL Balsamico-Essig
  • Salz und Pfeffer

Die Zubereitung erfordert nur wenige Handgriffe:

  1. Den Dill waschen und fein hacken.
  2. Die Salatgurke fein hobeln und den Knoblauch pressen.
  3. Den Quark, die saure Sahne, das Pflanzenöl und den Essig in eine Schüssel geben und gründlich verrühren.
  4. Den gehackten Dill, die gehobelte Gurke und den Knoblauch dazugeben und alles noch einmal gut vermengen.
  5. Mit Salz und Pfeffer abschmecken.

Für mehr Abwechslung kannst du zahlreiche Wildkräuter verwenden. Eine Auswahl findest du in diesem Rezept für Kräuterquark.

Schüttelgurken

Blitzgurken, auch sogenannte Schüttelgurken, sind eine zeit- und arbeitssparende Alternative zu klassisch eingelegten Gurken. Sie werden roh eingelegt und sind nach wenigen Stunden fertig.

Folgende Zutaten werden benötigt:

  • 2 Salatgurken
  • 70 ml Essig
  • 2 EL Zucker
  • 4 TL Salz
  • 3 TL Senfkörner
  • 2–4 Zweige frischer Dill

So bereitest du die Schüttelgurken zu:

  1. Den Dill waschen, trockentupfen und fein hacken.
  2. Die Gurken in mundgerechte Würfel schneiden.
  3. Die Gurkenwürfel zusammen mit den restlichen Zutaten in ein Schraubglas geben und das Glas fest verschließen.
  4. Das Glas kräftig schütteln, damit sich alle Zutaten verteilen und alle Gurkenwürfel benetzt sind.
  5. Die Schüttelgurken in den Kühlschrank stellen und für mindestens zwei Stunden durchziehen lassen, dabei gelegentlich herausnehmen und kurz aufschütteln.

Heilende Anwendungen

Dill wirkt beruhigend, entblähend und fördert die Verdauung4 5 6. Verantwortlich dafür sind ätherische Öle wie Carvon und Limonen, sowie Flavonoide und Gerbstoffe. Ein Aufguss aus Dillfrüchten hilft traditionell bei Magen-Darm-Beschwerden und wirkt krampflösend. Besonders bei Babys wird Dillwasser gegen Koliken eingesetzt. 7 Auch Stilltee-Mischungen enthalten oft Dill, da er traditionell die Milchbildung fördern soll.

Äußerlich kann Dill bei leichten Hautreizungen lindernd wirken, etwa als Bestandteil von Kompressen.8 Wegen seiner beruhigenden Eigenschaften wird Dill auch bei innerer Unruhe, Einschlafproblemen und nervösem Magen empfohlen.9

Wichtig: Dillöl in konzentrierter Form sollte nicht innerlich eingenommen werden – es kann in hohen Dosen giftig wirken. Schwangere sollten mit dem Verzehr vorsichtig sein und auf größere Mengen verzichten.

Dillsamen-Aufguss

Ein Teeaufguss mit Dillsamen wirkt entspannend und kann helfen, Unterleibskrämpfe zu lindern. Er wird wie folgt zubereitet:

  1. Ein Teelöffel Dillsamen im Mörser zerkleinern.
  2. Dillsamen in eine Tasse geben, mit heißem Wasser übergießen und für circa 10 Minuten zugedeckt ziehen lassen.
  3. Den fertigen Tee durch ein Sieb abgießen.

Pro Tag können bis zu drei Tassen Dillsamen-Tee getrunken werden. Wer möchte, gibt noch einen Löffel naturbelassenen Honig dazu.

Tipp: Als Zutat in einem selbst gemischten Stilltee wirken Dillsamen Blähungen beim Kind entgegen und regen die Milchbildung an.

Dill-Wein

Bei Verdauungsproblemen und Einschlafschwierigkeiten kann ein selbst gemachter Dill-Wein Abhilfe verschaffen. Dazu wird ein Teelöffel Dillsamen mit dem Mörser zerkleinert und mit einer Tasse (ca. 200 ml) heißem Weißwein übergossen. Die Mischung fünf Minuten ziehen lassen und anschließend durch ein Sieb gießen.

Den fertigen Dill-Wein vor dem Essen oder vor dem Zubettgehen in kleinen Schlucken trinken.

Aussehen und Erkennungsmerkmale

Dillkraut und Dillsamen enthalten wertvolle Vitalstoffe und verdienen einen festen Platz im Garten, in der Küche und in der Hausapotheke.

Dill ist eine einjährige Pflanze mit zartem, federigem Laub und einem charakteristischen, würzigen Geruch. Besonders leicht erkennt man ihn an seinem luftigen, fast filigranen Wuchs.

  • Wuchsform: aufrecht, bis ein Meter hoch
  • Blätter: fein gefiedert, nadelartig, hellgrün
  • Blüten: kleine, gelbe Doldenblüten
  • Stängel: dünn, gerillt, oft verzweigt
  • Wurzel: dünne Pfahlwurzel
  • Geruch: typisch würzig, leicht süßlich

Verwechslungen sind möglich mit dem Fenchel oder dem wilden Kümmel, wobei der Geruch als deutliches Unterscheidungsmerkmal dient. Dill wächst am liebsten an sonnigen, windgeschützten Plätzen mit lockeren, humusreichen Böden. Wild ist er selten geworden, aber im Garten oder Balkonkasten lässt er sich leicht ziehen.

Die Blütezeit reicht von Juni bis August. Geerntet werden können die frischen Spitzen den ganzen Sommer über, die Samen ab Spätsommer.

Anbautipps

Dill lässt sich problemlos im Garten oder auf dem Balkon kultivieren. Wichtig ist ein sonniger, geschützter Standort mit lockerem, nährstoffreichem Boden. Staunässe verträgt er nicht. Am besten sät man Dill direkt ins Beet, da er empfindlich auf Umpflanzen reagiert.

Die Aussaat erfolgt ab April bis in den Juli. Eine Nachsaat sichert eine längere Erntezeit.

Gedüngt werden sollte sparsam – Kompost reicht meist aus.

Die Ernte der frischen Triebe beginnt etwa sechs Wochen nach der Aussaat. Um Samen zu gewinnen, lässt du einige Pflanzen bis zur Blüte und Samenreife stehen.

  1. Klaudios Galenos. Die “Materia medica” (1894) ↩︎
  2. Hildegard von Bingen. Physica. ↩︎
  3. Naehrwertrechner. Zuletzt aufgerufen am 12.11.2025 ↩︎
  4. Naseri, M., et al. (2012). Antispasmodic effect of Anethum graveolens fruit extract on rat ileum. Journal of Ethnopharmacology, 144(3), 764–768. ↩︎
  5. Heamalatha, S., et al. (2011). Phytochemical analysis and biological activities of Anethum graveolens L. International Journal of Pharmacy and Pharmaceutical Sciences, 3(4), 374–380. ↩︎
  6. Bisset, N. G., & Wichtl, M. (Hrsg.). (2001). Herbal Drugs and Phytopharmaceuticals (3. Aufl.). Stuttgart: Medpharm. ↩︎
  7. Heidarifar, R., Mehran, N., Heidari, A., Tehran, H. A., Koohbor, M. & Mansourabad, M. K. (2014, 1. April). Effect of Dill (Anethum graveolens) on the severity of primary dysmenorrhea in compared with mefenamic acid: A randomized, double-blind trial. https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC4115348/ ↩︎
  8. Madaus, G. (1938). Lehrbuch der biologischen Heilmittel. Leipzig: Thieme. ↩︎
  9. Hosseinzadeh, H., et al. (2002). Anxiolytic and hypnotic effect of Anethum graveolens in mice. Pharmaceutical Biology, 40(5), 352–355. ↩︎

Steckbrief

Kurzbeschreibung
Sein intensives Aroma und seinen typischen Geschmack entfaltet Dill vor allem dann, wenn man das frische Kraut verwendet. Als Küchenkraut werden überwiegend die federartigen Blättchen verzehrt und dienen zum Beispiel als klassische Würze für Gurken, Salat, Quarkspeisen und Fisch. Dill ist aber nicht nur ein aromatisches Gewürz. Sein hoher Gehalt an Mineralstoffen und Vitaminen macht ihn auch besonders gesund. Die in den Dillsamen enthalten ätherischen Öle wirken entspannend, krampflösend sowie verdauungsfördernd, weshalb sie auch zu Heilzwecken eingesetzt werden können.
Lateinischer Name
Anethum graveolens
Andere Namen
Gartendill, Gurkendill, Gurkenkraut
Familie
Doldenblütler (Apiaceae)
Erntemonate
Mai - Aug
Verwendbare Pflanzenteile
Blätter, Blüten, Samen, Stiele, Triebe
Blattform
fiederteilig, nadelförmig
Blütenfarbe
gelb, grün
Verwechslungsgefahr
mit dem Gefleckten Schierling (giftig)
Giftigkeit
ungiftig
Inhaltsstoffe
ätherische Öle, Carvon, Limonen, Mineralstoffe, Vitamine
Eigenschaften
antibakteriell, beruhigend, krampflösend, verdauungsfördernd
Hilft bei
Magenkrämpfe, Nervosität, Übelkeit, Verdauungsprobleme
Erkennung / Sammeltipps
typischer Geruch, feine Blätter, gelbe Dolden
Anbau
unkompliziert, liebt Sonne und humusreiche Erde

Über mich

Linda probiert gerne Neues - ganz egal, ob am Ende etwas Essbares, ein Putzmittel oder Naturkosmetik herauskommt. Ihre liebste Wildpflanze ist die Schafgarbe!

3 Kommentare
Kommentar verfassen

  1. Liebes Team,
    was für ein toller Beitrag über Dill! Ich wusste ehrlich gesagt gar nicht, wie viele heilende Anwendungen das Kraut neben den bekannten kulinarischen Seiten hat.
    Besonders der Dillsamen-Aufguss für entspannte Momente klingt jetzt in der kühleren Jahreszeit besonders reizvoll.

    Tessa

    Antworten
  2. Ben Hauser

    Ihr Lieben, vielen Dank für diese interessanten Details über Dill! Ich nutze schon länger den Dillsamen-Aufguss und kann die wohltuende Wirkung bei Magen-Darm-Beschwerden absolut bestätigen, das ist wirklich eine Erleichterung. Es ist immer wieder schön, bei euch so fundierte Informationen zu finden.

    Antworten
  3. schweizer erika

    Dill-Samen kommen bei mir in eine separate Mühle: damit habe ich immer ein Gewürz!!

    Antworten

Kommentar verfassen

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert

The maximum upload file size: 32 MB. You can upload: image, audio, video, document, spreadsheet, interactive, text, archive, code, other. Links to YouTube, Facebook, Twitter and other services inserted in the comment text will be automatically embedded. Drop file here

Neu: Jetzt anmelden um schneller zu kommentieren, Favoriten zu speichern und weitere Community-Funktionen zu erhalten. Login/Registrierung 

Loading..

Bitte melde dich an, um diese Funktion zu nutzen.

Login/Registrieren

Kostbare Natur in deinem Postfach: Jetzt zum Newsletter anmelden!