Ruprechtskraut

Der Storchenschnabel ist eine vielseitige Heilpflanze für Gesundheit, Küche und Kosmetik. Erfahre alles über Anwendung, Erkennung und Anbau.

Das Ruprechtskraut ist nicht nur eine hübsche, sondern auch vielseitige Heilpflanze, die lange Zeit in Vergessenheit geraten war. Heute erfreut sie sich aufgrund ihrer entzündungshemmenden, adstringierenden und wundheilenden Wirkung wieder größerer Beliebtheit.

Herkunft, Geschichte und kulturelle Bedeutung

Die Pflanze trägt den botanischen Namen Geranium robertianum und ist eine Art in der Familie der Storchschnäbel. Sie ist auch unter Namen wie Stinkender Storchschnabel, Ruprechtskraut oder Rotstängel bekannt.

Ursprünglich stammt der sie aus Europa, Nordafrika und Westasien. Bereits in der Antike wurde sie aufgrund ihrer heilenden Eigenschaften geschätzt.

Nach Hieronymus Bock, einem der Väter der Botanik, soll sie Schäden, Krebs und Fisteln heilen.

Kräuterpfarrer Johann Künzle, der die Pflanze “Gottesgnadechrut” nennt, verschreibt es in Rotwein gekocht bei Magen- und Darmentzündung, als Tee bei Halsweh, Zahnfleischgewülsten und Nierenschmerzen. Dazu empfiehlt er Umschläge aus dem getrockneten Kraut bei Fisteln und Ausschlägen.

Für Hildegard von Bingen empfahl das Ruprechtskraut nicht nur gegen Hautleiden und Entzündungen, sondern auch gegen Gift und Zaubersprüche. Zudem beschreibt sie, dass die Pflanze die Stimmung aufhellen kann.

Auch Paracelus lehrte, dass das Pulver auf deinem Butterbrot gegessen, froh macht und die Melancholie vertreibt.1

In der Ernährung

Das Ruprechtskraut ist zwar keine klassische Nahrungspflanze, dennoch sind seine jungen Blätter und Blüten essbar. Sie enthalten Vitamin C, Gerbstoffe und Flavonoide. Frisch gepflückt geben sie Salaten eine angenehm würzige Note. Auch in Wildkräuterpestos oder Kräuterbutter sorgen sie für einen aromatischen Akzent.

Bitte beachte, dass eine übermäßige Einnahme aufgrund des hohen Gerbstoffanteils den Magen reizen kann. Schwangere und Stillende sollten vor der innerlichen Anwendung Rücksprache mit ihrem Arzt halten.

Eine leckere Kräuterbutter aus Wildkräutern ist eine kulinarische Abwechslung zum Standardprodukt aus dem Kühlregal und bringt ganz nebenbei eine Extraportion gesunder Vitalstoffe auf den Teller.

Heilende Anwendungen

Das Ruprechtskraut ist besonders reich an Gerb- und Bitterstoffen, insbesondere dem Geraniin. Seine entzündungshemmenden, zusammenziehenden und wundheilenden Eigenschaften2 machen das Kraut zu einem idealen Erste-Hilfe-Mittel gegen kleine Wunden und Entzündungen aller Art.

Zudem wirkt das Ruprechtskraut krampflösend und schmerzlindernd. Daher wird es traditionell gegen Verdauungsbeschwerden wie Durchfall, Krämpfe und Magenschmerzen angewendet. Auch bei Menstruationsschmerzen sowie sehr starker Menstruation und Zwischenblutungen kann das Ruprechtskraut eingesetzt werden.3

Dem Ruprechtskraut wird außerdem eine stimmungsaufhellende Wirkung nachgesagt, die Frühjahrsmüdigkeit vertreibt.

Für heilende Anwendungen kann frisches oder getrocknetes Ruprechtskraut verwendet werden. Zum Trocknen werden die Stängel dicht über dem Boden abgeschnitten, zu Sträußen gebunden und an einem schattigen, luftigen Ort zum Trocknen aufgehängt. Gut getrocknet lässt sich das Kraut einfach zerkleinern und in Schraubgläsern aufbewahren.

Ruprechtskraut-Tee

Für einen heilsamen Teeauszug werden Blätter, Blüten und Stängel des Ruprechtskrautes verwendet. Überbrühe für eine Tasse Tee zwei Teelöffel des Krautes mit 250 Milliliter kochendem Wasser. Nach fünf bis zehn Minuten Ziehzeit langsam trinken.

Gegen Magen-Darm- und Menstruations-Beschwerden empfiehlt es sich zwei Tassen am Tag zu trinken. Gegen Entzündungen im Mundraum kann der ungesüßte Tee auch mehrmals täglich zum Gurgeln verwendet werden.

Äußerlich angewendet, lindert der Tee Entzündungen, Juckreiz, Ekzeme und Fußpilz. Dafür wird der Storchenschnabeltee für Waschungen verwendet oder ein in Tee getränktes Tuch auf die betroffenen Hautpartien aufgelegt.4

Ruprechtskraut-Tinktur

Mit dem Ruprechtskraut lässt sich eine heilsame Tinktur selber machen. Bei akuten Magen-Darm-Beschwerden sowie Menstruationsbeschwerden werden 30 Tropfen Ruprechtskraut-Tinktur dreimal täglich, verdünnt mit Wasser oder Tee, eingenommen.

Tipp: Wenn du auf Alkohol verzichten möchtest, dann probiere dieses Rezept für alkoholfreie Tinkturen aus!

Hinweis: Bei starken oder lang anhaltenden Beschwerden sollte ärztlicher Rat eingeholt werden.

Ruprechtskraut-Wein

Ein Auszug mit Wein zeichnet sich nicht nur durch seinen deutlich geringeren Alkoholanteil aus, sondern auch durch die im Rotwein enthaltenen sekundären Pflanzenstoffe (insbesondere Polyphenole). Sie wirken gefäßerweiternd, entspannend und fördern die Durchblutung (vgl. Hypocras).

Folgendes brauchst du für den Ruprechtskraut-Wein:

  • 50 g frisches, blühendes Ruprechtskraut
  • 1L Rotwein
  • Große Glasflasche oder Schraubglas zum Reifen
  • Braunglasflaschen für den fertigen Wein

So gehst du vor:

  1. Ruprechtskraut mit einem Messer fein hacken oder mit einem Wiegemesser zerkleinern.
  2. Das Kraut in ein großes Glasgefäß geben und mit Rotwein auffüllen.
  3. Das Glas verschließen und zwei Wochen lang an einem dunklen Ort ziehen lassen. Dabei täglich schütteln um Schimmelbildung vorzubeugen.
  4. Den fertigen Weinauszug durch ein Passiertuch abseihen und in sterilisierte Flaschen füllen.

Gegen Magenschmerzen, Durchfall und Menstruationsbeschwerden werden dreimal täglich 20 Milliliter vor dem Essen getrunken.

Erkennung und Sammeltipps

Der Storchenschnabel ist eine vielseitige Heilpflanze für Gesundheit, Küche und Kosmetik. Erfahre alles über Anwendung, Erkennung und Anbau.

Das Ruprechtskraut ist eine einjährige Pflanze mit einer Höhe von 20 bis 50 Zentimetern. An seinen typischen Merkmalen ist es leicht zu identifizieren:

  • Die handförmig, gelappten Laubblätter sind bis zu vier Zentimeter lang.
  • Bei starkem Sonnenlicht sowie im Herbst verfärben sie sich rot.
  • Die Stiele sind stark verzweigt, rötlich gefärbt und leicht behaart.
  • Alle Pflanzenteile enthalten ätherische Öle und verströmen einen intensiven Geruch.
  • Die Blüten sind etwa einen Zentimeter groß und besitzen fünf rosafarbene Blütenblätter.
  • Die Blütezeit beginnt im April und hält bis in den Herbst hinein an.

Der Stinkende Storchschnabel kann mit anderen Storchschnabelarten, zum Beispiel dem ebenfalls heilkräftigen Wiesen-Storchschnabel, verwechselt werden. Durch seine kleinen Blüten, die rötlichen Stängel und den intensiven Geruch lässt er sich jedoch gut von anderen Arten unterscheiden.

Anbautipps

Das Ruprechtskraut eignet sich als Bodendecker und wird in Beeten am besten zwischen höhere Stauden gepflanzt. Die anspruchslose Pflanze gedeiht auf nahezu jedem Untergrund, ohne besonderes Zutun. Staunässe verträgt sie allerdings gar nicht.

Vorgezogene Jungpflanzen werden im Frühjahr in den Garten gepflanzt. Ist das Ruprechtskraut einmal angesiedelt, vermehrt es sich über Samen von ganz alleine.

  1. Storl, W.-D. (2018). Die „Unkräuter“ in meinem Garten: 21 Pflanzenpersönlichkeiten erkennen & nutzen (9. Aufl.). GRÄFE UND UNZER Verlag GmbH. ↩︎
  2. Harborne, J.B.; Baxter, H.; A Handbook of the Natural Flavonoids: 2 Volume Set (1. Aufl.). Wiley ↩︎
  3. Hayne, F.G. (2023). Getreue Darstellung und Beschreibung der in der Arzneykunde gebräuchlichen Gewächse. Outlook Verlag ↩︎
  4. Kosch, A. (1939). Handbuch der deutschen Arzneipflanzen. 1939 ↩︎

Steckbrief

Kurzbeschreibung
Das Ruprechtskraut wird auch als "Stinkender Storchschnabel" bezeichnet, da es einen intensiv würzigen Geruch besitzt, der oft als unangenehm empfunden wird. Bereits im 13. Jahrhundert wurde das Kraut, wegen seiner zahlreichen heilsamen Eigenschaften, in Bauerngärten kultiviert. Heutzutage ist das Ruprechtskraut weniger in Gärten anzutreffen, da andere Storchschnabelarten als Zierpflanzen in den Vordergrund gerückt sind.
Lateinischer Name
Geranium robertianum
Andere Namen
Stinkender Storchschnabel, Stinkstorchschnabel, Ruprechtsstorchschnabel, Rotlaufkraut, Robertskraut, Gottesgnadenkraut
Familie
Storchschnabelgewächse (Geraniaceae)
Erntemonate
Apr - Dez
Verwendbare Pflanzenteile
Blätter, Blüten, Knospen, Stiele, Triebe
Blattform
fiederteilig, handförmig geteilt
Blütenfarbe
rosa, violett
Fundorte
Auf Brachflächen, an Weg- und Waldrändern, in Gärten
Verwechslungsgefahr
Mit anderen Storchschnabelarten
Giftigkeit
ungiftig
Inhaltsstoffe
ätherische Öle, Bitterstoffe, Flavonoide, Gerbstoffe
Eigenschaften
antibakteriell, antimykotisch, antiseptisch, blutreinigend, blutstillend, entgiftend, entzündungs­­hemmend, harntreibend, krampflösend, schmerzlindernd, tonisierend, wundheilend
Hilft bei
Durchfall, Ekzeme, Entzündungen, Fieber, Fußpilz, Halsentzündungen, Halsschmerzen, Magen-Darm-Beschwerden, Magenkrämpfe, Menstruationsbeschwerden

Über mich

... experimentiert als gelernte Köchin am liebsten mit nachhaltigen und vegetarischen Rezepten und vermittelt ihr Wissen gerne unkompliziert weiter. Die Natur- und Tierfreundin mit langjähriger Reiterfahrung ist eine Expertin für Haustierzubehör, Naturkosmetik und natürliche Heilmittel.

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