Gemeiner Odermennig
Odermennig (Agrimonia eupatoria) ist ein Heilkraut mit langer Tradition, welches schon von Dioskurides, Plinius, Hildegard von Bingen und anderen verwendet wurde. Die Bandbreite seiner Wirkung ist groß. Er wird bei rauem Hals genauso eingenommen wie bei Magenbeschwerden oder zur Stärkung nach einer Krankheit. Ob als Tee, Gurgellösung oder Bestandteil einer Heilkräutermischung: der Odermennig findet vielseitig Verwendung.
Herkunft, Geschichte und kulturelle Bedeutung
Der Odermennig ist in Europa, Teilen Asiens und Nordamerika heimisch. Er bevorzugt sonnige Waldränder, Wegränder und Wiesen mit kalkhaltigem Boden. Schon in der Antike war der Odermennig als Heilpflanze bekannt: Der griechische Arzt Dioskurides empfahl ihn bei Leberleiden. Die heilkundige Äbtissin Hildegard von Bingen schrieb dem Odermennig eine reinigende Wirkung zu, besonders bei “Melancholie” und innerer Schwäche.
In der Volksheilkunde wurde er zur Reinigung des Blutes, zur Stärkung nach Krankheiten und bei Durchfall eingesetzt. Bauern nutzten ihn zudem, um Wunden bei Tieren zu behandeln. Noch heute schwört mancher Naturheilkundler auf die Kraft dieses Krautes zur Stärkung der Leber und zur Entgiftung. Auch zur Förderung der Wundheilung wird er seit Jahrhunderten verwendet.
In der Ernährung
In der Küche spielt der Odermennig heute nur eine untergeordnete Rolle, obwohl er theoretisch auch kulinarisch verwendet werden kann. Die jungen Blätter lassen sich wie ein mildes Wildgemüse nutzen. Man kann sie klein geschnitten über Salate streuen oder in einer Gemüsepfanne mitdünsten. Auch für einen Frühlingsquark eignen sie sich, wenn man ihren leicht herben Geschmack mit anderen Kräutern wie Giersch oder Schafgarbe kombiniert.
Ein Kräuterquark mit fein gehacktem Odermennig, Gänseblümchen und Schnittlauch bringt frische Wiesenaromen aufs Brot und liefert gleichzeitig wertvolle Inhaltsstoffe.
Heilende Anwendungen
Die wichtigste Wirkung des Odermennigs liegt in seinen zusammenziehenden (adstringierenden) Eigenschaften. Verantwortlich dafür sind die enthaltenen Gerbstoffe. Sie helfen, entzündete Schleimhäute im Rachen oder Darm zu beruhigen. Deshalb wird Odermennigtee gerne bei Halsschmerzen, leichten Durchfallerkrankungen oder zur Nachbehandlung nach Magen-Darm-Infekten getrunken.
Studien zeigen, dass Gerbstoffe wie Tannine antibakterielle und entzündungshemmende Eigenschaften haben. Auch die enthaltenen Flavonoide wirken antioxidativ und unterstützen die Zellen.1
Volksheilkundlich wurde Odermennig traditionell bei Leber- und Gallenproblemen, innerer Schwäche oder zur Blutreinigung eingesetzt. Seine Wirkung bei Hautproblemen, etwa als Umschlag bei kleinen Wunden, ist ebenfalls lange bekannt.2
Neben den Gerbstoffen sind Bitterstoffe, Flavonoide, Kieselsäure und geringe Mengen ätherischer Öle enthalten. Diese Kombination macht ihn zu einem sanften Allrounder für Haut, Magen und Stoffwechsel.
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Vorsicht: In sehr hoher Dosierung oder bei längerer Anwendung können Gerbstoffe die Schleimhäute reizen. Zudem können sie die Eisenaufnahme aus der Nahrung und die Resorption von Medikamenten hemmen; den Tee daher nicht direkt zu Mahlzeiten einnehmen und nicht mit anderen gerbstoffhaltigen Pflanzen kombinieren. Menschen mit empfindlichem Magen oder Lebererkrankungen sollten vor einer regelmäßigen Anwendung Rücksprache mit einem Arzt halten.
Odermennig-Tee
Die Hauptrolle spielt Odermennig als Heiltee. Die oberirdischen Teile, also Stängel, Blätter und Blüten, werden getrocknet und dann für Teemischungen verwendet. Reich an Gerbstoffen, Flavonoiden und Kieselsäure, ergibt er einen angenehm herben, aber milden Tee, der den Magen beruhigt, den Appetit anregt und die Schleimhäute im Rachen pflegt. Verwende ihn in Mischungen für Erkältungstees – hier entfaltet er seine Wirkung.
Der Tee wird mit einem Esslöffel des gesamten blühenden Krautes auf 250 ml kochendem Wasser zubereitet. 10 bis 15 Minuten ziehen lassen. Obwohl das Kraut sehr bitter ist, schmeckt der Tee angenehm mild. Wegen des hohen Gehalts an Gerbstoffen trinke maximal drei Tassen am Tag.
Odermennig-Tinktur
Für eine selbstgemachte Tinktur gibst du frisches, kleingeschnittenes Odermennigkraut in ein Schraubglas und übergießt es mit 40%igem Alkohol. Zwei Wochen ziehen lassen, abseihen und dunkel aufbewahren. Du kannst diese Tinktur bei kleinen Hautverletzungen oder als Mundspülung verdünnt verwenden. Besonders gut passt Odermennig in eine Tinktur für gesundes Zahnfleisch.
Tinkturen mit Wildkräutern herzustellen ist sehr einfac. Wenn du keinen Alkohol verwenden möchtest, kannst du einen Pflanzenauszug mit Essig zubereiten.
Kosmetische Anwendungen, im Haushalt und Garten
Odermennig wirkt auch äußerlich angewendet als Hautpfleger und Wundheiler. Ein starker Teeaufguss eignet sich als Gesichtswasser bei fettiger oder unreiner Haut. Die adstringierende Wirkung hilft, die Poren zu verfeinern und Rötungen zu lindern.
In der Volksheilkunde wurden Waschlösungen aus Odermennig bei Ekzemen oder kleinen Wunden verwendet. Auch bei entzündetem Zahnfleisch hilft eine Spülung mit Odermennig-Tee.
Andere Anwendungen mit Odermennig
Die leuchtend gelben Odermennigblüten wurden früher zum Färben von Wolle und zum Tönen der Haare verwendet.
Erkennung und Sammeltipps
Odermennig ist eine sommergrüne, ausdauernde Pflanze, die oft auf Wiesen oder am Wegrand wächst. Er gehört zur Familie der Rosengewächse.
- Die Blätter sind unpaarig gefiedert mit wechselständiger Anordnung und auf der Unterseite silber-grau gefärbt.
- Die ganze Pflanze ist leicht behaart.
- Die kleinen, goldgelben Blüten sitzen an langen Ähren, ähnlich der Königskerze. Sie haben fünf Blütenblätter. Aus den Blüten entwickeln sich kleine, klettenartige Früchte.
- Blütezeit: Juni bis September
- Wuchsform: krautig, mit langer Pfahlwurzel
- Geruch: leicht aromatisch, besonders beim Zerreiben der Blätter
Verwechslungsgefahr besteht mit dem Kleinen Odermennig (Agrimonia procera), der jedoch üppiger behaart ist und einen wärmeren Standort bevorzugt. Eine Verwechslung ist unkritisch, da der Kleine Odermennig auch ungiftig ist.
Standort: sonnig bis halbschattig, kalkhaltige, eher trockene Böden.
Sammelzeit: Juni bis August, am besten vormittags an trockenen Tagen. Du kannst die oberen Pflanzenteile während der Blütezeit verwenden.
Bedingungen für kultivierten Anbau
Odermennig lässt sich problemlos im Garten oder im großen Topf kultivieren. Er mag sonnige bis halbschattige Plätze mit durchlässigem, leicht kalkhaltigem Boden. Staunässe verträgt er schlecht, daher empfiehlt sich eine gute Drainage.
Die Vermehrung erfolgt über Samen, die im Frühjahr direkt ins Beet oder in Anzuchttöpfe gesät werden. Nach der Blüte kann die Pflanze zurückgeschnitten werden. Geerntet wird während der Blütezeit, am besten bei sonnigem Wetter, wenn die Wirkstoffkonzentration am höchsten ist.
- Paluch, Z., Biriczová, L., Pallag, G., Marques, E. C., Vargová, N. & Kmoníčková, E. (2020). The therapeutic effects of Agrimonia eupatoria L. Physiological Research, 69(Suppl 4), S555–S571. ↩︎
- European Union herbal monograph on Agrimonia eupatoria L., herba. (2015). In European Union Herbal Monograph On Agrimonia Eupatoria L., Herba (report EMA/HMPC/680597/2013; S. 1–7). ↩︎
Steckbrief
- Kurzbeschreibung
- Aufrecht wachsende, gelb blühende Heilpflanze mit gefiederten Blättern
- Lateinischer Name
- Agrimonia eupatoria
- Andere Namen
- Brustwurz, Königkraut, Schafklette, Lebenskraut, Milzblüte, Magenkraut, Leberklee
- Familie
- Rosengewächse (Rosaceae)
- Erntemonate
- Jun - Sep
- Verwendbare Pflanzenteile
- Blätter, Blüten, Stiele
- Blattform
- gefiedert, gezahnt
- Blütenfarbe
- gelb
- Fundorte
- magere Wiesen, Wegränder, Bahndämme
- Verwechslungsgefahr
- Mit dem Kleinen Odermennig (Agrimonia procera)
- Giftigkeit
- ungiftig
- Hinweise zur Giftigkeit
- In hoher Dosierung magenreizend
- Warnungen
- Odermennig kann die Wirksamkeit von Arzneimitteln einschränken, deshalb immer zeitversetzt einnehmen. Nicht bei Verstopfung anwenden.
- Inhaltsstoffe
- ätherische Öle, Bitterstoffe, Flavonoide, Gerbstoffe, Kieselsäure
- Eigenschaften
- adstringierend, antioxidativ, entzündungshemmend, harntreibend, wundheilend, zusammenziehend
- Hilft bei
- Blasenentzündung, Blasenentzündungen, Blasenleiden, Blasenprobleme, Erkältungen, Erkrankungen der Galle, Gallenschwäche, Halsschmerzen, Harnsteine, Hautentzündungen, Husten, Leberschwäche, Schnupfen, Wunden, Zahnfleischentzündungen
- Erkennung / Sammeltipps
- Gelbe Ährenblüten, silbrig behaarte Blattunterseiten, aromatischer Geruch
- Anbau
- Leicht im Garten oder Topf, sonnig, durchlässiger Boden




















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