Echte Kamille
Die Kamille fällt sofort ins Auge, mit ihren zarten, sonnengelben Blüten. Dabei kannst du sie vielseitig nutzen: als beruhigenden Tee für die Verdauung, als entspannendes Bad bei Hautirritationen oder innerlich zur Unterstützung bei kleinen Beschwerden des Magen‑Darm‑Trakts. Ihr feiner, etwas aromatisch‑würziger Duft ist typisch und macht Kamillentee für viele Menschen zu einem täglichen Wohlfühlgetränk. Die Hauptwirkungen der Kamille sind entzündungshemmend, krampflösend und beruhigend. Schon allein der Duft ihrer Blüten wirkt auf viele Menschen ausgleichend und entspannend.
Herkunft, Geschichte und kulturelle Bedeutung
Die Kamille stammt ursprünglich aus Süd‑ und Osteuropa, breitete sich aber seit der Antike über ganz Europa und in viele andere Teile der Welt aus. Schon im alten Ägypten wurde Kamille hoch geschätzt: Sie soll zur Einbalsamierung verwendet worden sein und wurde mit der Sonne und Heilung assoziiert.
In der griechischen und römischen Volksmedizin nutzte man sie bei Fieber („chamaimēlon“ heißt wörtlich „Erdapfel“, weil die Blüten wie kleine goldene Äpfel in Bodennähe wuchsen) und anderen Beschwerden. Hildegard von Bingen empfahl die Kamille im Mittelalter als Stärkungsmittel für Magen und Seele.
Auch in ländlichen Regionen Mitteleuropas ist die Kamille tief verwurzelt: Bauern nutzten sie als pflanzliche Hausapotheke. Man sagte ihr nach, dass sie „überall hilft, wo das Herz schwer ist“. Eine alte Beschreibung für ihre beruhigende Wirkung bei Unruhe und leichten Verdauungsbeschwerden. In Volksmythen galt sie als schützend und heilend, oft wurde sie in Höfen und Gärten bewusst angebaut, um Krankheit fernzuhalten.
In der Ernährung
Kamille ist in der Küche vor allem als Tee bekannt, doch ihre zarten Blüten lassen sich auch kreativ einsetzen. Die Blütenblätter sind essbar und geben Getränken oder Süßspeisen eine fein‑würzige Note.
In der kulinarischen Kräuterküche verwendet man Kamillenblüten hin und wieder in Desserts, etwa in Puddings, Sirups, Kräuterlimonaden oder in selbstgemachtem Kräuterzucker. Auch leichte Salate bekommen mit frischen oder getrockneten Blüten einen besonderen, blumigen Geschmack. Achte darauf, nur ungewaschene, unbehandelte Blüten zu verwenden, wenn du sie essen möchtest.
Heilende Anwendungen
Die Gesundheitseffekte der Kamille sind wissenschaftlich gut untersucht. Der hohe Gehalt an ätherischen Ölen (darunter Chamazulen), Flavonoiden und Bitterstoffen macht die Kamille zu einem wirksamen Pflanzendigestivum. Wissenschaftlich belegt ist ihre entzündungshemmende1 und krampflösende Wirkung im Magen‑Darm‑Bereich.2 Auch für die Linderung von Erkältungssymptomen, gereizten Schleimhäuten3 und leichten Entzündungen im Mund‑ und Rachenraum gibt es Hinweise auf positive Effekte.
In der Volksmedizin wird Kamille zusätzlich innerlich zur Beruhigung bei Unruhe und nervösen Magenbeschwerden genutzt. Äußerlich angewendet ist sie als Sitzbad oder Kompresse bei Hautreizungen, kleinen Wunden oder leichter Neurodermitis beliebt. Hier können insbesondere die ätherischen Öle und Flavonoide zur Hautberuhigung beitragen.
Zu beachten ist, dass bei Überdosierung, vor allem bei übermäßigem innerlichen Gebrauch als konzentrierter Extrakt, allergische Reaktionen auftreten können. Menschen mit einer Allergie gegen Korbblütler (Asteraceae) sollten Kamille eher meiden oder vorsichtig ausprobieren.4
Tee
Kamillentee wird häufig bei leichten Verdauungsbeschwerden, Völlegefühl oder Reizdarm5 empfohlen. Zudem wird er traditionell inhaliert bei Heuschnupfen, verstopfter Nase und Nasennebenhöhlenentzündung. Als Gurgelwasser wird er bei entzündeter Mundschleimhaut angewendet.
Für den Tee zwei Teelöffel Kamilleblüten mit 250 ml heißem, nicht mehr kochendem Wasser übergießen.
Absud
Ein Absud ist stärker als ein Teeaufguss und wird mit zwei Esslöffeln Kamilleblüten auf 250 ml heißem Wasser zubereitet. Er wird äußerlich bei allen entzündlichen Hauterkrankungen wie Ekzemen, Hautflechten und Akne angewendet.
Tinktur
Wer statt eines Tees oder Absuds lieber eine Tinktur nutzt, kann diese leicht selbst herstellen. Dazu Kamilleblüten in ein Schraubglas füllen, mit 45-prozentigem Alkohol übergießen und für zwei Wochen bei Zimmertemperatur unter gelegentlichem Schütteln ziehen lassen. Danach abseihen und in eine dunkle Tropfflasche geben. Die Tinktur kann sowohl innerlich als auch äußerlich verwendet werden.
Kamillenöl
Zum Einreiben bei Muskelschmerzen, Bauchschmerzen und Wunden kann ein Kamillenöl verwendet werden. Es wirkt anti-entzündlich und anti-oxidativ.6
So bereitest du das Öl zu:
- Frische Kamillenblüten im Mörser zerstoßen oder mit einem Messer zerkleinern
- In ein Schraubglas füllen
- Mit Bio-Sonnenblumenöl übergießen, so dass alle Blütenteile mit Öl bedeckt sind
- Glas verschließen und an einen sonnigen Platz stellen
- Alle 1–2 Tage kurz schütteln, um Schimmelbildung zu vermeiden
- Nach drei Wochen abseihen und dunkel sowie kühl verwahren
Kamille-Smoothie
Bei Stress, Angstzuständen, Nervosität und in angespannten Situationen kann ein Kamillensmoothie entspannen und Zutrauen geben. Dazu 10 Kamillenblüten mit 150 ml Wasser und etwas Steviakraut, Honig oder Obst zu einem Smoothie mixen. Dieser Smoothie ist auch für Kinder gut geeignet.
Kamillenbad
Ein Sitzbad mit Kamille kann Linderung verschaffen bei Candidabefall und Entzündungen des Genitalbereichs.
Im Badewasser hilft sie überanstrengten Muskeln, bei Blasenentzündung, Hämorrhoiden und Hautproblemen. Mehr zu heilsamen unde Badekräutern findest du in diesem Beitrag.
Räuchern
Der Rauch des blühenden Kamillenkrauts soll wohltuend sein bei Schlaflosigkeit.
Körperpflege mit Kamille
Kamille eignet sich hervorragend für kosmetische Hausmittel. Sie wirkt beruhigend auf die Haut und kann in Tonics, Gesichtswässern oder Haarkuren verwendet werden. Aus Kamillenöl (siehe weiter oben) lässt sich auch eine heilende Lippenpflege selber machen, die besonders bei rissigen Lippen hilft. Wer kein Kokosöl mag, kann auch einen Lippenbalsam mit Kamille und Gänseblümchen ausprobieren.
Heilsame Rezepte mit Kamille und vielen anderen Garten- und Wildkräutern findest du in unserem Buchtipp:
Erkennung und Sammeltipps
Oft wächst Kamille auf brachliegenden Flächen und wird auch als Heilerin des Bodens bezeichnet.
- Die Blätter sind fein geteilt und bilden zunächst eine Blattrosette
- Aus der Blattrosette wächst ein kahler, runder Stängel, von welchem viele Seitenäste entspringen
- An den Seitenästen bilden sich auch viele neue Blättchen
- Die Blüten stehen endständig an den Ästen
- In der Mitte sind sie gelb und von einem weißen Strahlenkranz umgeben
- Das Blütenkörbchen ist innen hohl, dies ist eines der wichtigsten Unterscheidungsmerkmale zu falschen Kamille
- Die Pflanze wird etwa 50 cm groß und duftet stark aromatisch
- Valmy, J., Greenfield, S., Shindo, S., Kawai, T., Cervantes, J. & Hong, B. (2025). Anti-inflammatory effect of chamomile from randomized clinical trials: a systematic review and meta-analyses. Pharmaceutical Biology, 63(1), 490–502. ↩︎
- Gupta, N. (2010). Chamomile: A herbal medicine of the past with a bright future (Review). Molecular Medicine Reports, 3(6), 895–901. ↩︎
- Valmy, J., Greenfield, S., Shindo, S., Kawai, T., Cervantes, J. & Hong, B. (2025b). Anti-inflammatory effect of chamomile from randomized clinical trials: a systematic review and meta-analyses. Pharmaceutical Biology, 63(1), 490–502. ↩︎
- Mohadeseh Ostovar et. al, (2025) Chamomile: A systematic review of adverse events. Complementary Therapies in Medicine ↩︎
- Shahram Agah et.al, (2015) Chamomile efficacy in patients of the irritable bowel syndrome. Der Pharma Chemica 7(4):41-45 ↩︎
- Paola De Cicco et. al, (2023) Chamomile essential oils exert anti-inflammatory effects involving human and murine macrophages: Evidence to support a therapeutic action. Journal of Ethnopharmacology ↩︎
Steckbrief
- Kurzbeschreibung
- Kamille ist eine Königin unter den Heilpflanzen und gehört zu den wenigen Kräutern, die auch von der medizinischen Wissenschaft voll anerkannt sind. Fast jedes Kind kennt Kamille und den Kamillentee, welcher ein beliebtes Hausmittel bei Bauchschmerzen ist. Im Rheinland sagt man gar “En Köppsche Kamilletee hölp besser wie drei Döktersch” (Eine Tasse Kamillentee hilft besser als drei Ärzte).
- Lateinischer Name
- Matricaria chamomilla (auch Matricaria recutita)
- Andere Namen
- Feldkamille, Mägdeblume, Mutterkraut, Apfelkraut, Kummerblume, Weiße Blume
- Familie
- Korbblüter (Asteraceae)
- Erntemonate
- Mrz - Aug
- Verwendbare Pflanzenteile
- Blätter, Blüten
- Blattform
- fiederteilig
- Blütenfarbe
- gelb, weiß
- Fundorte
- Wegränder, Getreidefelder, Gärten, Brachflächen
- Verwechslungsgefahr
- mit der Hundskamille, diese duftet nicht nach Kamille
- Giftigkeit
- ungiftig
- Warnungen
- Laut Wikipedia wird in der Standartzulassung der Kamille von der Anwendung bei Augenentzündungen abgeraten, da selten alergische Reaktionen aufgetreten sind
- Inhaltsstoffe
- ätherische Öle, Cumarine, Flavonoide, Schleimstoffe
- Eigenschaften
- antibakteriell, antimykotisch, desinfizierend, entzündungshemmend, krampflösend, schmerzstillend, wundheilend
- Hilft bei
- Asthma, Blasenentzündungen, Bronchitis, Durchfall, Ekzeme, Erkältungen, Geschwüre, Halsschmerzen, Hämorrhoiden, Harnwegsentzündungen, Hautentzündungen, Hautprobleme, Husten, Magenschleimhautentzündungen, Magenkrämpfe, Nervosität, Schlafstörungen, Verbrennungen, Wunden, Zahnfleischentzündungen
















Was für ein wunderbarer und ausführlicher Beitrag, ihr Lieben! Ich dachte immer, ich wüsste schon alles über dieses vielseitige Kraut, aber die Idee mit dem Kamillen-Smoothie ist ja super spannend, gerade jetzt in der kalten Jahreszeit für etwas Entspannung. Ich werde das definitiv mal ausprobieren, vielleicht hilft das auch bei meinen abendlichen Einschlafproblemen im November. Habt ihr vielleicht auch Erfahrungen, ob das Räuchern eine ähnliche beruhigende Wirkung hat wie der Tee? Ganz herzliche Grüße!
Leser Nest
Danke für die schöne Rückmeldung! Zum Räuchern haben wir leider keinen Vergleich, aber vielleicht magst du es ja probieren und dann berichten!?
Liebe Grüße