Spitzwegerich

Der Spitzwegerich ist eine weit verbreitete Wildpflanze. Nutze seine Blätter, Blüten, Samen und Wurzeln als Nahrung und für die Gesundheit!

Der Spitzwegerich (Plantago lanceolata) ist eine der bekanntesten Wildpflanzen in Europa und ein wahrer Alleskönner unter den Heilkräutern. Ob bei Husten, Insektenstichen oder kleinen Wunden – seine beruhigenden und entzündungshemmenden Eigenschaften machen ihn zu einem natürlichen Helfer für den Alltag. Besonders geschätzt wird er für seine schleimlösende Wirkung bei Atemwegserkrankungen. Auch in der Küche findet er immer mehr Anhänger.

Herkunft, Geschichte und Bedeutung

Die wissenschaftliche Name des Spitzwegerichs lautet Plantago lanceolata. Auch wird er Spitzweger, Lungenblatt, Wegerich oder im Volksmund einfach “Wegkraut” genannt.

Der Spitzwegerich ist in Europa, Nordafrika und weiten Teilen Asiens heimisch und hat sich durch den Menschen auch in anderen Teilen der Welt verbreitet. Schon die Germanen und Kelten nutzten ihn als Wundkraut. Pfarrer Kneipp empfahl ihn bei frischen und alten Wunden, sowie gegen Husten und Entzündungen.1

Als die Europäer nach Nordamerika kamen, breitete sich der Spitzwegerich auch dort entlang der Siedlungsrouten aus. Die nordamerikanischen Ureinwohner nannten ihn deshalb “Fußstapfen des weißen Mannes”, weil er überall dort wuchs, wo neue Wege entstanden.

In der Volksmedizin galt der Spitzwegerich als Schutzpflanze für Reisende. Man legte ihn in Schuhe gegen Blasen oder trug ihn als Amulett. Heute erlebt er durch das wachsende Interesse an natürlichen Heilmitteln eine wahre Renaissance. Besonders für Eltern ist er interessant, da er sanft, aber wirksam bei kleinen Blessuren von Kindern hilft.

In der Ernährung

Spitzwegerich ist nicht nur heilend, sondern auch essbar. Junge Blätter schmecken leicht nussig und erinnern an Champignons. Sie enthalten Vitamin C, Kieselsäure, Kalium, Zink und Gerbstoffe. Besonders die Kieselsäure ist gut für Haut, Haare und Bindegewebe.

Die zarteren Blätter eignen sich roh als Salatbeigabe, als grünes Pesto oder gekocht als Spinatersatz. Dafür werden die Blätter quer zur starken Längsfaser geschnitten. Bei Pesto oder Smoothie solltest du jedoch nicht zu viele Spitzwegerichblätter verwenden, da sie sehr kompakt sind. Eine gute Kombination entsteht mit milden Kräutern wie Vogelmiere, Giersch oder Basilikum, die das Aroma abrunden und die Konsistenz lockern.

Ein Rezept für eine Spitzwegerichsuppe findest du hier.

Du kannst die Blätter des Spitzwegerichs auch in einer traditionellen Gründonnerstagssuppe verwenden.

Die Blütenstände mit leckerem Pilzaroma knabbere ich roh oder leicht angebraten. Sie können auch gedünstet oder in Öl eingelegt werden.

Oder probiere doch einmal dieses leckere Spitzwegerich-Risotto.

Ein Risotto mit Spitzwegerichblüten hat ein intensives Pilzaroma. So einfach kochst du ein schmackhaftes Wildpflanzen-Risotto mit den Blüten.

Die Samen kannst du herauslösen, roh essen oder getrocknet über Salate und Müsli streuen.

Die schmackhafte Wurzel wird von Oktober bis April geerntet und mit anderem Wurzelgemüse gekocht. Sie ist fein verästelt und sollte daher sorgfältig gewaschen werden.

Heilende Anwendungen

Spitzwegerich ist vor allem für seine zuverlässige Wirkung bei Atemwegserkrankungen bekannt. Die enthaltenen Schleimstoffe legen sich wie ein schützender Film über die Schleimhäute und sind reizmildernd und hustenstillend.2 Die Inhaltsstoffe Aucubin und Catalpol wirken antibakteriell, entzündungshemmend, antioxidativ und Schützen die Leber.3 Die beinhalteten Gerbstoffe und das Allantoin fördern die Wundheilung4 und wirken adstringierend (zusammenziehend).

Schon 1985 erkannte die Kommission E an, dass Spitzwegerich bei verschiedenen Beschwerden wirksam ist – darunter Husten, Bronchitis, Halsschmerzen, Insektenstiche, kleinere Hautverletzungen und entzündetes Zahnfleisch.5

Allerdings liegen bisher wenige klinische Studien zum Spitzwegerich vor. Deshalb ist die Wahl zur Arzneipflanze des Jahres 2014 der Universität Würzburg auch als Aufruf an die Forschung zu verstehen.6

Tipp: Die Wegeriche sind wunderbare Heilpflanzen für unterwegs. Besonders, wenn am Spielplatz mal eine Hautabschürfung passiert, helfen die Pflanzen dem kleinen Körper und der Seele.

Spitzwegerich-Tee

Wenn du Husten, Lungenbeschwerden, Bronchitis oder Asthma hast, kann ein Tee oder Sirup aus Spitzwegerichblättern dir helfen. Du kannst ihn auch trinken bei Magenschleimhautentzündung, Reizdarm und Harnwegsinfektionen – und als Gurgelmittel bei Entzündungen der Mundschleimhaut verwenden.5

Für eine Tasse Tee 3-5 frische oder einen Esslöffel getrockneter Blätter mit kochendem Wasser übergießen und zehn Minuten ziehen lassen.

Spitzwegerich-Sirup

Du kannst aus den Blättern einen wirksamen Hustensirup herstellen. Spitzwegerich gehört zu den wichtigsten pflanzlichen Hustenmitteln. Hier erfährst du einfach, wie du einen eigenen Spitzwegerichsirup für die nächste Erkältungswelle machst.

Der Spitzwegerich ist ein altbekanntes Mittel bei Bronchitis. Finde heraus, wie du einen Hustensirup mit Spitzwegerich herstellst.

Ölauszug

Ein Ölauszug aus Spitzwegerichblättern wirkt hervorragend als Einreibemittel bei Bronchialbeschwerden. So gehst du vor: Schneide einige Blätter quer zur Faser und gib sie zusammen mit Öl in ein Schraubglas. Lass es etwa drei Wochen ziehen und filtriere anschließend durch ein Sieb. Fülle das Öl danach in eine dunkle Flasche.

Salbe gegen Mückenstiche

Die Pflanze kann auch äußerlich angewendet werden: bei juckenden Stichen, kleinen Schnittwunden oder Hautirritationen. Die enthaltene Kieselsäure und die Gerbstoffe helfen, die Haut zu beruhigen und die Wundheilung zu beschleunigen. Mit dem Ölauszug kannst du ganz leicht eine Heilsalbe gegen Mückenstiche selber machen.

Spitzwegerich gehört zu den wirksamsten Heilpflanzen bei Insektenstichen und Hautirritationen. Nutze seine Kräfte in einer hausgemachten Salbe!

Spitzwegerichtinktur

Alternativ zur Salbe eignet sich eine schnell angesetzte Spitzwegerich-Tinktur. Sie hält mindestens ein Jahr und ist ideal für unterwegs.

Nutze Spitzwegerich-Tinktur als praktische Hilfe bei Mückenstichen. So stellst du dir ein günstiges Hilfsmittel für unterwegs her.

Aufguss

Spitzwegerich enthält antibakterielle Stoffe und wirkt blutstillend. Bereite einen starken Aufguss zu – nimm 10 frische oder zwei Esslöffel getrocknete Blätter, übergieße sie mit 250 ml kochendem Wasser und lasse den Tee 10 Minuten ziehen. Dann tränke einen Baumwolllappen darin und lege ihn auf die betroffene Hautstelle.

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Erkennung und Sammeltipps

Der Spitzwegerich ist eine weit verbreitete Wildpflanze. Nutze seine Blätter, Blüten, Samen und Wurzeln als Nahrung und für die Gesundheit!

Der Spitzwegerich ist eine bis zu 50 cm hohe Pflanze, welche auf Wegen, an Wegrändern, auf Schotter und auf Wiesen wächst.

  • Die Blätter wachsen in einer Rosette am Boden, haben einen glatten Rand und sind leicht behaart.
  • Sie sind schmal, länglich, stillos und werden bis zu 20 cm lang. Leicht zu erkennen sind sie durch fünf bis sieben Rippen an der Blattunterseite.
  • Der Blütenstand sitzt oben auf einem langen, blattlosen, kantigen Stängel.
  • Die Blüten sind weiß-braun mit eher unscheinbaren Blütenblättern, die sich alle an einem ca. ein bis vier cm langen, ährigen Blütenstand befinden.
  • Die Blütezeit geht von April bis August.
  • Die braunen Samen, mit gleicher Form und Größe wie die Blüten, sind von August bis Oktober zu finden.
  • Die Wurzeln können bis zu einem halben Meter in die Erde reichen und sind fein verästelt.

Anbautipps

Der Spitzwegerich ist leicht wild zu finden, kann jedoch auch angebaut werden. Er bevorzugt einen sonnigen Platz, gedeiht aber auch im Halbschatten. Der Boden sollte locker und nährstoffreich, mittelschwer und eher kalkarm sein.

Die Aussaat erfolgt am besten von Ende März bis Mitte April. Die Samen werden etwa 1,5 cm tief in die Erde gelegt. Wegen der starken Wurzelbildung ist auf einen Abstand von etwa 25 cm zu achten.

  1. Sebastian Kneipp’s gesammelte Schriften, Band 3, von Sebastian Kneipp, 1896 ↩︎
  2. Clinical trial of a Plantago major preparation in the treatment of chronic bronchitis. (1982) PubMed. ↩︎
  3. Kalantari, A., Kósa, D., Nemes, D., Ujhelyi, Z., Fehér, P., Vecsernyés, M., Váradi, J., Fenyvesi, F., Kuki, Á., Gonda, S., Vasas, G., Gesztelyi, R., Salimi, A. & Bácskay, I. (2017). Self-Nanoemulsifying Drug Delivery Systems Containing Plantago lanceolata—An Assessment of Their Antioxidant and Antiinflammatory EffectsMolecules22(10), 1773. 3 ↩︎
  4. Araújo, L. U., Grabe-Guimarães, A., Mosqueira, V. C. F., Carneiro, C. M. & Silva-Barcellos, N. M. (2010). Profile of wound healing process induced by allantoin. Acta Cirúrgica Brasileira, 25(5), 460–461. ↩︎
  5. Kommission für Phytotherapie (Kommission E) des ehemaligen Bundesgesundheitsamtes (BGA), heute Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM): Plantaginis lanceolatae herba (Spitzwegerichkraut). Bundesanzeiger 223, 30.11.1985 ↩︎
  6. GmbH, A. –. M. D. A. (o. D.). Spitzwegerich: Arzneipflanze des Jahres 2014. Avoxa – Mediengruppe Deutscher Apotheker GmbH.  ↩︎
  7. Kommission für Phytotherapie (Kommission E) des ehemaligen Bundesgesundheitsamtes (BGA), heute Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM): Plantaginis lanceolatae herba (Spitzwegerichkraut). Bundesanzeiger 223, 30.11.1985 ↩︎

Steckbrief

Kurzbeschreibung
Der Spitzwegerich ist einer der bekanntesten Vertreter der fast 200 Wegericharten. “Rich” heißt König, weshalb er, wie auch seine zwei Brüder, der Mittlere und der Breite Wegerich, auch König der Wege genannt wird. 2014 wurde der Spitzwegerich, vor allem wegen seiner hervorragenden Heilwirkungen auf die Atemwege, die Mundschleimhaut und bei Wunden, zur Arzneipflanze des Jahres gewählt. Ursprünglich aus Europa stammend, fand er schnell Verbreitung in vielen kolonialisierten Ländern. Überall, wo die Europäer in das neue Land Amerika eindrangen, folgte Ihnen der Wegerich. Der Spitzwegerich ist eine alte Heilpflanze, die genauso jetzt noch bekannt ist. Sogar einige Kinder wissen um die juckstillende Wirkung des Wegerichs bei Mücken- oder Brennnesselstichen. Der Spitzwegerich gilt als sogenannte Zeigerpflanze, da er dort wo er wächst, auf einen nährstoffreichen Boden hinweist.
Lateinischer Name
Plantago lanceolata
Andere Namen
Spießkraut, Lungenblatt, Schlangenzunge, Heilwegerich, Heufressa, Ripplichrut, Roßrippe, Schafzunge, Spitzfederich, Straßenbraut, Wegetritt, Wundwegerich
Familie
Wegerichgewächse (Plantaginaceae)
Erntemonate
ganzjährig
Verwendbare Pflanzenteile
Blätter, Blüten, Knospen, Samen, Wurzeln
Blattform
lanzettlich, lineal
Blütenfarbe
braun, weiß
Fundorte
Wege, Wegränder, Wiesen
Verwechslungsgefahr
mit dem mittleren Wegerich, der etwas breitere Blätter hat und genauso zu verwenden ist
Giftigkeit
ungiftig
Warnungen
Allergien gegen Wegerichgewächse möglich
Inhaltsstoffe
Aucubin, Catalpol, Gerbstoffe, Germanium, Kalium, Kieselsäure, Schleimstoffe, Vitamin B, Vitamin C, Zink, Zirkon
Eigenschaften
abschwellend, antibakteriell, antiseptisch, auswurffördernd, blutreinigend, blutstillend, entzündungs­­hemmend, reizmildernd, schleim­haut­schützend, wundheilend, zusammenziehend
Hilft bei
Asthma, Bronchitis, Harnwegs­­entzündungen, Hautentzündungen, Husten, Insektenstiche, Lungenschwäche, Magen­schleimhaut­entzündungen, Reizdarm, Verbrennungen, Wunden
Erkennung / Sammeltipps
Parallelnervige, schmale Blätter in Rosette
Anbau
einfach, magerer Boden, sonnig

2 Kommentare
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  1. Liebes Team von Kostbare Natur,

    vielen Dank für diesen tollen Artikel über den Spitzwegerich! Er ist wirklich eine meiner liebsten Pflanzen, gerade für kleine Schürfwunden bei den Kindern im Sommer immer griffbereit. Ich mache jedes Jahr einen Hustensirup für die kalte Jahreszeit, da habt ihr ja auch ein super Rezept verlinkt. Nun meine Frage: Da jetzt im November ja die Zeit für die Wurzelernte ist, habt ihr vielleicht noch weitere Ideen, wie man die Wurzeln neben dem Kochen in Gemüsemischungen lecker zubereiten kann?

    Liebe Grüße,
    Aurora L.

    Antworten
  2. Doris Berger

    kann ich aus den wurzeln auch eine tinktur machen

    Antworten

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