Echte Walnuss
Wenn im Herbst die runden, braunen Schalen zu Boden fallen und die ersten kühlen Winde durch die Bäume streichen, beginnt die Zeit der Walnuss (Juglans regia). Diese alte Kulturpflanze trägt nicht nur nahrhafte Früchte, sondern auch eine reiche Geschichte in sich. Ob als wertvolles Nahrungsmittel, Heilpflanze oder Symbol für Weisheit – die Walnuss hat viele Facetten und ist seit Jahrhunderten ein geschätzter Begleiter des Menschen.
Herkunft, Geschichte, kulturelle Bedeutung
Ursprünglich stammt die Walnuss aus Zentralasien, besonders aus Regionen rund um den Iran, den Kaukasus und Nordindien. Schon in der Antike wurde sie über Handelsrouten nach Europa gebracht. Die Römer verbreiteten sie weiter in ihren Provinzen, wo sie bald ein fester Bestandteil der Gärten wurde. In der Klostermedizin spielte sie im Mittelalter eine wichtige Rolle, etwa bei Paracelsus, der die Ähnlichkeit der Nuss mit dem menschlichen Gehirn betonte und sie deshalb zur Förderung der geistigen Kräfte empfahl.
In der Volksheilkunde galt die Walnuss lange als Mittel gegen Wurmbefall, Hautprobleme und zur Blutreinigung. Auch in der Mythologie hatte sie ihren Platz: Im alten Griechenland war sie der Fruchtbarkeit zugeordnet, und in römischen Hochzeiten wurden Walnüsse als Fruchtbarkeitssymbole geworfen.
In der Ernährung
Walnüsse sind ein echtes Superfood. Sie liefern hochwertige pflanzliche Eiweiße, wertvolle Omega-3-Fettsäuren und viele Vitamine. Genießt man sie roh, geröstet oder in Gerichten, bringen sie nussigen Geschmack und gesunde Energie in den Alltag.
Essbar sind vor allem die Nusskerne im Inneren der harten Schale. Auch die jungen grünen Nüsse, noch vor der Verholzung, lassen sich zu Likören oder Kompott verarbeiten. Selbst die Blätter wurden früher zur Teezubereitung genutzt.
Probiere beispielsweise gebrannte Walnüsse. Sie sind mit wenig Aufwand zubereitet und sowohl als Snack als auch als knuspriges Topping auf Desserts und Salaten ein Highlight. Das georgische Fruchtkonfekt Tschurtschchela kannst du einfach selbst machen und so deine Walnussernte das ganze Jahr über genießen.
Walnüsse enthalten viel Vitamin E, B-Vitamine, Folsäure, Magnesium, Kalium, Zink und Antioxidantien. Ihr hoher Gehalt an mehrfach ungesättigten Fettsäuren macht sie besonders wertvoll für Herz und Kreislauf.1
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Heilende Anwendungen
Die Walnuss ist nicht nur lecker, sondern auch eine bewährte Heilpflanze. Schon früher nutzte man ihre Blätter, Schalen und Rinde zur innerlichen und äußerlichen Anwendung. Ihre Blätter enthalten Gerbstoffe, Flavonoide und ätherische Öle, die zusammen adstringierend, entzündungshemmend und antibakteriell wirken.2
Walnusskerne wiederum stärken Herz und Gehirn. Studien zeigen, dass ihr regelmäßiger Verzehr das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen senken kann.3 Ihre Polyphenole und Omega-3-Fettsäuren haben einen positiven Einfluss auf den Cholesterinspiegel und die Gefäßgesundheit.4
Vorsicht ist bei grünen Walnüssen geboten: Sie enthalten noch viele Gerbstoffe und sollten nur nach entsprechender Verarbeitung verzehrt werden. Auch bei einer Nussallergie ist Zurückhaltung geboten.
Walnussblättertee
Tee aus getrockneten Blättern wird traditionell bei leichten Durchfallerkrankungen, Entzündungen im Mundraum und zur Hautpflege bei Ekzemen oder Akne eingesetzt. In der Volksmedizin wurde Walnussblättertee auch zur Unterstützung der Leber und als Frühjahrs-Kur verwendet.
Für eine Tasse Walnusstee zwei Teelöffel zerkleinerte, getrocknete oder frische Walnussblätter mit 250 Milliliter kaltem Wasser aufgießen, die Mischung aufkochen und bei reduzierter Hitze drei bis fünf Minuten köcheln lassen. Dann die Mischung durch ein Sieb gießen und trinken.
Diese Anwendung kann täglich zwei- bis dreimal wiederholt werden. Entzündungen im Mundraum werden durch mehrmaliges Gurgeln mit dem warmen Tee gelindert.
Walnussblättersud zur äußeren Anwendung
Bei starker Schweißbildung an den Füßen wird traditionell ein Fußbad mit Walnussblättern eingesetzt, da diese antiseptische und auch pilztötende Eigenschaften haben sollen.
Für ein Fußbad mit Walnussblättern einen Sud mit 50 Gramm Walnussblättern und einem Liter kaltem Wasser aufsetzen und die Mischung 10 Minuten auf kleiner Flamme köcheln lassen. Dann abseihen und zum Fußbad gießen. Mit einer Badezeit von etwa 15 Minuten werden Schweiß- sowie Geruchsbildung gemildert.
Bei Bedarf das Fußbad täglich wiederholen.
Beachte, dass beim Abtrocknen das Handtuch durch den Nusssud verfärbt werden kann.
Walnussblätterumschlag
Bei Hautirritationen, Ekzemen und übermäßiger Schweißproduktion kann ein Umschlag mit Walnussblättern lindernd wirken.
Dafür zwei bis drei zerkleinerte Walnussblätter mit 100 Milliliter kochendem Wasser übergießen und 10 Minuten ziehen lassen. Dann ein sauberes Baumwoll- oder Leinentuch, einen Wattebausch oder eine Mullbinde im Sud tränken und leicht auswringen. Auf die betroffene Hautpartie legen und 15 Minuten einwirken lassen.
Um das Tuch oder die Watte zu fixieren, ist es empfehlenswert, eine trockene Mullbinde darum wickeln. Diese Anwendung kann je nach Bedarf bis zu dreimal täglich wiederholt werden.
Verdauungslikör
Aus den noch grünen Nüssen lässt sich im Juni ein schmackhafter Likör herstellen, der sogenannte Orahovac. Der aus Kroatien stammende Trunk wird vor allem aus Erfahrung bei Verdauungsproblemen und Magenschmerzen eingesetzt. Zwei Rezepte für den Walnusslikör Orahovac findest du hier.
Im Haushalt
Walnussblätter vertreiben viele Insekten, wie zum Beispiel Mücken, Fliegen und Läuse. Ebenso kann ein Ölauszug aus den grünen Nussschalen zur Herstellung eines natürlichen Insektenschutzmittels angesetzt werden. Dazu werden 200 Gramm frische Schalen in einen Liter kaltgepresstes Öl gegeben und für vier bis sechs Wochen an einem warmen Ort gelagert. Gelegentlich schütteln und danach absieben.
Erkennung und Sammeltipps

Der Walnussbaum ist in ganz Europa zu finden, wird bis zu 25 Meter hoch und bis zu 160 Jahre alt. Seine Borke ist in jungen Jahre glatt und grün, im Alter dunkel bis schwarzgrau, mit tiefen Rissen.
Die Blätter sind wechselständig und haben zwischen fünf und neun unpaarige Fiederblättchen. Werden die Blättchen zerrieben, verströmen sie einen intensiven hölzernen Duft. Sie können ab Ende Juni gepflückt werden.
Die Nüsse können im Herbst, meist ab September, gesammelt werden. Reife Nüsse sind ohne Fruchtschale auf dem Boden zu finden, in manchen Fällen sind sie aber noch von der grünen Fruchtschale umgeben. Häufiger findet man jedoch Nüsse, die noch in einer bräunlichen bis schwarzen, verfaulten Fruchtschale stecken. Der Grund hierfür ist ein Befall durch die Walnussfruchtfliege, die ihre Eier in der unreifen Fruchtschale ablegt. Bei diesen Nüssen lässt sich die Schale schwerer entfernen.
Anbautipps
Da der Baum eine Höhe von bis zu 25 Metern erreichen kann und eine breite Baumkrone hat, ist es wichtig, einen großzügigen Abstand von mehreren Metern zum Nachbargrundstück einzuhalten.
Der Baum sollte an einem Platz wachsen, an dem er dem Wind ausgesetzt ist, damit er stets gut trocknet. Walnussbäume lieben nährstoffreiche und feuchte Böden an sonnigen bis halbschattigen Standorten.
Walnussbäume scheiden ein Glykosid aus, das sich in die Substanz Juglon verwandelt, sobald sie freigesetzt wird. Dieses Juglon verhindert das Pflanzenwachstum in unmittelbarer Umgebung, also unter dem Walnussbaum. So betreibt der Baum sozusagen seine eigene Schädlingsbekämpfung, besser noch Konkurrenzeindämmung, und verhindert so, dass andere Bäume in der Nähe gedeihen.
Wird der Baum im Frühjahr geschnitten, tritt sehr viel Saft aus dem Holz des Baumes aus. Das wird als „Baumbluten“ bezeichnet und kann nicht durch äußere Mittel geheilt werden, reguliert sich aber häufig von selbst. Dennoch sollte das Schneiden des Baumes im Spätsommer vorgenommen werden, da zu diesem Zeitpunkt der Austritt wesentlich geringer ist und die Wundheilung schneller erfolgt.
- Naehrwertrechner, zuletzt aufgerufen am 18.11.2025 ↩︎
- Mukarram S.A. et. al, (2024).Global Perspectives on the Medicinal Implications of Green Walnut and Its Benefits: A Comprehensive Review. Medicinals, Herbs and Specialty Crops ↩︎
- Tepavčević, S., Zec, M., Stojiljković, M., Bošković, M., Ćulafić, T., Stanković, A., Romić, S., Živković, M. & Korićanac, G. (2024). Unlocking the Cardiovascular Benefits of Walnuts: Insights on Molecular Mechanism From Animal Studies. Nutrition Reviews, 83(7), e2048–e2062. ↩︎
- Mirzababaei, A., Daneshvar, M., Abaj, F., Daneshzad, E., Hosseininasab, D., Clark, C. C. T. & Mirzaei, K. (2022). The Effect of Walnut (Juglans regia) Leaf Extract on Glycemic Control and Lipid Profile in Patients With Type 2 Diabetes Mellitus: A Systematic Review and Meta-Analysis of Randomized Clinical Trials. Clinical Nutrition Research, 11(2), 120. ↩︎
Steckbrief
- Kurzbeschreibung
- Die Echte Walnuss erreichte Europa wahrscheinlich über Griechenland und wird schon lange Zeit angebaut. Erst im Laufe der Jahrunderte entstanden verwilderte Bäume auf Lichtungen oder an Waldrändern. Besonders beliebt ist die charakteristische Frucht, die Walnuss. Sie wird im Herbst und Winter gesammelt und kann nach dem Brechen der Schale roh gegessen werden. Noch bevor die Nüsse reif sind, kannst du die Blätter sammeln und unter anderem gegen Verdauungsprobleme, Hautirritationen und Schweißfüße einsetzen.
- Lateinischer Name
- Juglans regia
- Andere Namen
- Wallnuss, Wälsche Nuss, Welschnuss-Baum, Nussbaum, Christnuss, Steinnuss
- Familie
- Walnussgewächse (Juglandaceae)
- Erntemonate
- Jun, Sep - Nov
- Verwendbare Pflanzenteile
- Blätter, Früchte, Samen
- Blattform
- unpaarig gefiedert
- Blütenfarbe
- grün
- Fundorte
- Wiesen, Lichtungen, Waldränder
- Verwechslungsgefahr
- mit der ungiftigen Schwarznuss
- Giftigkeit
- ungiftig
- Inhaltsstoffe
- ätherische Öle, Bitterstoffe, Flavonoide, Gerbsäure, Gerbstoffe, Juglon, Lecithin, Tannine
- Eigenschaften
- adstringierend, blutreinigend, blutstillend, entzündungshemmend, harntreibend, schmerzstillend
- Hilft bei
- Afterjucken, Akne, Appetitlosigkeit, Arteriosklerose, Darmentzündungen, Diabetes, Ekzeme, Fußpilz, Fußschweiß, Gallenschwäche, Gelenkentzündungen, Gicht, Gürtelrose, Haarausfall, Hämorrhoiden, Hautentzündungen, Herzrhythmusstörungen, Hühneraugen, Lidrandentzündungen, Magenentzündungen, Magenschwäche, Menstruationsbeschwerden, Pickel, Rheuma, Schuppenflechte, Schweißbildung, Verstopfung, Warzen
















Hallo, toller Artikel! Bitte mehr Artikel dieser Art. Viele Grüße
Das mit dem Schneiden, ist ein Gerücht. Ich bin gelernter Landschaftsgärtner, der sich stark auf die grüne Seite des Berufes orientiert und hab schon sehr starke Winter- und Frühjahrsschnitte an Juglans regia vorgenommen. Anfänglich unter Protest, wegen des obegenannten Gerüchtes, später weil mich die Erfahrung etwas anderes gelehrt hat. Ein Baum, der einen Rückschnitt nicht verträgt, steht falsch oder ist andersweit nicht gesund. Also sag ich schneidet wenn ihr Zeit habt, manche vertragen es, manche nicht.
👍👍sag ich auch