Maulbeere

Maulbeerbäume wurden früher vielerorts angepflanzt, um Seidenspinnen zu züchten. Heute bereichern die Früchte unsere Ernährung als regionale Superfoods.

Die Maulbeere gilt in vielen Kulturen als wertvolle Fruchtpflanze – sie liefert süße, saftige Beeren, deren Geschmack je nach Art von mild bis tief aromatisch reichen kann. Gleichzeitig war und ist sie in manchen Regionen eine Futterpflanze (etwa für Seidenraupen) und liefert zudem Blätter, Holz und medizinisch genutzte Wirkstoffe.

In der Volksmedizin wird der Maulbeerbaum manchmal für unterstützende Anwendungen bei Verdauungsbeschwerden, Entzündungen oder als mildes Immunstärkungsmittel erwähnt. Ihre Bedeutung liegt darin, dass sie in vielen Lebensbereichen – Ernährung, Heilpflanzengebrauch, Gartenkultur – gleichzeitig eingesetzt werden kann.

Der botanische Name lautet Morus, und im deutschen Sprachgebrauch begegnet man häufig den Bezeichnungen „Maulbeerbaum“, „Maulbeere“ oder – differenziert nach Arten – „Schwarze Maulbeere“, „Weiße Maulbeere“ oder „Rote Maulbeere“.

Herkunft und Bedeutung

Die ursprüngliche Heimat der Maulbeeren liegt in den gemäßigten und subtropischen Regionen der Nordhalbkugel. So wurde die Weiße Maulbeere (Morus alba) in China schon seit langer Zeit kultiviert – insbesondere als Futterquelle für die Seidenraupen, die sich bevorzugt von Maulbeerblättern ernähren. Durch Handel verbreitete sich die Maulbeere auch in andere Teile Asiens, Europas und Nordamerikas.

In Europa kennt man sie seit der Antike: Schon römische Quellen nennen Maulbeerbäume in wärmeren Landschaften. Über Jahrhunderte wurden sie in Gärten, Parks oder entlang von Wegen angepflanzt. Besonders die Weiße Maulbeere wurde wegen ihrer Blätter geschätzt, und in Regionen mit Seidenproduktion war sie unverzichtbar.

In der Ernährung

Maulbeeren werden nicht alle gleichzeitig reif und können daher von Ende Juni bis in den August geerntet werden. Sie sind nicht lange haltbar und nur sehr selten frisch im Handel zu finden. Es empfiehlt sich reife Früchte direkt vom Baum gepflückt zu verzehren oder zügig weiterzuverarbeiten. Maulbeeren eignen sich zur Herstellung von Marmelade, Saft und Sirup, oder als Beigabe in Obstsalaten und Desserts. Natürlich kannst du sie auch in grüne Smoothies mischen.

Die Schwarze Maulbeere schmeckt aufgrund ihres höheren Pektingehalts weniger süß als die Rote oder die Weiße Maulbeere.

Im Handel sind getrocknete Maulbeeren und Maulbeer-Saft erhältlich. Getrocknete Beeren kannst du ähnlich wie Rosinen verwenden, z. B. in Müslis oder hausgemachten Müsliriegeln.

Crème bavaroise

Die Hauptzutaten für die bayerische Creme sind Milch, Eigelb, Zucker, Schlagsahne sowie Gelatine und schmecken mit Maulbeerfrüchten besonders lecker.

Für zwei Portionen benötigst du:

  • 175 g schwarze Maulbeeren
  • 75 ml Wasser
  • 50 g Zucker
  • 2 Blatt Gelatine
  • 1 Zitrone
  • 250 ml Sahne
  • 1 Prise Salz

So bereitest du die Creme mit Maulbeeren zu:

  1. Gelatine einweichen.
  2. Zucker im Wasser auflösen und erhitzen.
  3. Gelatine in der heißen Zuckerlösung auflösen.
  4. Sirup abkühlen lassen.
  5. Maulbeeren in etwas Wasser erhitzen und durch ein Sieb passieren.
  6. Zitrone auspressen und den Saft mit Maulbeermus und Zuckerlösung verrühren.
  7. Die Masse in den Kühlschrank stellen, bis sie geliert.
  8. Salz mit der Sahne vermischen, steif schlagen und unter das Maulbeermus heben.

Nachdem die Creme im Kühlschrank nochmals fest geworden ist, kann sie serviert werden.

Heilende Anwendungen

Die Maulbeere gilt in der traditionellen Medizin eher als milde Helferin. Dennoch gibt es Hinweise auf wirksame Bestandteile und mögliche Anwendungen.

Der hohe Anteil an Kalzium ist für den Aufbau der Knochen und Zähne wichtig. Außerdem sind die Früchte sehr vitaminreich: Vitamin-C, -K und -E sind reichlich vorhanden, schützen vor Zellschäden und stärken das Immunsystem. Daneben liefert die Maulbeere Spurenelemente wie Kupfer, Zink, Bor, Phosphor und Fluor.1

In der chinesischen Medizin werden die Maulbeerfrüchte gegen erhöhten Blutzucker- und Cholesterinspiegel empfohlen. Zudem zeigt die Analyse mehrerer Studien, dass regelmäßiger Verzehr Fettansammlungen reduziert und den Stoffwechsel anregt. Besonders weiße Maulbeeren wirken stärker auf Cholesterinwerte ein. Dies könnte Übergewicht und Typ-2-Diabetes vorbeugen.2

Die Früchte sind reich an bioaktiven Stoffen, die chronische Krankheiten wie Diabetes und Herz-Kreislauf-Erkrankungen vorbeugen können. Studien deuten auf eine Reduktion oxidativen Stresses hin, was die Zellen schützt.3

Der hohe Anteil an Antioxidantien macht die für vorzeitige Alterung verantwortlichen freien Radikale unschädlich. Die enthaltenen Anthocyane stärken die Blutgefäße, schützen vor Herz-Kreislauf-Erkrankungen und mindern so das Schlaganfall-Risiko. Dunklere Sorten sind nährstoffreicher als weiße.4

In der Regel sind Maulbeeren sicher zu konsumieren, aber einige Personen können allergisch auf sie reagieren.

Tee

Ein Tee aus Maulbeerblättern wird in Asien insbesondere in der Traditionellen Chinesischen Medizin hoch geschätzt. Er kann bei, Fieber, Verstopfung sowie Blasen- und Harnwegsinfekten, aber auch bei Diabetes Typ 2, Bluthochdruck und hohem Cholesterinspiegel helfen. Ganz nebenbei soll der Tee Heißhunger auf Süßes mindern.

Für eine Teezubereitung wird ein Teelöffel getrocknete Blätter (oder zwei Teelöffel zerkleinerte, frische Blätter) mit etwa 200 Milliliter heißem Wasser übergossen und etwa fünf Minuten ziehen gelassen. Da die Blätter keine Bitterstoffe enthalten, können sie auch länger ziehen.

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Erkennung und Sammeltipps

Maulbeerbäume wurden früher vielerorts angepflanzt, um Seidenspinnen zu züchten. Heute bereichern die Früchte unsere Ernährung als regionale Superfoods.

Die auf kalk- und nährstoffreichem Boden vorkommende Maulbeere kann als Strauch oder Baum wachsend zwischen 6 und 12 Meter hoch werden. Sie wächst in Parks, Gärten, Alleen, auf Marktplätzen und an Wegrändern.

  • Die Blätter sind variationsreich, hauptsächlich ei-lanzettlich und manchmal gebuchtet.
  • Die Rinde hat eine graubraune Färbung und enthält weißen Milchsaft.
  • Die Pflanzen kommen einhäusig oder zweihäusig vor.
  • Sie entwickeln unzählige Blüten.
  • Die männlichen Blüten besitzen vier Staubblätter.
  • Die süßen, essbaren Früchte erinnern in ihrer Form an längliche Brombeeren.
  • Die Früchte können im reifen Zustand weiß, schwarz oder rot sein.

Anbautipps

Die Maulbeere liebt es warm und windgeschützt und gedeiht am besten auf nährstoff- und kalkreichen Böden. Wenn du die Maulbeere in deinem Garten anpflanzen möchtest, bevorzuge beim Kauf die Rote Maulbeere. Sie ist wesentlich unempfindlicher gegen Kälte und Wind als die anderen Sorten. In Gegenden, wo der Wein gut gedeiht, kann auch die Schwarze Maulbeere gepflanzt werden.

  1. Naehrwertrechner Maulbeere ↩︎
  2. Tornaghi, M., Redha, A., Rondanelli, M. & Perna, S. (2023, 14. November). Exploring the impact of mulberry fruits on metabolic syndrome: a systematic review of current evidence. ↩︎
  3. Hu, Z., Su, Y., Jia, J., Bian, X., Gu, Y., Lv, G., Chen, S. & Jiang, N. (2025). Mulberry – Nutritional Value, Health Benefits, and its Applications in Food, Biomaterials, and Medicine: A Systematic Review with Bibliometric Analysis. Natural Product Communications. ↩︎
  4. Tian, J., Wen, H., Liu, B., Tian, X., Wu, Y., Yang, J., Zhang, B. & Li, H. (2025). Fruit quality evaluation of different mulberry varieties. Frontiers in Plant Science. ↩︎

Steckbrief

Kurzbeschreibung
Die Maulbeere, die als Baum oder Strauch wachsen kann, kommt ursprünglich aus Nordamerika und Asien. Sie ist seit etwa 5000 Jahren bekannt und von ihren weltweit zwölf Arten, haben drei ihren Weg nach Europa gefunden. Die Weiße, die Schwarze und die Rote Maulbeere sind bei uns zu finden, wobei vor allem die weiße Maulbeere für die Seidenraupenzucht zur Herstellung von Seide angebaut wurde. Durch bessere Importwege wurde die Zucht jedoch bald überflüssig. Heute stehen viele Bäume als Relikt aus dieser Zeit an Alleen und Marktplätzen. Die Maulbeere entwickelt brombeerähnliche, süße Früchte, die für den direkten Verzehr oder zur Weiterverarbeitung geeignet sind. Die Früchte enthalten zahlreiche gesunde Inhaltsstoffe. Früchte als auch Blätter können als Heilmittel wie in Asien bei Verstopfung, oder zur Blutzucker- oder Cholesterinspiegelsenkung eingesetzt werden.
Lateinischer Name
Morus
Familie
Maulbeergewächse
Erntemonate
Jun - Aug
Verwendbare Pflanzenteile
Blätter, Früchte
Blattform
eilanzettlich
Blütenfarbe
weiß
Fundorte
Alleen, Parks, Gärten, Wegränder
Giftigkeit
ungiftig
Inhaltsstoffe
Anthocyane, Antioxidantien, Ballaststoffe, Beta-Carotin, Bor, Eisen, Eiweiß, Essentielle Aminosäuren, Flavonoide, Kalium, Kalzium, Kupfer, Magnesium, Mangan, Natrium, Phosphor, Reservatol, Vitamin A, Vitamin B, Vitamin C, Vitamin K, Zink
Eigenschaften
abführend, antibakteriell, antiviral, beruhigend, blutbildend, blutdruckregulierend, cholesterinsenkend, durchblutungsfördernd, entwässernd, entzündungs­­hemmend, immunstärkend, schleimlösend, stoffwechselanregend, zusammenziehend
Hilft bei
Anämie, Blasenentzündung, Diabetes, Erkältung, Haarausfall, Harnwegs­­entzündungen, Harnwegsinfekte, Krebs, Schuppen, Verstopfung

Über mich

Nach dem Studium in Nachhaltigem Tourismusmanagement begann Nesrin Nachhaltigkeit im Alltag umzusetzen. Wichtig ist ihr die Naturverbindung, aus der jedes nachhaltige Handeln entspringt.

2 Kommentare
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  1. Liebes Team der Kostbaren Natur,

    danke für diesen wirklich interessanten Beitrag über die Maulbeere. Ich war überrascht, wie vielseitig diese Frucht eigentlich ist, vor allem die medizinischen Aspekte waren mir neu. Das Rezept für die Crème bavaroise klingt super, auch wenn ich die frischen Beeren jetzt im November natürlich nicht mehr bekomme. Die Idee mit dem Tee aus Blättern finde ich aber sehr gut und werde ich bestimmt mal ausprobieren. Und die Anbautipps für den Frühling nehme ich auch gerne mit.

    Viele Grüße,
    MiaHerz

    Antworten
    • Kostbare Natur
      Kostbare Natur

      Vielen Dank für deinen schönen Kommentar und herzliche Grüße!

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