Brunnenkresse

Brunnenkresse ist eine dieser Pflanzen, die man leicht unterschätzt. Dabei bringt sie nicht nur eine pfeffrige Frische in unsere Küche, sondern auch eine Fülle an gesundheitsfördernden Wirkstoffen.

Brunnenkresse (“Nasturtium officinale“) ist eine dieser Pflanzen, die man leicht unterschätzt. Dabei bringt sie nicht nur eine pfeffrige Frische in unsere Küche, sondern auch eine Fülle an gesundheitsfördernden Wirkstoffen. Ihre Hauptwirkung liegt in ihrer unterstützenden Funktion für Leber, Nieren und Verdauung. Gleichzeitig wirkt sie anregend, entgiftend und liefert wichtige Vitamine für das Immunsystem.

Herkunft, Geschichte und kulturelle Bedeutung

Brunnenkresse ist eine heimische Wasserpflanze, deren heilende Wirkung bereits im Altertum beschrieben wurde. Der griechische Arzt Dioskurides erwähnte sie in seiner Arzneimittellehre als harntreibend und wärmend. Außerdem empfahl er sie bei Leber- und Sonnenbrandflecken, die man durch Auflegen der frischen Pflanze behandeln könne.

Ihr lateinischer Name “Nasturtium” leitet sich ab von “nasus” (Nase) und “torquere” (quälen). Der römische Gelehrte Varro soll aufgrund ihres scharfen, senfähnlichen Geruchs gesagt haben: „quod nasum torqeat“ – „weil sie die Nase quält“.

Der deutsche Name „Brunnenkresse“ geht vermutlich auf die mittelalterliche Bezeichnung „burncrasse“ zurück, wie sie etwa bei Hildegard von Bingen auftaucht. „Brunno“ bedeutet im Althochdeutschen „Quelle“, was auf ihren natürlichen Lebensraum verweist.

In der Volksheilkunde wurde Brunnenkresse besonders im Frühjahr hoch geschätzt – als traditionelles Mittel zur inneren Reinigung nach den Wintermonaten. Sebastian Kneipp empfahl sie vor allem Menschen mit Lungenleiden und Blutarmut.

Besonders während der Fastenzeit war Brunnenkresse beliebt, da sie den Stoffwechsel aktivierte und half, den Körper mit frischen Vitaminen zu versorgen.1

In der Ernährung

Die frischen Blätter der Brunnenkresse sind ein wahres Superfood. Sie enthalten viel Vitamin C, K, Beta-Karotin, Eisen, Kalzium und Senföle, die dem Kraut den typischen, leicht scharfen Geschmack verleihen.2 In der Küche bringt sie eine erfrischende Schärfe – ähnlich wie Rucola, aber feiner.

In Asien wird die gesamte Pflanze mitsamt Wurzeln als Gemüse gedämpft, in Zentraleuropa verwendet man vor allem die jungen Blätter.

Die einfachste, vielleicht aber auch köstlichste Zubereitung, ist Brunnenkresse auf frischem Butterbrot. Grüne Smoothies, Blatt- und Rohkostsalate, Basensuppen – all diese Speisen profitieren vom Geschmack der Brunnenkresse. Sie verfeinert ebenso Kartoffelsalate, Eiergerichte und Saucen.

Du kannst aus frischer Brunnenkresse einen leckeren Dip zaubern, der gut zu Gemüse als gesunder Snack passt.

Hinweis: Konsumiere Brunnenkresse am besten immer frisch, da Trocknung oder Hitzebehandlung die Wirkstoffe erheblich reduziert.

Brunnenkresse-Dip mit frischem Gemüse: gesund snacken mit Wildpflanzen. Ein einfaches Rezept für einen würzigen Dip mit Crème fraîche und Joghurt.

Heilende Anwendungen

In der traditionellen Medizin ist Brunnenkresse ein geschätztes Mittel bei hohem Cholesterinspiegel, hohem Blutzuckerspiegel, Bluthochdruck, Arthritis, Bronchitis, Diurese, Zahnschmerzen und Skorbut.

Die Heilwirkung der Brunnenkresse ist wissenschaftlich gut belegt. Ihre Senföle (Glucosinolate) wirken antibakteriell, antioxidativ, krebshemmend und entzündungshemmend.3 So findet sie bei Magenbeschwerden, Appetitlosigkeit und zur Leberunterstützung Anwendung.

Eine randomisierte Phase-III-Studie zeigte, dass eine Kombination aus Brunnenkresse, Meerrettich und Cranberry bei akuten unkomplizierten Harnwegsinfekten die Notwendigkeit von Antibiotika reduziert und die körpereigene Abwehr stärkt.4

Wichtig: Übermäßiger Verzehr kann aufgrund der enthaltenen Senföle die Magenschleimhaut reizen. Bei Nierenerkrankungen oder während der Schwangerschaft sollte sie nur in Maßen konsumiert werden.

Tinktur

Die Tinktur wird bei den gleichen Beschwerden eingesetzt wie die frische Pflanze. Der Vorteil einer Tinktur ist die schnelle Verfügbarkeit, wenn keine Möglichkeit besteht, frische Pflanzen zu ernten.

Brunnenkresse-Tinktur wird wie folgt hergestellt:

  • Frische Brunnenkresse fein schneiden und in ein Schraubglas füllen.
  • Mit hochprozentigem Alkohol (mindestens 40 % Vol.) übergießen.
  • Drei Wochen ziehen lassen.
  • Abfiltern und in kleine Braunglasflaschen füllen.

Verwende die Tinktur sowohl innerlich als auch äußerlich. Brunnenkresse-Tinktur sollte tropfenweise eingenommen werden, bis zu 3-mal täglich etwa 20–30 Tropfen. Wem der Geschmack zu intensiv ist, der kann die Tinktur mit Wasser verdünnen.

Die Tinktur wird bei Sommersprossen und Altersflecken direkt auf die Haut getupft.

Tee

Tee aus Brunnenkresse wird aufgrund seines sehr speziellen Geschmacks eher selten angewendet. Eine starke Abkochung wird traditionell bei unreiner Haut, Sommersprossen, Sonnenbrand und störenden Pigmentflecken für Waschungen angewandt. Die zu behandelnden Stellen hierfür mit einem Tuch, das in starken Tee getaucht wurde, sorgfältig abreiben.

Körperpflege mit Brunnenkresse

Bei Hautunreinheiten, Sommersprossen, Leber- und Altersflecken kann man eine Kur mit Brunnenkresse ausprobieren. Zerquetsche dafür das frische Kraut und lege das Mus auf die betroffenen Stellen. Fixiere das Ganze mit einem Tuch und lasse es bis zu fünf Stunden wirken.

Bei zweimaliger Anwendung täglich sollte nach etwa zwei Wochen eine Verbesserung bemerkbar sein.

Alternativ kann auch abendliches Auftupfen mit Presssaft oder einer Brunnenkressen-Tinktur helfen.

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Erkennung und Sammeltipps

Die Brunnenkresse ist ideal für entgiftende Frühjahrskuren und versorgt uns mit vielen wichtigen Mineralien und Vitaminen, wie Jod, Eisen und Vitamin C.

Die pikante Sumpf- und Wasserpflanze ist ausdauernd und kann dichte Rasen bilden. An ihren dickfleischigen Blättern und ihren besonderen Standortvorkommen ist sie leicht zu erkennen.

  • Brunnenkresse besitzt niederliegende, 10 bis 90 cm lange Stängel.
  • Die Blätter sind dunkelgrün, fleischig und kahl.
  • Die gefiederten Blätter sind rund bis elliptisch, Endblättchen meist größer.
  • Die weißen Blüten haben gelbe Staubbeutel.
  • Der Stängel ist hohl.
  • Die länglichen Schoten besitzen Samenreihen.
  • Die Pflanze riecht und schmeckt scharf.

Verwechselt wird Brunnenkresse oft mit dem bitteren Schaumkraut (Cardamine amara), das keinen hohlen, sondern einen markigen Stängel und violette Staubbeutel besitzt. Inhaltsstoffe und Geschmack der beiden Pflanzen sind recht ähnlich, was eine Verwechslung unbedenklich macht.

Sammle Brunnenkresse am besten nicht in der Nähe von Weiden, da eine Verunreinigung mit den Larven des großen Leberegels nicht ausgeschlossen werden kann. Grundsätzlich solltest du wild gesammelte Brunnenkresse vor dem Verzehr gut waschen, um eine Infizierung zu vermeiden.

Anbautipps

Der Bestand der Brunnenkresse ist rückläufig, weil es immer weniger naturbelassene, saubere Bäche gibt und zudem manche Sammler ganze Bestände mitsamt der Wurzel ausreißen. Daher empfiehlt es sich, Brunnenkresse selbst anzubauen.

Wer in seinem Garten einen Wasserlauf oder ein Wasserbecken besitzt, kann versuchen, die Brunnenkresse bei sich anzusiedeln.

Brunnenkresse hat es gern schattig bis halbschattig und ist auf kühles, sauerstoffreiches Wasser angewiesen. Deshalb muss bei stehenden Gefäßen spätestens alle zwei Tage das Wasser gewechselt werden, Gartenteiche können mit einem Teichbelüfter mit Sauerstoff versorgt werden.

Es ist möglich, die Samen der Brunnenkresse ab Mai in einem Sandgemisch vorzuziehen und sie danach an den gewünschten Ort zu versetzen. Sehr gut eignet sich auch die Stecklingsaufzucht. Hierfür werden fünf bis sieben Zentimeter lange Triebe der Mutterpflanze abgeschnitten und direkt in magere Erde gesteckt.

Ist die Brunnenkresse angewachsen, kann schon im selben Jahr geerntet werden.

  1. Heilpflanzenpraxis heute – Arzneipflanzenporträts (KIM – Fachbuch – Urban & Fischer Verlag). Bäumler, Siegfried: ↩︎
  2. Inhaltsstoffe Brunnenkresse auf Naehrwertrechner.com ↩︎
  3. Panahi Kokhdan, E. et al. (2021). A Narrative Review on Therapeutic Potentials of Watercress in Human Disorders ↩︎
  4. Thiel, Ardjomand-Wölkart. Eine Extraktkombination aus Cranberry, Brunnenkresse und Meerrettich in der Anwendung bei Frauen mit unkompliziertem Harnwegsinfekt. Journal für Urologie und Urogynäkologie. 2016:4–9. ↩︎

Steckbrief

Kurzbeschreibung
Ursprünglich aus Eurasien stammend, ist die Brunnenkresse heute überall auf der Welt zu finden. Die ausdauernde Wasserpflanze ist für ihren scharfen Geschmack bekannt, welcher auf die enthaltenen Senfölglykoside zurückzuführen ist. Die Brunnenkresse, auch Bachsenf genannt, kann das ganze Jahr über gesammelt werden und wird in Europa und Nordamerika auch angebaut. Ihre Haupterntezeit ist jedoch im Frühling bis zum Beginn der Blüte und im Herbst ab September. Den Winter über können die vorhandenen Triebe in eisfreien Gewässern geerntet werden. Sie bevorzugt nährstoffreiche Fließgewässer, ist aber auch an Teichrändern und Quellen zu finden.
Lateinischer Name
Nasturtium officinale
Andere Namen
Wasserkresse, Echte Brunnenkresse, Bachkresse, Bittersalat, Bachsenf, Bitterkresse, Weiße Kresse
Familie
Kreuzblütler (Brassicaceae)
Erntemonate
ganzjährig
Verwendbare Pflanzenteile
Blätter, Triebe
Blütenfarbe
weiß
Fundorte
Klare Bäche, Quellen, Teichränder, Flüsse, Feuchtgebiete, Wassergräben, langsam fließendes, gleichmäßig temperiertes Wasser
Verwechslungsgefahr
Mit dem ähnlich zu verwendenden bitteren Schaumkraut
Giftigkeit
ungiftig
Warnungen
Bei übermäßigem Verzehr von Brunnenkresse können Magen- und Nierenreizungen vorkommen.
Inhaltsstoffe
Arsen, ätherische Öle, Bitterstoffe, Eisen, Jod, Kalium, Senföle, Vitamin A, Vitamin C, Vitamin D, Vitamin E (Tocopherol), Zink
Eigenschaften
appetitanregend, blutreinigend, fiebersenkend, harntreibend, keimhemmend, menstruationsfördernd, schleimlösend, stimulierend, verdauungsfördernd
Hilft bei
Appetitlosigkeit, Brandwunden, Bronchitis, Erkrankungen der Galle, Erkrankungen der Leber, Fieber, Frühjahrsmüdigkeit, Gicht, Hautkrankheiten, Husten, Kropferkrankungen, Leberflecke, Menstruationsbeschwerden, Nervenschwäche, Rheuma, Schwäche, Stoffwechselstörungen, Verdauungsprobleme

3 Kommentare
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  1. In einem Bächlein nahe Naturschutzgebiet.. der leberegel macht mir nun etwas Bammel..

    Antworten
  2. TiborWolf

    Unser gesamter Gonsbach ist voll davon. Aber zu dieser Jahreszeit zeigen sich doch erst die allerersten ganz mini-kleinen Blätter. Von Ernten kann da noch keine Rede sein. Ist die Brunnenkresse etwas in anderen Regionen Deutschlands schon weiter, als hier in Mainz, bzw. im Rhein-Main-Kreis ?

    Antworten
    • In Berlin haben wir schon viel gesehen, allerdings an einer Stelle, wo wir lieber nicht sammeln wollen 🙂

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