Gundermann
Der Gundermann (“Glechoma hederacea“) mag auf den ersten Blick unscheinbar wirken, doch dieses kleine, kriechende Kraut hat es in sich. Schon unsere Vorfahren wussten seine heilenden Kräfte zu schätzen, vor allem bei Erkältungen, Wunden und Verdauungsproblemen. Heute erlebt Gundermann eine Renaissance als Wildkraut in der Küche und als natürliches Heilmittel. Er hilft bei schlecht heilenden eitrigen Wunden und Bronchitis, Harnwegserkrankungen oder Schnupfen. Überall da, wo Eiter und Schleim fließt, ist Gundermann angesagt.
Bei allen Anwendungen werden die Blätter, Triebe und – wenn vorhanden – die Blüten genutzt.
Herkunft, Geschichte, kulturelle Bedeutung
Botanisch heißt der Gundermann Glechoma hederacea. Im Volksmund kennt man ihn auch unter Namen wie Gundelrebe, Erdefeu, Donnerrebe oder Katzenkraut. Er gehört zur Familie der Lippenblütler (Lamiaceae).
Der Gundermann ist in Europa und Teilen Asiens heimisch und wurde schon von den Germanen hoch geschätzt. Einigen Quellen zufolge soll sich sein Name vom altdeutschen „Gund“ ableiten, was so viel wie „Eiter“ oder „Wundsekret“ bedeutet. Schon im Mittelalter verwendete Hildegard von Bingen die Pflanze zur Hebung der Stimmung und bei Kopfschmerzen aller Art.1
Auch Sebastian Kneipp lobte Gundermann als stoffwechselfördernd und lindernd bei Blasen-, Darm- und Magenleiden. Der Kräuterpfarrer bezeichnete die Pflanze auch als: „Heil aller Welt“.2
In der Volksmedizin wurde er zum Schutz vor „bösen Geistern“ an Türrahmen gehängt und es gibt auch Überlieferungen, nach denen er als Zauberpflanze gegen Hexen verwendet wurde.
Heute rückt der Gundermann durch das wachsende Interesse an Wildkräutern wieder in den Fokus gesundheitsbewusster Menschen.
In der Ernährung
Der Gundermann gehört, wie viele unserer Küchenkräuter (Pfefferminze, Thymian, Rosmarin, Bohnenkraut und andere), zu den Lippenblütlern. Er riecht und schmeckt aromatisch. Daher wird er auch “Wilde Petersilie” genannt. Er verleiht Gerichten mit seinem herb-würzigen, leicht minzigen Aroma eine besondere Note. Darüber hinaus enthält er wertvolle Inhaltsstoffe wie Vitamin C, Gerbstoffe, Bitterstoffe und Flavonoide.
So vielfältig wie Petersilie, kann auch der Gundermann zahlreiche Gerichte aufpeppen – von Dressings und Salaten, hin zu Butterbroten und mehr.
Gundermann-Dressing
- 100 ml Olivenöl
- 4 Stängel Gundermann
- 1 Bio-Zitrone
- 3 frische Knoblauchzehen (alternativ: 1 große getrocknete Zehe)
- 1 TL Wasser
- 2 TL Honig, Rübensirup, Agavendicksaft oder ähnliche Süße
- Salz und bunter Pfeffer zum Abschmecken
Zitrone waschen, trocknen und etwa einen Teelöffel der Schale reiben. Die Frucht anschließend auspressen und den Saft mit Wasser, Honig/Rübensirup, Olivenöl in einen Mixer geben. Gundermann-Blättchen abzupfen und dazugeben. Alles für einige Sekunden lang durchmixen und mit Salz und Pfeffer abschmecken.

Mit dem Gundermann lassen sich aber auch viele süßen Speisen zaubern: Gundermann-Eiscreme und
-Schokoblättchen sind einige leckere Verführungen. Als sommerliche Erfrischung empfiehlt sich eine Gundermann-Limonade auf Apfelschorlenbasis.
Die Blüten sind eine feine Dekoration auf Smoothies oder Nachspeisen.
Auch in unserem Rezept für Wildkräuterfrischkäse gegen Frühjahrsmüdigkeit und unseren veganen Wildkräuter-Brotaufstrichen wird Gundermann verarbeitet.
Ein Rezept für die Gründonnerstagssuppe mit Gundermann findest du hier.

Heilende Anwendungen
Gundermann ist reich an ätherischen Ölen, Flavonoiden, Gerbstoffen und Bitterstoffen, die ihm seine heilende Wirkung verleihen. In der Phytotherapie wird er traditionell bei Erkältungskrankheiten, chronischer Bronchitis und Entzündungen im Mundraum eingesetzt. Die schleimlösenden Eigenschaften helfen dabei, die Atemwege zu befreien.
Auch bei Magen-Darm-Beschwerden kann Gundermann unterstützend eingesetzt werden, da er die Verdauung anregt und gleichzeitig beruhigend auf die Schleimhäute wirkt. Äußerlich hilft er als Umschlag oder Tinktur bei schlecht heilenden Wunden und Hautproblemen.3
Eine aktuelle in-vitro Studie aus 2023 belegt, dass Gundermann den negativen Effekt von oxidativen Stress lindern kann.4
Achtung: Nicht in großen Mengen verzehren, da die enthaltenen Bitterstoffe in Überdosis den Magen reizen können. Schwangere sollten Gundermann meiden.
Milchgetränk mit Gundermann
Gundermann enthält viele ätherische Öle. Daher wurde er früher in Form eines heilsamen Milchgetränks als Naturheilmittel gekocht – die Öle werden durch den Fettgehalt der Milch gebunden.
Für die Zubereitung in Milch eignet sich vor allem fette Milch. Zwei Esslöffel des frischen Krautes mit 500 ml Milch aufkochen und 15 Minuten ziehen lassen, abseihen und warm trinken. Die mit den fettlöslichen Heilstoffen zubereitete Milch eignet sich auch als Kräftigungsmittel.
Gundermann-Tee
Für den Gundermann-Tee übergieße zwei Esslöffel des Krautes mit 500 ml kochendem Wasser und lasse des Getränk 10 Minuten zugedeckt ziehen. Bei Erkältungserscheinungen, Blasen- und Nierenproblemen und Verschleimung der Lunge zwei Tassen am Tag trinken. Außerdem ist der Tee appetitanregend und kann Schmerzen lindern.
Der Tee kannst du auch äußerlich zu Waschungen oder Auflagen für Wunden nutzen. Als Mundspülung hilft er bei Zahnschmerzen und eitrigen Zahnfleischentzündungen.

Saft
Mit einer Kräuterpresse kann aus der Gundelrebe ein Kräutersaft gepresst werden. Bei Beschwerden dreimal täglich einen Esslöffel (Kinder einmal täglich einen Esslöffel) einnehmen.
Wer keine Kräuterpresse besitzt, kann das Kraut auch mit etwas Wasser im Smoothiemixer zerkleinern und gegebenenfalls noch durch ein Tuch seihen.
Tinktur
Die Tinktur kann aus dem Saft der Gundelrebe oder aus den fein geschnittenem Kraut hergestellt werden. Der Saft wird zur gleichen Menge mit hochprozentigem Alkohol vermischt oder das geschnittene Kraut mit dem Alkohol übergossen, so dass alles bedeckt ist.
Für drei Wochen ziehen lassen, dann abseihen und in eine dunkle Tropfflasche füllen.
Als Alternative zu einer Tinktur mit Alkohol, kannst du aber auch diese Natron-Tinktur mit Gundermann ansetzen.

Badezusatz
Bei schlecht heilenden, eitrigen Wunden oder Geschwüren kann auch ein Badezusatz mit der Gundelrebe helfen. Gib dazu eine Handvoll Kraut auf je ein Liter Wasser und koche es auf. Verwende für ein Vollbad bis zu fünf Liter des Zusatzes.
Wunderblättchenöl
Eine Besonderheit ist das sogenannte Wunderblättchenöl. Es wird zum Einreiben schlecht heilender Wunden verwendet.
Für das Wunderblättchenöl benötigst du zwei große Hände voll frisches Gundermannkraut. Diese in ein Schraubglas geben und wie Sauerkraut zusammenstampfen. Sobald die Blättchen eng zusammengepresst sind, das verschlossene Glas für einige Tage an einen warmen und sonnigen Ort stellen. Am Boden des Glases bildet sich eine Flüssigkeit. Seihe diese ab und verwahre sie in einer dunklen Flasche kühl auf. Das Öl wird im Hochsommer, am besten um die Sonnenwende, hergestellt.
Mehr Informationen und Rezepte für den Gundermann und weitere verbreitete Wildkräuter findest du in unseren Buchtipps:
Erkennung und Sammeltipps

Der Gundermann wächst in Bodennähe und kriecht die Erde entlang. Man findet ihn in lichten Wäldern, auf feuchten Wiesen und an Mauern. Er versteckt sich gern und manchmal musst du etwas nach ihm suchen. Oft ist er auch im Beet zwischen Erdbeeren zu sehen.
- Der Stengel ist vierkantig, was aber erst zu sehen ist, wenn er etwas fester wird.
- Zur Blütezeit von April bis Juni stellt sich der Stengel auf.
- Die Blätter stehen gegenständig mit einem kurzen Stiel am Stengel.
- Sie sind rundlich und gewellt oder gekerbt und etwa 0,5-3 cm groß.
- Die blauvioletten Blüten sind sehr klein und lippenförmig.
- Sie wachsen direkt am Stengel bei den Blättern.
Beim Pflücken kann man das typische Gundermannaroma riechen. Die Pflanze ist das ganze Jahr über zu finden und wächst auch unter der Schneedecke weiter.
- Bingen. H. von; Physica. Liber subtilitatum diversarum naturarum creaturarum (2014). 1. Auflage. De Gruyter ↩︎
- Feder. J.; Feders kleine Kräuterkunde: Das Essen liegt auf der Straße (2017). 1. Auflage. Rowohlt ↩︎
- Baur-Müller, Birgit. Westliche Heilpflanzen in der chinesischen Medizin: Von der Musterdiagnose zur Rezeptur. 1. Auflage. (2016) ↩︎
- Sławińska, N., Kluska, M., Moniuszko-Szajwaj, B., Stochmal, A., Woźniak, K. & Olas, B. (2023). New Aspect of Composition and Biological Properties of Glechoma hederacea L. Herb: Detailed Phytochemical Analysis and Evaluation of Antioxidant, Anticoagulant Activity and Toxicity in Selected Human Cells and Plasma In Vitro. Nutrients, 15(7), 1671. https://doi.org/10.3390/nu15071671 ↩︎
Steckbrief
- Kurzbeschreibung
- Der Name Gundermann oder auch Gundelrebe rührt von der Heilkraft dieses Krautes bei Eiter, denn dieses wurde früher oft “Gund” genannt. Gundermann ist ein wichtiger Bestandsteil der Gründonnerstagssuppe, die aus neunerlei Kräutern am Gründonnerstag zubereitet wurde und in manchen Gegenden noch heute gekocht wird. Ein alter Brauch bei unseren Vorfahren war es, Kränze aus den langen und biegsamen Stengeln des Gundermann zu winden. Die Kränze waren ein Zeichen der Verbundenheit mit der Natur und den Göttern.
- Lateinischer Name
- Glechoma hederacea
- Andere Namen
- Blauhuder, Gundam, Erdkränzl, Buldermann, Donnerrebe, Hederich, Erdefeu, Grundrebli, Gundelrieme, Huder, Zickelkräutchen, Silberkraut, Soldatenpetersilie
- Familie
- Lippenblütler Lamiaceae
- Erntemonate
- ganzjährig
- Verwendbare Pflanzenteile
- Blätter, Blüten, Triebe
- Blattform
- herzförmig, nierenförmig
- Blütenfarbe
- blau, violett
- Fundorte
- feuchte Wiesen, lichte Wälder, Gärten, Böschungen
- Verwechslungsgefahr
- Rote Taubnessel, kriechender Günsel, Knoblauchsrauke, Ehrenpreis, alle diese Pflanzen sind giftfrei und haben nicht den typischen Gundermanngeruch
- Giftigkeit
- ungiftig
- Warnungen
- Gundermann ist zwar für den Menschen ungiftig, aber für manche Tiere giftig, insbesondere Pferde.
- Inhaltsstoffe
- ätherische Öle, Bitterstoffe, Cholin, Flavonoide, Gerbstoffe, Kalium, Saponine, Vitamin C
- Eigenschaften
- auswurffördernd, entzündungshemmend, krampflösend, schleimlösend, trocknend, wundheilend, zusammenziehend
- Hilft bei
- Blasenprobleme, Bronchitis, Ekzeme, Gallensteinkoliken, Halsschmerzen, Husten, Lungenentzündungen, Nierenprobleme, Schwäche, Zahnfleischentzündungen, Zahnschmerzen











Liebes Team, was für ein schöner Beitrag über den Gundermann! Ich liebe es, ihn schon jetzt im Garten zu entdecken.
Für die trockene Winterhaut mache ich mir gerne mal einen schnellen Aufguss als Handbad – einfach ein paar frische Blättchen mit warmem Wasser übergießen und kurz ziehen lassen, das beruhigt ungemein. ✨
Liebe Grüße, Pakko
Kostbare Natur, vielen Dank für die Erinnerung an den Gundermann! Ich sammle ihn im Winter gerne, wenn andere Kräuter Mangelware sind, und mache mir dann öfter einen stärkenden Tee. Auch bei kleinen Schnittwunden hilft mir eine frische Blattauflage immer wieder gut.
Schreiber W.
Meine Tochter hat, durch einen Krankenhauskeim ,einen Eiterherd in den Nebenhölen der Nase,der sich schon ausbreitet in die Stirnhöhle. Nun soll sie unter Kontrolle im Krankenhaus ein Antibiotikum bekommen ,welches auf der roten Liste steht und starke Nebenwirkungen hat. Ich suche dringend nach einer Alternative der Natur. Denn bei Nichtbehandlung wird sie sterben. Kann ich die Gundelrebe nutzen und wenn ja,wie?
Liebe Karla,
wir können und dürfen leider keinen konkreten medizinischen Rat geben. Aber eine begleitende Anwendung antibakteriell und entzündungshemmend wirkender Kräuter kann bestimmt nicht schaden. Vielleicht kannst du dir noch eine weitere Meinung bei einem anderen Arzt bzw. einer anderen Ärztin einholen. Alles Gute und rasche Genesung für deine Tochter!
Liebe Grüße
Liebe Mitarbeiter von kostbare Natur,
vielen Dank für die tolle Seite von der ich schon sehr viel lernen konnte!
Eine Frage zur Tinktur aus Gundelrebe:
Wofür genau empfehlen Sie sie . Allgemein als Stärkungsmittel?
Da sie ja antientzündliche Eigenschaften hat würde es mich interessieren, ob man die Tinktur auch bei Entzündungen im Mund anwenden kann, ggf. in Verdünnung?
Ich fände es darum interessant, weil die Tinktur ja leichter im Vorrat zu halten und dann anzuwenden ist, als Tee.
Vielen Dank, wenn mir jemand
einen Rat geben könnte,
mit freundlichen Grüßen
J. Schulte
wie lange ist das wundblättchenöl haltbar?