Pfefferminze
Wenn du an Pfefferminze (Mentha × piperita) denkst, hast du vielleicht sofort den erfrischenden Duft von Minztee in der Nase. Kaum eine andere Pflanze steht so sehr für Frische, Klarheit und eine wohltuende Wirkung auf Magen und Kopf. Die Pfefferminze wirkt krampflösend, schmerzlindernd und verdauungsfördernd. In Teeform hilft sie bei Bauchschmerzen, als ätherisches Öl befreit sie die Atemwege oder lindert Kopfschmerzen. Sie ist eine wahre Alltagsheldin in der Hausapotheke.
Herkunft, Geschichte und kulturelle Bedeutung
Die Pfefferminze ist keine uralte Wildpflanze, sondern eine zufällige Kreuzung, die im 17. Jahrhundert in England entdeckt wurde. Ihre starke Wirkung und der intensive Mentholgehalt machten sie schnell beliebt. Schon bald wurde sie gezielt angebaut, insbesondere in Apothekergärten. In Deutschland wurde sie im 18. Jahrhundert durch den Botaniker Johann Christian Mentzel verbreitet.
In der Volksheilkunde war Minze bereits früher bekannt. Schon die alten Ägypter nutzten Minzearten zur Verdauungsförderung. Hildegard von Bingen riet jedoch zur Vorsicht mit Minze, da sie als zu erhitzend galt.
In der Ernährung
Wegen ihres intensiven, eigentümlichen Aromas ist die Pfefferminze eine beliebte Gewürzpflanze. Vor allem in orientalischen und britischen Rezepten findet sie sich häufig. Für Minz-Zucker, Pesto, Sirup, Saucen oder Dressings werden überwiegend die Blätter der Pfefferminze genutzt. Die etwas milderen Blüten kannst du genauso verarbeiten oder als Dekoration verwenden. Du kannst die Blätter auch fein hacken und in Salate, Aufstriche oder würzige Beilagen wie Tabouleh geben, um ihnen ein einzigartiges, frisches Aroma zu verleihen.
Die Blätter enthalten unter anderem Vitamin C, Provitamin A, Kalium, Calcium und Magnesium. Ihre ätherischen Öle, besonders das Menthol, machen sie aber auch zu einem gesundheitlich wertvollen Begleiter.
Erfrischende Minz-Limonade
An warmen Sommertagen ist eine selbstgemachte Limonade mit Minze genau das Richtige. Das enthaltene Menthol und die Säure von Zitronen wirken nämlich besonders erfrischend und helfen bei Wärme viel besser als handelsübliches Zuckerwasser. Zudem kannst du die Süße individuell an deinen Geschmack anpassen oder das Rezept nach deinen Wünschen verfeinern.
Alles, was du dafür benötigst, sind ein paar Stängel Minze, etwas Zitronensaft, 1,5 L Wasser und eine handvoll Eiswürfel. Gib alles zusammen in einen Standmixer, püriere es für etwa 30 Sekunden auf höchster Stufe, und fertig ist dein selbst gemachtes Erfrischungsgetränk!
Heilende Anwendungen
Pfefferminze ist wissenschaftlich gut untersucht. Ihre Hauptinhaltsstoffe sind Menthol, Flavonoide, Gerbstoffe und Bitterstoffe. Besonders das Menthol wirkt entkrampfend auf die glatte Muskulatur im Magen-Darm-Trakt. Deshalb wird Pfefferminzöl bei Reizdarmsyndrom1, Übelkeit, Blähungen und Völlegefühl eingesetzt. Studien zeigen, dass Pfefferminzöl in magensaftresistenten Kapseln besonders wirksam ist.
Volksheilkundlich wird Pfefferminze auch bei Kopfschmerzen2und Nervosität verwendet. Auf die Schläfen getupft kann das Öl Kühlung verschaffen und Spannungskopfschmerzen lindern. Auch bei Erkältungen kommt Minzöl zum Einsatz, da es befreiend auf die Atemwege wirkt. Inhalationen oder Brustbalsame mit Menthol können bei Husten und Schnupfen Erleichterung bringen.
Doch Vorsicht: Bei Babys und Kleinkindern sollte Minzöl nicht angewendet werden, da Menthol die Atmung beeinträchtigen kann.3 Auch Menschen mit Gallenproblemen oder Sodbrennen sollten Pfefferminze nur in Maßen genießen. Während der Stillzeit sollte auf Pfefferminztee verzichtet werden, da er die Milchbildung hemmt. In Abstilltees ist Pfefferminze dagegen eine beliebte Zugabe.
Ernten kannst du die Blätter im Frühsommer vor der Blüte. Anschließend empfiehlt es sich, die Blätter an einem schattigen Ort zu trocknen und in Schraubgläsern zu verwahren.
Pfefferminztee
Für einen heilsamen Pfefferminztee werden frische oder getrocknete Blätter verwendet. Der Tee ist insbesondere dafür bekannt, Magen-Darm-Beschwerden zu lindern. Pfefferminztee ist besonders vielseitig und kann bei vielen weiteren Leiden eingesetzt werden.

Äußerlich kannst du einen starken Aufguss als Badezusatz gegen Erkältungen und Nervenschmerzen verwenden – oder für Stirnumschläge gegen Kopfschmerzen. Ergänzend kannst du auch selbstgemachte Aroma-Roll-ons mit Pfefferminz, ähnlich diesem hier, herstellen.
Viele weitere Informationen und Rezepte zu Tees mit Heilpflanzen findest du in unserem Buch:
Pfefferminzöl
Selbst gemachtes Pfefferminzöl eignet sich wunderbar, um Kopfschmerzen zu vertreiben, und hilft u.a. als Bestandteil eines Dampfbades gegen Erkältungsbeschwerden.

Körperpflege mit Pfefferminze
Pfefferminze wirkt auch äußerlich erfrischend und reinigend. In der Kosmetik findet sie sich in Zahnpasta, Shampoos, Duschgels und Lippenbalsam. Das enthaltene Menthol regt die Durchblutung an, wirkt antibakteriell4 und kühlt die Haut.
In einem selbstgemachten Badezusatz wirkt Pfefferminze wohltuend und erfrischend.
Ein einfaches Hausmittel ist ein selbst gemachtes Pfefferminz-Tonikum für fettige oder unreine Haut: Übergieße eine Handvoll frischer Blätter mit heißem Wasser, lasse den Sud abkühlen und verwende ihn als Gesichtswasser.
Im Garten hält die stark duftende Pflanze einige Schädlinge fern, unter anderem Ameisen oder Blattläuse. Auch Bienen und Schmetterlinge lieben die Minzblüten.
Erfrischendes Körperpeeling
Ein belebendes und regenerierendes Körperpeeling mit Minze lässt sich aus wenigen Zutaten binnen kürzester Zeit herstellen.
Für einen kleinen Vorrat benötigst du folgende Zutaten und Utensilien:
- 2 TL gehackte Minzblätter
- 50 g Zucker
- 70 g Kokosöl (aus dem Bioladen oder online erhältlich)
- Schraubglas
Verrühre alle Zutaten gut miteinander und fülle sie zur Aufbewahrung in ein Schraubglas. Das Peeling sollte bei nicht mehr als 20 Grad aufbewahrt werden, damit sich das Kokosöl nicht verflüssigt.
Pflegender Minze-Zitronen-Lippenbalsam
Zur Pflege von spröden und rissigen Lippen ist ätherisches Pfefferminzöl in Form eines heilenden Lippenbalsams gut geeignet. Er wirkt entzündungshemmend und verbessert den Eigenschutz der Haut. Zusammen mit beruhigender Sheabutter pflegt sie trockene Lippen langanhaltend und wohltuend.
Folgendes wird für den Balsam benötigt:
- 20 g Sheabutter
- 10 g Bienenwachs (am besten vom lokalen Imker, aber alternativ auch online)
- 20 ml Zitrusöl, das du aus Zitronenschalen selber machen kannst (nicht zu verwechseln mit ätherischem Zitronenöl!)
- 10 Tropfen ätherisches Pfefferminzöl (aus der Apotheke oder dem Bioladen)
- Kleine Tiegel oder Lippenstifthülsen
So stellst du den Balsam her:
-
Zitrusöl und Bienenwachs in ein Glas geben und im Wasserbad langsam, bei niedriger Temperatur erwärmen, bis das Wachs vollständig geschmolzen ist.
-
Sheabutter langsam unterrühren, bis eine homogene Masse entsteht.
-
Glas aus dem Wasserbad nehmen, das ätherische Öl hinzugeben und verrühren.
-
Den fertigen Lippenbalsam in kleine Tiegel oder Lippenstifthülsen füllen und erkalten lassen.
Pfefferminze für die Haare
Für deine Haarpflege ist Minze ebenfalls geeignet, denn sie
beruhigt die Kopfhaut, hilft gegen Juckreiz und beugt Schuppenbildung vor. Mit ein paar Minzblättern kannst du eine Haarspülung im Handumdrehen selber machen.
Heilsame Rezepte mit Pfefferminze und anderen Gartenpflanzen findest du auch in unserem Buchtipp:
Erkennung und Sammeltipps

Die Pfefferminze ist eine robuste, ausdauernde Pflanze mit einer Wuchshöhe von 30 bis 90 Zentimetern, selten wird sie jedoch höher als 60 Zentimeter. Sie bevorzugt sonnige Standorte, an denen sie sich oft stark ausbreitet.
An ihren typischen Blüten und Blättern ist sie leicht zu erkennen:
- Die Stiele sind behaart und bräunlich bis leicht violett überlaufen
- Die wenig verzweigten Stiele sind vierkantig.
- Die länglich-eiförmigen Blätter sind grob gezähnt und mit einer violetten Nervatur versehen.
- Sie sind gegenständig angeordnet.
- Die rosa- bis lilafarbenen Blüten in Quirlen an den Stängeln
- Die Blütezeit ist von Juni bis September.
- Blätter und Blüten verbreiten einen starken Menthol-Geruch
Die Pflanze lässt sich gut an ihrem Duft und dem vierkantigen Stängel erkennen. Verwechslungen sind mit anderen Minzarten möglich, diese sind aber meist nicht giftig.
Anbautipps
Die Pfefferminze mag am liebsten sandige, nährstoffreiche und kalkhaltige Böden. Zudem benötigt sie regelmäßig Wasser, verträgt aber keine Staunässe. Sie ist sehr robust und kommt auch mit weniger guten Bedingungen zurecht, ihr Wuchs ist allerdings kräftiger und höher, wenn sie an einem nährstoffreichen Ort mit viel Sonnenlicht steht. Alle Minzarten können sowohl im Garten als auch in einem Kübel auf dem Balkon oder der Terrasse kultiviert werden.
Auch Temperaturen bis zu –20 °C übersteht die Gewürzpflanze und kann daher im Garten überwintern. Im ersten Jahr sollten junge Pflanzen aber noch mit Stroh oder Reisig abgedeckt werden. Die oberirdischen Pflanzenteile sterben im Winter komplett ab, wobei das Rhizom im Boden überdauert und im Frühjahr erneut austreibt.
Die Pfefferminze verbreitet sich durch Ausläufer. Diese können als Stecklinge im Frühjahr umgepflanzt werden. Die Ausläufer werden oft so zahlreich gebildet, dass sich die Pfefferminze praktisch unkontrolliert vermehrt. Daher empfiehlt es sich, eine Wurzelsperre um die Pflanze zu errichten, welche außerdem zwei Zentimeter aus dem Boden ragt.
- Weigmann, H. (2021, 16. August). Recent meta-analysis on the efficacy of peppermint oil in irritable bowel syndrome. EfSM Home. ↩︎
- Göbel, H., Heinze, A., Heinze-Kuhn, K., Göbel, A. & Göbel, C. (2016). Oleum menthae piperitae (Pfefferminzöl) in der Akuttherapie des Kopfschmerzes vom Spannungstyp. Der Schmerz, 30(3), 295–310. ↩︎
- Frequently Asked Questions about the use of essential oils. Bundesinstitut für Risikobewertung. ↩︎
- İşcan, G., Ki̇Ri̇Mer, N., Kürkcüoǧlu, M., Başer, H. C. & Demi̇Rci, F. (2002). Antimicrobial Screening of Mentha piperita Essential Oils. Journal Of Agricultural And Food Chemistry, 50(14), 3943–3946. ↩︎
Steckbrief
- Kurzbeschreibung
- Heil- und Gewürzpflanze mit mentholhaltigem Duft, buschigem Wuchs und violetten Blüten
- Lateinischer Name
- Mentha × piperita
- Andere Namen
- Aderminze, Echte Minze, Englische Minze, Gartenminze, Hausminze, Teeminze
- Familie
- Lippenblütler (Lamiaceae)
- Erntemonate
- Mai - Jul
- Verwendbare Pflanzenteile
- Blätter, Blüten
- Blattform
- gezackt, lanzettlich
- Blütenfarbe
- rosa, violett, weiß
- Fundorte
- Gärten, feuchte Wiesen, Gräben
- Verwechslungsgefahr
- Andere Minzearten, aber meist ungiftig
- Giftigkeit
- ungiftig
- Warnungen
- Nicht giftig, aber Vorsicht bei Überdosierung
- Inhaltsstoffe
- ätherische Öle, Bitterstoffe, Flavonoide, Gerbstoffe, Menthol, Valeriansäure
- Eigenschaften
- antibakteriell, antiviral, krampflösend, kühlend, schmerzstillend, verdauungsanregend
- Hilft bei
- Blähungen, Erkältung, Kopfschmerzen, Migräne, Mundgeruch, Schnupfen, Übelkeit, Verdauungsbeschwerden
- Erkennung / Sammeltipps
- Vierkantiger Stängel, gezackte Blätter, intensiver Duft, vor der Blüte ernten
- Anbau
- Feuchter Boden, halbschattig, im Topf oder Beet, wucherfreudig
















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