Igelstachelbart

Der bizarre Igelstachelbart ist eine kaum bekannte Delikatesse, die gelegentlich auch in unseren Breiten vorkommt und als Medizinalpilz von Bedeutung ist.

Der wie eine Seeanemone anmutende Igelstachelbart ist ein ausgezeichneter Speisepilz mit ganz besonderem Aroma: Gekocht erinnert er so manchen geschmacklich an Hummer. In Kombination mit der ihm eigenen fleischigen Textur ergibt der Pilz daher einen vorzüglichen Krebsfleischersatz.

Durch das reichhaltige Angebot an Nähr- und Mineralstoffen ist der Igelstachelbart ein regelrechtes Kraftpaket. Alle acht für den Menschen essenziellen Aminosäuren finden sich in dem Pilz. Dazu kommen eine Vielzahl an Vitaminen und eine besonders große Menge Kalium. Der Igelstachelbart ist natriumarm und daher auch für Menschen mit Bluthochdruck zum Verzehr geeignet.

In der Ernährung

Anders als in China, wo der Igelstachelbart nicht nur in der Volksheilkunde seit Jahrtausenden geschätzt wird, ist der Pilz im europäischen Raum kaum als Speisepilz bekannt. Das ist schade, denn auch hierzulande kann man ab und zu bei einem aufmerksamen Waldspaziergang auf ihn stoßen und beispielsweise die folgende köstliche Mahlzeit damit zubereiten.

Vegetarische Krabbenküchlein aus Igelstachelbart

Für 6–8 Igelstachelbart-Küchlein brauchst du folgende Zutaten:

  • 500 g Igelstachelbart
  • 60 g Mayonnaise
  • 2 Eigelb
  • 2 fein gehackte Frühlingszwiebeln
  • 1 fein gehackte Paprika
  • 100 g Semmelbrösel
  • 1 EL Senf
  • 1 TL Zitronensaft
  • 2 EL gehackte Petersilie
  • 1 EL Worcestershiresauce
  • Salz und Pfeffer nach Belieben
  • etwas Mehl
  • 20 ml Bratöl

Und so wird’s gemacht:

  1. Den Igelstachelbart zerpflücken und mit etwas Wasser und Salz in eine Pfanne geben. Zugedeckt für einige Minuten dünsten, bis der Pilz in sich zusammenfällt. Gelegentlich umrühren. Zum Abkühlen stehen lassen.
  2. In einer Schüssel Mayonnaise, Eigelb, Paprika, Frühlingszwiebeln, Petersilie, Senf, Zitronensaft und Worcestershiresauce verquirlen. Mit Salz und Pfeffer abschmecken.
  3. Den abgekühlten Igelstachelbart gut ausdrücken und unter die verquirlte Masse heben.
  4. Sechs bis acht Küchlein oder Bällchen formen, in Mehl wälzen und für eine halbe Stunde kühl stellen.
  5. In einer Pfanne Bratöl erhitzen und die Küchlein bzw. Bällchen bei mittlerer Hitze von allen Seiten goldbraun anbraten.
  6. Auf Küchenkrepp abtropfen lassen, mit Zitronenscheiben und Remoulade oder Cocktailsauce servieren.

Der bizarre Igelstachelbart ist eine kaum bekannte Delikatesse, die gelegentlich auch in unseren Breiten vorkommt und als Medizinalpilz von Bedeutung ist.

Heilende Anwendungen

In der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM), aber auch in der japanischen Volksheilkunde blickt der Igelstachelbart auf eine lange Anwendungsgeschichte zurück. Die moderne Forschung hat inzwischen bestätigt, dass der Igelstachelbart stark antientzündlich und antibakteriell wirkt.

Traditionell gilt der Pilz als heilsam bei Magen-Darm-Beschwerden wie chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen (z.B. Morbus Crohn), Gastritis und Sodbrennen. Der Igelstachelbart tötet darüber hinaus nachweislich das Bakterium Helicobacter pylori ab, das Magengeschwüre verursacht.

Seine Polysaccharide und Polypeptide aktivieren das Immunsystem und senken hohe Blutfett- und Cholesterinwerte – insbesondere sind hier die Beta-Glucane aktiv, die sich als unterstützende Wirkstoffe in der Krebstherapie etabliert haben. Beta-Glucane, die auch in anderen Vitalpilzen vorhanden sind, aktivieren die körpereigene Tumorbekämpfung.

Darüber hinaus ist der Igelstachelbart ein wirksames Mittel gegen Angstzustände, Unruhe und Nervenleiden. Die hochaktive Triterpene des Pilzes – Hericone und Erinacine genannt – sind in der Lage, die Blut-Hirn-Schranke zu überwinden und die körpereigene Produktion der Proteinkomplexes NGF (englische Abkürzung für nerv growth factor, zu deutsch Nervenwachstumsfaktor) anzuregen. Dieses Proteinkomplex regeneriert Nervengewebe, bildet neue Nervenverbindungen und sogar Gehirnzellen.

Das macht den Igelstachelbart zu einer der größten Hoffnungen in der Behandlung von neurodegenerativen Erkrankungen wie Demenz, Alzheimer, Parkinson und Multiple Sklerose.

Tinktur aus Igelstachelbart für die Nerven

Um die nervenschützenden Eigenschaften des Igelstachelbartes zu nutzen, kannst du eine Tinktur selber machen; die wirksamen Terpenoide, Hericenone und Erinacine lösen sich in Alkohol besser als in Wasser. Eine Dosierung von zwei- bis viermal täglich 30 Tropfen Tinktur (z.B. in Wasser oder Tasse gemischt) wird empfohlen.

Auch durch Fett lassen sich die NGF-aktivierenden Wirkstoffe lösen, weshalb der Igelstachelbart in der TCM oft in Suppen oder Brühen verarbeitet wird. Diese Darreichungsform bietet sich besonders für Menschen an, die auf Alkohol verzichten möchten.

Pilzpulver aus Igelstachelbart

Die entzündungshemmenden Polysaccharide des Pilzes können dem Körper bereits durch die bloße Einnahme des Fruchtkörpers verfügbar gemacht werden. Dafür wird der Pilz getrocknet und zu einem feinen Pulver vermahlen.

Das Pulver kannst du entweder als solches einnehmen oder mit heißem Wasser zu einem Tee aufbrühen und trinken. Bei akuten Magen-Darm-Problemen jeglicher Art ist eine Tagesdosis von 25 bis 50 Gramm nach den Empfehlung der TCM nicht unüblich. Deutliche positive Effekte bei Depressionen und Angststörungen lassen sich aber schon mit einer Tagesdosis von nur zwei Gramm erzielen.

Erkennung und Sammeltipps

Der bizarre Igelstachelbart ist eine kaum bekannte Delikatesse, die gelegentlich auch in unseren Breiten vorkommt und als Medizinalpilz von Bedeutung ist.

Der Igelstachelbart kommt als Wundparasit und Folgezersetzer an verletzten Laubbäumen wie Eichen, Buchen und Obstbäumen vor. Sein natürlicher Lebensraum sind Gebiete mit einer hohen Luftfeuchtigkeit.

So erkennst du einen Igelstachelbart:

  • Der Igelstachelbart ist kurz gestielt. Der Strunk wird jedoch im Verauf der Wachstumsphase vom Fruchtkörper verdeckt.
  • Die Grundform seines Fruchtkörpers ist rundlich, oval oder herzförmig und der Fruchtkörper ist außen von unzähligen hängenden Stacheln, Zipfeln oder Borsten bedeckt.
  • Solange der Pilz jung ist, ist er perlweiß. Ältere Exemplare verändern ihre Farbe von oben nach unten ins Gelblichbraune/Braune.
  • Der Igelstachelbart kann eine Größe von bis zu 30 Zentimetern erreichen und produziert beinahe farblose Sporen.
  • Das Fleisch des Pilzes ist weiß und hat eine zähe, faserige Konsistenz.

Der Igelstachelbart reift in den Sommer- und Herbstmonaten. Obwohl er (noch) nicht unter Naturschutz steht, ist er in der freien Natur in Deutschland und der Schweiz so selten und stark gefährdet, dass er auf der Roten Liste geführt wird. Ernte daher allenfalls kleine Teile des Igelstachelbartes.

Glücklicherweise ist der Pilz gut kultivierbar und kann nicht nur in Form von Pulvern, Kapseln und Extrakten, sondern sogar frisch über verschiedene regionale Anbieter bezogen werden.

Igelstachelbart unterscheiden vom ungenießbaren Nördlichen Stachelseitling

Der Nördliche Stachelseitling ist in Deutschland noch seltener als der Igelstachelbart und stark vom Aussterben bedroht. Anders als Hericium erinaceus wächst der Nördliche Stachelseitling als Kolonie dachziegelartig angeordneter Hüte an Totholz. Seine Oberseiten sind fein behaart und seine Unterseite zottig. Der Nördliche Stachelseitling ist stiellos.

Igelstachelbart unterscheiden vom ungenießbaren Weißen Stachelspitzchen

Das Weiße Stachelspitzchen bleibt wesentlich kleiner als der Igelstachelbart. Zudem wachsen die Stacheln eher rasig verstreut als als dichter Fruchtkörper. Das Weiße Stachelspitzchen kommt darüber hinaus auf Nadelholz, aber nicht auf Laubholz vor.

Steckbrief

Kurzbeschreibung
Wie ein Fabelwesen mutet der Pilz Hericium erinaceus an, weshalb wohl all seine Trivialnamen auf seine sonderbare Erscheinungsform zurückgehen: Affenkopfpilz, Löwenmähne, Pom-Pom-Pilz, Rehschwanz-Pilz oder – wie im deutschsprachigen Raum geläufig – Igelstachelbart. Dabei stammt der Igelstachelbart mitnichten aus der Welt der Fantasie, sondern ist in luftfeuchten Laubwäldern in Europa, Nordamerika und Asien zu Hause. In Österreich, Deutschland und der Schweiz ist der schmackhafte Pilz allerdings ein seltener Gast.
Lateinischer Name
Hericium erinaceus
Andere Namen
Affenkopfpilz, Löwenmähne, Yamabushitake, Pom-Pom-Pil
Familie
Hericiaceae (Stachelbartverwandte)
Erntemonate
Aug - Okt
Verwendbare Pflanzenteile
Fruchtkörper, Hut, Stiel
Fundorte
In Wäldern mit hoher Luftfeuchtigkeit; ausschließlich an Laubbäumen
Verwechslungsgefahr
Nördlicher Stachelseitling, Weißes Stachelspitzchen
Giftigkeit
ungiftig
Inhaltsstoffe
B-Vitamine, Eisen, Essentielle Aminosäuren, Fette, Germanium, Kalium, Kalzium, Kupfer, Phosphor, Polypeptide, Polysaccharide, Proteine, Selen, Terpene, Vitamin D, Zink
Eigenschaften
antibakteriell, antikarzinogen, antiviral, entzündungs­­hemmend, immunstärkend, verdauungsfördernd
Hilft bei
Alzheimer, Angstzustände, Demenz, Hitzewallungen, hoher Cholesterinspiegel, Immunschwäche, Krebs, Magen-Darmbeschwerden, Morbus Crohn, Multiple Sklerose, Nervenleiden, Polyneuropathie, Sodbrennen, Speiseröhrenschleimhauterkrankungen, Übergewicht, Unruhezustände

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