Gemeine Wegwarte

Als Urahne von Chicoree und Radicchio kann die Gemeine Wegwarte vielfältig in der Küche und für die Gesundheit genutzt werden.

Die Wegwarte (Cichorium intybus) begegnet dir oft am Wegrand. Unscheinbar vielleicht auf den ersten Blick, doch bei genauerem Hinsehen zeigt sie eine tiefblaue Blüte, die morgens leuchtet und am Nachmittag schon wieder verblasst.

Sie ist eine kraftvolle Heilpflanze mit Bitterstoffen, die unseren Stoffwechsel anregen, eine treue Helferin bei Verdauungsbeschwerden und eine kulinarische Überraschung im Wildkräutersalat. Auch als Kaffeeersatz hat sie Geschichte geschrieben. Die Wegwarte ist eine Pflanze, die sowohl innere als auch äußere Reinigung unterstützt – sanft, aber wirkungsvoll.

Herkunft, Geschichte, kulturelle Bedeutung

Im Volksglauben ranken sich zahlreiche Legenden um die Wegwarte. So sollte sie angeblich aus einer Jungfrau entstanden sein, die vergeblich auf ihren Geliebten wartete. Ihre blaue Blüte ein Symbol der Sehnsucht. Auch wurde ihr nachgesagt, dass sie, richtig gepflückt und getragen, unsichtbar machen könne.

Tatsächlich ist es so, dass die Wegwarte sich am Rand eines Weges wohler fühlt als in einem Beet. Eine meiner Freundinnen pflanzte sie in ihr Blumenbeet, woraus sie im folgenden Jahr verschwunden war und sich stattdessen neben der Haustür niedergelassen hatte – am Wegesrand!

In der Antike empfahl Hippokrates sie bei Leberleiden. Im Mittelalter war sie ein fester Bestandteil der Klostermedizin: Hildegard von Bingen schrieb ihr eine herzstärkende Wirkung zu. In der Volksmedizin wurde sie oft als „Lebenspflanze“ gegen Melancholie, Müdigkeit und Trägheit eingesetzt.

In der Ernährung

Wegwarte ist die Urform der uns bekannten Wintersalate Chicoree, Zuckerhut und Radicchio. Mit dem beliebten Endiviensalat ist sie ebenfalls nahe verwandt.

Im frühen Frühjahr werden die zarten Blätter als Salat verzehrt. Später, aber noch vor der Blüte ab Mitte Juni, kommen sie als Spinatersatz, für Suppen und in Saucen zum Einsatz. Sollten die Blätter zu bitter sein, können sie für zwei Stunden in Wasser gelegt werden, diese Prozedur zieht einen Teil der Bitterstoffe heraus.

Die Stängel werden gegart oder in herzhaftem Teig ausgebacken. Als essbare Dekoration oder auch kandiert eignen sich die hübschen, eisenhaltigen Blüten.

Wegwartenwurzel kann man gekocht als Gemüse verzehren. Dazu muss sie geschält, kleingeschnitten und etwa zwei Stunden gewässert werden. Aus der Wurzel wird auch ein gesunder und schmackhafter Kaffee-Ersatz hergestellt. Der Verzehr der Wurzel ist besonders für Diabetiker empfehlenswert, da sie sehr viel Inulin enthält.

Kaffee aus Wegwartenwurzel

Zur Herstellung eines Kaffees aus der Wurzel wird diese zerkleinert und gemeinsam mit Zucker in einer Pfanne ohne Fett geröstet. Nach dem Erkalten werden die Stücke gemahlen und anschließend wie Kaffee aufgebrüht. Diese Alternative schmeckt auch gut als gesunde Beigabe zum Bohnenkaffee und ergibt einen schmackhaften Milchkaffee.

Heilende Anwendungen

Die Wegwarte hat sowohl in der Volksheilkunde als auch in der modernen Phytotherapie ihren festen Platz. Wissenschaftlich untersucht ist vor allem ihre positive Wirkung auf den Verdauungstrakt. Die enthaltenen Bitterstoffe wie Lactucin und Lactucopikrin regen Leber, Galle und Magen an. Tierstudien wiesen darauf hin, dass das die Bildung von Verdauungssäften fördert und bei Appetitlosigkeit, Völlegefühl oder Blähungen hilft.1

In der Volksmedizin wurde sie bei Gelbsucht, Gicht, Hautproblemen und zur Blutreinigung verwendet. Die entzündungshemmende Wirkung der Pflanze wird den enthaltenen Flavonoiden und Polyphenolen zugeschrieben.2

Die Wurzel enthält zudem Inulin, das den Blutzuckerspiegel regulieren und die Darmflora fördern kann.3 Das ist interessant für Diabetiker und Menschen mit Reizdarm.

Wichtig: Schwangere sollten auf innerliche Anwendungen verzichten, da Bitterstoffe Wehen fördern können. Kann bei Korbblütler-Allergikern Reaktionen auslösen. Bei Verschluss der Gallenwege (Gallensteinen) nur nach ärztlicher Rücksprache anwenden (wegen der gallenanregenden Wirkung).

Tee mit Wegwarte

Für den Tee wird ein Esslöffel der Blätter und Wurzelstückchen mit 250 ml kochendem Wasser übergossen und nach zehn Minuten abgeseiht.

Bei unreiner Haut, Ekzemen und Augenentzündungen wird ein Teeaufguss mit der Wurzel und einigen Blüten äußerlich für Kompressen verwendet. Dazu zwei Esslöffel Wurzelstückchen in 300 ml Wasser für zehn Minuten kochen, ein paar Blüten dazugeben und nochmal zehn Minuten ziehen lassen.

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Kosmetische Anwendungen, im Haushalt und Garten

Auch äußerlich ist die Wegwarte nützlich. In der Volksheilkunde wurde sie als Umschlag bei entzündeter Haut oder Insektenstichen genutzt.4 Die entzündungshemmenden Inhaltsstoffe können bei unreiner Haut helfen, ein Gesichtsdampfbad mit Wegwartenblüten unterstützt die Porenreinigung.

Wegwartenblüten-Öl

Ein einfaches Hausmittel bei entzündeter Haut: Frische Blüten in ein Schraubglas geben, mit hochwertigem Pflanzenöl bedecken und 3 Wochen sonnig stehen lassen. Danach filtern und als Gesichtspflege verwenden.

Im Garten zieht die Wegwarte mit ihren kräftigen Wurzeln tieferliegende Nährstoffe an die Oberfläche. Sie ist außerdem eine wichtige Bienen- und Wildpflanze.

Erkennung und Sammeltipps

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Die Wegwarte gehört zu den auffälligeren Wildpflanzen, wenn man weiß, worauf man achten muss. Ihre leuchtend blauen Blüten sind besonders an warmen Sommertagen nicht zu übersehen. Sie werden etwa einen Meter hoch. Blühend findest du sie ab Mitte Juni an Weges- und Straßenrändern.

  • Der Stängel ist sparrig und verzweigt sich in der oberen Hälfte.
  • Die Blätter stehen in einer grundständigen Rosette und wechselständig am Stängel.
  • Sie sind tief eingeschnitten und ähneln ihrer Form nach Löwenzahnblättern.
  • Die Blüten werden bis zu fünf Zentimeter groß und bestehen aus vielen blauen Zungen-Blütenblättern. Sie öffnet sich am Morgen und schließt sich gegen Mittag
  • Die Wurzel ist lang, spindelförmig, weißlich und bitter

Verwechslungsgefahr besteht kaum, allenfalls mit dem Löwenzahn im jungen Stadium oder der Wilden Karde, deren Blätter jedoch sehr unterschiedlich ausgebildet sind.

Bedingungen für kultivierten Anbau

Die Wegwarte lässt sich gut im Garten oder sogar im Topf kultivieren. Sie bevorzugt sonnige Lagen und anspruchslos: Denn sie wächst sowohl auf nährstoffarmen als auch auf nährstoffreicheren Böden. Staunässe solltest du vermeiden. Sie ist botanisch mehrjährig, tritt aber häufig zweijährig in Erscheinung.

Du kannst sie aus Samen ziehen – am besten im Frühling direkt ins Beet säen. Ein Rückschnitt nach der Blüte fördert die Selbstaussaat. Die Wurzelernte erfolgt im Herbst des ersten Jahres. Für die Blütenpflege genügt etwas Kompost im Frühjahr.

  1. EMA Report. (2023). Assessment report on Cichorium intybus L., radix. Zuletzt aufgerufen am 22.01.2026 ↩︎
  2. Cankar, K., Hakkert, J. C., Sevenier, R., Papastolopoulou, C., Schipper, B., Baixinho, J. P., Fernández, N., Matos, M. S., Serra, A. T., Santos, C. N., Vahabi, K., Tissier, A., Bundock, P. & Bosch, D. (2023). Lactucin Synthase Inactivation Boosts the Accumulation of Anti-inflammatory 8-Deoxylactucin and Its Derivatives in Chicory (Cichorium intybus L.). Journal Of Agricultural And Food Chemistry. ↩︎
  3. Pflanze des Monats Juni 2010. Zuletzt aufgerufen am 22.01.2026 ↩︎
  4. Berivan Kaçmaz, Duygu Misirli, Seçil Erden Tayhan, Zafer Ömer Özdemir, Mahfuz Elmastas (2025) Assessment of the healing properties of Cichorium intybus L. extracts on wounds ↩︎

Steckbrief

Kurzbeschreibung
Aufrechte, blau blühende Wildpflanze mit bitterstoffreicher Wurzel
Lateinischer Name
Cichorium intybus
Andere Namen
Zicchorie, Sonenwedel, faule Gretel, Sonnenwirbel, Blaue Distel, Wegleuchte
Familie
Korbblütler (Asteraceae)
Erntemonate
ganzjährig
Verwendbare Pflanzenteile
Blätter, Blüten, Triebe, Wurzeln
Blattform
schrotsägeförmig
Blütenfarbe
blau
Fundorte
Wegränder, Äcker, Bahn- und Flussdämmen
Verwechslungsgefahr
Gering; evtl. mit Löwenzahn in frühen Stadien
Giftigkeit
ungiftig
Hinweise zur Giftigkeit
Schwangere sollten innerliche Anwendung meiden
Inhaltsstoffe
Bitterstoffe, Cholin, Eisen, Folsäure, Gerbstoffe, Inulin, Kalium, Lactucin, Selen, Vitamin B, Vitamin C, Zink
Eigenschaften
abführend, appetitanregend, blutreinigend, harntreibend, leberschützend, verdauungsanregend
Hilft bei
Appetitlosigkeit, Diabetes, Stoffwechselstörungen
Erkennung / Sammeltipps
Blaue Zungenblüten, öffnet sich nur am Morgen
Anbau
Leicht aus Samen, liebt Sonne und durchlässigen Boden

5 Kommentare
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  1. Rob Magnus

    Hallo Kostbare Natur,

    vielen Dank für den informativen Beitrag! Das mit dem Kaffee aus der Wegwarte klingt echt spannend. Ich überlege schon, das nächstes Jahr mal auszuprobieren. Jetzt, wo wir Ende November haben, frag ich mich, ob die Wurzeln zu dieser Jahreszeit noch gutt zum Ernten sind? Oder wann wäre die beste Zeit, um die für den Kaffee Ersatz zu sammeln und zu verarbeiten. Habs bisher nur im Sommer gesammelt.

    Viele Grüße
    Rob Magnus

    Antworten
    • Kostbare Natur
      Kostbare Natur

      Lieber Rob,
      ja im November kann man Wurzeln noch gut ernten (sofern der Boden frostfrei ist).
      Liebe Grüße

  2. R. Hohberg

    Ich habe die Geschichte von der wartenden Liebsten gern meiner Kindergruppe auf Spaziergängen erzählt. Sie wollten es immer wieder hören.

    Antworten
  3. Herta Richter

    Hi, ich wünschte der Artikel wäre noch etwas länger und ausführlicher. Aber man kann nicht alles haben. 😉 VG

    Antworten
  4. Romed Bucher

    Kann man die Wegwarte auch später, wenn sie schon blüht sammeln? Ich denk an die Wurzeln zum Kaffe machen. Hab das als Kind viel getrunken.

    Antworten

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