Tinkturen aus Heilpflanzen selber machen

Aus Heilpflanzen lassen sich wirkungsvolle Tinkturen selber machen. Was dabei zu beachten ist, erfährst du hier.

Bereits seit dem Altertum werden Tinkturen als eine Möglichkeit verwendet, die wertvollen Inhaltsstoffe verschiedenster Heilpflanzen zu konservieren und nutzbar zu machen. Ganz einfach lassen sich solche heilkräftigen Tinkturen selber machen – klassischerweise mit, aber auch ohne Alkohol.

Die Pflanzenauszüge erlauben die effiziente und zugleich einfache Extraktion der Wirkstoffe. Dabei wirkt das Lösemittel (Alkohol) aufgrund seiner desinfizierenden Wirkung gleichzeitig als Konservierungsmittel. Das Herauslösen der heilsamen Substanzen mit einem Lösungsmittel nennt man Mazeration, die entstehenden Tinkturen werden auch als Mazerate bezeichnet.

Man unterscheidet zwischen Tinkturen aus einer Pflanze (Tinctura simplex) und Tinkturen aus einer Pflanzenkombination (Tinctura composita).

Tinkturen sind vielseitig nutzbar

Die konzentrierten Pflanzenauszüge können auf vielfältige Weise für Gesundheit und Körperpflege, als Ersatz für zahlreiche konventionelle Medikamente und auch in der Ernährung genutzt werden. Den meisten bekannt dürften Hustentropfen oder Magenbitter (wie der berühmte Schwedenbitter)  sein, bei denen Tinkturen bestimmter Pflanzen unverdünnt zum Einsatz kommen. Aber auch als Zutat für zahlreiche natürliche Kosmetik- und Pflegeprodukte wie selbst gemachte Cremes, Lotionen, Zahncremes oder auch Shampoo und Haarwässer können Tinkturen dienen.

Zudem stellen sie eine sanfte und besonders umweltfreundliche Alternative zu reinen ätherischen Ölen dar, deren vermehrter Einsatz insbesondere für Gewässer problematisch ist und die in größeren Mengen als umweltgefährdend und giftig für Wasserorganismen gelten.

Das sind doch genug Gründe, die wertvollen Essenzen einmal selbst herzustellen und zu nutzen!

Was benötigt wird

Als Ausgangsmaterial für selbst gemachte Tinkturen werden frische oder getrocknete Kräuter oder andere Pflanzenteile benötigt. Sie sollten jedoch nicht mehr zu feucht oder sogar nass sein.

Als Lösungsmittel eignen sich fast alle neutralen (Trink-)Alkoholarten, z.B. hochkonzentrierter Weingeist (in der Apotheke oder online erhältlich), Primasprit Ansatzalkohol, Isopropylalkohol als auch einfacher Korn, Doppelkorn oder Wodka mit mindestens 40 % Vol. Alkoholanteil. Bei Verwendung frischer Pflanzenteile ist ein höherer Alkoholanteil empfehlenswert, weil durch den Wassergehalt der Pflanzen der Gesamtalkoholgehalt etwas herabgesetzt wird. 

Folgender Alkoholanteil ist empfehlenswert:

  • Getrocknete Kräuter, Blüten und Blätter: 40 % Vol.
  • Frische Kräuter, Blüten und Blätter: 60-70 % Vol.
  • Harte Pflanzenteile wie Rinde, Samen und Wurzeln: mindestens 70 % Vol.
  • Harze: mindestens 70 bis 95 % Vol.

Falls du aus verschiedenen Gründen auf Alkohol als Lösungsmittel verzichten möchtest, kannst du dennoch selbst gemachte Tinkturen nutzen. Auf ganz ähnliche Weise lassen sich nämlich alkoholfreie Tinkturen mittels Essig-Auszug herstellen!

Das wird zur Herstellung der eigenen alkoholischen Tinkturen benötigt:

  • 50 g getrocknete oder frische Kräuter
  • ca. 200 ml Alkohol
  • Glas zum Reifen der Tinktur, z.B. ein leeres Schraubglas
  • Kaffeefilter oder Nussmilchbeutel zum Filtrieren der fertigen Tinktur
  • Tropfflaschen oder Pipettenflaschen aus Braunglas zur Aufbewahrung

Tinkturen selber machen

Die heilkräftigen Tinkturen selbst herzustellen ist sehr einfach, erfordert allerdings etwas Geduld, da der Ansatz vier Wochen lang reifen muss.

Benötigte Zeit um die Tinktur anzusetzen: 10 Minuten.

So machst du Tinkturen selber:

  1. Pflanzenteile vorbereiten

    Die gesammelten Pflanzenteile nach Bedarf waschen und gründlich abtrocknen. Im besten Fall lässt du das Pflanzenmaterial einige Stunden anwelken. Anschließend gleichmäßig zerkleinern, sodass die Stückchen nicht größer als einen Zentimeter sind.Aus Heilpflanzen lassen sich wirkungsvolle Tinkturen selber machen. Was dabei zu beachten ist, erfährst du hier.

  2. Tinktur ansetzen

    Alle Pflanzenteile in ein Schraubglas geben, leicht andrücken und so weit mit Alkohol auffüllen, bis alles bedeckt ist. Getrocknete Pflanzen saugen sich mit Flüssigkeit voll und müssen dann erneut mit frischem Alkohol aufgefüllt werden, damit sie bedeckt sind.Aus Heilpflanzen lassen sich wirkungsvolle Tinkturen selber machen. Was dabei zu beachten ist, erfährst du hier.

  3. Tinktur reifen lassen

    Das Glas mit dem Ansatz verschließen und für vier Wochen bei Zimmertemperatur ziehen lassen. Dabei jeden zweiten Tag das Glas sanft schütteln, damit sich die Wirkstoffe besser lösen und Schimmelbildung vorgebeugt wird. Die Tinktur sollte an einem schattigen Ort stehen – eine Ausnahme bilden einige überlieferte Volksheilmittel-Rezepturen wie z.B. die Johanniskrauttinktur, die traditionell in der Sonne reift.

  4. Tinktur abseihen

    Die fertig gereifte Tinktur durch einen Kaffeefilter oder ein feines Passiertuch gießen und in einer Braunglasflasche auffangen. Die Flasche beschriften und an einem dunklen Ort aufbewahren.Aus Heilpflanzen lassen sich wirkungsvolle Tinkturen selber machen. Was dabei zu beachten ist, erfährst du hier.

Selbstgemachte Tinkturen lassen sich problemlos zwei Jahre lang verwenden, wenn sie sachgemäß gelagert werden. Dass sie verderben, ist aufgrund des hohen Alkoholgehaltes unwahrscheinlich, jedoch kann die Wirkung aufgrund von Abbauprozessen mit der Zeit nachlassen.

Verschiedene Tinkturen und Einsatzmöglichkeiten

Prinzipiell enthalten fertige Tinkturen einen Großteil der Wirkstoffe ihrer Ursprungspflanzen in konzentrierter Form. Nachfolgend findest du einige Ideen für mögliche Zutaten sowie die jeweiligen Einsatzmöglichkeiten der Tinkturen.

  • Gänseblümchen-Tinktur aus den Blütenköpfen hilft gegen unreine Haut, Mitesser und Akne, sie wird mit einem Kosmetikpad oder Wattebausch aufgetupft und wirkt hautklärend und entzündungshemmend.
  • Kastanien-Tinktur hilft bei Hautproblemen wie Akne, Ekzemen und Wunden, dient als Grundlage für selbst gemachtes Venengel, sie wirkt gefäßstärkend, fördert die Durchblutung und lindert Krampfadern. Außerdem wirkt sie unterstützend bei Rheuma, Gelenkschmerzen und Hämorrhoiden.
  • Eine Spitzwegerichtinktur ist ideal geeignet um Insektenstiche zu lindern.
  • Steinkleetinktur wirkt durchblutungsfördernd und lindert schwere Beine, Wadenkrämpfe und Migräne.
  • Echinacea-Tinktur stärkt das Immunsystem und wird vorbeugend gegen Erkältung, sowie als Sofortmaßnahme bei ersten Krankheitsanzeichen eingenommen.
  • Ingwer-Tinktur wirkt gegen Kopfschmerzen, Übelkeit und Erkältungskrankheiten.
  • Löwenzahnwurzel-Tinktur stärkt die Lebensgeister, reinigt die Gelenke und entgiftet die Leber.
  • Tinktur mit Ackerschachtelhalm verspricht Abhilfe bei Blasenentzündung, Akne und Cellulite.
  • Schafgarbe-Tinktur lindert Menstruationsbeschwerden, Magen-Darm-Beschwerden und Durchblutungsstörungen.
  • Rotklee-Tinktur ist ein natürlicher Helfer bei Regelschmerzen.
  • Lavendeltinktur wirkt gegen Schlafprobleme, Unruhe und Migräne.
  • Ringelblumentinktur versorgt Entzündungen der Haut und Schleimhaut sowie Übelkeit und Verdauungsprobleme.

Noch viel mehr Rezeptideen für Tinkturen und selbstgemachte Pflegeprodukte findest du in unseren Buchtipps:

Welche ist deine Lieblingstinktur und wofür verwendest du sie? Teile deine Tipps und Anregungen in den Kommentaren!

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7 Kommentare Kommentar verfassen

  1. Ich habe bereits auch schon einige Tinkturen ausprobiert. Besonders die mit den Gänseblümchen half mir enorm bei unreiner Haut und habe ich auch schon vielen Freunden empfohlen. Manches kann man wirklich selber machen. Die Geduld ist da entscheidend. Aber es gibt glaube ich auch Tinkturen, die kann man nicht so leicht machen. Ich wollte beispielsweise mal mit Basilikum eine Haartinktur machen weil es augenscheinlich gegen Haarausfall helfen soll, war aber eher eine Sauerei.

    Antworten
  2. Hallo! Ich habe eine Frage: Und zwar habe ich dieses Jahr selber Beifuß-Tinktur angesetzt, bei der ich die Beifußwurzeln gemörsert habe, bevor ich den Alkohol zugegeben habe. Die Flüssigkeit ist jetzt sehr trüb – hat jemand Erfahrung mit Tinkturen, bei denen die Wurzel gestampft/gemörsert wird? Ist es normal und in Ordnung, dass die Tinktur so trüb ist?
    Vielen Dank für die Hilfe! 🙂

    Antworten
  3. Blöde Frage schätze ich, konnte aber nichts genaues dazu finden. Ich habe momentan keinen derartigen Alkohol zur Hand, deswegen meine Frage ob es mit anderweitigen alkoholischen Flüssigkeiten wie zB Vodka, etc. den gleichen Effekt mit sich bringt. Danke im Voraus für eine Antwort

    Antworten
    • Ja, Vodka ist sehr gut geeignet. Schau mal hier die Passage im Text:

      “Als Lösungsmittel eigen sich fast alle neutralen Alkoholarten, z.B. hochkonzentrierter Weingeist (in der Apotheke oder online erhältlich), Primasprit Ansatzalkohol als auch einfacher Korn oder Wodka mit mindestens 40 % Vol. Alkoholanteil. Bei Verwendung frischer Pflanzenteile ist ein höherer Alkoholanteil empfehlenswert, weil durch den Wassergehalt der Pflanzen der Gesamtalkoholgehalt etwas herabgesetzt wird.”

  4. Jennifer Spichtinger

    Ich hab eine Frage zu den Braunglasflaschen. Ich hab diverse solcher Flaschen zu hause mit Medikamenten und ätherischen Ölen und ähnlichem. Kann ich diese Flaschen wiederverwenden?

    Antworten
    • Theoretisch schon, wichtig ist, dass sie vorher gründlich gereinigt werden. Am besten mit einer heißen Soda Lösung oder mit Alkohol nachspülen. Besonders wichtig ist hierbei sicherlich das Reinigen der Verschlüsse.

  5. Bettina Veith

    Gratis pdf zum runterladen von GU Verlag, Melanie Wenzel “Meine besten Heilpflanzenrezepte für eine gesunde Familie”
    http://www.gu.de/media/media/76/34043685991212/9783833826160_leseprobe.pdf 🙂

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