Gewöhnliche Schafgarbe

Die Schafgarbe ist die Heilpflanze des Jahres 2004 und kann bei vielen gesundheitlichen Leiden helfen. Auch in der Küche ist sie beliebt.

Bestimmt hast du sie schon bei Spaziergängen im Sommer auf sonnigen Wiesen gesehen – vielleicht, ohne sie zu beachten: die Schafgarbe (Achillea millefolium). Mit ihren fein gefiederten Blättern und den zarten weißen oder rosafarbenen Blüten wirkt sie auf den ersten Blick unscheinbar. Doch hinter dieser zarten Erscheinung steckt eine kraftvolle Heilpflanze, die seit Jahrhunderten in der Volksmedizin geschätzt wird – besonders wegen ihrer Wirkung auf Magen, Darm und weibliche Beschwerden.

Die Schafgarbe gehört zu den Pflanzen, die sowohl in der Heilkunde als auch in der Küche Anwendung finden. Sie enthält viele wertvolle Inhaltsstoffe, wirkt entkrampfend, entzündungshemmend und blutstillend – und ist gleichzeitig eine charmante Zutat für Tees, Salate oder Kräuteröle.

Herkunft, Geschichte und alte Heilanwendungen

Botanisch heißt die Schafgarbe Achillea millefolium. Der Name leitet sich vom griechischen Helden Achilles ab, der die Pflanze der Legende nach zur Wundheilung verwendete. „Millefolium“ bedeutet „tausend Blätter“ – ein Hinweis auf ihre feinen, fiedrigen Blätter. Weitere Namen sind: Augenbraue der Venus, Bauchwehkraut, Soldatenkraut oder Frauenkraut.

Die Schafgarbe ist fast überall auf der Welt heimisch – in Europa, Asien und Nordamerika. In der Volksmedizin galt sie lange als „Frauenkraut“, weil sie Menstruationsbeschwerden lindert und den Zyklus regulieren kann. Auch bei Appetitlosigkeit, Magenkrämpfen oder Verdauungsproblemen wurde sie gern eingesetzt. Ein typisches Hausmittel früherer Zeiten war der Schafgarbentee, den Hebammen Frauen nach der Geburt empfahlen, um die Rückbildung der Gebärmutter zu unterstützen.

In der Ernährung

Auch wenn sie mehr als Heilkraut bekannt ist, lässt sich die Schafgarbe wunderbar in der Küche einsetzen. Ihre zarten Blätter und die Blüten haben ein leicht bitter-würziges Aroma, das an Kamille und Estragon erinnert. Sie eignet sich daher als Zutat für Kräutersalze, Nudelteig, Kräuterbutter, Brotaufstriche oder Gewürzessig.

Aber auch im Salat oder zu Gemüsegerichten passt Schafgarbe. Einfach zarte Blätter und auch Blüten fein geschnitten in den Salat oder zu Mischgemüse geben. Ein Beispiel dafür ist dieses Rezept für Nudelsalat mit Schafgarbe.

Du kannst sowohl die jungen, zarten Blätter als auch die Blüten verwenden. Die Blätter schmecken am besten, bevor die Pflanze blüht, die Blüten sind besonders dekorativ. Sie eignen sich zum Aromatisieren von Getränken und zum Herstellen von Kräuterlimonaden.

Schafgarbe enthält unter anderem Bitterstoffe, Flavonoide, ätherische Öle (wie Azulen und Kampfer), Vitamin C und Mineralstoffe wie Kalium und Zink.

Heilende Anwendungen

Schafgarbe gilt in der Volksmedizin insbesonders als Frauenheilkraut. Sie wirkt krampflösend, entzündungshemmend, antioxidativ, antibakteriell1 und verdauungsfördernd2. Besonders bekannt ist ihre Anwendung bei Frauenleiden, Magen-Darm-Beschwerden und zur Wundheilung. Eine klinische Studie zeigt zudem, dass Salben mit Schafgarbe Frauen nach der Geburt bei Schmerzen und Schwellungen unterstützen können.3 Moderne klinische Studien deuten darauf hin, dass Schafgarbe bei Multipler Sklerose deutliche Verbesserung des Allgemeinzustands bewirkt.4

Du kannst das ganze Kraut (Blüte, Blätter, Stängel) verwenden. Am meisten Wirkstoffe hat es zur Hauptblüte im Sommer zur Mittagszeit. Zu dieser Zeit wird es auch für den Winter geschnitten und zu Sträußen gebunden getrocknet.

Die heilkräftigen Inhaltsstoffe der Schafgarbe sind unter anderem Bitterstoffe, Flavonoide, ätherische Öle wie Azulen, Kampfer und Cineol – das macht sie zu einer idealen Begleiterin bei Verdauungsproblemen und zur Unterstützung des Immunsystems. Die enthaltenen Bitterstoffe fördern die Magensaftproduktion, regen Appetit und Verdauung an, während Flavonoide und ätherische Öle entzündungshemmend und antimikrobiell wirken – ideal bei leichten Magenbeschwerden oder als Teil einer stärkenden Frühjahrskur.

Hinweis: In seltenen Fällen kann es bei empfindlichen Menschen zu Hautreizungen oder allergischen Reaktionen kommen. Schwangere sollten Schafgarbe nur in Absprache mit einer Fachperson verwenden. Bei übermäßiger Einnahme können Kopfschmerzen auftreten.

Schafgarben-Tee

Zu Heilzwecken wird häufig ein Schafgarbentee mit trockenem oder frischem Kraut bereitet. Einen Teelöffel Schafgarbenkraut mit 200 ml kochendem Wasser übergießen und 5-10 Minuten ziehen lassen. Die Dosis sollte drei Tassen am Tag nicht übersteigen und nicht länger als vier Wochen eingenommen werden.

Als Schafgarbentee hilft die bekannte Heilpflanze bei Wunden, Magenkrämpfen, Menstruationsschmerzen und vielem mehr.

Äußerlich wird dieser Tee bei fettiger und unreiner Haut angewendet, dazu kann eine Gesichtspackung aus in Tee getränkten Kompressen gemacht werden.

Gleichfalls hilft hier ein Dampfbad, dieses wirkt sich auch positiv auf die Schleimhäute aus, da Schafgarbe schleimlösende ätherische Öle enthält.

Schafgarbe-Tinktur

Eine Alternative zum Tee ist auch das Herstellen einer Tinktur mit Schafgarbenblüten. Der Alkoholauszug kann bei Hämorrhoiden und Schnittwunden als Erste-Hilfe-Mittel eingesetzt werden.

Auch bei zu starker Menstruation, Magen-Darm-Problemen, verschiedenen Unterleibsentzündungen und Blähungen kann die Tinktur Linderung verschaffen.

Die Schafgarbe ist auf fast jeder Wiese zu finden. Seine Heilkraft gegen kannst du dir in Form einer Schafgarbe-Tinktur zunutze machen.

Pflanzenpresssaft

Statt des Tees kann auch frischer Pflanzenpresssaft eingenommen werden. Den Saft mit der gleichen Menge Wasser verdünnen und davon bis zu drei Esslöffel täglich einnehmen.

Schafgarbenöl

Bei Wunden, Ekzemen, übermäßiger Schweißbildung und bei Haarausfall kann ein Ölauszug mit Schafgarbenblüten helfen. Dafür werden frische Blüten in ein Schraubglas gegeben, mit hochwertigem Öl übergossen, an einem warmen, sonnigen Ort gestellt, täglich geschüttelt und nach vier Wochen abgeseiht. Das fertige Öl ist bei Zimmertemperatur bis zu einem Jahr haltbar.

Die weit verbreitete Schafgarbe ist ein wirksamen Arzneikraut, das dir in als Schafgarbenöl bei Unterleibskrämpfen und Migräne helfen kann.

Heilsalben mit Schafgarbe

Mit dem Öl kannst du auch sehr leicht eine Schafgarben-Salbe selbst herstellen. Sie hilft gegen Entzündungen, Ekzeme und kann bei regelmäßiger Anwendung auch Cellulite mindern.

Nutze die vielen heilenden Inhaltsstoffe der Schafgarbensalbe gegen Hautkrankheiten, Wunden, Hämorrhoiden und vieles mehr.

Sitzbad

Bei Frauenleiden und Kreuzschmerzen ist ein Sitzbad mit Schafgarbe wohltuend. 100 g Kraut mit 1,5 Liter Wasser aufkochen, 20 Minuten ziehen lassen und dem Badewasser zufügen.

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Andere Anwendungen

Schafgarbe verhindert im Gemüse- oder Kräuterbeet Krankheiten der Nachbarpflanzen und ist zudem eine bodenheilende Pflanze. In Nachbarschaft von Duftpflanzen erhöht sie deren Intensität.

Früher wurde getrocknete Schafgarbe als gelbes Färbemittel für Wolle verwendet.

Erkennung und Sammeltipps

Die Schafgarbe ist die Heilpflanze des Jahres 2004 und kann bei vielen gesundheitlichen Leiden helfen. Auch in der Küche ist sie beliebt.

Schafgarbenblüten bleiben bis zu den ersten Frösten stehen und eignen sich für einen Herbststrauß. Die Schafgarbe wächst auf trockenen Wiesen und an Wegrändern.

  • Die Pflanze wird bis zu 80 cm hoch
  • Sie bildet eine Blattrosette, aus welcher sich der Stängel erhebt
  • Sie hat einen harten Stängel, welcher leicht behaart und beblättert ist
  • Die Blätter sind wechselseitig gefiedert und sehr fein
  • Die Blüten sind weiß bis rosa und sitzen trugdoldenartig auf dem Stängel, d.h. die Blüte besteht aus vielen kleinen Seitenästen, welche nicht – wie bei einer echten Dolde – aus einem Punkt entspringen
  • Sie duften sehr aromatisch

Anbautipps

Schafgarbe ist eine wichtige Bienenpflanze, mehrjährig und anspruchslos. Nur zu nass mag sie es nicht. Sie kann sowohl in den Rasen, als auch ins Beet gesät werden. Es ist zu beachten, dass die Samen nur ein Jahr lang keimfähig sind.

  1. Toplan et al. (2022): Comparative Studies on Essential Oil and Phenolic Content with In Vitro Antioxidant, Anticholinesterase, Antimicrobial Activities of Achillea biebersteinii Afan. and A. millefolium subsp. millefolium Afan. L. Growing in Eastern Turkey (Molecules) ↩︎
  2. Gers, T., & Pöhlmann, M. (2021). Wirkung und Sicherheit von Schafgarbe bei gastrointestinalen Beschwerden: Eine klinische Studie. Zeitschrift für Phytotherapie, 42(1), 12-19 ↩︎
  3. Hajhashemi, M., Ghanbari, Z., Movahedi, M., Rafieian, M., Keivani, A. & Haghollahi, F. (2016). The effect of Achillea millefolium and Hypericum perforatum ointments on episiotomy wound healing in primiparous women. The Journal Of Maternal-Fetal & Neonatal Medicine, 31(1), 63–69.9 ↩︎
  4. Ayoobi, F., Moghadam-Ahmadi, A., Amiri, H., Vakilian, A., Heidari, M., Farahmand, H., Fathollahi, M. S., Fatemi, I., Shafiei, S. A., Alahtavakoli, M. & Shamsizadeh, A. (2018). Achillea millefolium is beneficial as an add-on therapy in patients with multiple sclerosis: A randomized placebo-controlled clinical trial. Phytomedicine, 52, 89–97. ↩︎

Steckbrief

Kurzbeschreibung
Die Schafgarbe war 2004 Heilpflanze des Jahres und das zu Recht, denn dieses Kraut mit seinen weißen oder zartrosa Blüten hat es in sich. Dies verrät auch schon der Name, “garbe” leitet sich von dem althochdeutschen “garwe” ab, was so viel wie Gesundmacher heißt. Tiere und besonders Schafe lieben die Pflanze.
Lateinischer Name
Achillea millefolium
Andere Namen
Augenbraue der Venus, Blutstillkraut, Frauenkraut, Frauendank, Gotteshand, Grillengras, Katzenkraut, Margaretenkraut, Achilleskraut, Blutstillkraut, Gänsezungen, Grützblume, Zangeblume, Feldgarbenkraut, Grundheil, Schafzunge
Familie
Korbblütler (Asteraceae)
Erntemonate
Mrz - Okt
Verwendbare Pflanzenteile
Blätter, Blüten, Triebe
Blattform
fiederteilig
Blütenfarbe
rosa, weiß
Fundorte
trockene Wegränder und Wiesen, Böschungen, Schotterhalden,
Verwechslungsgefahr
keine bekannt
Giftigkeit
ungiftig
Warnungen
Manche Menschen reagieren empfindlich auf Schafgarbe, welches sich als allergische Reaktion auf der Haut bemerkbar macht. Für einen Test kann etwas Pflanzensaft auf die Haut gegeben werden, sollte eine allergische Reaktion auftreten, ist von der Nutzung abzusehen. In der Schwangerschaft nur in Rücksprache mit dem Arzt oder der Hebamme verwenden.
Inhaltsstoffe
ätherische Öle, Bitterstoffe, Cumarine, Eiweiß, Flavonoide, Harze, Inulin, Kalium, Kupfer
Eigenschaften
beruhigend, blutstillend, durchblutungsfördernd, entspannend, entzündungs­­hemmend, krampflösend, menstruationsregelnd, schleimlösend, schmerzstillend, wundheilend, zusammenziehend
Hilft bei
Appetitlosigkeit, Ausfluss, Blähungen, Ekzeme, Erkrankungen der Galle, Geschwüre, Haarausfall, Hämorrhoiden, Hautentzündungen, Hautprobleme, Kopfschmerzen, Krampfadern, Kreislaufschwäche, Leberschwäche, Magenkrämpfe, Migräne, Nervosität, Wunden

8 Kommentare
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  1. Hallo,
    wie lange sollten Sitzbäder gegen myome angewendet werden und in welcher Dosierung mit
    Schafgarbe?

    Antworten
  2. guten Tag, gibt es ein Buch über die Schafgarbe die sie mir empfehlen können?

    Antworten
  3. Katrin Uhlig

    Hallöchen. Kann man auch gelbe Schafgarbe für Salben und Tinkturen verwenden?
    LG Katrin

    Antworten
  4. CINDERELLA

    Bärenklau und Schafgarbe sind völlig unterschiedlich ,auch die Standorte sind völlig verschieden. Wer die verwechselt sollte noch ein bisschen üben…

    Antworten
    • Kostbare Natur
      Kostbare Natur

      Du hast recht, die Pflanzen sind recht unterschiedlich. Wer sich nicht auskennt und auch die unterschiedlichen Standorte nicht kennt, kann sie aber wegen der Ähnlichkeit der Form der Blütenstände auf den ersten Blick verwechseln. Mit den Fotos zu beiden Pflanzen kann man davon ein gutes Bild machen:

      Gewöhnliche Schafgarbe

      Wiesen-Bärenklau (Gemeiner Bärenklau)


      Gerade wegen der teilweisen Giftigkeit des Bärenklaus ist ein Hinweis auf mögliche Verwechslungsgefahr durchaus berechtigt – lieber zu vorsichtig als zu unvorsichtig im Umgang mit Wildpflanzen 🙂
      Liebe Grüße

  5. Super Artikel, sehr informativ und umfangreich. Allerdings würde ich gern die Verwechslungsgefahr hinzufügen, denn da gibt es eine enorm gefährliche – ungeübte Sammler könnten die Schafgarbe mit dem Bärenklau verwechseln, welcher hoch giftig ist. Es ist unbedingt erforderlich, sich zuerst mit den Äußerlichkeiten der Schafgarbe vollstens vertraut zu machen, bevor selbst gesammelt wird. Denn sonst könnte der Tee, der vermeintlich gesundheitsfördernd ist, schnell schwere Probleme verursachen. Nur als kleine Anmerkung . 🙂

    Antworten
    • Wer Bärenklau mit Schafgarbe verwechselt, sollte lieber noch nicht sammeln gehen. Blätter, Stängel, Blüte, Wuchsform und Erscheinungsbild sind völlig unterschiedlich.

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