Edelkastanie (Esskastanie)
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Der älteste und größte Baum Europas ist eine Edelkastanie, er wird auf 2000-4000 Jahre geschätzt und steht am Vulkan Ätna auf Sizilien. Edelkastanien tragen erst im Alter von 30-40 Jahren Früchte, diese schenken sie uns dann jedoch mindestens 500-600 Jahre lang. Vom 11. bis hinein ins 18. Jahrhundert lieferte der aus dem Kaukasus stammende Maronenbaum mit seinen köstlichen Esskastanien ein wichtiges Grundnahrungsmittel. Auch heute noch sind Maronis eine Delikatesse und aus der französischen Küche sowie von vielen Weihnachtsmärkten nicht mehr wegzudenken.

Steckbrief

Lateinischer Name Castanea sativa
Andere Namen Maronen, Keschde
Familie Buchengewächse (Fagaceae)
Erntemonate Sep-Nov
Verwendbare Pflanzenteile Blätter, Früchte
Blattform eilanzettlich
Blütenfarbe gelb, weiß
Fundorte Gärten, Parks, Wälder
Verwechslungs­gefahr keine
Giftigkeit ungiftig
Besondere Inhaltsstoffe Ballaststoffe, Eisen, Eiweiß, Flavonoide, Gerbstoffe, Kalium, Kalzium, Kohlenhydrate, Kupfer, Linolsäure, Magnesium, Mangan, Phosphor, Vitamin A, Vitamin B, Vitamin C, Vitamin E (Tocopherol)
Eigenschaften antibakteriell, entzündungs­­hemmend, schleimlösend
Hilft bei Bronchitis, Durchfall, Erschöpfung, Gicht, Halsschmerzen, Leberschwäche, Nervosität, Würmer, Zahnfleischentzündungen

Anwendungen

Esskastanien sind wahre Energiespender und besitzen einen hohen Sättigungsgrad. Früher wurden sie vielfach als “Brot der Armen” bezeichnet, da aus Kastanienmehl bei Getreidemangel auch Brot gebacken wurde.

Vor allem in Südeuropa sind Edelkastanien verbreitet, doch ebenso finden sich bei uns einzelne Bäume und auch ganze Wälder, wie z.B. in der Pfalz, wo es große Esskastanienwälder gibt.

In der Ernährung

Waren Esskastanien früher das Brot der Armen, gehören sie jetzt zu den Feinschmecker-Lebensmitteln und sind entsprechend hochpreisig. Doch mit etwas Glück findest du einen Maronenbaum in deiner Nähe und kannst diese köstlichen Früchte selbst sammeln.

Sie schmecken nicht nur toll, sondern können auch vielseitig verwendet werden. Zudem enthalten Maronen viele Mineralstoffe, Vitamine, hochwertiges Eiweiß, Ballaststoffe und komplexe Kohlenhydrate, was sie zu einem wertvollen Nahrungsmittel macht. Sie sind außerdem glutenfrei und spielen somit als Zutat in glutenfreier Ernährung eine wichtige Rolle.

Esskastanien enthalten weniger Fett und mehr Kohlenhydrate als Nüsse, weshalb sie auch in größeren Mengen verzehrt werden können.

Am bekanntesten ist wohl der pure Genuss von gebackenen Esskastanien, ein gesunder und schmackhafter Snack für zwischendurch.

Vielfach werden auch Cremes aus Maronen oder Maronenpudding hergestellt. Drei köstliche, vegane Rezepte für Maronencreme und Schokoaufstrich findest du hier.

Ebenso eignen sich Esskastanien hervorragend als Zutat in herzhaften Gemüse-, Fleisch- oder Pilzgerichten und in Suppen.

Kleingehackte und geröstete Früchte können als Kaffeeersatz dienen.

Aus Esskastanien wird Kastanienmehl hergestellt, welches zum Backen und Andicken von Saucen genutzt werden kann.

Ich selbst esse Maronen mit der weiß-braunen Haut, da sie nicht besonders störend ist und die Entfernung teilweise viel Zeit in Anspruch nimmt.

Kastanienmehl selbst herstellen

Kastanienmehl wird beim Backen mit anderem Mehl gemischt im Verhältniss 1:4. Für Pfannkuchen oder zum Andicken von Saucen kannst du es auch ohne Beimischung anderer Mehlsorten nutzen.

Es ist leicht selbst herzustellen. Frische Maronen werden geschält und in etwa mandelgroße Stücke geschnitten. Diese müssen dann auf einem Dörrapparat (sowohl der Dörrer von Sedona als auch die preiswertere Alternative von Stöckli sind hier geeignet) bis zu knapp 40 °C austrocknen und anschließend in einer Nussmühle zu feinem Mehl vermahlen werden.

Esskastanien als gesunder Snack

Als Snack für zwischendurch werden Esskastanien mit Schale im Backofen gegart oder in Wasser gekocht.

Zubereitung im Backofen:

  1. Schale kreuzweise mit einem Küchenmesser einritzen
  2. Auf ein Blech oder Rost legen und bei 200 °C 25-30 Minuten backen
  3. Kurz abkühlen lassen, schälen und warm genießen

Zubereitung in Wasser:

  1. Schale ebenso kreuzweise einritzen
  2. Esskastanien in einen Topf geben und mit Wasser bedecken
  3. Aufkochen und etwa 10 Minuten köcheln lassen
  4. Wasser abgießen, schälen und warm verzehren

Heilende Anwendungen

Die Edelkastanie war für Hildegard v. Bingen eine wichtige Heilpflanze. So sah sie in den Kastanien Kräfte, welche das Gehirn wachsen lassen und es füllen sollten. Sie wandte sie ebenso bei Konzentrationsschwierigkeiten, Schwäche und Gicht an. Bei Trauer und Herzschmerz empfahl sie rohe Esskastanien zu verzehren.

Volksmedizinisch wurden Maronen bei Durchfall, Leberleiden, zur Nervenstärkung sowie bei geistiger und körperlicher Erschöpfung gegessen. Weiterhin helfen sie bei Säureüberschuss, da sie stark basisch sind. So lindern sie Sodbrennen und Völlegefühl und haben einen positiven Einfluss auf Cholesterinwerte.

Die Blätter der Esskastanie werden zur Heilkunde ebenfalls verwendet und wirken antibiotisch und antioxidativ.

Tee

Tee aus Esskastanienblättern wird bei Bronchitis getrunken und für Mundspülungen bei entzündlichen Prozessen in Mund und Hals eingesetzt.

Im September und Oktober ist die beste Erntezeit für Esskastanienblätter. Zur Teebereitung ein Blatt frisch oder getrocknet mit 250 ml kochendem Wasser übergießen und fünf Minuten ziehen lassen.

Mehr Informationen und Rezepte für Maronen und 35 andere Pflanzen findest du in unserem Buchtipp:

Erkennung und Sammeltipps

Finder heraus, wie du die Blätter der Edelkastanie als Heilmittel nutzen und ihre leckeren und gesunden Früchte vielfältig zubereiten kannst.

Die Edelkastanie ist botanisch mit den Buchen und Eichen verwandt und nicht wie oft angenommen mit Rosskastanien.

  • Sie wird bis zu 35 m hoch
  • Die Blätter sind bis zu 30 cm groß
  • Sie sind im Sommer hellgrün und verfärben sich im Herbst erst gelb und werden dann braun
  • Sind sind eilanzettlich und gezähnt
  • Die Rinde ist grau-braun und stark rissig
  • Die Blütenkätzchen sind weiß-gelb
  • Die Früchte sind von einer braunen, glatten Haut umgeben und liegen zu zweit oder dritt in einer grünen, stacheligen Hülle
  • Die Ernte geht von September bis November

Anbautipps

Beim Pflanzen einer Edelkastanie sollte beachtet werden, dass der Baum sehr groß und alt wird. Er liebt zudem die Sonne, braucht also einen relativ großen, freien Platz nicht zu nah an Gebäuden oder Straßen. Esskastanien tragen erst im Alter von 30-40 Jahren Früchte, so dass sie an einem gut gewählten Standort auch unsere Nachfahren noch beglücken können.

Achtung:

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