Arznei-Engelwurz (Angelika)

Entdecke die Kraft der echten Engelwurz (Angelika): Alles über Erkennung, Wirkung und leckere Rezepte für den Alltag!

Die echte Engelwurz (“Angelica archangelica“) ist eine der imposantesten Erscheinungen in der heimischen Pflanzenwelt. Mit ihrer stattlichen Statur und dem würzig-warmen Duft fesselt sie seit Jahrhunderten die Aufmerksamkeit von Kräuterkundigen. Als majestätisches Mitglied der Familie der Doldenblütler liefert sie uns vor allem durch ihre tiefen Wurzeln wertvolle Bitterstoffe und ätherische Öle. Diese Kombination macht die Angelika zu einem geschätzten Begleiter für unsere Verdauung, da sie schwere Kost bekömmlich macht und sanft das allgemeine Wohlbefinden unterstützt.

Zwischen Mythos und Klostermedizin: Die Herkunft

Die Geschichte der Engelwurz ist tief in den kalten Regionen Nordeuropas und Sibiriens verwurzelt, von wo aus sie im Mittelalter ihren Weg nach Mitteleuropa fand. Ihren klangvollen Namen verdankt die Pflanze einer alten Legende zur Zeit der Pestepidemien. Demnach soll der Erzengel Michael einem schlafenden Mönch im Traum erschienen sein und ihm die Engelwurz als mächtiges Schutzmittel gegen die verheerende Plage gezeigt haben.

Auch im Alltag der ländlichen Bevölkerung spielte sie eine tragende Rolle. Die Menschen im Norden trugen oft ein Stück der getrockneten Wurzel als schützendes Amulett um den Hals, um Seuchen und böse Geister abzuwehren. In schmerzhaften Zeiten von Hunger und Kälte kauten Seefahrer und Bauern auf den bitteren Wurzelstücken, um Kraft zu tanken und die Glieder zu wärmen. Über die Jahrhunderte wanderte das Wissen in die Klöster, wo die Engelwurz zum Herzstück berühmter Magenbitter und Lebenselixiere wie dem weltbekannten Chartreuse-Likör wurde.

Die Engelwurz in der Ernährung

In der modernen Küche führt die Engelwurz zu Unrecht ein Schattendasein, denn fast alle Teile dieser Pflanze sind essbar und bereichern den Speiseplan um eine faszinierende, herbe Note. Die jungen, zarten Blätter und Stängel im Frühjahr schmecken angenehm würzig mit einer feinen Nuance von Sellerie und Wacholder. Kulinarisch besonders geschätzt sind jedoch die aromatischen Samen im Spätsommer sowie die kräftige Wurzel, die vor allem im herbstlichen Eintopf oder als Gewürzbasis dient

Kandierte Engelwurz

Angelika gibt es in kandierter Form in Handel, sie wird als Backzutat wie Orangeat oder Zitronat verwendet. Kandierte Engelwurz kannst du aber auch ganz leicht selbst mit folgendem Rezept herstellen. Sammle dafür am besten die noch elastischen Stängel der Jungpflanzen im Frühsommer oder Frühherbst.

Benötigte Zutaten:

  • 750 g Engelwurz-Stängel
  • 1 kg Zucker
  • 750 ml Wasser

So gehst du vor:

  1. Die Stängel waschen und in 10 cm lange Stücke oder kleiner (als Orangeat- Ersatz) schneiden.
  2. Zwei Minuten in Wasser kochen.
  3. Das Wasser abgießen und die Stängel mit kaltem Wasser abschrecken.
  4. Die Engelwurz-Stücke in einem Topf mit 1 kg Zucker und 750 ml Wasser drei Minuten köcheln lassen.
  5. Im geschlossenen Topf auskühlen und 12 Stunden ziehen lassen.
  6. Abseihen und das restliche Wasser weitere 10 Minuten ohne Deckel kochen lassen.Das Zuckerwasser kann als Sirup genutzt werden.
  7. Die Stängel auf Backpapier ausbreiten und entweder bei Zimmertemperatur oder im Ofen bei 40 °C etwa 36 Stunden trocknen lassen, bis sie nicht mehr klebrig sind.
  8. In Schraubgläsern kühl und dunkel aufbewahren.

Heilende Anwendungen und Inhaltsstoffe

Die medizinische Wirkung der echten Engelwurz basiert auf einem komplexen Zusammenspiel ihrer sekundären Pflanzenstoffe. Im Fokus stehen dabei das reichhaltige ätherische Öl mit seinen Hauptkomponenten Phellandren und Pinen sowie ein hoher Anteil an Bitterstoffen und speziellen Cumarinen.

In der wissenschaftlich belegten Pflanzenheilkunde wird die Angelikawurzel offiziell bei Appetitlosigkeit und dyspeptischen Beschwerden wie leichten Magen-Darm-Krämpfen, Blähungen und Völlegefühl eingesetzt. Die Bitterstoffe regen über die Geschmacksnerven im Mund sofort die Produktion von Speichel und Magensaft an, während das ätherische Öl die glatte Muskulatur des Verdauungstraktes entspannt und den Gallenfluss fördert.

Eine kleine Pilotstudie aus dem Jahr 2025 deutet darauf hin, dass Extrakte der Engelwurz möglicherweise Symptome einer überaktiven Blase verbessern könnten. Für eine gesicherte therapeutische Empfehlung sind jedoch weitere Studien erforderlich.1

In der traditionellen Volksheilkunde geht das Anwendungsspektrum noch weiter. Hier nutzt man die wärmende Wurzel gerne bei festsitzendem Husten und Erkältungen, da die ätherischen Öle beim Atmen helfen und den Schleim lösen sollen. Auch bei Erschöpfung und nervöser Unruhe wird ein Teeaufguss traditionell getrunken, um die Nerven zu stärken.

Trotz aller Vorzüge erfordert die Engelwurz Achtsamkeit bei der Anwendung. Die enthaltenen Furanocumarine machen die Haut deutlich empfindlicher gegenüber UV-Strahlung. Wenn du Angelika-Präparate einnimmst oder frischen Pflanzensaft auf die Haut bekommst, solltest du intensives Sonnenbaden oder Solarien meiden, da es sonst zu verbrennungsähnlichen Hautentzündungen kommen kann. Wegen fehlender Sicherheitsdaten und möglicher stimulierender Wirkungen auf die Gebärmutter wird eine Anwendung während der Schwangerschaft nicht empfohlen.

Tinktur

Eine Tinktur aus der Wurzel wirkt bei Appetitlosigkeit, Magen- und Darmkrämpfen, Völlegefühl sowie Blähungen.

Du benötigst:

  • 20 g getrocknete und 10 g frische Engelwurz-Wurzel (alternativ 30 g getrocknete Wurzel)
  • 100 ml 70- bis 90-prozentigen Alkohol, zum Beispiel Weingeist
  • eine Braunglasflasche

Die Zubereitung:

  1. Frische und getrocknete Wurzel in die Flasche füllen.
  2. Alkohol dazugeben und fest verschließen.
  3. Etwa zwei Wochen ziehen lassen.
  4. Mehrmals täglich schütteln.
  5. Abseihen und die Tinktur in eine dunkle Flasche füllen.

Bei Bedarf zwei Teelöffel in einem Glas Wasser oder Tee auflösen und trinken.

Tee

Eine Alternative zur Tinktur ist der Engelwurz-Tee, denn auch er kann bei den aufgeführten Beschwerden Linderung verschaffen.

Für einen Tee überbrühe einen Teelöffel der Wurzel mit 150 ml kochendem Wasser. Das Ganze wird 10 Minuten ziehen gelassen, abgeseiht und eine halbe Stunde vor den Mahlzeiten getrunken. Mehr als fünf Gramm der Wurzel pro Tag solltest du jedoch nicht verwenden.

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Kosmetische Anwendungen, im Haushalt und Garten

Auch außerhalb der Küche und der Hausapotheke lässt sich die Engelwurz wunderbar einsetzen, wobei hier vor allem die äußerliche Anwendung im Vordergrund steht. In der Volksheilkunde schätzt man die durchblutungsfördernden und wärmenden Eigenschaften des ätherischen Öls bei Muskelverspannungen und kalten Füßen. Ein starker Dekokt – also ein abgekochter Wurzelabsud – wird traditionell als Badezusatz verwendet, um beanspruchte Glieder nach einem langen Tag im Garten zu entspannen und die Regeneration der Haut sanft zu unterstützen. Die antioxidativen Inhaltsstoffe helfen zudem, die Hautbarriere vor schädlichen Umwelteinflüssen zu schützen.

Ein pflegendes Hausmittel kannst du ganz leicht selbst herstellen: ein wärmendes Angelika-Hautöl. Dafür füllst du ein sauberes Schraubglas zur Hälfte mit getrockneter, zerkleinerter Angelikawurzel und gießt es mit einem hochwertigen Pflanzenöl, wie Mandel- oder Olivenöl, vollständig auf. Dieses Glas lässt du an einem warmen, schattigen Ort für etwa vier Wochen ziehen und schüttelst es täglich leicht auf. Nach dem Abseihen durch ein feines Tuch hast du ein wunderbares Massageöl für kalte Tage. Im Haushalt eignen sich die getrockneten, stark duftenden Samen und Blätter hervorragend für Kräuterkissen oder Potpourris, die Schränke frisch halten und lästige Insekten auf natürliche Weise auf Abstand halten.

Aussehen und Erkennungsmerkmale

Früher war die Angelika (Arznei-Engelwurz) eine beliebte Heilpflanze. Heute ist sie meist verwildert zu finden und kann u.a. bei Verdauungsproblemen helfen.

Wer der echten Engelwurz in der Natur begegnet, vergisst diesen Anblick so schnell nicht. Sie ist eine zweijährige bis ausdauernde, krautige Pflanze, die unter optimalen Bedingungen eine beeindruckende Höhe von bis zu zweieinhalb Metern erreichen kann. Um sie sicher zu identifizieren und nicht mit giftigen Verwandten zu verwechseln, hilft ein genauer Blick auf die Details ihrer Anatomie.

  • Wuchsform: Imposant, aufrecht und sehr kräftig mit einem dicken, rundlichen und tief gerillten Stängel, der im oberen Bereich oft eine rötliche oder violette Färbung aufweist und innen hohl ist.
  • Blätter: Sehr groß, zwei- bis dreifach gefiedert und wechselständig am Stängel angeordnet. Die einzelnen Blattabschnitte sind eiförmig, am Rand scharf gesägt und sitzen auf auffallend großen, bauchig aufgeblasenen Blattscheiden, die den Stängel umschließen.
  • Blüten: Große, fast kugelige, halbrunde Doppeldolden, die aus zahlreichen Einzelblüten bestehen. Die Blütenfarbe variiert zwischen einem zarten Grünlich-Weiß und einem hellen Gelbgrün.
  • Blütezeit: Erstreckt sich im Hochsommer von Juni bis August.
  • Wurzel: Ein massiver, rübenförmiger und fleischiger Wurzelstock mit zahlreichen, langen Seitenwurzeln. Sie enthält zahlreiche Ölkanäle und verströmt beim Anschneiden einen intensiven aromatischen Duft.
  • Geruch: Alle Pflanzenteile, besonders aber die zerriebene Wurzel und die Samen, verströmen einen sehr charakteristischen, intensiv würzigen, moschusartigen und leicht süßlichen Duft.

Die Engelwurz sollte mit Handschuhen gesammelt werden. Durch den Hautkontakt mit dem Pflanzensaft kann es in Verbindung mit UV-Strahlung zu Hautreizungen kommen. Beim Sammeln besteht Verwechslungsgefahr mit bestimmten Arten, die weiter unten aufgeführt werden.

Wichtige Tipps zur sicheren Bestimmung und Ernte

Beim Sammeln der Engelwurz in freier Wildbahn ist allerhöchste Vorsicht geboten, da sie zur Familie der Doldenblütler gehört. Hier besteht eine lebensgefährliche Verwechslungsgefahr mit dem hochgiftigen Gefleckten Schierling und dem Wasserschierling sowie dem Riesen-Bärenklau. Der Gefleckte Schierling unterscheidet sich durch deutlich sichtbare, rötliche Flecken am glatten Stängel und einen unangenehmen Geruch nach Mäuseurin. Der Wasserschierling wächst direkt im Wasser und seine Wurzel ist im Längsschnitt in Luftkammern unterteilt.

Die echte Engelwurz liebt feuchte, nährstoffreiche Böden und wächst bevorzugt in der Nähe von Gewässern, auf feuchten Wiesen, in Auwäldern oder an Gräben. Wenn du die Wurzel ernten möchtest, ist der beste Zeitpunkt im Herbst des ersten Vegetationsjahres oder im zeitigen Frühjahr des zweiten Jahres. Die Samen erntest du im Spätsommer, sobald sie sich braun färben. Nutze beim Ausgraben der Wurzel immer Handschuhe, um Hautirritationen durch den Pflanzensaft zu vermeiden, und ernte nur dort, wo die Bestände stabil sind.

Bedingungen für kultivierten Anbau

Um dem Risiko einer Verwechslung in freier Wildbahn komplett zu entgehen, lässt sich die Engelwurz wunderbar im eigenen Garten oder in einem sehr großen, tiefen Kübel auf dem Balkon kultivieren. Da sie ein Licht- und Kaltkeimer ist, säst du die Samen am besten im Spätherbst direkt ins Freiland oder in Anzuchtschalen, die im Winter draußen stehen. Die Kälte bricht die Keimhemmung der Samen, sodass sie im folgenden Frühjahr zuverlässig austreiben.

Die Angelika stellt klare Ansprüche an ihr Zuhause: Sie benötigt einen halbschattigen bis sonnigen Platz mit einem tiefgründigen, humosen und vor allem dauerhaft feuchten Boden. Da sie zu den Starkzehrern gehört, freut sie sich im Frühjahr über eine großzügige Gabe von reifem Kompost oder organischem Dünger. Ein Rückschnitt ist im Normalfall nicht nötig, es sei denn, du möchtest die Selbstaussaat im Garten verhindern – dann schneidest du die verblühten Dolden rechtzeitig vor der Samenreife ab. Die Ernte der Wurzeln im eigenen Garten erfolgt dann ganz bequem im zweiten Standjahr.

  1. Jaime Lopez-Seoane. (2025). Effects of Angelica archangelica Extract on Overactive Bladder: A Pilot Randomized Controlled Trial
    ↩︎

Steckbrief

Kurzbeschreibung
Bis zu 2,5 Meter hohe, aromatisch duftende Staude mit kugeligen, grün-weißen Blütendolden und großen, bauchigen Blattscheiden.
Lateinischer Name
Angelica archangelica (Syn. Angelica officinalis)
Andere Namen
Arznei-Engelwurz, Argelkleinwurzel, Brustwurz, Brustwurzel, Dreieinigkeitswurzel, Engelwurtz, Geilwurzel, Engelbrustwurz, Theriakwurz
Familie
Doldenblütler (Apiaceae)
Erntemonate
ganzjährig
Verwendbare Pflanzenteile
Blätter, Blüten, Samen, Triebe, Wurzeln
Blattform
eiförmig, gefiedert
Blütenfarbe
grün, weiß
Fundorte
Feuchte Wiesen, Uferzonen, Gräben, Auwälder, Moore; schätzt nährstoffreiche und nasse Böden.
Verwechslungsgefahr
Gefleckter Schierling (hochgiftig), Wasserschierling (hochgiftig), Riesen-Bärenklau (stark phototoxisch), Wald-Engelwurz (Angelica sylvestris).
Giftigkeit
ungiftig
Hinweise zur Giftigkeit
Ungiftig, aber stark phototoxisch durch Furanocumarine bei Hautkontakt und Sonneneinstrahlung. Kann bei Kontakt mit dem Saft und anschließender UV-Strahlung schwere Hautentzündungen auslösen. Nicht in der Schwangerschaft oder bei Magengeschwüren anwenden.
Warnungen
nicht während der Schwangerschaft verwenden
Inhaltsstoffe
ätherische Öle, Bitterstoffe, Cumarine, Furanocumarine, Gerbstoffe
Eigenschaften
antimikrobiell, appetitanregend, entkrampfend, erwärmend, gallenflussfördernd, karminativ, krampflösend, magensaftanregend, verdauungsfördernd
Hilft bei
Appetitlosigkeit, Blähungen, Darmkrämpfe, Erkältungen, Magenkrämpfe, Völlegefühl
Erkennung / Sammeltipps
Achte auf den intensiven Moschusduft, den runden, gerillten Stängel ohne Flecken und die bauchigen Blattscheiden. Nur mit Handschuhen ernten.
Anbau
Aussaat im Herbst (Kaltkeimer), feuchter, nährstoffreicher Boden im Halbschatten, hoher Platzbedarf.

Über mich

Nach dem Studium in Nachhaltigem Tourismusmanagement begann Nesrin Nachhaltigkeit im Alltag umzusetzen. Wichtig ist ihr die Naturverbindung, aus der jedes nachhaltige Handeln entspringt.

5 Kommentare
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  1. hallo, die nachricht kommt leider zuspät.
    habe sie entsorgt,weil ich nicht gewußt habe ,was es ist
    ist einfach bei mir beim bach gewachsen .
    die wurzel müßte eigentlich noch im boden sein

    Antworten
  2. Lilo Sonnebeck-Kraft

    Ihr Lieben, das ist wirklich ein spannender Beitrag! Ich überlege schon länger, ob ich Engelwurz auch mal im Garten anbaue. Eine Frage hätte ich noch zur Lichtempfindlichkeit: Gilt das auch, wenn man die Wurzeln jetzt im Herbst erntet und dann über den Winter als Tee einnimmt, oder ist das vor allem ein Thema bei starker Sonneneinstrahlung?

    Antworten
    • Kostbare Natur
      Kostbare Natur

      Liebe Lilo,
      ob bzw. wie stark die Lichtempfindlichkeit gesteigert wird, ist individuell verschieden. Vor allem relevant ist es im hellen Sommerhalbjahr, wenn man häufig der Sonne ausgesetzt ist. Daher am besten vorsichtig herantasten – dafür ist das sonnenärmere Winterhalbjahr sogar besser geeignet als der Sommer.
      Liebe Grüße

  3. Cicuta virosa ist der Wasserschierling, der gefleckte Schierling ist Conium maculatum.

    Antworten
  4. Siebert, St.

    Ich werde mich dieses Jahr mit dem Anbau beschäftigen!

    Antworten

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