Wilde Bitterkräuter für eine ausgewogene Ernährung
Eine alte Kräuterfrau erklärte mir vor vielen Jahren schon: “Gib deinem Magen Bitterstoffe, sonst kann das Leben bitter werden.”
In der Ernährung leisten Bitterstoffe einen wichtigen Beitrag zum Erhalt unserer Gesundheit. Sie tragen wesentlich zu unserer Verdauung bei, können beim Erreichen unseres Wunschgewichts unterstützen, verstärken den Speichelfluss und helfen Galle und Leber beim Entgiften.
In vielen anderen Kulturen gelten Bitterstoffe immer noch als wohlschmeckend. Dagegen werden sie in westlichen Kulturen schon seit längerem gezielt aus Gemüse- und Obstsorten heraus gezüchtet, um diese für unseren Gaumen schmackhafter zu machen.
Dabei geht aber nicht nur der unpopuläre bittere Geschmack verloren, sondern auch viel gesundheitliches Potenzial. Für einen gut funktionierenden Stoffwechsel sollten die vier Geschmacksrichtungen süß, salzig, sauer und bitter in einem ausgewogenen Verhältnis konsumiert werden, unsere heimischen Bitterkräuter können dabei gute Dienste leisten.
Bitterkräuter in der Natur
Nachfolgend stelle ich dir die wichtigsten Bitterkräuter vor. Natürlich enthalten sie neben den Bitterstoffen auch viele andere wertvolle Wirkstoffe, insbesondere sekundäre Pflanzenstoffe wie Flavonoide, ätherische Öle sowie Gerb- und Schleimstoffe. Sie machen jede der Pflanzen zu einer einzigartigen Zutat für eine vielfältige Ernährung und sorgen auch für ihre vielseitigen Heilkräfte.
1. Beifuß macht fetten Braten bekömmlicher und unterstützt Galle und Leber. Ein Tee aus dem „wilden Wermut“ kann auch bei Mundgeruch gegurgelt werden.
2. Die jungen Blätter des Löwenzahns ergeben im Frühjahr einen schmackhaften Salat, die Wurzel wird im Frühjahr und Herbst gegraben und kann als verdauungsfördernde Tinktur angesetzt werden. Oft wird Löwenzahn auch bei rheumatischen Beschwerden eingesetzt .
3. Schafgarbe ist eine klassische Frauenpflanze. Als Würzkraut in Speisen und als Tee ist sie hilfreich gegen Blähungen und bei Menstruationsbeschwerden. Eine starke Abkochung kann bei Hautentzündungen ins Badewasser gegeben werden.
4. Wegwarte wird auch Zichorienwurzel genannt und ist der Namensgeber für den Bittersalat Chicoree. Aus der getrockneten und gerösteten Wurzel entsteht der sogenannte „Blümchenkaffee“.
5. Der wild wachsende Hopfen schmeckt auch als Tee und hat eine beruhigende sowie schlaffördernde Wirkung.
6. Gelber Enzian verfügt über einen sehr hohen Gehalt an Bitterstoffen. Bekannt ist der Enzianschnaps, der speziell nach deftigem Essen manchmal angeboten wird. In der Natur ist Enzian leider selten geworden und daher geschützt. Die Wurzel erhältst du in der Apotheke oder online.
7. Die Wurzel der Engelwurz stärkt unsere Verdauung und die Nerven. In der traditionellen europäischen und chinesischen Heilkunde gilt sie als allgemeines Stärkungsmittel.
8. Isländisch Moos wird hauptsächlich bei Husten eingesetzt. Mit sogenannter „Graupenmilch“ wurden auf den Bauernhöfen traditionell Kinder bei Husten und sogar Pseudokrupp behandelt. Hierfür wurde Isländisch Moos in Milch aufgekocht und das bitteres Gebräu den Kindern teelöffelweise eingeflößt.
9. Blutwurz wirkt adstringierend und wird bei Magen-Darm-Störungen und Durchfall am besten als Tinktur eingenommen. Als Gurgellösung hilft sie gegen Entzündungen im Mundraum.
Bitterstoffe in der Ernährung
Bitterstoffe können in Form von Bitterkräuter-Pulver, Tee oder Tinkturen eingenommen werden. Auch alte Obst-, Gemüse- und Salatsorten, die man bevorzugt auf Märkten und Bauernhöfen findet, enthalten noch Bitterstoffe in ihrer ursprünglichen Form.
Eine optimale Versorgung bekommt unser Körper durch die Berücksichtigung von Bitterstoffen in der tägliche Ernährung. Unsere Zunge erkennt Bitteres sofort und reagiert darauf mit verstärktem Speichelfluss. Der Körper bildet daraufhin vermehrt Verdauungssäfte und der Magen meldet schneller ein Sättigungsgefühl, wodurch Heißhunger auf Süßes gar nicht erst entsteht.
Nahezu alle Wildkräuter enthalten Bitterstoffe. Gewöhnen wir unseren Gaumen an leicht bittere Ernährung, leisten wir einen wichtigen Beitrag für unsere Gesundheit.
Wenn wir unserem Körper die Arbeit erleichtern und ihn mit genügend Bitterstoffen versorgen, wird das Leben möglicherweise leichter. Welche bitteren Pflanzen bevorzugst du in deiner Ernährung?
Viele weitere Ideen und Rezepte für Wild- und Heilkräuter findest du auch in unseren Büchern:
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Ihr Lieben, dieser Beitrag über Bitterkräuter hat mir wieder spannende Impulse gegeben, vielen Dank dafür! Ich frage mich, welche der genannten Kräuter man jetzt im November noch gut finden oder anderweitig beziehen kann, wenn man keinen eigenen Garten mit Wintervorrat hat? Besonders das Isländisch Moos klingt interessant für die Erkältungszeit, aber wächst das auch hier oder kauft man es am besten?
Max Schwa
Hallo,
ich wollte einfach einmal Danke sagen, für diese tolle Seite.
Die sieht nicht nur optisch gut aus, auch inhaltlich hoch interessant.
Und ich habe eine Frage:
Ich habe eine Artemisia Annua Anamed (einjähriger Beifuss?) im Garten. Meine Freundin (von ihr habe ich die Pflanze bekommen) schwört darauf.
Ich bin ein bisschen ratlos, was ich damit mache.
Hat jemand Anregungen?
Viele Grüße
Liebe Ines,
hier wirst du fündig: https://www.kostbarenatur.net/anwendungen-und-inhaltsstoffe/einjaehriger-beifuss/
Liebe Grüße
Hi,
an der “Zutatenliste” für ein Bitterpulver wäre ich auch interessiert
LG und sanke für die immer wieder tollen Beiträge
Nancy
Liebe Nancy,
ein solches Bitterpulver kann leicht durch Trocknen und Mörsern der genannten Kräuter und Pflanzenteile hergestellt werden. Dabei kommt es nicht so sehr darauf an, dass sie alle enthalten sind. Es reicht schon ein Mix aus einigen Pflanzen – am besten aus denen, die regional frisch verfügbar sind. Fast überall findet man beispielsweise Beifuß, Wegwarte, Löwenzahn und Schafgarbe.
Liebe Grüße
Hallo,
Ich finde ein Bitterpulver recht interessant.
Welche Pflanzen (teile) nehme ich denn für ein Bitterpulver?
Über ein Rezept würde ich mich sehr freuen.
Vielen Dank sagt Birgit