Wunder-Lauch (Berliner Bärlauch)
Wunder-Lauch (Allium paradoxum) – im Deutschen oft Seltsamer Lauch bzw. Berliner Bärlauch genannt – ist eine noch wenig bekannte, aber faszinierende Wildpflanze. Sie gehört zu den früh austreibenden Laucharten und bringt schon sehr zeitig im Jahr frisches Grün in die Küche. Seine Hauptanwendung liegt eindeutig in der Ernährung: Die zarten Blätter schmecken mild knoblauchartig, sind bekömmlicher als Knoblauch und lassen sich vielseitig verwenden. Gleichzeitig enthält die Pflanze typische Lauchstoffe, die traditionell mit einer Unterstützung von Verdauung und Immunsystem in Verbindung gebracht werden.
Herkunft, Geschichte und kulturelle Bedeutung
Der Wunder-Lauch wurde bereits früh außerhalb seines natürlichen Verbreitungsgebietes (Kaukasus und nördlicher Iran) kultiviert. Erste belegte Anpflanzungen stammen aus dem Jahr 1825 im Botanischen Garten von Pawlowsk in Russland sowie aus dem Jahr 1844 im Botanischen Garten Smíchov in Tschechien.
Heute besiedelt der Wunder-Lauch in Mitteleuropa vor allem feuchte Laubwälder, insbesondere Auwälder, außerdem alte Parkanlagen und die Ränder von Binnendünen. In Deutschland wurde er 1883 erstmals auf der Pfaueninsel in Berlin nachgewiesen, wo er bereits damals als „seit Jahren verwildert“ beschrieben wurde. Im Botanischen Garten Berlin-Schöneberg galt er 1909 schon als „seit langer Zeit lästiges Unkraut“. In und um Berlin ist die Art inzwischen so weit verbreitet, dass sie im Volksmund oft als „Berliner Lauch“ bezeichnet wird.1
Wunder-Lauch in der Ernährung
In der Küche ist der Wunder-Lauch ein echter Geheimtipp. Schon im zeitigen Frühjahr, wenn viele andere Wildkräuter noch klein sind, kannst du seine frischen Blätter ernten. Geschmacklich erinnert er an eine Mischung aus Bärlauch und Frühlingszwiebel, ist aber deutlich milder und hinterlässt keinen intensiven Knoblauchgeruch.
Essbar sind vor allem die Blätter, die jungen Blütenknospen und auch die kleinen Zwiebeln, wobei Letztere sparsam genutzt werden sollten. Die Pflanze liefert Vitamin C, Kalium, Schwefelverbindungen und sekundäre Pflanzenstoffe, die typisch für Lauchgewächse sind.
In der Küche kannst du die Blätter fein schneiden und roh über Salate oder Kartoffelgerichte streuen. Ein einfaches Wunder-Lauch-Pesto entsteht, wenn du die Blätter mit Öl, Nüssen und etwas Käse pürierst.

Auch in Kräuterbutter macht er sich gut und passt hervorragend zu Ofengemüse. Kurz angedünstet verfeinert er Suppen oder Rührei, ohne dominant zu werden. Eine besonders schnelle und schmackhafte Delikatesse mit Wunderlauch ist Wunder-Lauch-Frischkäse.
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Heilende Anwendungen von Wunder-Lauch
Wie alle Laucharten enthält Wunder-Lauch schwefelhaltige Verbindungen, Flavonoide und geringe Mengen ätherischer Öle. Diese sind bekannt für die verdauungsfördernde Wirkung.2 Sie regen die Magensaftproduktion an und unterstützen eine gesunde Darmflora.3 Auch antibakterielle Effekte der Schwefelstoffe sind untersucht.4
In der Volksheilkunde wurde der Wunder-Lauch darüber hinaus bei Frühjahrsmüdigkeit und zur allgemeinen Stärkung eingesetzt. Manche Menschen nutzen ihn traditionell zur Unterstützung des Immunsystems oder bei leichten Erkältungen. Für diese Anwendungen gibt es weniger direkte Studien, sie orientieren sich an Erfahrungen mit verwandten Allium-Arten.
Eine Überdosierung ist bei normalem Verzehr kaum problematisch, empfindliche Menschen können jedoch mit Blähungen reagieren. Vorsicht ist bei bekannter Lauch- oder Zwiebelunverträglichkeit geboten. Schwangere sollten größere Mengen roher Zwiebeln generell meiden.
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Erkennung und Sammeltipps

Der mehrjährige, krautige Wunderlauch hat eine Wuchshöhe von 20-30 cm und kann sich stark ausbreiten.
- Die ungestielten Blätter wachsen direkt aus der Zwiebel.
- Sie sind bis zu 20 cm lang und 1-2 cm breit.
- Blütezeit ist von April bis Mai und dauert etwa drei Wochen.
- Der Blütenstängel ist dreikantig.
- Die Pflanze bildet entweder bis zu zwanzig grüne Brutzwiebeln oder eine Dolde mit zwei bis fünf lang gestielten Blüten aus.
- Die sechs Blütenhüllblätter sind weiß.
- Die Blüte verströmt einen typischen Lauchgeruch.
- Die Wurzel ist eine bis zu 1 cm große Zwiebel.
Verwechslungsgefahr und giftige Doppelgänger

Gleich mehrere, teils giftige Pflanzen sehen ähnlich aus und es kommt immer wieder zu gefährlichen Verwechslungen. Achte daher genau auf die zuvor beschriebenen wesentlichen Merkmale zur Bestimmung, damit nicht versehentlich eine der folgenden Pflanzen in deinem Sammelkörbchen landet.
Du kannst den Wunder-Lauch leicht durch seinen Blütezeitpunkt von zu verwechselnden Arten unterschieden. Er blüht früher als der Echte Bärlauch und das Maiglöckchen (Convallaria majalis). Vom Bärlauch lässt sich der Wunder-Lauch durch seine schmaleren Blätter unterscheiden.
Vom giftigen Maiglöckchen unterscheidest du den Wunder-Lauch durch seine schmalen Blätter und ganz besonders durch seinen knoblauchartigen Geruch. Zudem wachsen die dunkelgrünen Blätter des Maiglöckchens nicht aus der Zwiebel, sondern paarweise am Stängel und sind fester als beim Wunder-Lauch.
Vor der Blüte kann die Pflanze auch mit dem sehr selten vorkommenden, giftigen Zweiblättrigen Blaustern verwechselt werden. Dieser ist in Deutschland geschützt und sollte nicht beschädigt werden. Er bildet zwei Blätter aus seinem runden Stiel und erreicht eine Wuchshöhe von 15 bis 20 Zentimeter.
Die Blätter der sehr giftigen, violett blühenden Herbstzeitlose (Colchicum autumnale) sind zwar ebenfalls schmal und ohne Stiel, riechen aber nicht nach Knoblauch.
Der knoblauchartige Geruch fehlt ebenso dem Schneeglöckchen (Galanthus nivalis), dessen Blätter eine blau-grüne Färbung aufweisen.
Verwechslungsgefahr besteht außerdem mit dem stark giftigen Gefleckten Aronstab (Arum maculatum), dessen Pflanzensaft bereits starke Hautreaktionen hervorruft. Dieser treibt gleichermaßen wie der Wunder-Lauch früh aus. Allerdings sind die Blätter pfeilförmig oder speerförmig sowie netznervig und meist gefleckt.
Anbautipps
Weil sich der Wunder-Lauch flächendeckend massenhaft ausbreiten kann, sollte er nicht unbedingt im Garten angepflanzt werden. Auf dem Balkon oder Terrasse allerdings kann man versuchen, ihn in einem Gefäß zu kultivieren. Diese Variante würde im Garten durch seine herabfallenden Brutzwiebeln trotzdem nicht vor der Ausbreitung schützen.
- Norbert Griebl (2020). Neophyten. Franckh-Kosmos Verlags-GmbH & Co. KG ↩︎
- Nnaheed Amir, Amina Al Dhaheri, Najla Al Jaberi, Fatma Al Marzouqi, Salim MA Bastaki.(2011) Comparative effect of garlic (Allium sativum), onion (Allium cepa), and black seed (Nigella sativa) on gastric acid secretion and gastric ulcer. Dove Press Journal ↩︎
- Guillamón, E., Andreo-Martínez, P., Mut-Salud, N., Fonollá, J. & Baños, A. (2021). Beneficial Effects of Organosulfur Compounds from Allium cepa on Gut Health: A Systematic Review. Foods, 10(8), 1680. ↩︎
- Bhatwalkar, S. B., Mondal, R., Krishna, S. B. N., Adam, J. K., Govender, P. & Anupam, R. (2021). Antibacterial Properties of Organosulfur Compounds of Garlic (Allium sativum). Frontiers in Microbiology, 12, 613077. ↩︎
Steckbrief
- Kurzbeschreibung
- Früh austreibende Lauchart mit mildem Geschmack
- Lateinischer Name
- Allium paradoxum
- Andere Namen
- Berliner Bärlauch, Seltsamer Lauch
- Familie
- Amaryllisgewächse (Amaryllidaceae)
- Erntemonate
- Mrz - Mai
- Verwendbare Pflanzenteile
- Blätter
- Blattform
- lanzettlich
- Blütenfarbe
- weiß
- Fundorte
- schattig bis halbschattig, unter Gehölzen
- Verwechslungsgefahr
- mit dem ungiftigen Bärlauch und den giftigen Mai- und Schneeglöckchen, Aronstab, Herbstzeitlose
- Giftigkeit
- ungiftig
- Hinweise zur Giftigkeit
- Nur bei Verwechslung gefährlich
- Warnungen
- Nicht an belasteten Standorten sammeln
- Inhaltsstoffe
- Allicin, ätherische Öle, Flavonoide, Schwefelverbindungen, Vitamin C
- Eigenschaften
- antibakteriell, appetitanregend, immunstärkend, verdauungsfördernd
- Hilft bei
- Frühjahrsmüdigkeit, Verdauungsprobleme
- Erkennung / Sammeltipps
- Lauchgeruch prüfen, vor der Blüte sammeln
- Anbau
- Einfach, aber ausbreitungsfreudig










Ich finde Eure Rezepte und Kommentare sehr Interessant und habe auch schon einige Ausprobiert. Man kann damit gutes für die Gesundheit tun, auch wenn der Erfolg etwas länger braucht.Macht weiter so
Ich finde Eure Artikel auch immer sehr interessant und lehrreich. Allerdings finde ich es unpassend und sogar gefährlich, auf einem Bild zum Artikel des essbaren Wunderlauchs giftige Maiglöckchen zu zeigen. Es gibt auch Menschen, die sich nicht so gut mit Wildpflanzen auskennen und auch nicht noch extra weitere Quellen/Bilder bemühen, bevor sie sammeln.
Liebe Elisabeth,
danke für deine Rückmeldung! Du meinst bestimmt die Übersicht der Verwechslungspartner? Die möglichen giftigen Verwechslungspartner NICHT zu zeigen, das wäre gefährlich! Bei einer so leckeren und oft gesammelten Wildpflanze wie dem Wunderlauch, bei der Verwechslungsgefahr mit giftigen Doppelgängern besteht, gehören aussagekräftige Informationen einschließlich Bildvergleich zwingend dazu. Nicht durch Weglassen, sondern durch Aufklären werden gefährliche Verwechslungen vermieden.
Liebe Grüße
Kostbare Natur, ich lese immer gerne eure Artikel, die vielen Tipps hier sind echt wertvoll.
Der Wunderlauch ist wirklich faszinierend, aber ich frage mich, ob es überhaupt eine Möglichkeit gibt, ihn im Garten zu halten, ohne dass er dann alles überwuchert, auch im Topf habe ich da noch Bedenken. 🤔
Liebe Mia,
danke für die schöne Rückmeldung! Wenn du Sorgen wegen der Ausbreitung hast, könntest du eine Wurzelsperre einsetzen (z.B. aus Blech oder durch Steinpalisaden).
Liebe Grüße
Anmerkung auch von mir. Blaustern wird einerseits im Artikel als giftig beschreiben, aber im Bild ist er essbar.
@Nora vielen Dank für diesen Hinweis – das überprüfen wir umgehend!
Liebe Grüße