Gerbstoffe in der Naturheilkunde: Die sanften Heiler richtig nutzen

Wie wirken Gerbstoffe in Wildpflanzen? Erfahre, was diese natürlichen Heiler ausmacht, wo sie stecken und wie du sie sicher anwendest!

Hast du dich schon mal gefragt, warum manche Tees deinen Mund so pelzig zusammenziehen? Das sind Gerbstoffe. Diese faszinierenden Pflanzenstoffe sind echte Geheimwaffen für unsere Haut und Verdauung. Hier erfährst du, wie sie wirken, in welchen Wildpflanzen sie vorkommen und wie du sie ganz einfach im Alltag nutzt.

Was sind Gerbstoffe eigentlich genau?

Gerbstoffe, in der Fachliteratur auch als Tannine bezeichnet, sind komplexe organische Verbindungen, die in der Pflanzenwelt weit verbreitet sind. Aus chemischer Sicht gehören sie zu den Polyphenolen.

Pflanzen bilden diese sekundären Pflanzenstoffe primär als hocheffektiven Schutzmechanismus aus. Sie dienen verlässlich dazu, Fressfeinde wie Insekten oder hungrige Wirbeltiere durch ihren bitteren Geschmack abzuschrecken. Gleichzeitig schützen sie die jeweilige Pflanze vor dem Befall durch Pilze und Bakterien.

Für die menschliche Gesundheit sind Gerbstoffe von großer Bedeutung, da sie eine sogenannte adstringierende, also zusammenziehende Wirkung auf das Gewebe besitzen. Wenn sie mit Eiweißen auf unserer Haut oder den Schleimhäuten in Kontakt kommen, reagieren sie unmittelbar mit diesen und verändern deren Struktur. Dieser Prozess führt dazu, dass sich das Gewebe verdichtet und eine schützende Barriere bildet. Dadurch wird das Eindringen von Krankheitserregern erschwert und Entzündungsprozesse werden im Körper eingedämmt.

Diese besonderen Eigenschaften machen sie zu einem unverzichtbaren Bestandteil der natürlichen Hausapotheke bei Hautirritationen und Schleimhautentzündungen.

Wie wirken Gerbstoffe?

Gerbstoffe entfalten im menschlichen Organismus wertvolle heilende Effekte. Durch die Eiweißfällung auf verletztem Gewebe dichten sie kleine Blutgefäße ab, was die Blutstillung fordert. Zudem entziehen sie Bakterien den Nährboden, indem sie deren Proteine unbrauchbar machen. Dies ist besonders bei Entzündungen im Mund- und Rachenraum sowie bei Durchfallerkrankungen hilfreich. Sie wirken dann “stopfend” und verhindern, dass Keime über die Darmschleimhaut eindringen.1

Die entzündungshemmende Wirkung von Gerbstoffen, insbesondere aus der Blutwurz, wurde auch wissenschaftlich belegt. Eine klinische Studie im Journal der Deutschen Dermatologischen Gesellschaft bestätigte die hervorragende Wirksamkeit bei der Behandlung von atopischer Haut und Ekzemen.2

Tipp: Du kannst Gerbstoffe auch in Form von Bitterkräuter-Pulver zu dir nehmen, wie du es selbst herstellst, erfährst du in diesem verlinkten Beitrag.

Wie wurden Gerbstoffe früher genutzt?

Schon unsere Vorfahren erkannten die erstaunliche Wirkung von Gerbstoffen und nutzten sie intensiv in ihrem Alltag. Der Begriff leitet sich direkt vom jahrtausendealten Handwerk des Gerbens ab. Bei diesem Prozess wurden Tierhäute mithilfe pflanzlicher Stoffe haltbar und wasserabweisend gemacht.

Im Mittelalter sammelten sogenannte Lohgerber dafür junge Eichenrinde. Sie mahlten die Rinde zu feinem Pulver und legten die Tierhäute monatelang darin ein. So entstand robustes Leder für Stiefel und Sättel.

Gleichzeitig spielte die Eichenrinde eine wichtige Rolle in der antiken Heilkunde. Heiler verwendeten den herben Absud als schnellen Blutstiller auf Schlachtfeldern und zur Linderung von Magen-Darm-Beschwerden.

In welchen Pflanzen findest du die besten Gerbstoffe?

Die heimische Flora bietet eine erstaunliche Fülle an Pflanzen, die sich durch einen hohen Gehalt an diesen heilsamen Verbindungen auszeichnen.

Ein klassischer Vertreter ist die Eichenrinde (Cortex Quercus), die traditionell für pflegende Bäder, Spülungen und heilende Umschläge genutzt wird.

Wie wirken Gerbstoffe in Wildpflanzen? Erfahre, was diese natürlichen Heiler ausmacht, wo sie stecken und wie du sie sicher anwendest!

Ebenso bemerkenswert ist die Blutwurz (Potentilla erecta), deren unterirdischer Wurzelstock besonders reich an kondensierten Gerbstoffen ist und seit Jahrhunderten als bewährtes natürliches Mittel bei akuten Magen-Darm-Beschwerden geschätzt wird.

Für den alltäglichen Gebrauch und sanftere Anwendungen eignen sich die Blätter der heimischen Brombeere (Rubus fruticosus) sowie die grünen Walnussblätter (Folium Juglandis). Auch der Frauenmantel (Alchemilla vulgaris), ein überaus beliebtes Kraut in der traditionellen Frauenheilkunde, enthält milde, sehr gut verträgliche Gerbstoffe für sanfte Tees.

Frauenmanteltee im Glas

Diese nützlichen Wildpflanzen lassen sich über weite Teile des Jahres in unseren heimischen Wäldern und Wiesen problemlos sammeln. Durch die gezielte Ernte und schonende Trocknung dieser Pflanzenteile kann man sich mühelos einen wertvollen Vorrat anlegen, der bei Bedarf schnell einsatzbereit ist.

Hinweis: Da Gerbstoffe die Magenschleimhaut stark beanspruchen können, gilt für die innerliche Anwendung bei Magen-Darm-Beschwerden die Regel: Verwende nur milde Aufgüsse mit einer Ziehzeit von maximal fünf bis zehn Minuten und trinke den Tee stets ungesüßt. Für die äußere Anwendung – etwa bei juckenden Hautstellen oder Entzündungen – darf der Sud hingegen deutlich kräftiger sein.

Vermeide bei der Zubereitung unbedingt Töpfe und Löffel aus Eisen. Gerbstoffe reagieren chemisch mit Metallionen, wodurch sich der Sud tief bläulich-schwarz verfärbt. Dies mindert nicht nur die medizinische Wirksamkeit erheblich, sondern kann auch unschöne Flecken hinterlassen.

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Welche Erfahrungen hast du bereits mit gerbstoffreichen Anwendungen gemacht? Teile deine Beobachtungen und Fragen gerne unten in den Kommentaren.

Weitere spannende Beiträge findest du hier:

Wie wirken Gerbstoffe in Wildpflanzen? Erfahre, was diese natürlichen Heiler ausmacht, wo sie stecken und wie du sie sicher anwendest!
  1. Bühring, Ursel et al.: 2016. Praxis Heilpflanzenkunde. Gerbstoffe. DOI: 10.1055/b-0036-137707 ↩︎
  2. J Dtsch Dermatol Ges. 2016 Sep;14(9):917-23. Gerbstoffe aus Potentilla officinalis wirken entzündungshemmend im UV-Erythem-Test und bei Anwendung auf atopischer Haut ↩︎

Über mich

Seit einigen Jahren widme ich mich leidenschaftlich der Heilkräuterkunde. Ich experimentiere mit verschiedenen Methoden, um ihre Kräfte zu nutzen: von Räucherungen und Tees bis hin zu Salben und Ölauszügen. Meine Erfahrungen teile ich hier gerne mit dir und freue mich auf dein Feedback, um jeden Tag etwas Neues zu lernen.

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