Mirabelle

Erfahre alles über die Mirabelle: liebevoll und fundiert ausgearbeitet – mit vielen praktischen Tipps für Küche, Hausapotheke und Garten.

Wenn der Sommer in voller Blüte steht, leuchten sie wie kleine Sonnen an den Ästen: die Mirabellen (Prunus domestica subsp. syriaca). Ihre goldgelbe Farbe, ihr süßer Duft und der aromatische Geschmack machen sie nicht nur zu einer beliebten Naschfrucht, sondern auch zu einem echten Multitalent in der Küche. Aber auch in der Hausapotheke können sie wertvolle Helfer sein.

Schon unsere Großeltern wussten um ihre Qualitäten: Ob als Marmelade eingekocht, in Streuselkuchen gebacken oder als Magenmittel angesetzt – die Mirabelle war in vielen Hausgärten fest verwurzelt. Sie ist eine Unterart der Pflaume und wird auch „Gelbe Zwetschge“ genannt. In Österreich ist sie als „Kriecherl“ bekannt.

Herkunft, Geschichte und kulturelle Bedeutung

Die Heimat der Mirabelle liegt vermutlich in Kleinasien – der Name „Mirabelle“ leitet sich vom lateinischen mirabilis ab, was „wunderbar“ oder „bewundernswert“ bedeutet. Kein Wunder, dass sie bereits im Mittelalter in Klostergärten kultiviert wurde. Besonders im französischen Lothringen wurde sie seit dem 15. Jahrhundert gepflegt und sogar unter Schutz gestellt – dort gilt sie noch heute als regionale Delikatesse.1

In der Volksmedizin wurde die Mirabelle vor allem wegen ihrer verdauungsfördernden und leicht abführenden Wirkung geschätzt. Mönche und Kräuterfrauen setzten den Saft der Früchte und auch die Rinde des Baumes ein, etwa bei Verstopfung oder Hautunreinheiten.

In der Ernährung

Mirabellen sind ein Fest für den Gaumen – süß, saftig und angenehm mild. Am besten schmecken sie frisch vom Baum, doch sie lassen sich auch wunderbar weiterverarbeiten. Ob als Konfitüre, Kompott, Likör, im Crumble oder herzhaften Chutney: Die goldgelben Früchte lassen sich in der Küche vielseitig verwenden.

Essbar sind die Früchte mit Schale – sie enthalten besonders viele sekundäre Pflanzenstoffe. Auch die Kernernte wird in manchen Gegenden für die Herstellung von Öl oder Spirituosen genutzt, allerdings ist Vorsicht geboten: Das Bundesinstitut für Risikobewertung empfiehlt bei Steinobst nicht mehr als ein bis zwei bittere Kerne pro Tag zu verzehren oder darauf vorsorglich völlig zu verzichten.2

Mirabellen liefern wichtige Vitamine und Mineralstoffe: Sie sind reich an Vitamin C, Provitamin A, Kalium und Ballaststoffen.3 Das macht sie nicht nur lecker, sondern auch gesund – vor allem für Verdauung, Haut und Immunsystem.

Überreife Früchte kannst du leicht zu Obstleder oder Fruchtessig verarbeiten – so bleibt kein Schatz verloren.

Mirabellenlikör

Mirabellenlikör selbst herzustellen ist eine wunderbare Möglichkeit, das Aroma sonnengereifter regionaler Mirabellen einzufangen. Die goldgelben Früchte verleihen dem Likör einen fruchtig-süßen Geschmack, der pur genossen, in Desserts verfeinert oder als liebevolles Geschenk geschätzt wird. Mit wenigen Zutaten und etwas Geduld entsteht ein Getränk, das den Spätsommer in jedem Tropfen spürbar macht.

Mirabellenlikör verbindet regionales Obst mit sanfter Süße. Einfach gemacht, lange haltbar und vielseitig zu genießen als purer Likör oder im Dessert.

Mirabellen-Senf

Mirabellensenf lässt sich unkompliziert aus regionalen Früchten zubereiten und bietet eine leckere Möglichkeit, die süßen Sommermirabellen zu nutzen. Er passt vielseitig – als Dip, zu Käse, zu gegrilltem Gemüse oder in Salatdressings. Im Kühlschrank aufbewahrt, bleibt sein feines Aroma über mehrere Wochen erhalten.

Mirabellensenf selbst gemacht: Fruchtig, regional, vielseitig einsetzbar und perfekt zum Grillen, zu Käse oder als Dip.

Mirabellen-Marmelade

Mirabellenmarmelade selbst herzustellen ist eine köstliche Art, den Sommer einzufangen. Die sonnengelben Früchte wachsen häufig direkt vor der Haustür und lassen sich unkompliziert zu einem aromatischen Genuss verarbeiten.

Aromatische Mirabellenmarmelade ganz einfach selbst gemacht – fruchtig, regional und vielseitig verwendbar für süße und herzhafte Gerichte.

Mirabellenkompott

Ähnlich einfach lassen sich die Früchte zu einem köstlichen Mirabellenkompott verarbeiten, das ihren Geschmack über viele Wochen bewahrt. Es eignet sich gut als Beilage, für Desserts oder als Zutat zum Backen.

Ein Mirabellenkompott ist schnell zubereitet und konserviert die feinen Aromen der Früchte für viele Wochen – unbedingt ausprobieren!

Heilende Anwendungen

Die Mirabelle ist zwar keine klassische Heilpflanze wie Kamille oder Salbei, doch in der Volksmedizin wurde sie seit jeher unterstützend eingesetzt. Besonders bekannt ist ihre sanft abführende Wirkung, die bei träger Verdauung hilfreich sein kann – ideal für Kinder und ältere Menschen. Verantwortlich dafür sind die enthaltenen Ballaststoffe, Fruchtsäuren und Sorbit, ein natürlicher Zuckeralkohol.

Auch bei leichten Hautproblemen und innerer Unruhe wurde die Mirabelle traditionell genutzt. Die Polyphenole und Antioxidantien in der Fruchtschale wirken zellschützend und entzündungshemmend. In der Naturheilkunde kennt man die Frucht auch als sanft entgiftend und stoffwechselanregend.

Aktuelle Studien bestätigen die verdauungsfördernde und entzündungshemmende Wirkung von Pflaumen. Das hat positiven Effekt auf Krankheiten wie Osteoporose, stärkt kognitive Fähigkeiten und senkt sowohl das Cholesterin als auch den Blutdruck.4

In Maßen genossen, sind Mirabellen gut verträglich. Bei übermäßigem Verzehr – besonders in rohem Zustand – kann es jedoch zu Blähungen oder Durchfall kommen. Menschen mit Fructoseintoleranz oder empfindlichem Darm sollten Mirabellen daher vorsichtig dosieren.

Kosmetische Anwendungen, im Haushalt und Garten

In der Naturkosmetik spielt die Mirabelle vor allem in Form des Mirabellenkernöls eine Rolle. Dieses wird aus den Kernen gewonnen, hat einen zarten Mandelduft und enthält viel Linolsäure sowie Vitamin E. Es zieht schnell ein und pflegt trockene, reife oder empfindliche Haut.

Ein einfaches Hautöl kannst du selbst machen: Zerdrücke einige getrocknete Kerne, übergieße sie mit einem milden Pflanzenöl und lasse die Mischung zwei Wochen ziehen. Danach abseihen und als Gesichtspflege verwenden.

Auch ein sanftes Fruchtpeeling mit zerdrückten Mirabellen und Hafermehl kann helfen, die Haut zu klären und zu beleben. Insekten mögen den Duft der Früchte übrigens nicht – ein Grund mehr, warum der Baum auch im Garten nützlich ist.

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Erkennung und Sammeltipps

Wenn der Sommer in voller Blüte steht, leuchten sie wie kleine Sonnen an den Ästen: die Mirabellen. Ihre goldgelbe Farbe, ihr süßer Duft und der aromatische Geschmack machen sie nicht nur zu einer beliebten Naschfrucht, sondern auch zu einem echten Multitalent in der Küche. Aber auch in der Hausapotheke können sie wertvolle Helfer sein.

Die Mirabelle wächst als sommergrüner Kleinbaum mit dicht verzweigter Krone auf bevorzugt sandig, lehmigen Böden und kann zwischen drei und sechs Meter hoch werden. Während gezüchtete Sorten dornenlos sind, bilden wildwachsende Arten Dornen aus. Du findest sie oft in Gärten, Streuobstwiesen oder auch verwildert an Wegesrändern.

  • Die eiförmigen Blätter sind am Rand leicht gesägt und wachsen wechselständig.
  • Die Blätter sind zwischen 3 und 8 cm lang.
  • Die Oberseite der Blätter ist glatt, die Unterseite leicht behaart.
  • Die Blüten wachsen in Dolden.
  • Die Einzelblüte besitzt vier weiße Kronblätter.
  • Junge Zweige sind behaart.
  • Die Blütezeit ist von April bis Mai.
  • Die Steinfrucht hat eine rundliche Form mit etwa 5 cm Durchmesser.
  • Die Früchte sind gelb, oft mit roten Sprenkeln übersät und schmecken süß bis süßsauer.
  • Das Fruchtfleisch löst sich leicht vom Stein.

Verwechslungen sind möglich

Die Mirabelle wird oft mit anderen Pflaumenarten wie Zwetschgen, Renekloden oder der regional im bayerischen Oberland als „Spillinge“ oder „Zipperle“ bekannten rot-bläulichen Sorte verwechselt, die süß-saure Früchte und rötliche Blätter hat. Besonders die Kirschpflaume führt zu Verwechslungen, da sie ähnliche gelbe oder rote Früchte trägt, jedoch früher (März–April) blüht, glattere Schalen und schwer lösbares Fruchtfleisch hat.

Wilde Pflaumen mit dornigen Zweigen oder haarigere, weniger saftige Aprikosen können ebenfalls verwechselt werden.

Zur Unterscheidung hilft die spätere Blütezeit der Mirabelle (April–Mai), ihr leicht vom Stein lösbares, süß-aromatisches Fruchtfleisch und dornenlose Bäume mit eiförmigen, oben glatten, unten leicht behaarten Blättern.

Sammeltipps: Sammle die Früchte am besten im August bis Anfang September, wenn sie weich, duftend und leicht vom Baum fallen. Achte auf saubere Fundstellen und ernte nur reife, unbeschädigte Früchte.

Anbautipps

Die Mirabelle ist unkompliziert und robust – ideal für Einsteiger im Obstgarten. Sie bevorzugt einen sonnigen, geschützten Standort mit lockerem, humusreichem Boden. Auch auf dem Balkon im großen Topf kannst du kleine Sorten wie „Mirabelle von Herrenhausen“ kultivieren.

Achte auf regelmäßiges Gießen, besonders in trockenen Sommern. Im Frühjahr kann ein organischer Dünger oder Kompost helfen, die Fruchtbildung zu fördern. Ein gelegentlicher Rückschnitt hält den Baum in Form und sorgt für bessere Belichtung der Früchte.

Du kannst Mirabellen als veredelte Bäumchen im Fachhandel kaufen – eine Anzucht aus Kernen ist möglich, aber langwierig und ungewiss. Die Erntezeit liegt je nach Sorte zwischen Mitte August und Anfang September.

  1. Duthel H., Discover Entdecke Découvrir La Vraie France – C’est bon, la vie !: Literarische Schlemmer Reise durch die Departements. Bon Appétit ! (2018). Neobooks ↩︎
  2. Bittere Aprikosenkerne können zu Vergiftungen führen. (2007, 6. Juli). Bundesinstitut für Risikobewertung. ↩︎
  3. Mirabelle. Nährwerte. naehrwertrechner.de. ↩︎
  4. Mateus A.R. et al., (2023) By-products of dates, cherries, plums and artichokes: A source of valuable bioactive compounds ↩︎

Steckbrief

Kurzbeschreibung
Die aus Kleinasien stammende Mirabelle ist eine Unterart der Pflaume. Ihr lateinischer Name “mirabilis” bedeutet wunderbar bzw. bewundernswert. Und in der Tat lassen sich ihre vitaminreichen Früchte zu wunderbaren Köstlichkeiten wie Marmelade, Kompott und Kuchen verarbeiten. Die Früchte besitzen zudem eine verdauungsfördernde Wirkung und helfen bei Verstopfung und Sodbrennen. Im 15. Jahrhundert wurde die Mirabelle aus Kleinasien nach Frankreich eingeführt und intensiv kultiviert, auch heute noch stammt ein Großteil der weltweiten Ernte aus Lothringen. Sie wird unter anderem für die Verarbeitung von Schnaps, dem sogenannten Mirabellenbrand, genutzt. Neben angebauten Bäumen hat sich die Mirabelle in Mitteleuropa weit verbreitet und ist in Hecken, an Wegrändern und in Parks zu finden.
Lateinischer Name
Prunus domestica subsp. syriaca
Andere Namen
Gelbe Zwetschge
Familie
Rosengewächse (Rosacea)
Erntemonate
Aug - Sep
Verwendbare Pflanzenteile
Früchte
Blattform
eiförmig
Blütenfarbe
weiß
Fundorte
Gärten, Parks, Hecken, Wegränder
Verwechslungsgefahr
Kirschpflaume, die ihre Blüten früher ausbildet
Giftigkeit
ungiftig
Inhaltsstoffe
Beta-Carotin, Eisen, Folsäure, Kalium, Kalzium, Magnesium, Natrium, Pektin, Phosphor, Vitamin B, Vitamin C, Vitamin E (Tocopherol), Zink
Eigenschaften
antioxidativ, entgiftend, entzündungs­­hemmend, stoffwechselanregend, verdauungsfördernd
Hilft bei
Verdauungsprobleme, Verstopfung

Über mich

Nach dem Studium in Nachhaltigem Tourismusmanagement begann Nesrin Nachhaltigkeit im Alltag umzusetzen. Wichtig ist ihr die Naturverbindung, aus der jedes nachhaltige Handeln entspringt.

3 Kommentare
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  1. Luise Herz

    Ihr Lieben, dieser Artikel hat mich total inspiriert!
    Ich trockne die Mirabellen auch immer als süße Snacks für den Winter, das ist dann wie kleine, natürliche Bonbons.
    Im Müsli oder als Topping auf Porridge sind sie einfach wunderbar.

    Antworten
  2. G.Neundörfer

    Mirabellen kennen wir. Es ist eine tolle Frucht. Bei uns im Garten befindet sich ein Baum der ähnliche Früchte trägt. Allerdings sind diese zwetschgenartigen Früchte Rot bis blau., auch der Baum hat rötliche Blätter. Die Früchte haben etwa die Grösse von Mirabellen. Der Geschmack ist süsslich/sauer und schmecken einfach Super. Man kann sie so essen oder zu einer tollen Marmelade verarbeiten. Wir nennen sie Wildpflaume, in Gegenden des bayerischen Oberlandes werden sie auch Zipperle genannt. Der eigentliche Name ist uns aber nicht bekannt. Frage: Wer kennt diese Früchte und welchen richtigen Namen haben sie? Kann jemand helfen?

    Antworten
    • Die heißen Spillinge, eine Unterart der Pflaume. Wir haben auch einen Baum im Garten.

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