Echtes Mädesüß
Mädesüß (Filipendula ulmaria), auch bekannt als „die Königin der Wiesen“, ist eine Pflanze, die du vielleicht schon an feuchten Wiesenrändern entdeckt hast, ohne ihren Namen zu kennen. Mit ihren zarten, cremeweißen Blütendolden und dem warmen, honigartigen Duft zählt sie zu den besonders lieblichen Gewächsen unserer heimischen Flora.
Hauptsächlich wird Mädesüß für seine entzündungshemmenden und schmerzlindernden Eigenschaften geschätzt; viele Menschen nutzen es zur Unterstützung bei Kopfschmerzen, Gelenkbeschwerden und leichten Verdauungsproblemen. Darüber hinaus kann der Duft der Blüten stimmungsaufhellend wirken und einen entspannten Spaziergang bereichern. In der Volksmedizin gilt Mädesüß als vielseitige Heilpflanze, die sanft und zugleich wirksam zur Linderung kleiner Alltagsbeschwerden beiträgt.
Herkunft, Geschichte und kulturelle Bedeutung
Mädesüß ist in weiten Teilen Europas heimisch und war schon unseren Vorfahren gut vertraut. Die alten Germanen nutzten die Pflanze nicht nur wegen ihres angenehmen Aromas, sondern auch, um Bier und andere Getränke zu würzen, lange bevor Hopfen diese Aufgabe übernahm. Der Name „Mädesüß“ leitet sich wohl aus dem süßlichen Duft der Blüten ab, der an Honig erinnert. „Mäde“ steht im Althochdeutschen für „honigsüß“. In der mittelalterlichen Klostermedizin war Mädesüß ein geschätzter Bestandteil von Teemischungen gegen allerlei Beschwerden des Verdauungstrakts.
Besonders Bienenliebhaber schätzten Mädesüß für seine nektarreichen Blüten, die in den warmen Sommermonaten reichlich besucht wurden.
In der Ernährung
Mädesüß ist mehr als nur eine Heilpflanze, in der Küche kann es ebenso kleine Akzente setzen. Dabei nutzt man vorwiegend die frisch blühenden Dolden, die ein angenehm süß-würziges Aroma besitzen. Dieses wird von vielen als honigartig beschrieben und passt gut zu Desserts, erfrischenden Sommergetränken oder als aromatische Note in Sirupen.
Die Blüten enthalten neben duftenden ätherischen Ölen auch Flavonoide und andere sekundäre Pflanzenstoffe, die nicht nur geschmacklich, sondern auch gesundheitlich interessant sind.
Wie du ganz einfach köstliche Limonade mit Mädesüß oder anderen Kräutern herstellst, erfährst du hier.
Ganz junge, weiche Blätter können auch erntefrisch als Würzkraut zu Salaten oder Gemüsegerichten beigemischt werden.
Heilende Anwendungen
Mädesüß enthält wertvolle Inhaltsstoffe wie Salicylate, die chemisch mit dem in Aspirin verwandten Wirkstoff verwandt sind. Diese können entzündungshemmend und schmerzlindernd wirken,1 weshalb Mädesüß traditionell bei Kopfschmerzen, Muskelschmerzen und rheumatischen Beschwerden eingesetzt wurde.2 Zudem zeigen die enthaltenen Flavonoide antioxidative Eigenschaften, die zur Unterstützung des Immunsystems beitragen.3
In der Volksmedizin wurde Mädesüß gerne als Magenbitter verwendet, um die Verdauung zu fördern und Blähungen zu lindern. Auch bei Erkältungskrankheiten kam ein heißer Mädesüßtee zum Einsatz. Nicht zuletzt wegen seines angenehmen Aromas und der leicht schweißtreibenden Wirkung, die bei Fieber unterstützend wirken kann.
In fertigen Erkältungstees ist häufig Mädesüß enthalten, zum Beispiel im Bad Heilbrunner Erkältungstee oder Sidroga Erkältungstee N.
Hinweis: Menschen mit Allergien gegen Salicylate (ähnlich wie bei Aspirin) sollten Vorsicht walten lassen und Mädesüß nicht oder nur in geringer Dosis nutzen. Ebenso sollten Schwangere und stillende Frauen vor der Anwendung Rücksprache mit einer Fachperson halten. Wie bei allen Heilpflanzen gilt: Im Zweifel lieber auf eine ärztliche Beratung achten.
Mädesüß-Tee
Bei Kopfschmerzen und Migräne, aber auch bei anderen Schmerzzuständen, kann ein Tee mit Mädesüßblüten und -blättern helfen. Darüber hinaus wirkt er fiebersenkend, gegen Durchfall, Blähungen, Blasen- sowie Nierenentzündungen. Der Tee verringert die Magensäure und kann deshalb Sodbrennen lindern. Bei einsetzender Erkältung eignet sich Mädesüßtee als Schwitzkur.
Für den Tee frische oder getrocknete Blüten und Blätter mit heißem, aber nicht mehr kochendem Wasser übergießen und 15 Minuten ziehen lassen. Für eine Tasse von 250 ml verwende einen Esslöffel Mädesüß. Beachte, dass nicht mehr als drei Tassen am Tag getrunken werden sollten.
Alternativ kannst du auch einen Kaltauszug herstellen und trinken. Dazu Mädesüß für sechs Stunden im Wasser ziehen lassen.
Der Wurzel-Tee zur Linderung rheumatischer Beschwerden wird primär als Abkochung zubereitet, um die härteren Inhaltsstoffe zu lösen. Setze 2 TL frische oder getrocknete, in Scheiben geschnittene Wurzelstücke mit 200 ml kaltem Wasser an, koche es kurz auf und lasse es dann 10 Minuten leicht köcheln.

Körperpflege mit Mädesüß
Mädesüß kann auch äußerlich zum Einsatz kommen: Ein Blütenauszug in Öl wirkt aufgrund seiner entzündungshemmenden Stoffe beruhigend auf die Haut4. Besonders bei trockener, irritierter Haut kann ein selbst hergestelltes Ölbad wohltuend sein. Ebenso eignet sich ein kalter Aufguss als Gesichtswasser, das erfrischend wirkt und durch seinen Duft die Sinne belebt.
Tinktur
Zum Einreiben schmerzender Gelenke, bei Rheuma und Gicht wird traditionell eine Tinktur aus Mädesüß-Blüten verwendet. Dafür wird ein Schraubglas mit den Blüten gefüllt und mit 40-prozentigem Alkohol aufgefüllt, sodass alle Blüten bedeckt sind. Das Glas verschließen und für vier Wochen an einem warmen Ort ziehen lassen, abseihen und in einer dunklen Flasche verwahren.
Viele weitere Anwendungen und Rezepte für Wild- und Heilkräuter findest du auch in unserem Buch:
Erkennung und Sammeltipps
Mädesüß ist eine mehrjährige krautige Pflanze, die oft an feuchten Standorten wie Wiesenrändern, Gräben oder moorigen Bereichen wächst. Sie erreicht eine Höhe von etwa 60–150 cm und fällt besonders durch ihre üppigen, cremeweißen Blütendolden auf.
- Am Boden bildet sich eine Rosette aus grundständigen Blättern, daraus erhebt sich ein häufig rot gefärbter, kantiger, beblätterter Stängel
- Der Stängel verzweigt sich im oberen Teil
- Die Blätter sitzen wechselständig am Stängel und sind unpaarig gefiedert, schmal und dunkelgrün. Sie sind deutlich geädert und gezähnt und auf der Unterseite mit einem weißen Flaum überzogen
- Die Blüten sind cremig weiß und stehen in rispenartigen, doldenähnlichen Blütenständen am Ende des Stängel. Nach den Blüten entwickeln sich winzige Samen, welche in Nüsschen zusammensitzen.
Verwechslungspartner: Mädesüß kann mit dem schwach giftigen Waldgeißbart oder anderen Doldenblütlern wie dem Gefleckten Schierling verwechselt werden.
- Mädesüß: süßer Duft, gefiederte Blätter
- Waldgeißbart: geruchlos, andere Blattstruktur
- Gefleckter Schierling: unangenehmer Geruch, feiner zerteilte Blätter
Standort und Sammelzeit: Du findest Mädesüß in Deutschland besonders an feuchten bis nassen Standorten von Juni bis August. Sammle die Blüten am besten an einem trockenen Vormittag, wenn der Tau getrocknet ist und sie ihren vollen Duft entfalten. Achte darauf, dass der Boden nicht gedüngt worden ist, wie es am Rande von Feldern üblich ist.
Bedingungen für kultivierten Anbau
Mädesüß lässt sich gut im Naturgarten oder am Teichrand kultivieren. Pflanze es an einen bevorzugt feuchten, humosen Boden mit sonniger bis halbschattiger Lage. Es ist eine genügsame Pflanze, die kaum Pflege braucht, aber regelmäßige Wassergaben schätzt. Für Balkonkästen eignet sich eher ein feuchter Kübelstandort. Im Garten lässt sich Mädesüß problemlos aus Samen ziehen – alternativ kannst du kräftige Ausläufer im Frühling teilen und umsetzen. Ein Schnitt nach der Blüte fördert einen gesunden Neuaustrieb. Mädesüß verbreitet sich über Ausläufer, sodass du ihr im Garten ausreichend Raum geben solltest.
- Avishan Farzaneh, Abbas Hadjiakhoondi, Mahnaz Khanavi, Azadeh Manayi, Roodabeh Bahramsoltani, Mahdieh Kalkhorani. (2022) Filipendula ulmaria (L.) Maxim. (Meadowsweet): a Review of Traditional Uses, Phytochemistry and Pharmacology. Department of Pharmacognosy, Faculty of Pharmacy, Tehran University of Medical Sciences, Tehran,
Iran ↩︎ - European Medicines Agency. (2011) Assessment report on Filipendula ulmaria (L.) Maxim., herba and Filipendula ulmaria (L.) Maxim., flos ↩︎
- Alexey A Churin, N.V. Masnaya, E.Y. Sherstoboev, I.V. Shilova, Effect of Filipendula ulmaria extract on immune system of CBA/CaLac and C57BL/6 mice ↩︎
- Andonova, T., Muhovski, Y., Apostolova, E., Naimov, S., Mladenova, S., Slavov, I., Dincheva, I., Georgiev, V., Pavlov, A. & Dimitrova-Dyulgerova, I. (2024). DNA-Protective, Antioxidant and Anti-Carcinogenic Potential of Meadowsweet (Filipendula ulmaria) Dry Tincture. Antioxidants, 13(10), 1200. ↩︎
Steckbrief
- Kurzbeschreibung
- Duftende, cremeweiße Blütendolde, aromatische Pflanze mit vielfältigen Anwendungen
- Lateinischer Name
- Filipendula ulmaria
- Andere Namen
- Rüsterstaude, Bacholde, Wiesenkönigin, Federbusch, Spierstrauch, Immenkraut, Wiesengeissbart
- Familie
- Rosengewächse (Rosaceae)
- Erntemonate
- Jun - Aug
- Verwendbare Pflanzenteile
- Blätter, Blüten, Knospen
- Blattform
- unpaarig gefiedert
- Blütenfarbe
- gelb, weiß
- Fundorte
- feuchte Wiesen, Gräben, Bachläufe
- Verwechslungsgefahr
- Waldgeißbart, Gefleckter Schierling, mit anderen Doldenblütlern – achte auf süßen Duft und Blattform
- Giftigkeit
- teilweise giftig
- Hinweise zur Giftigkeit
- Niedrig, aber bei Salicylat-Allergie Vorsicht
- Warnungen
- Schwangere & stillende Frauen sollten ärztlichen Rat einholen
- Inhaltsstoffe
- ätherische Öle, Flavonoide, Gerbsäure, Kieselsäure, Salicylsäure, Vanillin, Zitronensäure
- Eigenschaften
- entzündungshemmend, fiebersenkend, harntreibend, kräftigend, krampflösend, schmerzlindernd, schweißtreibend
- Hilft bei
- Blähungen, Blasenentzündungen, Erkältungen, Fieber, Kopfschmerzen, Migräne
- Erkennung / Sammeltipps
- Süßer Duft, große Blütendolden, Sammelzeit Juni–August
- Anbau
- Feuchter, humoser Boden, Sonne bis Halbschatten

















Das Mädesüß ist wirklich ein Schatz! Ich setze mir damit im Sommer immer eine Tinktur an, die im Winter bei Gliederschmerzen oder kleinen Zipperlein wunderbar hilft.
Wunderbarer Beitrag über ein wunderbares Kraut. Mädesüss ist genial. Herzlichen Dank für diesen Beitrag.
Hier ist leider eine Verwechselung unterlaufen: “Erkennung und Sammeltipps. Echtes Mädesüß mag nasse Füße und ist deshalb auf feuchten Wiesen, an Gräben und Bachläufen zu finden. Mädesüß kann mit dem schwach giftigen Waldgeißblatt verwechselt werden, dieses sieht jedoch nur auf den ersten Blick genauso aus.” Die Verwechselung ist nicht mit dem Waldgeißblatt gegeben, sondern mit dem Waldgeis b a r t. Bitte korrigieren! Das Waldgeisblatt sieht völlig anders aus.
Herzlichen Dank für deinen Hinweis! Da ist uns tatsächlich ein redaktioneller Fehler unterlaufen, den wir jetzt korrigiert haben.
Liebe Grüße
Meine angesetzte Tinktur mit Mädesüß ist nach 2 Wochen ziehen trüb geworden und nicht mehr so schön klar. Hab frische Blüten in 38% Doppelkorn angesetzt, alles war gut bedeckt.
Ist sie noch brauchbar oder lieber neu machen?
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Die Farbe ändert sich immer, da sich die verschiedenen Wirkstoffe lösen. Auch die Schlieren überraschen beim Mädesüß nicht. Wichtig ist, dass der Alkoholgehalt hoch genug ist (bei Blüten etwa 40%) und dass auf der Öberfläche keine Schimmel entsteht.
heho rita,
seit jahren suche ich die information, ob das kleine mädesüß, so wie das echte mädesüß, auch salicylsäure enthält.
in deinem artikel, den ich für sehr gut halte, finde ich nun einen hinweis. hast du eine quellenangabe, auf die ich in meinem artikel auch hinweisen kann?
eine gute zeit, deine mitte und viel liebe wünsche ich dir.
fibus
Hallo, einen expliziten Hinweis, ob es Salicylsäure enthält haben wir leider auch nicht. Allerdings gibt es mehrere Bücher, in denen angegeben wird, dass die beiden Pflanzen auf gleiche Art verwendet werden können. Zum Beispiel “Essbare Wildkräuter und ihre giftigen Doppelgänger” aus dem Jahre 2013
Ja, da ist salicylsäure drin enthalten. Ich habe ein Mittel mit Echtem Mädesüß jetzt 1 Woche eingenommen. Ich reagiere auf Aspirin mit Übelkeit und auf dieses Mittel mit Echtem Mädesüß reagiere ich auch mit Übelkeit.. Ic kann es nicht mehr einnehmen.