Gemeiner Frauenmantel

Frauenmantel ist eines der wichtigsten Heilkräuter für Frauen. Viele Heilanwendungen gehen aber über typische Frauenbeschwerden hinaus - lerne sie kennen!

Der Frauenmantel (Alchemilla vulgaris agg.), mit seinem geheimnisvoll glitzernden Tropfen in der Blattmitte, gilt als eine der wichtigsten Heilpflanzen für Frauen. Seine Wirkung ist jedoch keineswegs auf das Weibliche beschränkt. Seit Jahrhunderten begleitet er Menschen in Phasen körperlicher und seelischer Umbrüche. Besonders bei Beschwerden rund um den weiblichen Zyklus, in der Pubertät, Schwangerschaft und den Wechseljahren hat sich der Frauenmantel bewährt. Seine beruhigende, entzündungshemmende und hormonregulierende Kraft macht ihn zu einem treuen Begleiter – sanft, aber wirksam.

Herkunft, Geschichte und kulturelle Bedeutung

Der Frauenmantel stammt ursprünglich aus den gemäßigten Zonen Europas und Asiens und wächst bevorzugt auf feuchten Wiesen, Waldrändern und in Gebirgsregionen. Die Kelten nutzten ihn für „weibliches Ungleichgewicht“, also alles von zu viel Blutung bis „zu wenig Baby“. Hildegard von Bingen empfahl sie Frauen mit Menstruationsbeschwerden, aber auch bei innerer Unruhe.1 In der Alchemie wurde der Frauenmantel hochgeschätzt – nicht zuletzt wegen des Tropfens, der sich wie von Zauberhand jeden Morgen in seiner Blattmitte sammelt. Die Alchemisten glaubten, dieser „himmlische Tau“ sei besonders rein und besitze magische Kräfte.

In der Volksmedizin nutzten Hebammen und Kräuterkundige den Frauenmantel zur Geburtsvorbereitung und -nachsorge, zur Stärkung des Beckenbodens und zur Wundheilung. Die Pflanze galt als Geschenk der Jungfrau Maria, daher auch der Name „Marienkraut“.

In der Ernährung

Obwohl der Frauenmantel kein klassisches Küchenkraut ist, lassen sich die jungen Blätter überraschend vielseitig verwenden. Ihr feines Aroma erinnert leicht an Gurke mit einer herben Note. Besonders im Frühjahr, wenn die Blätter noch zart und mild im Geschmack sind, können sie frisch gepflückt Salate oder grüne Smoothies bereichern. Größere, junge Blätter eignen sich zur Beimischung in Gemüsegerichten, für Füllungen, in Bratlingen und in Kräuterquark.

Auch in Suppen kannst du die Blätter verwenden, so zum Beispiel auch als optionale Zutat in der Gründonnerstagssuppe.

Oder probiere den Frauenmantel in einer Wildkräuterlimonade.

Essbar sind auch die jungen Blütenstände. Sie enthalten viele Gerbstoffe, etwas Vitamin C, sowie sekundäre Pflanzenstoffe wie Flavonoide, die das Immunsystem stärken. Du kannst sie auch als essbare Dekoration über den Salat streuen.

Heilende Anwendungen

In der Naturheilkunde gilt der Frauenmantel als vielseitige Heilpflanze, insbesondere bei gynäkologischen Themen.2 Seine gerbstoffreichen Blätter wirken zusammenziehend und entzündungshemmend.3 Das macht ihn nützlich bei unspezifischen Durchfallerkrankungen, leichten Entzündungen im Mundraum oder Hautverletzungen.

Studien deuten darauf hin, dass die enthaltenen Flavonoide und Phytosterine eine hormonähnliche Wirkung haben, die bei Zyklusunregelmäßigkeiten, PMS oder Wechseljahresbeschwerden unterstützend wirken kann.4

In der Frauenheilkunde wird er besonders als Tee oder Tinktur eingesetzt – etwa zur Regulation des Zyklus, zur Linderung von Menstruationskrämpfen oder zur Unterstützung in den Wechseljahren. Auch während und nach der Schwangerschaft kann er hilfreich sein, z. B. zur Rückbildung der Gebärmutter oder zur Kräftigung des Beckenbodens.

Doch Vorsicht: Während der Schwangerschaft sollte Frauenmantel nicht im ersten Trimester eingenommen werden, da seine Wirkung auf die Gebärmutter anregend sein kann. Auch bei gleichzeitiger Einnahme von Hormonpräparaten sollte eine ärztliche Absprache erfolgen. Generell gilt: Nicht über längere Zeit ununterbrochen einnehmen.

Frauenmanteltee

Für den wohltuenden Frauenmanteltee wird blühendes Kraut mit Blüten und Blättern verwendet. Einen Esslöffel auf 250 ml kochendes Wasser geben und sieben bis zehn Minuten ziehen lassen.

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Frauenmantelelixier

Aus den Guttationstropfen soll nach altem Volksglauben ein wertvolles Elixier gewonnen werden können. Sammle dafür die Tautropfen am frühen Morgen, an einem trockenen Tag, mithilfe einer Pipette in eine kleine Tropfflasche. Fülle die Flasche etwa zur Hälfte mit Tautropfen und dann mit 45-prozentigem Alkohol. Nach Bedarf tropfenweise einnehmen oder auch äußerlich anwenden.

Stärkende Wirkung für Männer

Nicht nur für Frauen ist diese Pflanze ein gutes Liebeskraut. Auch bei Männern soll das Kraut die Unterleibsorgane stärken. So wirkt es auf Männer angeblich potenzsteigernd und kann als Tee getrunken werden.

Kosmetische Anwendungen, im Haushalt und Garten

Äußerlich angewendet entfaltet der Frauenmantel seine hautberuhigende, zusammenziehende und heilende Wirkung.5 Er eignet sich daher wunderbar für die Herstellung einer pflanzlichen Gesichtsmaske oder eines Heilkrautsuds für Umschläge. Bei Hautirritationen, Ekzemen oder leichten Entzündungen kann ein Abguss aus Frauenmantel Linderung verschaffen.

Ein Gesichtswasser oder eine Spülung für empfindliche Haut kannst du einfach selbst herstellen. Eine Handvoll Blätter mit heißem Wasser übergießen, 15 Minuten ziehen lassen und abgekühlt verwenden.

Auch eine selbstgemachte Salbe mit Frauenmantelauszug wirkt unterstützend bei kleinen Wunden oder rauer Haut.

Im Garten zieht die Pflanze mit ihren hübschen, fächerförmigen Blättern nicht nur Blicke an – sie bietet auch Insekten Unterschlupf und hilft, feuchte Stellen zu begrünen.

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Erkennung und Sammeltipps

Frauenmantel ist eines der wichtigsten Heilkräuter für Frauen. Viele Heilanwendungen gehen aber über typische Frauenbeschwerden hinaus.

Frauenmantel ist eine etwa 40 cm hohe, mehrjährige Pflanze. Meist ist er auf feuchten und lehmigen Wiesen oder in Gräben zu finden.

  • Die Grundform der Blätter ist rund bis nierenförmig
  • Sie haben fünf bis elf Ausbuchtungen und der Rand ist fein gezähnt
  • Die Blattunterseite und auch die Blatt- und Blütenstiele sind behaart
  • Die Blüten stehen an Rispen und die einzelnen Blüten nur wenige Millimeter groß
  • Sie sind gelb-grün

Verwechslungsgefahr besteht nur mit anderen Frauenmantelarten. Diese sind alle ungiftig und können genauso verwendet werden. Der Gehalt an wirkungsvollen Inhaltsstoffen ist allerdings geringer als beim Gemeinen Frauenmantel und von Sorte zu Sorte stark unterschiedlich.

Anbautipps

Frauenmantel benötigt einen sonnigen und feuchten Standort. Achte bei der Aussaat darauf, dass Frauenmantel ein Frostkeimer ist und daher von Oktober bis Januar ausgesät wird.

  1. Prof.D.med.Gerhard I., Bäumer S. 2025. Mankau Verlag GmbH. Mönchspfeffer, Frauenmantel & Co.: Die wichtigsten Frauenheilpflanzen für hormonelle Balance und Energie. Hilfe bei Zyklusstörungen, PMS und Kinderwunsch – Begleitung durch die Wechseljahre ↩︎
  2. Prof. Dr. med. Ingrid Gerhard, Sabine Bäumer: Mönchspfeffer, Frauenmantel & Co.: Die wichtigsten Frauenheilpflanzen für hormonelle Balance und Energie. Hilfe bei Zyklusstörungen, PMS und Kinderwunsch – Begleitung durch die Wechseljahre. (2025). Mankau Verlag GmbH. ↩︎
  3. Vlaisavljević S. et.al. Alchemilla vulgaris agg. (Lady´s mantle) from central Balkan: antioxiant, anticancer and enzyme inhibition properties. (2019). RSC Advances ↩︎
  4. Jakimiuk K., Tomczyk M. A review of the traditional uses, phytochemistry, parmacology and clinical evidence for the use of the genus Alchemilla (Rosaceae). (2024). Journal of Ethnopharmacology ↩︎
  5. Choi, J., Park, Y., Yun, M. & Seol, J. Effect of herbal mixture composed of Alchemilla vulgaris and Mimosa on wound healing process. (2018). Biomedicine & Pharmacotherapy. ↩︎

Steckbrief

Kurzbeschreibung
Krautige Pflanze mit rundlich-gelappten, samtigen Blättern und kleinen gelbgrünen Blüten
Lateinischer Name
Alchemilla vulgaris
Andere Namen
Alchemistenkraut, Marienkraut, Frauenhilf, Tränenschön, Taubecherl, Wasserkelchblume, Sinau, Gewittergras
Familie
Rosengewächse (Rosaceae)
Erntemonate
Apr - Aug
Verwendbare Pflanzenteile
Blätter, Blüten, Triebe
Blattform
nierenförmig, rundlich
Blütenfarbe
gelb, grün
Fundorte
feuchte Wiesen, Gräben, lichte Wälder
Verwechslungsgefahr
mit anderen Frauenmantelarten, welche genauso zu verwenden sind
Giftigkeit
ungiftig
Inhaltsstoffe
ätherische Öle, Bitterstoffe, Gerbstoffe, organische Säuren, Saponine
Eigenschaften
adstringierend, blutstillend, durchblutungsfördernd, entzündungs­­hemmend, krampflösend, nervenstärkend, wundheilend
Hilft bei
Durchfall, Erkältungen, Geschwüre, Hautentzündungen, Hautprobleme, Husten, Insektenstiche, Menstruationsbeschwerden, Pickel, prämenstruelles Syndrom, Wechseljahresbeschwerden, Wunden, Zahnfleischentzündungen

5 Kommentare
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  1. Ein kleiner Tipp von mir: Ich sammle die jungen Blätter gerne schon Ende des Winters für einen ersten grünen Smoothie, wenn sie besonders zart sind. Das gibt wirklich einen tollen Energieschub, um gut durch die kältere Zeit zu kommen!

    Maliva 😉

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  2. Vielen Dank für diesen informativen Beitrag! Ich hätte noch einen kleinen Gedanken:
    Es wäre super, wenn ihr vielleicht noch genauer darauf eingehen könntet, wie man Frauenmantel für die kalte Jahreszeit haltbar macht.
    So könnte man auch jetzt im Winter von den gesammelten Kräutern profitieren.

    Antworten
  3. Ich hab den Tee aus dem Kraut schon oft bei Bauchgrummeln getrunken, hilft bei mir wirklich gut.

    Jetzt im Herbst hab ich meinen getrockneten Vorrat wieder vorgeholt. Ich mische manchmal noch ein bisschen Melisse dazu, das schmeckt mir dann noch besser. 🌿

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  4. Harrison Eckes

    Servus! Manchmal wünsche ich mir mehr solcher Artikel. Vielen Dank. Grüße aus Bayern

    Antworten
  5. Irmgard Goehlich

    Frauenmantel sieht auch sehr schön in Blumensträußen aus, zwischen Sommerblumen

    Antworten

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