Echtes Seifenkraut

Das Seifenkraut wurde schon in der Steinzeit zur Reiniger genutzt. Wie du es zur Körperreinigung, als Waschmittel und als Heilmittel nutzt.

Das echte Seifenkraut (Saponaria officinalis) ist eine faszinierende Wildpflanze, die Schönheit und praktischen Nutzen perfekt miteinander verbindet. Mit ihren zartrosa Blüten verschönert sie nicht nur sonnige Wegränder, sondern hält auch ein echtes Naturwunder bereit: Sie kann schäumen. Dank ihrer natürlichen Waschstoffe, den sogenannten Saponinen, reinigt die Pflanze sanft, aber effektiv. Früher ein unverzichtbares Waschmittel im Haushalt, schätzen wir sie heute wieder als nachhaltige, hautfreundliche Alternative zu chemischen Tensiden. Ob als biologisches Shampoo, sanfte Reinigungslotion oder als historisches Heilmittel für die Atemwege – das Seifenkraut bereichert deinen Alltag auf ganz natürliche Weise.

Die Herkunft

Die Geschichte des Seifenkrauts ist eng mit der Entwicklung der menschlichen Hygiene verbunden. Ursprünglich in Südeuropa und Westasien beheimatet, breitete sich die Pflanze rasch über ganz Mitteleuropa aus, weil die Menschen ihren praktischen Nutzen erkannten. Schon in der Antike schätzten römische Walker und arabische Ärzte die reinigenden Eigenschaften des Krauts. Im Mittelalter bauten Mönche und Nonnen das Seifenkraut gezielt in ihren Klostergärten an, um damit die empfindlichen Gewänder und Altartücher zu reinigen. Gleichzeitig fand sie Einzug in die frühe Volksheilkunde.

Kräuterärzte wie Christoph Wilhelm Hufeland im 18. Jahrhundert nutzten die reinigende Kraft der Wurzel, um festsitzenden Husten bei ihren Patienten zu behandeln. In der ländlichen Bevölkerung war es über Jahrhunderte hinweg üblich, vor dem Waschen am Bachlauf eine Handvoll Seifenkraut zu pflücken, um die Alltagskleidung von Schmutz und Fett zu befreien.

In der Ernährung

Für die Ernährung spielt das Seifenkraut eine eher untergeordnete Rolle. Die Pflanze enthält in allen Teilen, besonders aber in der Wurzel, einen hohen Anteil an Saponinen. In kleinen Mengen wirken diese zwar anregend auf die Verdauungssäfte, in größeren Mengen können sie jedoch den Magen-Darm-Trakt stark reizen. In der Lebensmittelindustrie wird Seifenkraut als Zusatzmittel zum Aufschlagen genutzt. In einigen mediterranen und arabischen Regionen wird der Wurzelextrakt in sehr geringen Dosen als natürlicher Emulgator verwendet, um Süßspeisen wie Halva oder speziellen Schaumgebäcken ihre typische, luftige Textur zu verleihen.

Wenn du mit dem Seifenkraut in der Küche experimentieren möchtest, solltest du dich auf die Blüten beschränken. Die zarten, rosa Blütenblätter sind ungiftig und eignen sich hervorragend als essbare Dekoration. Du kannst eine Handvoll frisch gezupfter Blütenblätter über einen bunten Sommersalat streuen, um ihm einen optischen Höhepunkt zu verleihen. Eine weitere schöne Idee ist ein dekoratives Blüten-Gelee: Koche dazu einen milden Apfelsaft mit Gelierzucker auf und rühre kurz vor dem Abfüllen in die Gläser einige frische Seifenkrautblüten unter.

Heilende Anwendungen und Inhaltsstoffe

Die medizinische Wirkung des echten Seifenkrauts ist untrennbar mit seinem Hauptinhaltsstoff verbunden: den Saponinen, genauer gesagt den b單antitrierten Saponosiden wie dem Saporubin. Wenn die Saponine in den Magen gelangen, reizen sie die Magenschleimhaut auf eine milde, kontrollierte Weise. Dieser Reiz wird über das Nervensystem an die Bronchien weitergeleitet, wodurch die Drüsen in den Atemwegen dazu angeregt werden, dünnflüssigeren Schleim zu produzieren. Dadurch wird festsitzender Husten verflüssigt und das Abhusten bei Bronchitis oder Erkältungen spürbar erleichtert.1

In der traditionellen Volksheilkunde wird das Seifenkraut zudem seit jeher bei chronischen Hautleiden wie Schuppenflechte, Ekzemen oder Akne eingesetzt, da man ihm eine blutreinigende und stoffwechselanregende Eigenschaft zuschreibt.

Trotz dieser positiven Effekte ist bei der inneren Anwendung äußerste Vorsicht geboten. Eine Überdosierung von Seifenkraut-Tee kann zu Schleimhautentzündungen im Magen-Darm-Trakt, heftiger Übelkeit, Erbrechen und Durchfall führen. Menschen mit empfindlichem Magen, Schwangere, Stillende und Kinder sollten von einer inneren Anwendung ganz absehen.

Tee

Zur unterstützenden Behandlung von stark schleimenden Erkrankungen der oberen Luftwege wird ein Tee aus klein geschnittenen, getrockneten Wurzelstücken zubereitet:

  1. Zwei Teelöffel Wurzel mit 500 ml kaltem Wasser ansetzen und über Nacht stehen lassen
  2. Aufkochen, fünf Minuten ziehen lassen und abseihen

Hinweis: Nicht mehr als zwei Tassen pro Tag trinken. Seifenkraut enthält Saponine, die bei Überdosierung oder einem empfindlichen Magen die Schleimhäute stark reizen. Dies kann zu Übelkeit, Erbrechen und Durchfall führen.

Das Seifenkraut wurde schon in der Steinzeit zur Reiniger genutzt. Wie du es zur Körperreinigung, als Waschmittel und als Heilmittel nutzt.

Der Tee kann auch äußerlich bei chronischen Hautleiden helfen. Hierzu werden betroffene Hautstellen mit dem Tee gewaschen oder in teegetränkte Umschläge gehüllt. Für offene Wunden ist Seifenkrauttee nicht geeignet.

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Kosmetische Anwendungen, im Haushalt und Garten

Ihre wahre Stärke entfaltet die Pflanze bei der äußerlichen Anwendung im Haushalt und in der Naturkosmetik. Da Saponine die Oberflächenspannung von Wasser herabsetzen, bilden sie in Verbindung mit Wasser einen feinen, sanften Schaum, der Schmutz und Fett effektiv bindet. Wissenschaftliche Untersuchungen bestätigen, dass diese pflanzlichen Tenside die Hautbarriere weitaus weniger angreifen als synthetische Seifen, weshalb Extrakte des Seifenkrauts ideal für Menschen mit empfindlicher Haut oder Neurodermitis geeignet sind.2 Zudem wirken die Inhaltsstoffe leicht antimikrobiell, was die Reinigung von gereizter Haut zusätzlich unterstützt.3

Tipp: Wie du Fleckenmittel und Waschmittel mit Seifenkraut selbst herstellst, erfährst du hier.

Das Seifenkraut wurde schon in der Steinzeit zur Reiniger genutzt. Wie du es zur Körperreinigung, als Waschmittel und als Heilmittel nutzt.

Körperpflege mit Seifenkraut

Aus Seifenkraut kannst du sanfte Flüssigseife oder Shampoo herstellen, welches auch bei Hautproblemen angewendet werden kann.

Herstellung:

  1. 100 g geschnittene Wurzel und zerkleinerte Blätter mit 300 ml Wasser aufkochen
  2. 20 Minuten im offenen Topf köcheln lassen
  3. Nach dem Abkühlen abseihen und in eine Flasche füllen

Nach dem Abkühlen abseihen und in eine Flasche füllen.

Achtung: Da dieser Auszug keine Konservierungsstoffe enthält, verdirbt er bei Zimmertemperatur innerhalb von wenigen Tagen. Bewahre die Mischung zwingend im Kühlschrank auf und verbrauche sie innerhalb von 2 bis 3 Tagen. Für eine längere Nutzung friere die Flüssigkeit am besten in Eiswürfelformen portionsweise ein. Seifenkraut sollte nicht in die Augen gelangen.

Erkennung und Sammeltipps

Das Seifenkraut wurde schon in der Steinzeit zur Reiniger genutzt. Heute kannst du es zur Körperreinigung, als Waschmittel und als Heilmittel nutzen.
By Johann Georg Sturm (Painter: Jacob Sturm) [Public domain], via Wikimedia Commons

Das echte Seifenkraut ist eine ausdauernde, krautige Pflanze, die im Sommer mit ihren dichten Blütenständen alle Blicke auf sich zieht. Wenn du aufmerksam an Flussufern oder Bahndämmen spazieren gehst, kannst du sie leicht an ihrem charakteristischen Wuchs und dem angenehmen Duft erkennen.

  • Wuchsform: Aufrecht und buschig, wobei die Pflanze eine Wuchshöhe von dreißig bis achtzig Zentimetern erreicht. Die Stängel sind rund, oft im oberen Bereich leicht verzweigt und völlig kahl oder nur ganz fein behaart.
  • Blätter: Gegenständig am Stängel angeordnet, von länglich-lanzenartiger Form und spitz zulaufend. Sie besitzen drei deutlich sichtbare Längsnerven, sind am Rand glatt und von einer sattgrünen Farbe.
  • Blüten: Die fünfzähligen Blüten sind blassrosa bis weiß und stehen in dichten, endständigen Trugdolden zusammen. Die Kronblätter sind am Ende leicht eingekerbt.
  • Blütezeit: Erstreckt sich über den Hochsommer von Juni bis September.
  • Geruch: Besonders in den Abendstunden verströmen die Blüten einen intensiven, angenehm süßlichen Duft, der zahlreiche Nachtfalter anlockt.
  • Wurzel: Ein weit kriechendes, rötlich-braunes Rhizom, das im Inneren weißlich ist und beim Zerreiben mit Wasser sofort zu schäumen beginnt.

Tipps zur sicheren Bestimmung und Ernte

Beim Sammeln besteht eine leichte Verwechslungsgefahr mit anderen Nelkengewächsen wie der Kuckucks-Lichtnelke oder der Roten Lichtnelke. Diese blühen jedoch meist früher, haben keine ausgeprägten drei Längsnerven auf den Blättern und schäumen beim Zerreiben nicht. Das sicherste Erkennungsmerkmal ist der “Schaumtest”: Reibe ein Blatt oder ein Stück Wurzel mit etwas Speichel oder Wasser zwischen den Fingern – entsteht eine seifige Schicht, hast du das Seifenkraut vor dir.

Die Pflanze liebt sonnige, warme Plätze und wächst bevorzugt auf sandigen, nährstoffreichen und gut durchlässigen Böden. Du findest sie häufig an Flussufern, Kiesgruben, Wegrändern und Bahndämmen. Das Kraut und die Blüten sammelst du am besten während der Hauptblütezeit im Hochsommer. Die wirkstoffreiche Wurzel wird dagegen im zeitigen Frühjahr oder im späten Herbst ausgegraben, wenn die Pflanze ihre Kraft in den Boden zurückgezogen hat. Ernte die Wurzeln schonend und reinige sie gründlich von Erde, bevor du sie für deine Hausmittel trocknest.

Bedingungen für kultivierten Anbau

Das echte Seifenkraut lässt sich wunderbar und ohne großen Aufwand im eigenen Garten oder in einem tiefen Pflanzkübel auf dem Balkon anbauen. Da die Pflanze sehr robust ist, benötigt sie kaum Pflege. Sie bevorzugt einen vollsonnigen bis leicht halbschattigen Standort mit einem lockeren, sandigen oder kiesigen Boden, der gut durchlässig ist, da sie Staunässe überhaupt nicht verträgt. Die Aussaat der Samen kann im Frühjahr direkt ins Freiland erfolgen. Alternativ lässt sich die Pflanze im Frühling oder Herbst ganz leicht durch die Teilung des Wurzelstocks vermehren.

Da das Seifenkraut über seine Wurzelausläufer stark wandert, empfiehlt sich im Garten eine Wurzelsperre, wenn es sich nicht unkontrolliert ausbreiten soll. Ein zusätzlicher Dünger ist meist nicht notwendig, da die Pflanze an kargen Standorten oft kompakter und stabiler wächst. Nach der Blüte im Herbst kannst du die Stängel bodennah zurückschneiden, damit die Pflanze im nächsten Frühjahr wieder kräftig austreibt.

  1. Irma Podolak, Agnieszka Galanty, Danuta Sobolewska. (2010). Saponins as cytotoxic agents: a review ↩︎
  2. Ilona Jurek, Aleksandra Szuplewska, Michal Chudy, Kamil Qojciechowski. (2021). Soapwort (Saponaria officinalis L.) Extract vs. Synthetic Surfactants—Effect on Skin-Mimetic Models ↩︎
  3. Memnune Sengul, Sezai Ercisli, Hilal Yildiz, Neva Gungor, Arzu Kavaz, Bülent Cetin. (2011) Antioxidant, Antimicrobial Activity and Total Phenolic Content within the Aerial Parts of Artemisia absinthum, Artemisia santonicum and Saponaria officinalis ↩︎

Steckbrief

Kurzbeschreibung
Ausdauernde, bis 80 cm hohe Staude mit blassrosa, duftenden Blüten und gegenständigen Blättern mit drei Längsnerven.
Lateinischer Name
Saponaria officinalis
Andere Namen
Hustenwurzel, Waschlaugenkraut, Seifenwurz, Herbstnelke, Gewöhnliches Seifenkraut, Waschkraut, Seifenwurz, Hustenwurzel, Rote Seifenwurz
Familie
Nelkengewächse (Caryophyllaceae)
Erntemonate
Mrz - Okt
Verwendbare Pflanzenteile
Blätter, Blüten, Wurzeln
Blattform
eilanzettlich
Blütenfarbe
rosa, violett, weiß
Fundorte
Flussufer, Schotterbänke, Wegränder, Bahndämme, Schuttplätze, sonnige Zäune
Verwechslungsgefahr
Rote Lichtnelke, Kuckucks-Lichtnelke, Nachtlichtnelke
Giftigkeit
teilweise giftig
Hinweise zur Giftigkeit
Schwach giftig bei innerer Überdosierung durch den hohen Saponingehalt.
Warnungen
Kann bei innerer Einnahme großer Mengen Magen-Darm-Reizungen, Übelkeit und Erbrechen auslösen. Nicht für Schwangere geeignet.
Inhaltsstoffe
Flavonglykoside, Flavonoide, Harze, Quilajasäure, Saponine, Saporin, Vitamin C
Eigenschaften
abführend, auswurffördernd, blutreinigend, fungizid, harntreibend, schleimlösend, verdauungsanregend
Hilft bei
Bronchitis, Gelbsucht, Gicht, Halsschmerzen, Hautkrankheiten, Hautpilz, Heiserkeit, Husten, Rheuma
Erkennung / Sammeltipps
Blätter mit drei deutlichen Längsnerven; Schaumbildung beim Verreiben von Pflanzenteilen mit Wasser; süßlicher Duft am Abend.
Anbau
Absolut pflegeleicht; liebt Sonne und durchlässigen, sandigen Boden; Vermehrung durch Aussaat oder Wurzelteilung.

Ein Kommentar
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  1. hallo,

    kann man die Stängel auch mit verwenden oder muss man die Blätter abzupfen?

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