Echtes Eisenkraut
Eisenkraut (“Verbena officinalis“) gehört zu jenen Pflanzen, die leicht übersehen werden – dabei birgt es eine beeindruckende Heilwirkung in sich. Seinen Namen verdankt es dem alten Glauben, dass es bei Verletzungen durch Eisenwaffen hilfreich sei. Sogar bei der Eisenverhüttung wurde es einst zugesetzt, um das Metall zu härten. Heute steht nicht mehr das Eisen im Mittelpunkt, sondern seine vielseitigen medizinischen Eigenschaften: beruhigend, entzündungshemmend und schleimlösend. Bei nervöser Unruhe, Husten oder Frauenleiden zeigt das zart lila blühende Kraut seine ganze Stärke.
Herkunft, Geschichte und kulturelle Bedeutung
Botanisch heißt das Eisenkraut Verbena officinalis. Weitere Namen sind Echtes Eisenkraut, Sagenkraut, Katzenblutkraut oder Druidenkraut. Es gehört zur Familie der Eisenkrautgewächse (Verbenaceae).
Schon seit Jahrtausenden wird das Eisenkraut volkmedizinisch auf vielfältige Weise eingesetzt und hat dabei im Laufe der Zeit zahlreiche Namen erhalten. Der griechische Arzt Dioskurides beispielsweise beschrieb einst das – wie er es nennt – „Taubenkraut“ als wirksames Mittel gegen Entzündungen und Fieber, sowie als Gurgelmittel bei Geschwüren im Mund.1
Eisenkraut in der Ernährung
Auch wenn Eisenkraut kein typisches Küchenkraut ist, kann es kulinarisch eingesetzt werden. Verwende am besten junge Blätter und Blüten, die sind weniger bitter. Alternativ kannst du die Pflanzenteile auch für etwa eine Stunde in Wasser legen oder mit heißem Wasser übergießen. Auf diese Weise lösen sich die Bitterstoffe heraus.
Das geerntete Grün eignet sich als Würzkraut in grünen Smoothies, Suppen und Salaten. Oder du kannst die kleinen Blüten als Dekoration auf kalten Platten verwenden.
Blätter und Blüten lassen sich von Mai bis Oktober immer frisch ernten. Pflücke dazu einzelne Pflanzenteile nach Bedarf oder schneide die gesamten Pflanzenstiele zehn Zentimeter über der Erde ab. Binde sie zu Bündeln zusammen und hänge sie an einem schattigen, warmen Ort zum Trocknen auf. Vollständig getrocknet kannst du die Pflanze zerkleinern und in Schraubgläsern aufbewahren.
Heilende Anwendungen
Volksmedizinisch wird das Eisenkraut in sehr vielfältiger Weise angewendet, z.B. bei Verdauungsstörungen, Leber-, Gallen- und Nierenerkrankungen. Es wird aber auch bei Frauen mit Wechseljahrsbeschwerden oder unregelmäßigen Zyklus empfohlen. In der Stillzeit solle es die Milchsekretion fördern. Des Weiteren sind beliebte Anwendungsgebiete des Eisenkrauts rheumatische Beschwerden, Gicht und Stoffwechselstörungen.2
Ein weiteres Anwendungsgebiet in der Volksheilkunde sind Krankheiten im Mund- und Rachenraum.3
Obwohl die Wirksamkeit der oben genannten Anwendungsgebiete nicht belegt ist, gibt es zahlreiche Studien, die z. B. die entzündungshemmende und antioxidative Wirkung nachweisen.4 Verantwortlich dafür sind unter anderem Iridoidglykoside (z. B. Verbenalin), Flavonoide (z. B. Quercetin), Bitterstoffe, Kieselsäure und Gerbstoffe.
Das Heilkraut kann zum Beispiel in einer Teemischung gegen Blasenentzündung oder in Erkältungstees beigegeben werden. Auch im Haustee für den täglichen Gebrauch ist es eine würzige Ergänzung.
Äußerlich hilft ein Aufguss als Waschung bei schlecht heilenden Wunden oder Insektenstichen.5
Wichtig: In größeren Mengen kann Eisenkraut reizend wirken. In der Schwangerschaft sollte es wegen seiner wehenfördernden Wirkung gemieden werden.6
Eisenkraut-Tinktur
Eisenkraut kann äußerlich als Gesichtswasser beruhigend und entzündungshemmend wirken. Für eine einfache Tinktur, übergieße frisches Kraut mit hochprozentigem Alkohol und lass es drei Wochen ziehen.
Zur äußerlichen Anwendung bei Hautunreinheiten oder Muskelverspannungen ein paar Tropfen auf ein Wattepad oder direkt auf die betroffene Stelle geben und sanft einreiben. Bei Bedarf ein- bis zweimal täglich anwenden.
Eisenkrauttee
In der Volksheilkunde gilt Eisenkrauttee verdauungsfördernd, galletreibend und lindernd bei Erkältungsbeschwerden. Er kann unter anderem bei Magen- und Menstruationskrämpfen, Sodbrennen und Husten getrunken werden. Auch bei Unruhe, Nervosität und Schlafstörungen soll er Linderung verschaffen, zum Beispiel als Beikraut im Sandmännchentee. Zudem wirkt er blut- und milchbildend – ist also der ideale Begleiter während der Stillzeit.
Für einen Teeaufguss werden Blüten und Blätter des Echten Eisenkrautes verwendet. Ein bis zwei Teelöffel getrocknetes Eisenkraut mit 250 ml kochendem Wasser übergießen, fünf bis zehn Minuten ziehen lassen. Bis zu drei Tassen täglich über den Tag verteilt trinken.
Äußerlich angewendet kann Eisenkrauttee blaue Flecke, Ekzeme und Entzündungen lindern. Einen sauberen Lappen oder ein Leinentuch in warmen Tee tränken, leicht auswringen und auf die betroffenen Hautpartien auflegen. Nach etwa 15–20 Minuten wieder abnehmen. Bei Bedarf ein bis zwei Mal täglich wiederholen.
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Erkennung und Sammeltipps

Das Echte Eisenkraut ist eine einjährige, krautige Pflanze mit einer Wuchshöhe von 20 bis 75 Zentimetern. An ihren typischen Blüten und Blättern ist sie leicht zu erkennen:
- Der aufrechte, vierkantige Stängel ist leicht behaart und verzweigt.
- Die länglichen Blätter sind grob gezahnt bis tief fiederspaltig.
- Die gegenständig angeordneten Blätter sind auf der Unterseite rauh behaart.
- Die kleinen, zygomorphen Blüten sind zartrosa bis violett.
- Die Blütezeit reicht von Mai bis Oktober.
- Von Juli bis November zerfallen die Früchte in vier etwa 2 mm Teilfrüchte, sogenannte Klausen.
Anbautipps für Eisenkraut
Das Eisenkraut fühlt sich an sonnigen Standorten mit humusreichen, leicht sauren Böden am wohlsten. Es hat einen hohen Wasserbedarf, gieße daher täglich. Staunässe verträgt es allerdings nicht. Als Kübelpflanze gedeiht Eisenkraut auf der Südseite am besten.
Eine Vermehrung der Pflanze gelingt über Samen, die im Herbst gesammelt und im Frühjahr in Anzuchttöpfchen vorgezogen werden. Eine Direktsaat, sowie Auspflanzung der Stecklinge erfolgt am besten ab Ende Mai, da Eisenkraut keinen Frost verträgt. Wenn es an einem Standort erfolgreich angesiedelt wurde, reicht es meist aus, die Samen an Ort und Stelle zu belassen. Damit sät sich das Eisenkraut selbst aus.
- Dioskurides. (1902). De materia medica (J. Berendes, Vögtli & Lotti B., Übers.). ↩︎
- Gruber, R. Phytochemische und analytische Charakterisierung von Verbena officinalis L. 2019. Universität Innsbruck ↩︎
- Eichberger,M. UHPLC-DAD Analytik von Iridoiden und phenolischen Inhaltsstoffen in Verbena officinalis L. 2018. Universität Innsbruck ↩︎
- Casanova, E., García-Mina, J. M. & Calvo, M. I. (2008). Antioxidant and Antifungal Activity of Verbena officinalis L. Leaves. Plant Foods For Human Nutrition, 63(3), 93–97. . ↩︎
- Calvo, M. (2006). Anti-inflammatory and analgesic activity of the topical preparation of Verbena officinalis L. Journal Of Ethnopharmacology, 107(3), 380–382. ↩︎
Steckbrief
- Kurzbeschreibung
- Das Echte Eisenkraut kommt weltweit in warmen Klimazonen vor und gehört zu den invasiven Pflanzen. Bereits im Altertum war es eine geschätzte Heilpflanze gegen Stichverletzungen, Fieber, Geschwüre und andere Beschwerden. Zudem wurde sie zur Reinigung von Tempeln und Altartischen verwendet. Heutzutage findet sie als Heilpflanze kaum noch Anwendung. Das Eisenkraut ist mit der, inzwischen viel beliebteren Zitronenverbene verwandt, die ein auffälliges Zitronenaroma besitzt.
- Lateinischer Name
- Verbena officinalis
- Andere Namen
- Verbene, Taubenkraut, Katzenblutkraut, Sagenkraut, Wunschkraut
- Familie
- Eisenkrautgewächse (Verbenaceae)
- Erntemonate
- Mai - Okt
- Verwendbare Pflanzenteile
- Blätter, Blüten, Triebe
- Blattform
- eiförmig, fiederteilig
- Blütenfarbe
- blau, rosa, violett
- Fundorte
- Wegränder, Weiden, Gärten, Schuttplätze
- Giftigkeit
- ungiftig
- Warnungen
- Schwangere sollten den Verzehr von Eisenkraut meiden, da er eine wehenfördernde Wirkung hat
- Inhaltsstoffe
- Alkaloide, ätherische Öle, Bitterstoffe, Flavonoide, Gerbstoffe, Glykoside, Kieselsäure, Schleimstoffe, Verbenalin
- Eigenschaften
- antibakteriell, beruhigend, blutbildend, blutreinigend, entzündungshemmend, gallenflussfördernd, harntreibend, krampflösend, milchbildungsfördernd, schmerzstillend, stoffwechselanregend, verdauungsfördernd, wehentreibend
- Hilft bei
- Blutarmut, Blutergüsse, Ekzeme, Erkältung, Fieber, Geschwüre, Halsschmerzen, Husten, Nervosität, Rheuma, Sodbrennen, Unruhezustände, Wunden











Liebes Team, vielen Dank für diesen informativen Beitrag!
Gerade jetzt, wo es draußen kalt ist, kommt bei mir ab und zu Husten auf – da ist eine Teemischung mit Eisenkraut für mich immer eine große Hilfe zum Schleimlösen. ✨
Eine wirklich tolle natürliche Unterstützung in der Winterzeit!
Liebe Grüße,
Mike N.