Quendel – Wilder Thymian
Der Quendel (Thymus serpyllum) bringt die aromatische Kraft der Natur direkt zu dir nach Hause. Als wilder Verwandter des echten Thymians punktet diese kleine Pflanze mit überraschender Vielseitigkeit. In der Kräuterküche verfeinert er kräftige Suppen, frische Salate und herzhaftes Gebäck. Gleichzeitig ist er ein bewährtes Hausmittel, wenn Erkältungen oder Verdauungsbeschwerden den Alltag belasten. Der teppichartig wachsende Bodendecker bereichert zudem sonnige Plätze im Garten. Ein echtes Multitalent der Wildkräuterwelt, das du leicht erkennen und unkompliziert anwenden kannst.
Herkunft, Geschichte und kulturelle Bedeutung
Quendel blickt auf eine lange Tradition in der mitteleuropäischen Pflanzenheilkunde zurück. Bereits in der Antike schätzte man seine desinfizierende Wirkung. Der griechische Arzt Dioskurides empfahl das duftende Kraut bei Kopfschmerzen und zähem Husten.1 Im Mittelalter gab die Gelehrte Hildegard von Bingen dem Quendel eine zentrale Rolle in ihrer Lehre. Sie verschrieb die Pflanze gezielt ihren Patienten bei Hautausschlägen, Lungenleiden und seelischer Erschöpfung. Hildegard empfahl Quendel als tägliches Würzkraut in fetten Speisen, um schwere Mahlzeiten bekömmlicher zu machen.2 Im Volksglauben galt die Pflanze als Symbol für Mut und Lebenskraft. Römische Soldaten badeten im Quendelwasser für neue Energie, während Ritter im Mittelalter Quendelzweige als Schutzzeichen trugen. In der traditionellen Volksheilkunde nutzten die Menschen das Pflänzchen vor allem als krampflösendes Mittel bei starkem Husten und Magenkrämpfen.
In der Ernährung
Quendel bereichert deine Küche mit einem feinen, leicht blumigen Thymianaroma. Du kannst die oberirdischen Pflanzenteile ernten, wozu die zarten Blätter und die blühenden Triebspitzen gehören. Diese enthalten wertvolles Vitamin C sowie wichtige Mineralstoffe wie Eisen, Kalium und Calcium. Der wilde Thymian eignet sich hervorragend als sanftes Gewürz für Gerichte, die eine würzige und doch nicht zu scharfe Note vertragen. In Salaten streust du die frischen rosa Blüten direkt als essbare Dekoration über die Blätter.
Dinkelsuppe mit Quendel
In einer Dinkel-Gemüsesuppe nach Hildegard von Bingen entfaltet der Quendel seine harmonisierende Wirkung. Du gibst die feingehackten Blättchen kurz vor Ende der Garzeit in die heiße Brühe. So bleiben das volle Aroma und die hitzeempfindlichen Inhaltsstoffe ideal erhalten.

Quendelbutter
Das aromatische Würzkraut lässt sich in der Küche vielseitig einsetzen. Probiere doch einmal dieses Rezept für Quendelbutter aus.
Du benötigst:
- 250 g weiche Butter
- 200 g Schalotten
- 2 EL Puderzucker
- 250 ml Portwein
- 6 Zweige Quendel
- 2 Messerspitzen abgeriebene Orangenschale
So bereitest du die Quendelbutter zu:
- Schalotten schälen und in sehr feine Würfel schneiden.
- Zwei esslöffel Butter in einer Pfanne erwärmen und die Schalotten darin andünsten.
- Puderzucker darüber geben und unter Rühren eine Minute weiterbraten.
- Mit dem Wein ablöschen und etwa 20 Minuten einkochen.
- Den wilden Thymian waschen, trocken schütteln, die Blätter abzupfen und fein hacken.
- Den Rest der weichen Butter mit den Schalotten, dem wilden Thymian und der Orangenschale gut verquirlen.
- Mit Salz und Pfeffer abschmecken, auf eine Frischhaltefolie geben und mit dieser eine Rolle formen.
- Wickle die Butter mit der Folie ein und lasse sie in der Tiefkühltruhe etwa eine halbe Stunde, gegebenenfalls länger, fest werden.
Die Butter kann anschließend im Kühlschrank kühl gelagert werden. Die Butter passt zu allen Fleischgerichten oder auch zu Kürbisspalten oder Ofenkartoffeln.
Heilende Anwendungen
Die gesundheitlichen Effekte des Quendels beruhen auf einer wirksamen Kombination wertvoller Inhaltsstoffe. Seine ätherischen Öle enthalten vor allem Thymol und Carvacrol, welche für die ausgeprägte antimikrobielle Wirkung verantwortlich sind.3 Ergänzt werden diese durch Flavonoide, Rosmarinsäure, Gerbstoffe und Bitterstoffe. Studien weisen hin auf die auswurffördernde und entkrampfende Wirkung der ätherischen Öle auf die Bronchialschleimhaut. Daher unterstützt Quendel dich bei Erkältungen, Bronchitis und festsitzendem Husten.4
In der Volksheilkunde schätzt man die Pflanze zusätzlich bei Verdauungsbeschwerden wie Blähungen und leichtem Bauchweh. Die enthaltenen Bitter- und Gerbstoffe regen die Bildung von Verdauungssäften an.5 Auch bei kleineren Hautentzündungen kommt Quendel traditionell zum Einsatz.
Trotz der guten Verträglichkeit solltest du auf die Dosierung achten. Sehr hohe Mengen des reinen ätherischen Öls können die Schleimhäute reizen. Schwangere sollten hochdosierte Zubereitungen meiden, da Thymol in großen Mengen die Gebärmutter stimulieren kann. Auch bei einer bekannten Allergie gegen Lippenblütler ist Vorsicht geboten. Als Tee oder normales Küchengewürz ist Quendel in üblichen Verzehrmengen jedoch sicher und gut verträglich.
Quendel-Hustensaft
Die antibakterielle und schleimlösende Wirkung des wilden Thymians kannst du bei Husten mit Hilfe eines selbst gemachten Hustensafts nutzen.

Quendel-Tee
Noch schneller als ein selbst gemachter Hustensaft ist ein frisch aufgebrühter Tee. Er hilft bei vielen Arten von Husten wie Reizhusten und Keuchhusten.
Überbrühe einen Teelöffel des getrockneten Krautes mit 250 Milliliter kochendem Wasser und lasse es etwa fünf Minuten abgedeckt ziehen. Trinke davon zwei bis vier Tassen am Tag.
Äußerliche Anwendung von Quendel
Quendel eignet sich hervorragend für die äußerliche Anwendung in der natürlichen Haut- und Haarpflege. Die enthaltene Rosmarinsäure und das Carvacrol wirken antibakteriell und hautberuhigend, was wissenschaftliche Untersuchungen bei Hautunreinheiten bestätigen.
Ein selbstgemachtes Quendelöl stellt ein einfaches Hausmittel für die Pflege trockener oder gereizter Haut dar. Dafür lässt du getrocknetes Kraut vier Wochen in kaltgepresstem Mandelnussöl an einem warmen Ort ziehen. Eine selbst hergestellte Tinktur mit hochprozentigem Alkohol dient als adstringierendes Gesichtswasser bei fettiger Haut oder als linderndes Mittel nach Insektenstichen.
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Erkennung und Sammeltipps

Der Quendel ist ein kleiner, kriechender Zwergstrauch, der sonnige Magerrasen und Felsfluren rasch in duftende Blütenteppiche verwandelt. Du erkennst die Pflanze an folgenden Merkmalen:
- Wuchsform: Teppichbildender, holziger Zwergstrauch mit niederliegenden, wurzelnden Stängeln und aufrechten Blütentrieben.
- Blätter: Sehr klein, oval bis elliptisch, ganzrandig, kurz gestielt und gegenständig angeordnet.
- Beschaffenheit und Farbe: Die Blätter sind dunkelgrün, leicht ledrig und oft am Rand schwach bewimpert.
- Blüten: Rosa bis purpurfarbene, lippenförmige Blüten in dichten, kugeligen Blütenständen an den Triebenden.
- Wurzel: Flaches, stark verzweigtes Wurzelwerk, das den Boden gut festigt.
- Geruch: Beim Zerreiben der Blätter freigesetzter, angenehm würzig-aromatischer Thymian-Duft.
Du findest Quendel auf trockenen, sonnigen Sand- und Kalkböden sowie an Wegrändern. Die Blütezeit erstreckt sich von Juni bis September. Eine Verwechslung ist mit dem echten Garten-Thymian möglich, der jedoch strauchiger wächst und graugrüne, eingerollte Blätter besitzt. Der ebenfalls ähnliche Feld-Steinquendel ist ungiftig. Zum Sammeln schneidest du die blühenden Triebspitzen an sonnigen Tagen am späten Vormittag mit einer Schere vorsichtig ab.
Anbautipps
Auf dem Balkon oder im Garten lässt sich Quendel mühelos kultivieren. Die Pflanze bevorzugt einen vollsonnigen, warmen Standort mit einem sehr durchlässigen, mageren und eher trockenen Boden. Eine Mischung aus Erde und Sand eignet sich hervorragend für die Topfkultur. Dünger benötigt der kleine Zwergstrauch kaum; zu viele Nährstoffe vermindern sogar die Bildung des aromatischen ätherischen Öls. Du kannst Quendel ab Frühjahr durch Aussaat oder Stecklinge vermehren. Nach der Hauptblüte im Spätsommer schneidest du die Triebe leicht zurück, um den buschigen Wuchs zu erhalten. Die Ernte der frischen Blätter gelingt vom Frühjahr bis zum Herbst durchgehend.
- Pedanios Dioskurides (1. Jh. n. Chr.): „De materia medica“ ↩︎
- Hildegard von Bingen (ca. 1150): „Physica“ (Liber simplicis medicinae) ↩︎
- Fachini-Queiroz, F. C. et al. (2012): Effects of Thymol and Carvacrol, Constituents of Thymus vulgaris/serpyllum Essential Oil, on the Inflammatory Response. Journal of Tropical Medicine. ↩︎
- Galovičová, L. et al. (2021): Thymus serpyllum Essential Oil: Biological Activity and Potential Uses. Agronomy / Frontiers in Nutrition. ↩︎
- Jarić, S. et al. (2015): Ethnobotanical study of medicinal plants in Serbia. Journal of Ethnopharmacology. ↩︎
Steckbrief
- Kurzbeschreibung
- Immergrüner, teppichbildender Zwergstrauch mit würzigem Duft und rosa bis violetten Blüten
- Lateinischer Name
- Thymus serpyllum
- Andere Namen
- Feld-Thymian, Sand-Thymian, Feldbulla, Feldkümmel, Feldpoley, Geismajoran, Geschwulstkraut, Grundling, Hollaien, Hühnerbolle, Immenkraut, Keale, Kinderkraut, Kounala, Kranzlkraut, Kundelkraut, Kückenkrümmel, Kundenkraut, Kunderle, Liebfrauenbettstroh, Marienbettstroh, Quendel, Quandl, Quenula, Rainbadkraut, Rainkinderle, Rauschkraut, Rainkümmel, Violetter Bohler, Wilde Meron, Wilder Zimt, Wurstkraut, Marienkraut, Türkischer Thymian
- Familie
- Lippenblütler (Lamiaceae)
- Erntemonate
- Mai - Sep
- Verwendbare Pflanzenteile
- Blätter, Blüten, Triebe
- Blattform
- länglich elliptisch, oval
- Blütenfarbe
- rosa, violett
- Fundorte
- Sandtrockenrasen, Kiefernwälder, Dünen, (Stein-)Gärten, Wiesen, Felder, Äcker, Wegränder
- Verwechslungsgefahr
- Echter Thymian (Thymus vulgaris), Feld-Steinquendel (Clinopodium acinos) – beide ungiftig
- Giftigkeit
- ungiftig
- Hinweise zur Giftigkeit
- Reine ätherische Öle können in sehr hoher Konzentration Schleimhautreizungen verursachen
- Warnungen
- Bei Schwangerschaft hohe Dosierungen des ätherischen Öls meiden; Vorsicht bei Allergien gegen Lippenblütler
- Inhaltsstoffe
- ätherische Öle, Bitterstoffe, Flavonoide, Gerbstoffe, Rosmarinsäure, Triterpene
- Eigenschaften
- antibakteriell, beruhigend, entzündungshemmend, hustenstillend, krampflösend, schleimlösend, verdauungsanregend
- Hilft bei
- Bronchitis, Erkältung, Halsentzündungen, Hautentzündungen, Heiserkeit, Husten, Verdauungsbeschwerden
- Erkennung / Sammeltipps
- Kriechender Wuchs, kleine ovale Blätter, intensiver Würzduft beim Zerreiben; blühende Triebe an sonnigen Vormittagen ernten
- Anbau
- Vollsonnig, magerer und sandiger Boden, extrem pflegeleicht, spärlich gießen, kein Dünger nötig














Wir haben stets getrockenten Quendel vom Sommer da und der Tee hilft bei uns wirklich gut. Mische auch gerne noch Spitzwegerich mit hinein.
Vielen Dank für Eure tolle Arbeit hier, ich stöbere immer wieder gerne.
Vielen dank für diese schöne Rückmeldung!
Liebe Grüße