Meerrettich
Meerrettich ist weit mehr als nur eine pikante Beilage zu Fleischgerichten. Denn die kräftige Wurzel besitzt starke antibakterielle, schleimlösende und durchblutungsfördernde Eigenschaften. Schon unsere Vorfahren wussten um ihre Wirkung bei Erkältungen, rheumatischen Beschwerden und Verdauungsproblemen. Heute erlebt der Meerrettich eine kleine Renaissance als natürliches Antibiotikum.
Herkunft und kulturelle Bedeutung
Der Meerrettich verdankt seinen deutschen Namen vermutlich dem früheren Vorkommen an Küstenregionen oder war eine etwas schiefe Übersetzung vom Englischen „horseradish“. Die Pflanze ist aber schon seit der Antike bekannt und fand im 9. Jahrhundert über Südrussland und Osteuropa ihren Weg in die Klostergärten Mitteleuropas. Weitere gebräuchliche Namen sind Kren (v.a. in Österreich und Süddeutschland), Bauernsenf oder Pfefferwurzel.
Hildegard von Bingen nutzte seine Wirkstoffe bei Herzschmerzen oder Lungenleiden.1 In der Volksmedizin nutzte man ihn zur Stärkung der Abwehrkräfte und zur Förderung der Verdauung. Auch bei Entzündungen im Mund- und Rachenraum war Gurgeln mit Meerrettichsaft gebräuchlich. Mundfäule wurde mit Meerrettich-Pulver behandelt.
Auch im Aberglauben war der Meerrettich von Bedeutung. So war es üblich, dass Kinder als heilsames Amulett eine Kette aus Meerrettich-Wurzelstücken als Schutz trugen. Einem anderen Brauch zufolge, konnte man mit der Wurzel das Geschlecht eines ungeborenen Kindes bestimmen. Dafür wurde ein Stück Meerrettich unter das Kopfkissen von Mann und Frau gelegt. Die Wurzel, die zuerst schwarz wurde, sagte das Geschlecht des Kindes voraus.
In der Ernährung
Kulinarisch ist der Meerrettich für seine scharfe, frische Note bekannt. Er wird traditionell zu Räucherfisch, Schinken und Würstchen gereicht und zum Würzen von Quark und Frischkäse verwendet. In Süddeutschland sowie Österreich serviert man zu gekochtem Rindfleisch gerne Sahnemeerrrettich – am liebsten in Kombination mit Äpfeln oder Semmeln, die Apfelkren bzw. Semmelkren genannt werden.
Aber auch die Blätter und Blüten sind genießbar: Ab März kannst du die Blätter als scharfes Gewürz verwenden – die Blüten sind von Mai bis Juli als würzige Dekoration verfügbar.
Zu den wichtigsten Inhaltsstoffen des Meerrettichs gehören Senfölglycoside wie Sinigrin, die für den scharfen Geschmack verantwortlich sind, sowie ätherische Öle, Vitamine und Mineralstoffe wie Vitamin C, Kalium und Eisen.2
Zum Trocknen eignet sich Meerettich nicht, da sich seine Schärfe und seine ätherischen Öle schnell verflüchtigen. Friere ihn lieber ein, mache den Meerrettich mit Essig und Salz haltbar, oder verarbeite ihn zu einer gesunden Leckerei.

Kandierter Meerrettich
Mit nachfolgendem Rezept kannst du Meerrettich süß einlegen und haltbar machen.
Du benötigst:
- 300 g Meerrettich
- 300 ml Wasser
- 1 Chilischote
- 200 g Zucker
- 1 EL Senfkörner
- Glas für 500 ml Inhalt
So legst du ihn ein:
- Meerrettich in Würfel und Chilischote in Ringe schneiden.
- Meerrettich mit Zucker, Senfkörner und Chili-Ringen ins Wasser geben.
- Eine halbe Stunde köcheln lassen.
- Das Ganze in ein verschließbares desinfiziertes Glas füllen und verschließen.
Der kandierte Meerrettich ist etwa ein halbes Jahr lang haltbar.
Heilende Anwendungen
Wichtige Inhaltsstoffe des Meerrettichs sind Glucosinolate – vor allem Sinigrin und Gluconasturtiin – die sich beim Reiben in scharf schmeckende Senföle verwandeln. Sie bekämpfen Bakterien und Viren auf natürliche Weise.
Zahlreiche Studien belegen die Wirksamkeit der Kombination aus Meerrettich und Kapuzinerkresse bei akuten Atemwegsinfektionen wie Sinusitis und Bronchitis in Form des Medikaments Angocin® Anti-Infekt N. In groß angelegten Kohortenstudien zeigte sich, dass eine etwa 11- bis 12-tägige Behandlung mit dieser Pflanzenkombination ebenso wirksam war wie eine Standard-Antibiotikatherapie – sowohl bei Erwachsenen als auch bei Kindern ab 4 Jahren.3
Meerrettich in Kombination mit Kapuzinerkresse zeigt auch bei akuten Harnwegsinfektionen eine gute Wirksamkeit. In klinischen Studien konnte die pflanzliche Therapie die Beschwerden ähnlich stark lindern wie eine konventionelle Antibiotikabehandlung. Verantwortlich dafür sind die Senföle, die über den Harnweg ausgeschieden werden.4
Bei Insektenstichen kann die angeschnittene Wurzel direkt auf den Stich gegeben werden, wo sie desinfizierend und wundheilend wirkt. Ein Umschlag wirkt durchblutungsfördernd und kann Muskelverspannungen lockern. In der Volksheilkunde nutzte man ihn als Wundumschlag oder zur Behandlung von Hautunreinheiten.
Du kannst die Wurzel ab September ernten, wenn die ersten Blätter gelb werden, bis zum Neuaustrieb im April. Wenn du den Meerrettich nicht direkt frisch nutzt, lagere sie entweder in einer kühlstehenden Kiste mit feuchtem Sand oder im Kühlschrank bei Minus zwei Grad. So hast du sie als schnelle Hausapotheke immer parat, sobald sich der nächste Infekt ankündigt. Alternativ kannst du auch einen Sirup oder Tinkturen mit Meerrettich ansetzen, um seine Heilkräfte das ganze Jahr über zu nutzen.
Heilsame Rezepte mit weiteren beliebten Wild- und Gartenpflanzen findest du auch in unserem Buchtipps:
Meerrettichsirup
Ein Sirup aus der Meerrettichwurzel, auch Meerrettich-Hustensirup genannt, wirkt immunstärkend und hilft bei Atemwegserkrankungen, wie Bronchitis und Husten. Er ist ganz leicht herzustellen und bei Kindern sehr beliebt.
Für die Herstellungs des Sirups brauchst du:
- ein Stück Meerrettichwurzel
- Honig (am besten flüssig)
- weithalsiges Glas
So gehst du vor:
- Die Wurzel fein raspeln und in das Glas geben.
- Mit doppelter Menge Honig übergießen.
- 24 Stunden ziehen lassen.
- Absieben und in ein kleines Fläschchen abfüllen.
- Bei Bedarf dreimal täglich einen Teelöffel einnehmen.
Den Sirup am besten kühl lagern und innerhalb einer Woche aufbrauchen. Ein gepresster Saft aus der Wurzel hat die gleiche Wirkung wie der Sirup, schmeckt jedoch intensiver. Du kannst den Saft entweder selbst pressen oder online bestellen. Zwei bis dreimal täglich wird ein Esslöffel davon eingenommen.
Meerrettich-Umschlag
Ein Breiumschlag aus Meerrettichwurzel wirkt durchblutungsfördernd und hilft bei Muskelschmerzen und Kopfschmerzen. Auf die Brust gelegt löst der Umschlag auch Hustenschleim.
Für den Breiumschlag brauchst du:
- Meeerettich
- Baumwolltuch
- Pflanzenöl
So wendest du den Umschlag an:
- Meerrettich reiben und in ein Baumwolltuch geben.
- Die Haut mit einem Pflanzenöl deiner Wahl einreiben.
- Meerrettich-Umschlag auflegen und entfernen, sobald es auf der Haut brennt.
- Bei Bedarf wiederholen.
Bei Kopfschmerzen wird der Umschlag auf den Nacken, bei Husten auf die Brust und bei Nasennebenhöhlenentzündung auf auf die Wange gelegt. Es empfiehlt sich, den Umschlag täglich für drei bis fünf Minuten aufzulegen.
Meerrettich-Tinktur
Eine Tinktur aus der Meerrettichwurzel hilft bei schlecht heilenden Wunden, Nasennebenhöhlenentzündungen, Mandelentzündungen, Atemwegserkrankungen sowie Erkältungen. In Kombination mit Kapuzinerkresse erhältst du ein natürlich wirksames Antibiotikum gegen Bakterien, Viren und Pilze.
Wie du die Tinktur aus Meerrettich und Kapuzinerkresse herstellst, erfährst du hier.

Vorsicht: Zu große Mengen von Meerrettich können die Magenschleimhaut reizen. Nicht geeignet bei Magen- oder Darmgeschwüren und für Kinder unter 4 Jahren. Bei längerer innerer Anwendung oder gleichzeitiger Einnahme von Medikamenten sollte ärztlicher Rat eingeholt werden, insbesondere bei bestehenden Erkrankungen wie Nierenleiden oder Schilddrüsenproblemen.
Erkennung und Sammeltipps

Wilder Meerrettich sowie Meerrettich aus dem Garten unterscheiden sich von ihren Inhaltsstoffen nicht von gekauftem Meerrettich. In freier Natur ist Meerrettich oft in Gesellschaft mit Brennnesseln und Gutem Heinrich zu finden. Er braucht nährstoffreiche, lehmige Böden und ist deshalb oft auf feuchten Wiesen und in der Nähe von Fließgewässern anzutreffen.
- Meerrettich hat große länglich- eiförmige lang gestielte Blätter.
- Sie stehen aufrecht und sind seitlich oft leicht gewellt.
- Die Blätter können bis zu einem Meter hoch werden.
- Der Blattrand ist unregelmäßig gezähnt.
- Der Stängel ist kantig.
- Der Blütenstand ist traubig angeordnet.
- Eine Blüte besteht aus vier weißen bis zu acht Millimeter großen Blütenblättern.
- Blütezeit ist von Mai bis Juli.
- Die Blüten riechen angenehm.
- Pfahlartige dicke Wurzel mit weißem Fleisch.
Meerrettich kann von den Blättern her oft mit wilden Ampferarten verwechselt werden, die einen ähnlichen Wuchs aufweisen und die gleichen Standorte bevorzugen. Allerdings zeigt der Meerrettich an den Rändern starke Wellen an den Blättern. Sie besitzen einen scharfen Geschmack und bereits beim zerreiben der Blätter kann er am stechenden Geruch erkannt werden, wodurch er sich von den Ampferarten unterscheiden lässt.
Anbautipps
Der mehrjährige Meerrettich braucht lehmig sandige Böden oder sandige Lehmböden, die er leicht durchdringen kann. Dort wird er besonders geschmacksintensiv, im Prinzip gedeiht er jedoch auf vielen anderen Böden. Wenn du ihn in deinem Garten anbauen möchtest, kannst du am besten Seitenwurzeln (30-60 cm groß), die bei der Ente anfallen, verwenden. Diese werden schräg in die Pflanzlöcher gesetzt und wieder mit Erde bedeckt.
Weil Meerrettich zum Wuchern neigt, empfiehlt sich die Verwendung unterirdischer Begrenzungen.
- Physica. Liber subtilitatum diversarum naturarum creaturarum: Band 3: Kommentiertes Register der deutschen Wörter eBook : von Bingen, Hildegard, Hildebrandt, Reiner (o. D.). ↩︎
- Chrubasik-Hausmann, S. & Institut für Rechtsmedizin der Universität Freiburg im Breisgau. (2013). Kapuzinerkresse plus Meerrettichwurzel. In Institut für Rechtsmedizin der Universität Freiburg Im Breisgau (S. 1). ↩︎
- Goos, K., Albrecht, U. & Schneider, B. (2013). Wirksamkeit und Verträglichkeit eines pflanzlichen Arzneimittels mit Kapuzinerkressenkraut und Meerrettich bei akuter Sinusitis, akuter Bronchitis und akuter Blasenentzündung im Vergleich zu anderen Therapien unter den Bedingungen der täglichen Praxis. Arzneimittelforschung, 62(12), e4. ↩︎
- Albrecht, U., Goos, K. & Schneider, B. (2007). A randomised, double-blind, placebo-controlled trial of a herbal medicinal product containing Tropaeoli majoris herba (Nasturtium) and Armoraciae rusticanae radix (Horseradish) for the prophylactic treatment of patients with chronically recurrent lower urinary tract infections. Current Medical Research And Opinion, 23(10), 2415–2422. ↩︎
Steckbrief
- Kurzbeschreibung
- Der ursprünglich aus Südosteuropa stammende Meerrettich ist vielen als scharfe Gemüsebeilage zu Fleisch, als Salat und Gewürz bekannt. Früher wurde er jedoch eher als Heilpflanze genutzt. Schon Hildegard von Bingen wusste von seiner positiven Wirkung bei Verdauungsbeschwerden und Husten. Als natürliches Antibiotikum hilft er bei Atemwegserkrankungen und Erkältungskrankheiten. Äußerlich angewendet wirkt er desinfizierend und durchblutungsfördernd, weshalb er bei Wunden, Rheuma und Insektenstichen ein hilfreiches Mittel ist. Er kommt sowohl kultiviert als auch wild auf nährstoffreichen Wiesen mit lehmigen Böden vor.
- Lateinischer Name
- Armoracia rusticana
- Andere Namen
- Kren, Kreen, Krien, Kree, Chren, Merch, Meerettig, Mährrettig, Mirch, Merrich, Märek, Beißwurzel, Bauernsenf, Pfefferwurzel, Waldrettich, Pferderettich, Fleischkraut
- Familie
- Kreuzblütengewächse
- Erntemonate
- Sep - Nov
- Verwendbare Pflanzenteile
- Blätter, Blüten, Wurzeln
- Blattform
- länglich eiförmig
- Blütenfarbe
- weiß
- Fundorte
- feuchte Wiesen, Ufer von Fließgewässer, nährstoffreiche Standorte
- Giftigkeit
- ungiftig
- Warnungen
- Hautreizend, kann in großen Mengen Erbrechen und Durchfall auslösen
- Inhaltsstoffe
- ätherische Öle, Eisen, Flavone, Kalium, Kalzium, Magnesium, Phosphor, Senföle, Senfölglykoside, Vitamin B, Vitamin B1, Vitamin B2, Vitamin C
- Eigenschaften
- antibakteriell, antimikrobiell, antiviral, desinfizierend, durchblutungsfördernd, entkrampfend, immunstärkend, schleimlösend, verdauungsfördernd, wundheilend
- Hilft bei
- Appetitlosigkeit, Blasenentzündungen, Grippe, Harnwegsentzündungen, Husten, Insektenstiche, Kopfschmerzen, Magen-Darmbeschwerden, Muskelschmerzen, Nasennebenhöhlenentzündung, Skorbut, Wunden














Die Wirkung von Meerrettich bei Erkältungen kann ich nur bestätigen! Gerade in den letzten Wochen, wo es so kalt ist, hilft ein kleiner Schuss im Tee oder ein Sirup wirklich super, um freie Atemwege zu bekommen. Das ist eine tolle natürliche Alternative zu herkömmlichen Mitteln! 🤧💪
Franzi
Warum sollte der Merreettich-Sirup innerhalb einer Woche verbraucht werden?
Da frische Zutaten verwendet werden und keine weitere Konservierung stattfindet, ist die Haltbarkeit des Sirups begrenzt und es empfiehlt sich, ihn bei Bedarf frisch für die nächsten Tage zuzubereiten, zum Beispiel bei einer beginnenden Erkältung.
Liebe Grüße