Wiesen-Storchschnabel

Der Wiesen-Storchschnabel blüht nicht nur auf Weiden, sondern in so manchem Garten. Dabei verfügen die dekorativen Pflanzen über milde Heilwirkungen.

Der in ganz Europa heimische Wiesen-Storchschnabel zählt zur Gattung der Storchschnäbel, lateinisch Geranium, und wird daher auch als Geranie bezeichnet. Diese Bezeichnung hält sich umgangssprachlich allerdings auch für die als Balkonpflanzen gezüchtete Pelargonien, weshalb Verwechslungen möglich sind.

Besonders die auffällige Form des Fruchtstandes trug zu allerlei Aberglauben rund um den Storchschnabel bei. So sollten Frauen, die sich vergeblich Nachwuchs wünschten, Storchschnabel-Wurzel als Amulett um den Hals tragen.

Heilende Anwendungen

Der Wiesen-Storchschnabel findet – wie auch der Stinkende Storchschnabel (Ruprechtskraut) – seit vielen Generationen in der Heilkunde Anwendung. Er wurde insbesondere bei der Behandlung von Magen-Darm-Erkrankungen, Hautleiden und Infektionskrankheiten eingesetzt.

In der überlieferten Volksheilkunde war seine Wurzel zudem zur Wundbehandlung und Blutstillung in Verwendung. Die tibetische Medizin verabreicht die schmerzstillende, fiebersenkende Wurzel bei Influenza, Lungenentzündung und Gliederschmerzen.

Flavonoide, besonders die Glykosid-Verbindung des Flavonoids Quercetin, sind die bedeutendste Stoffgruppe im Storchschnabel. Sie haben antioxidative, gefäßschützende, entzündungshemmende sowie wund- und blutstillende Wirkungen.

Wie alle Pflanzen seiner Gattung besitzt der Wiesen-Storchschnabel den Gerbstoff Geraniin. Dieser ist in Japan bis heute ein überliefertes und anerkanntes Mittel zur Behandlung von Durchfallerkrankungen.

Storchschnabeltinktur

Zur äußerlichen Behandlung von Wunden sowie bei Mund- oder Rachenentzündungen kannst du aus dem Wiesen-Storchschnabel nach Anleitung eine Tinktur selber machen.

100 Milliliter dieser Storchschnabeltinktur werden dann in einen halben Liter warmes Wasser gegeben. Tränke einen Baumwoll- oder Leinetuch in der Mischung und lege ihn als Umschlag auf die betroffene Stelle auf.

Zum Gurgeln gibst du einen Teelöffel der Tinktur in etwas lauwarmes Wasser und spülst damit Mund- und Rachenraum.

Abkochung aus Wiesen-Storchschnabel

Im Fall von Magen-Darm-Leiden lässt sich aus dem Wiesen-Storchschnabel auch ganz einfach eine Abkochung (Dekokt) für die innerliche Anwendung zubereiten.

Dafür vier Gramm (entspricht einem gehäuften Esslöffel) Storchschnabelkraut in einen Topf geben,  mit einem halben Liter kaltem Wasser bedecken und zum Kochen bringen. Danach den Dekokt bei geschlossenem Deckel für 15 bis 20 Minuten ziehen lassen. Anschließend das Kraut abseihen und die Abkochung verwenden.

Tipp: Storchschnabel hat einen sehr bitteren Geschmack, der den Flavonoiden und Gerbstoffen geschuldet ist. Mit etwas Honig lässt sich die Bitterkeit allerdings abschwächen.

Der Wiesen-Storchschnabel blüht nicht nur auf Weiden, sondern in so manchem Garten. Dabei verfügen die dekorativen Pflanzen über milde Heilwirkungen.

In der Küche

Der Wiesen-Storchschnabel hat aufgrund seiner bereits genannten Bitterkeit keine kulinarische Bedeutung. Seine hübschen, essbaren Blüten lassen sich aber zum Garnieren von Gerichten oder als Schmuckdroge in Teemischungen verwenden.

Anwendungen im Garten

Viele Storchschnabel-Arten und -sorten werden im Garten als zierende Stauden und Bodendecker kultiviert. So auch der Wiesen-Storchschnabel, der durch seine puristische Erscheinung besonders Bauerngärten und Wildblumenbeete bereichert.

Dabei ist der Wiesen-Storchschnabel nicht nur besonders hübsch, sondern auch ausgesprochen pflegeleicht und widerständig gegen Krankheiten und Schädlinge. Nacktschnecken meiden die Pflanze, weshalb sie sich auch gut zum Schutz ihrer Nachbarn ins Beet pflanzen lässt.

Der Wiesen-Storchschnabel wird aufgrund seines reichen Pollen- und Nektarangebots gern von Wild- und Honigbienen, Hummeln, Schwebfliegen und Schmetterlingen angeflogen. Wer in seinem Garten imkert oder schlicht den Insekten eine Nahrungsquelle bieten möchte, ist gut beraten, sich den Wiesen-Storchschnabel ins Beet zu holen.

Erkennung und Sammeltipps

Der Wiesen-Storchschnabel blüht nicht nur auf Weiden, sondern in so manchem Garten. Dabei verfügen die dekorativen Pflanzen über milde Heilwirkungen.

Wenn du dich auf die Suche nach dem Wiesen-Storchschnabel machen möchtest, dann halte die Augen auf Wiesen, an Böschungen und Wegrändern offen.

  • Der Wiesen-Storchschnabel wurzelt sehr tief und erreicht eine Wuchshöhe von 20 bis 70 Zentimetern.
  • An seinen Stengeln und Blütenstielen befinden sich nach unten gebogene (Drüsen-)Haare, die es unerwünschten, aufwärts kriechenden Insekten erschweren, die Blüten zu erreichen.
  • Die handförmigen Blätter sind in fünf bis sieben fiederspaltige Abschnitte geteilt. Sie bekommen ab September eine attraktive Herbstfärbung.
  • Zwischen Juni und August treibt die Pflanze paarige Blüten mit blau-violetten fünfzähligen Blütenblättern, die eine Lebensdauer von gerade einmal zwei Tagen erreichen.
  • Die Früchte des Wiesen-Storchschnabels sind Austrocknungsstreuer, die lose Samen enthalten. Löst sich der untere Teil der Fruchtfächer von der Pflanze ab, können die Samen mehr als zwei Meter in die Umgebung katapultiert werden.

Die vielen Storchschnäbel-Arten weisen große Ähnlichkeit miteinander auf und lassen sich vor allem durch die Kerbtiefe der Blätter, ihre Blütenfarben und ihre Standortansprüche unterscheiden. So trägt der Kaukasus-Storchschnabel beispielsweise weiße, dunkel geäderte Blüten, der Wald-Storchschnabel hingegen rotviolette.

Anbautipps

Im heimischen Garten bevorzugt der winterharte Wiesen-Storchschnabel einen nährstoff- und basenreichen, tiefgründigen Ton- oder Lehmboden. Der Platz, den du für den Wiesen-Storchschnabel auserkoren hast, sollte sich möglichst in der Sonne, mindestens aber im Halbschatten befinden.

Einen buschigen Wuchs und eine üppige Blüte förderst du durch regelmäßiges Entfernen bereits verblühter Triebe. Aus dem Schnitt lassen sich Stecklinge machen, mit denen eine Vermehrung ebenso möglich ist wie durch Teilung der gesamten Pflanze.

Mit seinem speziellen Schleudermechanismus sorgt der Wiesen-Storchschnabel selbst für seine Aussaat. Wenn du seine Verbreitung hingegen kontrollieren willst, dann kannst du die Samen im März bis April auch selbst aussäen.

Tipp: Die Samen des Wiesen-Storchschnabel sind Kaltkeimer, brauchen also einen Kältereiz, um zu keimen. Diesen Kältereiz kannst du auch im Kühlschrank simulieren, wenn du zu spät dran bist mit der Aussaat im Freien.

Steckbrief

Kurzbeschreibung
Der Wiesen-Storchschnabel, veraltet auch Wiesen-Storchenschnabel, ist eine krautige, mehrjährige Pflanze, die am liebsten auf nährstoff- und basenreichen Frischwiesen, Feldern und Unkrautfluren Fuß fasst. Seinen Namen verdankt der Wiesen-Storchschnabel dem schnabelartigen Fortsatz seines Fruchtstandes, der an das Mundwerkzeug des Wasservogels erinnert.
Lateinischer Name
Geranium pratense
Andere Namen
Wiesen-Storchenschnabel, Blaues Schnabelkraut
Familie
Geraniaceae (Storchschnabelgewächse)
Erntemonate
Apr - Okt
Verwendbare Pflanzenteile
Blätter, Blüten, Triebe, Wurzeln
Blattform
fiederteilig, handförmig geteilt
Blütenfarbe
blau, violett
Fundorte
Frischwiesen, Senken
Verwechslungsgefahr
Der Wiesen-Storchschnabel ist mit anderen Storchschnabelgewächsen verwechselbar.
Giftigkeit
ungiftig
Hinweise zur Giftigkeit
Der Wiesen-Storchschnabel ist für (Feld-)Hamster giftig.
Warnungen
Bei Menschen mit empfindlicher Haut können bei Berührung allergische Hautreaktionen auftreten. Eine orale Überdosierung kann zu Magenbeschwerden führen.
Inhaltsstoffe
ätherische Öle, Carbonsäure, Flavonoide, Geraniol, Gerbstoffe, Kaffeesäure, Quercetin, Rutin
Eigenschaften
abschwellend, blutstillend, entzündungs­­hemmend, fiebersenkend, wundheilend
Hilft bei
Blutungen, Entzündungen, Fieber, Grippe, Hautkrankheiten, Lungenentzündungen, Magen-Darmbeschwerden, Magenentzündungen, Mundentzündung, Rachenentzündung, Verdauungsbeschwerden, Wunden

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