Goldnessel
Die Goldnessel (Lamium galeobdolon) ist eine charmante Wildpflanze, die vielen im Garten oder am Wegesrand begegnet. Sie fällt sofort ins Auge durch ihr leuchtendes, meist goldgelbes Laub und ihre zarten Blüten. Für Menschen, die sich für Heil- und Wildkräuter interessieren, ist sie eine unterschätzte Pflanze mit interessanten Anwendungen. Hauptsächlich wird sie heute noch in der Volksheilkunde genutzt. Es gibt aber auch moderne Stimmen, die ihren Gehalt an sekundären Pflanzenstoffen loben, vor allem im Bereich entzündungshemmender Wirkung und zur Unterstützung bei leichten Hautproblemen.
Herkunft, Geschichte & kulturelle Bedeutung
Die Goldnessel stammt ursprünglich aus Europa und Westasien. In vielen Gärten wurde sie schon vor Jahrhunderten bewusst gepflanzt, weil ihr gelbes Laub im Frühjahr und Sommer große Farbakzente setzt. Die Goldnessel taucht in alten Kräuterbüchern auf, oft eher als Zier- und Nutzpflanze denn als stark wirksame Heilpflanze. In der Mythologie und traditionellen Volksüberlieferung galt das goldene Laub als Glücksbringer im Hausgarten.
In der Ernährung
Der Geschmack der Goldnessel ist würzig und erinnert an Pilze. Ab Februar bis in den April hinein zeigen sich frische Blätter, die für Eintöpfe, Suppen und Aufläufe Verwendung finden. Die Blätter können auch wie Spinat oder als würzige Füllung in Ravioli verarbeitet werden. Sie enthalten Vitamine wie C und A sowie Mineralstoffe und sekundäre Pflanzenstoffe wie Flavonoide.
Eine leckere Zierde für Desserts, Salate oder Kräuterbutter sind die goldgelben Blüten, die von April bis Oktober zu finden sind. Die Samen kannst du von Ende Mai bis September sammeln und im Winter als Keimlinge in Salate beimischen.
Im Herbst ist Erntezeit für die Wurzeln, die roh gegessen oder Salaten und Suppen hinzugefügt werden können.
Tipp: Den leckeren Pilzgeschmack der Goldnessel kannst du in diesem Goldnessel-Auflauf mit Pilzen noch verstärken.

Heilende Anwendungen
In der Volksmedizin wurde die Goldnessel traditionell bei leichten Entzündungen, bei Hautirritationen und als mildes „Blutreinigungsmittel“ genutzt. Zwar fehlen große klinische Studien speziell zur Goldnessel, doch eine umfassende Übersichtsstudie zur Gattung Lamium bestätigt, dass viele Arten dieser Pflanzengruppe wertvolle bioaktive Inhaltsstoffe enthalten – darunter Flavonoide, Iridoide, phenolische Verbindungen und Benzoxazinoide. Diese sind unter anderem für antioxidative, antientzündliche und antibakterielle Effekte bekannt.2
Aufgüsse oder Umschläge aus Goldnessel wurden bei Hautreizungen, leichten Ekzemen oder kleinen Entzündungsherden äußerlich angewendet.
Dafür brauchst du:
- 2 TL des frischen oder getrockneten Goldnessel-Krauts
- 250 ml kochendes Wasser
- Baumwolltuch
-
Das Kraut mit dem Wasser überbrühen.
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10 Minuten ziehen lassen.
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Abseihen und abkühlen lassen.
-
Ein Baumwolltuch darin tränken und auswringen.
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Auf die betroffenen Stellen auflegen. Gegebenenfalls mit einem trockenen Tuch umwickeln.
-
Nach 15 Minuten durch einen neuen Wickel ersetzen.
Goldnessel-Tee
Einen Tee aus der Goldnessel bereitest du aus zwei Teelöffeln Goldnessel-Kraut und 250 ml kochendem Wasser zu. Die Blätter und Triebe können das ganze Jahr über für Tee gesammelt und für später getrocknet werden. Der Tee gilt als unterstützend bei Frühjahrsmüdigkeit.
Gefahren & Kontraindikationen: Die Goldnessel gilt allgemein als ungiftig. Dennoch sollte sie nicht in großen Mengen gegessen werden, da der Gehalt an bestimmten Stoffen bei empfindlichen Personen zu Magen‑Darm‑Reizungen führen kann. Schwangere und Stillende sollten vorsichtig sein. Bei Unsicherheit lieber auf bekannte Küchenkräuter ausweichen.

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Anwendungen im Garten
Im Garten ist die Goldnessel eine hervorragende Bodendeckerpflanze, die kahle Stellen schnell begrünt und dabei Schädlinge kaum anzieht. Im Haushalt lässt sich ein Sud der Blätter auch als sanfter Pflanzenstärkungsmittel‑Spray für empfindliche Gemüse bewährten – ähnlich wie ein Kräuteraufguss aus anderen Wildkräutern.
Erkennung und Sammeltipps

Die Goldnessel kommt auf nährstoffreichen, gleichmäßig feuchten Standorten in Misch- und Auwäldern vor und breitet sich durch Ausläufer flächig aus. Die Wuchshöhe variiert zwischen 15 und 60 cm.
- Die Blätter sind im Winter oft weiß-silbern gefleckt.
- Die Blätter sind kreuzgegenständig am vierkantigen Stängel angeordnet.
- Die herz-eiförmigen Blätter sind deutlich gezähnt.
- Die tief gelben Blüten haben einen lippenförmigen Wuchs.
- Die Unterlippe der Blüte weist eine dunklere orangene Färbung auf.
- Die Blüten sitzen quirlig in den oberen Achseln der Blätter.
- Blütezeit ist von April bis Juli.
Die Goldnessel und ihre Verwechslungspartner
Eine Verwechslungsmöglichkeit besteht mit der Weißen Taubnessel, die weiß blüht, mit der Purpurroten Taubnessel, die violette bis rosa Blüten zeigt und mit der Brennnessel, deren Haare eine stark brennende Wirkung auf der Haut hinterlassen.
Die essbaren Pflanzenarten der Gattung Holzähne (Galeopsis) sind der Goldnessel im Wuchs, im vierkantigen Stängel und in der Blattform ebenfalls ähnlich, blühen jedoch nicht gelb.
Der im Laubmischwald vorkommende Wald-Ziest (Stachys sylvatica), besitzt violette Blüten, behaarte Blattstiele und riecht sehr intensiv nach Steinpilzen.
Die Schwarznessel (Ballota nigra) auch Stink-Andorn genannt, bildet bläulich-rote Blüten aus, riecht zwar unangenehm streng, wird aber ebenfalls als Heilpflanze genutzt.

Anbautipps
Im Garten lässt sich die Goldnessel in halbschattigen bis schattigen Bereichen ansiedeln. Sie ist winterhart und mehrjährig. Du kannst sie im Fachhandel erwerben, aus wilden Exemplaren Stecklinge schneiden oder Teile des Wurzelstocks im Garten einpflanzen. Diese Wildpflanze ist als Bodendecker sehr gut geeignet, sollte aber mit Bedacht angesiedelt werden, da sie leicht wuchert.
Mehr Informationen und Rezepte für Taubnesseln und 35 andere Pflanzen findest du in unserem Buchtipp:
- Salehi, B., Armstrong, L., Rescigno, A., Yeskaliyeva, B., Seitimova, G., Beyatli, A., Sharmeen, J., Mahomoodally, M. F., Sharopov, F., Durazzo, A., Lucarini, M., Santini, A., Abenavoli, L., Capasso, R. & Sharifi-Rad, J. (2019b). Lamium Plants—A Comprehensive Review on Health Benefits and Biological Activities. Molecules, 24(10), 1913. ↩︎
Steckbrief
- Kurzbeschreibung
- Bodendecker mit goldgelben Blättern und gelben Lippenblüten
- Lateinischer Name
- Lamium galeobdolon
- Andere Namen
- Gewöhnliche Goldnessel, Gold-Taubnessel
- Familie
- Lippenblütengewächse (Lamiacea)
- Erntemonate
- ganzjährig
- Verwendbare Pflanzenteile
- Blätter, Blüten, Samen, Triebe, Wurzeln
- Blattform
- lanzettlich
- Blütenfarbe
- gelb
- Fundorte
- Lichte Wälder, Waldränder
- Verwechslungsgefahr
- mit anderen Taubnesselarten, Brennnessel, Wald-Ziest, Schwarznessel
- Giftigkeit
- ungiftig
- Hinweise zur Giftigkeit
- Nicht große Mengen roh essen
- Warnungen
- Bei empfindlichem Magen vorsichtig einsetzen
- Inhaltsstoffe
- ätherische Öle, Bor, Eisen, Flavonoide, Gerbstoffe, Glykoside, Kalium, Kalzium, Kupfer, Magnesium, Phosphor, Saponine, Schleimstoffe, Schwefel, Zink
- Eigenschaften
- adstringierend, antibakteriell, blutreinigend, entzündungshemmend, harntreibend, hautpflegend, schleimlösend, verdauungsfördernd
- Hilft bei
- Ekzeme, Frühjahrsmüdigkeit, Hautkrankheiten, Juckreiz
- Erkennung / Sammeltipps
- junge Blätter im Frühjahr sammeln
- Anbau
- Halbschatten, humoser Boden, aus Samen oder Teilung


















Hallo, es gibt doch auch eine invasive Art der Goldnessel, die sich hier immer mehr breit macht und die Heimische vertreibt. Diese hat gefleckte Blätter. Kann ich diese auch nutzen?
Du meinst bestimmt die Silberblättrige Goldnessel – sie sind zwar verwandt, aber ob sie tatsächlich auch ähnlich nutzbar ist, können wir zum gegenwärtigen Zeitpunkt leider auch nicht sagen. Genau genommen ist es keine natürlich vorkommende Pflanzenart, sondern eine Züchtung (Hybride), die teils verwildert ist und als Neophyt leider erheblichen Schaden anrichtet.
Liebe Grüße