Echtes Mädesüß
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Mädesüß gehört trotz seiner stattlichen Größe zu den eher unbekannten Kräutern. Dabei ist Mädesüß eines der besten pflanzlichen Schmerzmittel, denn es enthält Salicylsäure, die im Körper in Acetylsalicylsäure umgewandelt wird. Das ist derselbe Wirkstoff, der chemisch hergestellt in Aspirin enthalten ist. Die Dosierung im Mädesüß ist nicht so hoch, wie in einer Aspirintablette, aber dafür ist er auch frei von Nebenwirkungen.

Steckbrief

Lateinischer Name Filipendula ulmaria
Andere Namen Rüsterstaude, Bacholde, Wiesenkönigin, Federbusch, Spierstrauch, Immenkraut, Wiesengeissbart
Familie Rosengewächse (Rosaceae)
Erntemonate Mrz-Sep
Verwendbare Pflanzenteile Blätter, Blüten, Knospen
Blattform unpaarig gefiedert
Blütenfarbe gelb, weiß
Fundorte feuchte Wiesen, Gräben, Bachläufe
Verwechslungs­gefahr Waldgeissblatt, kleines Mädesüß
Giftigkeit teilweise giftig
Hinweise zur Giftigkeit Ist schwach giftig und sollte nur in geringen Mengen verwendet werden
Warnungen Nicht von Asthmatikern und in der Schwangerschaft verwenden
Besondere Inhaltsstoffe ätherische Öle, Flavonoide, Gerbsäure, Kieselsäure, Salicylsäure, Vanillin, Zitronensäure
Eigenschaften entzündungs­­hemmend, fiebersenkend, harntreibend, kräftigend, krampflösend, schweißtreibend
Hilft bei Arteriosklerose, Ausfluss, Blähungen, Blasenentzündungen, Durchfall, Erkältungen, Fieber, Gicht, Kopfschmerzen, Migräne, Nierenprobleme, Pickel, Rheuma, Ruhr, Sodbrennen, Tollwut, Völlegefühl

Anwendungen

Für keltische Druiden gehörte Mädesüß zu den heiligen Pflanzen und wurde vor allem wegen seines Duftes, welcher Lebensfreude vermittelt, geschätzt. So war es früher üblich, die Wohnstätten mit Mädesüß auszustreuen. Imker rieben neue Bienenstöcke mit dem Kraut aus, da diese dann besser von den Bienen angenommen wurden. In England wird es noch heute in Duftpotpourris gemischt.

Das kräftige, honig-mandelartige Aroma eignet sich hervorragend zum Aromatisieren von Süßspeisen. In der Heilkunde ist Mädesüß nicht nur ein gutes Schmerzmittel, sondern auch eine Hilfe bei Rheuma, Völlegefühl und Erkältungen.

In fertigen Erkältungstees ist häufig Mädesüß enthalten, zum Beispiel im Bad Heilbrunner Erkältungstee oder Sidroga Erkältungstee N.

In der Ernährung

Mädesüß kann in Speisen ähnlich wie Waldmeister verwendet werden. Wie dieser sollte auch Mädesüß nur in Maßen verwendet werden, da es Salicylate enthält, welche bei übermäßigem Verzehr zu Kopfschmerzen und Übelkeit führen können.

Blüten und Blütenknospen werden zum Aromatisieren verschiedenster Speisen verwendet. Dazu werden sie für etwa sechs Stunden in Wasser, Milch, Sahne, Wein oder Getreidedrinks gelegt. Für noch mehr Geschmack wurden sie früher häufig in Met ziehen gelassen. Anschließend kannst du so aromatisierte Flüssigkeiten nach Belieben weiterverarbeiten. Die Knospen und Blüten eignen sich zum Dekorieren von Süßspeisen.

Wie du ganz einfach köstliche Limonade mit Mädesüß oder anderen Kräutern herstellst, erfährst du hier.

Ganz junge, weiche Blätter können auch erntefrisch als Würzkraut zu Salaten oder Gemüsegerichten beigemischt werden.

Heilende Anwendungen

Bereits die alten Griechen verwendeten Mädesüß als Heilmittel gegen Ruhr, Weißfluss, Durchfall und Tollwut. Sie nutzten vor allem die Wurzel. Dazu werden 15 Gramm Wurzel mit einem halben Liter Wasser aufgekocht. Von dem Aufguss können bis zu drei Tassen am Tag getrunken werden.

Tinktur

Zum Einreiben schmerzender Gelenke, bei Rheuma, Gicht und Cellulite eignet sich eine Tinktur aus Mädesüß-Blüten. Dafür wird ein Schraubglas mit den Blüten gefüllt und mit 40-prozentigem Alkohol aufgefüllt, so dass alle Blüten bedeckt sind. Das Glas verschließen und für vier Wochen an einem warmen Ort ziehen lassen, abseihen und in einer dunklen Flasche verwahren.

Tee

Bei Kopfschmerzen und Migräne, aber auch bei anderen Schmerzzuständen, kann ein Tee mit Mädesüßblüten und -blättern helfen. Darüber hinaus wirkt er fiebersenkend, gegen Durchfall, Blähungen, Arteriosklerose, Rheuma, Gicht, Blasen- sowie Nierenentzündungen. Der Tee verringert die Magensäure und kann deshalb Sodbrennen lindern. Bei einsetzender Erkältung eignet sich Mädesüßtee als Schwitzkur.

Für den Tee frische oder getrocknete Blüten und Blätter mit heißem, aber nicht mehr kochendem Wasser übergießen und 15 Minuten ziehen lassen. Für eine Tasse von 250 ml verwende einen Esslöffel Mädesüß. Beachte, dass nicht mehr als drei Tassen am Tag getrunken werden sollten.

Alternativ kannst du auch einen Kaltauszug herstellen und trinken. Dazu Mädesüß für sechs Stunden im Wasser ziehen lassen.

Körperpflege mit Mädesüß

Bei unreiner Haut hilft ein Dampfbad oder Gesichtswasser mit Mädesüß. Für ein Gesichtswasser lässt du Mädesüßblüten für zwölf Stunden in destilliertem Wasser ziehen. Danach abseihen und etwas Alkohol hinzufügen für eine längere Haltbarkeit.

Erkennung und Sammeltipps

Der Duft des Mädesüß vermittelt Lebensfreude, es eignet sich zum aromatisieren von Speisen und hilft bei Erkältungen, Kopfschmerzen und vielem mehr.
Echtes Mädesüß mag nasse Füße und ist deshalb auf feuchten Wiesen, an Gräben und Bachläufen zu finden.

  • Es wird bis zu 2 m hoch
  • Am Boden bildet sich eine Rosette aus grundständigen Blättern, daraus erhebt sich ein häufig rot gefärbter, kantiger, beblätterter Stängel
  • Der Stängel verzweigt sich im oberen Teil
  • Die Blätter sitzen wechselständig am Stängel und sind unpaarig gefiedert
  • Sie sind deutlich geädert und gezähnt und auf der Unterseite mit einem weißen Flaum überzogen
  • Die Blüten sind cremig weiß und stehen in üppigen Doldentrauben am Ende des Stängels
  • Nach den Blüten entwickeln sich winzige Samen, welche in kleinen Nüsschen zusammensitzen

Mädesüß kann mit dem schwach giftigen Waldgeißblatt verwechselt werden, dieses sieht jedoch nur auf den ersten Blick genauso aus. Blütenstand und Blätter sind bei genauerer Betrachtung anders geformt. Das Kleine Mädesüß kann genauso verwendet werden, es kommt jedoch nur noch selten vor und sollte deshalb von Wildsammlungen ausgeschlossen werden.

Achtung:

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