Einjähriger Beifuß
Der Einjährige Beifuß, auch (“Artemisia annua“) genannt, ist eine aromatische Pflanze aus der Familie der Korbblütler, die in den letzten Jahren zunehmend Aufmerksamkeit erlangt hat. Besonders bekannt wurde sie durch den darin enthaltenen Wirkstoff Artemisinin, der in der Malariabehandlung eine entscheidende Rolle spielt1 und in der Forschung auch im Zusammenhang mit COVID-19 untersucht wurde. Doch auch darüber hinaus offenbart diese krautige Pflanze beeindruckende Eigenschaften, etwa zur Stärkung des Immunsystems, bei Verdauungsproblemen oder in der Hautpflege.
Auch wenn der Gemeine Beifuß (Artemisia vulgaris) ähnliche Wirkungen besitzt wie der Einjährige Beifuß, sollten sie nicht miteinander verwechselt werden. Letzterer verfügt aufgrund des genannten Artemisinin-Gehalts über ein deutlich höheres Potential in der modernen Medizin.
In der Ernährung
Auch wenn Artemisia annua in erster Linie als Heilpflanze bekannt ist, kann sie in kleinen Mengen auch kulinarisch genutzt werden. Die jungen Blätter und Triebspitzen sind essbar, besitzen jedoch einen intensiven, leicht bitteren Geschmack. Sie eignen sich gut als würzige Zutat für Salate oder Kräuterbutter. Reich an sekundären Pflanzenstoffen, enthalten sie unter anderem Flavonoide, ätherische Öle und Bitterstoffe.2
Heilende Anwendungen
Die Wirkung von Artemisia annua ist in der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) schon seit mehr als 2000 Jahren bekannt. Entsprechend wird der Einjährige Beifuß für seinen Einfluss auf die Immunabwehr sowie gegen fieberhafte Erkrankungen und Entzündungen eingesetzt.3
Wie bei allen Heilpflanzen wird stark diskutiert, ob eine medizinische Therapie mit dem isolierten Wirkstoff Artemisinin erfolgen sollte oder mit der gesamten Pflanze, in der entsprechend viele verschiedene Inhaltsstoffe sich gegenseitig in ihrer Wirkung beeinflussen.
Dies sind neben Artemisinin über 600 gesundheitlich bedeutsame Wirkstoffe, unter anderem Flavonoide, Menthol, Cumarin, Thymol, Beta-Sitosterol und ätherische Öle. Die in der Pflanze enthaltenen Bitterstoffe unterstützen die Arbeit der Gallenblase, Leber und der Bauchspeicheldrüse. In der Naturheilkunde wird Artemisia annua daher bei Infekten, Grippe, zur Immunstärkung und zur Förderung der Leber- und Gallenfunktion eingesetzt.
Volksheilkundlich gilt der Tee aus den Blättern als hilfreich bei Fieber, Magen-Darm-Beschwerden und sogar bei Wechseljahresbeschwerden. Wissenschaftliche Studien zur antiviralen und entzündungshemmenden Wirkung befinden sich noch im Anfangsstadium, doch erste Ergebnisse sind vielversprechend. So zeigt eine Studie aus dem Jahr 2020, dass Artemisia-Extrakte in vitro eine antivirale Wirkung gegen SARS-CoV-2 haben könnten.4 Allerdings gibt es bisher keine klinischen Studien, die eine Wirksamkeit bestätigen.
Wichtig: Die Anwendung sollte nicht dauerhaft und nicht hochdosiert erfolgen. Für Schwangere, Stillende und Kinder ist die Einnahme nicht empfohlen. Bei gleichzeitiger Medikamenteneinnahme bitte ärztlichen Rat einholen.

Tee aus Einjährigem Beifuß
Die traditionelle und gleichzeitig häufigste Art der Einnahme von Einjährigem Beifuss ist die als Teeaufguss. Dafür übergießt du ein bis zwei Teelöffel des getrockneten Krautes mit einer Tasse 80 Grad heißen Wassers und lässt ihn zehn Minuten ziehen. Im Anschluss den Artemisia-annua-Tee abgeseiht und in kleinen Schlucken trinken. Der Tee kann ein- bis dreimal täglich getrunken werden.
Tipp: Wie in der Pflanzenheilkunde üblich, empfiehlt es sich, nach sechs Wochen Daueranwendung von Artemisia annua eine einwöchige Pause einzulegen, da sonst ein Gewöhnungseffekt im Körper eintreten könnte. Danach kann die Therapie fortgesetzt werden.
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Artemisia-annua-Tinktur
Außer als Heißwasserauszug kann der Einjährige Beifuß auch als (selbst gemachte) Tinktur eingenommen werden. Sie kann zur Desinfektion kleiner Wunden dienen. Durch Alkohol als Lösemittel lassen sich dadurch auch die schlechter wasserlöslichen Wirkstoffe ausschöpfen.

Artemisia-Salbe
Eine weitere Darreichungsform des Einjährigen Beifußes ist die Artemisia-Salbe. Sie könnte bei Hautproblemen helfen, da die Pflanze entzündungshemmende Eigenschaften hat.
Du kannst eine Heilsalbe selber machen, indem du folgende Zutaten verwendest:
- 10 g Artemisia-annua-Blätter (gerebelt oder pulverisiert)
- 50 ml kaltgepresstes Olivenöl
- 50 ml Rizinusöl
- 10 g Bienenwachs
Zur Herstellung die Öle und das Kraut im Wasserbad eine Stunde lang bei mittlerer Temperatur simmern lassen und dabei beständig umrühren. Als Konsistenzgeber Bienenwachs in der warmen Mischung auflösen und die fertige Salbe zum Abkühlen in sterile Tiegel füllen. Nach Bedarf anwenden.
Einjähriger Beifuß als Pulver
Wer den Einjährigen Beifuß prophylaktisch in seine Ernährung integrieren möchte, der kann das Pflanzenpulver aus Artemisia annua auch unter Speisen, grüne Smoothies oder Joghurt mischen. Bitte beachte: eine langfristige Einnahme könnte Risiken bergen (z. B. Toxizität von Artemisinin bei Überdosierung)
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Erkennung und Sammeltipps

Alle, die den Einjährigen Beifuß von Juni bis September in der freien Natur sammeln möchten, finden ihn in Deutschland vor allem entlang der Elbe, wo er im Uferbereich nach Abfluss des winterlichen Hochwassers gedeiht. Vereinzelt findet man Artemisia annua auch an anderen Orten.
- Der unbehaarte, braune Stängel des Einjährigen Beifußes ist meist völlig kahl.
- Mit den stark gefiederten, silbrig-grünen bis hellgrünen Blättern erinnert Artemisia annua an andere Artemis-Arten wie Wermut oder Ambrosia. Sie werden gesammelt, kurz bevor die Pflanze in ihrer Blüte steht (siehe unten).
- In der Natur erreicht die einjährige Pflanze Größen zwischen einem halben bis einem Meter. In Kultur kann sie jedoch deutlich größer werden.
- Die vielen kleinen, gelbgrünen Korbblüten sind in Rispen angeordnet und zeigen sich ab August bis September.
- Zwischen den Fingern verrieben, verströmt die Pflanze einen auffallend aromatischen Duft.
- Die braunen, rundlichen Samen erreichen mit nur 0,6 bis 0,8 Millimetern Durchmesser im Oktober ihre Reife.
Anbautipps
Der Einjährige Beifuß ist im Anbau unkompliziert. Das Heilkraut kann im Haus vorgezogen oder ab April direkt ins Freiland ausgesät werden. Da die Samen der Artemisia annua zu den Lichtkeimern gehören, werden sie nicht mit Erde bedeckt. Bis die ersten Keimlinge zu sehen sind, vergehen zwei bis vier Wochen.
Jungpflanzen mit einer Höhe von etwa fünfzehn Zentimetern werden nach den Eisheiligen (ab Mitte Mai) aus der Vorzucht direkt ins Beet umgesetzt. Um den Pflanzen ausreichend Platz für ein üppiges Wachstum zu geben, stehen sie im besten Fall nicht weniger als einen halben Meter zueinander.
Die Erde sollte locker und fruchtbar sein. Regelmäßiges Aufharken der Beete ist von der Artemisia annua ausdrücklich erwünscht. Zum Düngen machen sich Hornspäne, Rasenschnitt und Beinwellblätter gut.
Die Ernte erfolgt idealerweise kurz vor der Blüte, dann ist der Gehalt an Wirkstoffen am höchsten. Die Blätter können frisch verwendet oder getrocknet aufbewahrt werden.

- Tu, Y. (2011). The discovery of artemisinin (qinghaosu) and gifts from Chinese medicine. Nature Medicine, 17(10), 1217–1220. ↩︎
- Ferreira, J. F. S., Simon, J. E. & Janick, J. (1996). Artemisiaannua: Botany, Horticulture, Pharmacology. Horticultural Reviews, 319–371. ↩︎
- Hsu, E. (2006). The history of qing hao in the Chinese materia medica. Transactions Of The Royal Society Of Tropical Medicine And Hygiene, 100(6), 505–508. ↩︎
- M.S. Nair, Y. Huang, D.A. Fidock, S.J. Polyak, J. Wagoner, M.J. Towler, P.J. Weathers (2021). Artemisia annua L. extracts inhibit the in vitro replication of SARS-CoV-2 and two of its variants ↩︎
Steckbrief
- Kurzbeschreibung
- aromatische, filigrane, einjährige Pflanze
- Lateinischer Name
- Artemisia annua
- Andere Namen
- Einjähriger Wermut, Qing Hao, Sweet Annie Plant, Wormwood Sweet Annie, Sweet Wormwood
- Familie
- Asteraceae (Korbblütler)
- Erntemonate
- Jun - Sep
- Verwendbare Pflanzenteile
- Blätter
- Blattform
- fiederteilig
- Blütenfarbe
- gelb
- Fundorte
- Wegränder, Brachflächen, sonnige Standorte
- Verwechslungsgefahr
- mit anderen Artemisia-Arten (z. B. Wermut)
- Giftigkeit
- ungiftig
- Hinweise zur Giftigkeit
- bei Überdosierung mögliche Nebenwirkungen
- Warnungen
- nicht für Schwangere, Stillende oder Kinder geeignet
- Inhaltsstoffe
- Artemisinin, ätherische Öle, Bitterstoffe, Cumarin, Flavonoide, Thymol
- Eigenschaften
- antibakteriell, antiviral, fiebersenkend, fungizid, krampflösend, verdauungsfördernd
- Hilft bei
- Blasenentzündung, Entzündungen, Fieber, Hautprobleme, Infektionskrankheiten, Krebs, Magen-Darmbeschwerden, Malaria, Menstruationsbeschwerden, Verdauungsbeschwerden
- Erkennung / Sammeltipps
- zarter Wuchs, feine Blätter, aromatischer Duft
- Anbau
- sonnig, mäßig nährstoffreich, Lichtkeimer













Hallo,
hatte sie erstmals im Garten – PRÄCHTIGE Ernte!!!
Lässt sich super aus Samen selber zuiehen – viel Erfolg!
So eine tolle Pflanze und Artikel. Wo kann man die Pflanze denn kaufen und wie nimmt man sie zu sich? Über eine Rückmeldung freue ich mich.
MfG
Daniele Wedadi-Zeimke
Hallo Daniele,
die getrockenete Droge sollte in jede Apotheke bestellbar sein. Auch Kräuterhäuser/-shops und natürlich der Online-Handel sind gute Bezugsquellen. Achte beim Kauf auf Auszeichung wie das Bio-Siegel der EG-Öko-Verordung oder auf Arnzeibuchqualität.
Liebe Grüße
Dennis
Ich habe sie getrocknet und als Tee getrunken. Wäre schön von Ihnen über Ihre Erfahrungen Hilfe zu bekommen. Danke.
Ulla Becker, Stuttgart-Esslingen
Weiß das jemand?
Kann man außer den Blättern auch andere Pflanenteile verwenden? Stengel? Blüten? Wurzel?
Wenn ja – wie?
Was unterscheidet den einj. Beifuß vom gemeinen Beifuß?
Liebe Ulrike,
entschuldige bitte die späte Antwort.
Gemeiner Beifuß (Artemisia vulgaris) und Einjähriger Beifuß (Artemisia annua) gehören beide zur Familie der Korbblüter und zur Gattung Artemisia, unterscheiden sich aber hinsichtlich ihrer Wirkstoffe und damit auch darin, wofür sie eingesetzt werden. Anders als Artemisia annua bildet der Gemeinen Beifuß kein Artemisinin, welches den Einjährigen Beifuß als Arzneidroge so wertvoll macht.
Liebe Grüße
Dennis
Danke für die Antwort. Ich habe mich leider offenbar nicht richtig ausgedrückt. Ich meinte, wie ich den Unterschied an der Pflanze beim Sammeln erkenne. Bei einem Bildvergleich aus dem Inet hab ich nicht so richtig den Unterschied erkennen können.
Lg Ulrike
Oh, dann habe ich dich tatsächlich missverstanden. Am ehesten unterscheidest du beide durch ihre Blüten: Die des Gewürzbeifußes sind eher rot-bräunlich, die des Einjährigen gelb. Auch an den Blättern kann man einen leichten Unterschied feststellen: Meines Wissens sind die Blätter des Einjährigen Beifußes feiner gefiedert/filigraner als die des Gemeinen Beifußes.
Ich hoffe, das hilft dir weiter.
Alles Liebe
Super vielen herzlichen Dank für dein Bemühen.
Lg Ulrike