Quecke

Die Quecke ist als lästiges Unkraut verpönt, dabei lassen sich aus ihr ein lindernder Tee gegen Harnwegsinfekte und sogar ein nährstoffreiches Mehl gewinnen.

Wenn die Quecke ein Territorium erst einmal erobert hat, dann gibt sie es so schnell nicht mehr her – ob Schuttplätze oder Brachland, Schrebergärten oder Getreidefelder. Wie gut, dass der ungebetene Gast sich auf viele Weisen nützlich in deinen Alltag integrieren lässt.

In der Ernährung

Die Quecke ist reich an Kohlenhydraten, weshalb der nahrhafte Wurzelstock besonders in Kriegs- und Krisenzeiten als Kraftfutter für Mensch und Tier auf dem Teller landete. In Osteuropa werden jährlich mehrere Tonnen der landwirtschaftlich angebauten Quecken-Rhizome (unterirdische Wurzelausläufer) geerntet.

Bevor sie zu Mehl vermahlen werden, werden die Rhizome gründlich gereinigt und schonend gedörrt. Queckenmehl zeichnet sich durch einen süßlich-nussigen Geschmack und einen hohen Gehalt an Ballaststoffen aus. Das Mehl kann zum Binden von Soßen verwendet werden oder in Rezepten in Teilen andere Getreidemehle ersetzen – bewährt hat sich ein Mischverhältnis von 2:1 aus Weizen und Quecke.

Roh verfeinern junge Ausläufer der Pflanze mit ihrem leicht süßlichen Geschmack Suppen und Wildkräuter-Salate. Wie aus Gerste oder Weizen kann außerdem auch aus der Quecke Schnaps gebrannt werden. Geröstete Queckenwurzeln ergeben – ähnlich denen der Wegwarte – einen regionalen, koffeinfreien Kaffeeersatz.

Die Samen der Kriech-Quecke kannst du ab Ende Juni auch roh knabbern.

Queckensirup

Für einen Queckensirup werden 250 Gramm frischer Wurzelstock gewaschen, zerkleinert und für eine Dreiviertelstunde in einem Liter Wasser ohne Deckel gekocht, bis sich die Flüssigkeitsmenge sichtbar reduziert hat.

Danach das Wasser abfiltern und zusammen mit 500 Gramm Zucker so lange vor sich hin köcheln lassen, bis eine sirupartige Konsistenz entsteht. In ausgekochte Gläser füllen und fest verschließen.

Der Queckensirup verfeinert Wildkräuter-Limonaden, Holunderblütenküchlein und viele weitere Süßspeisen.

Heilende Anwendungen

Die Kriechende Quecke wird seit der Antike als Heilpflanze geschätzt. Der medizinisch eingesetzte Teil sind ihr Wurzelstock beziehungsweise ihre Rhizome.

Sie wirkt blutreinigend, kurbelt den Stoffwechsel an und entwässert, was zur Linderung von Harnwegsinfektionen beiträgt. Wegen ihrer ausleitenden Eigenschaften kann ihr auch eine klärende Wirkung auf das Hautbild zugesprochen werden. Die Quecke wird volksheilkundlich außerdem zur Behandlung von Bronchialleiden, Rheuma und Gicht eingesetzt.

Spülungen mit einem solchen Sud sollen zudem das Haar kräftigen. Damit ist die Quecke eines von vielen Wildkräutern für eine natürliche Haarpflege.

Queckenwurzeln werden auch als Wurmkur, zum Beispiel in Form einer Tinktur, bei Mensch sowie Haus- und Weidetier verwendet. Hunde, Katzen und Füchse fressen das Gras instinktiv, wenn sie an Magen-Darm-Problemen leiden.

Im Volksglauben wurde die desinfizierende und reinigende Wirkung der Quecke auch auf die feinstoffliche Ebene übertragen, sodass sie gegen Seuchen und Pestdämonen verräuchert wurde.

Mit Queckentee gegen Harnwegsinfekte

Bei allen unkomplizierten Harnwegsinfekten empfiehlt sich eine Durchspülungstherapie, um die Harnausscheidung von Nieren und Blase zu erhöhen. Die Quecke eignet sich dafür ähnlich gut wie der Acker-Schachtelhalm und kann als Kalt- oder Heißwasserauszug zubereitet werden.

Für den Kaltansatz werden zehn Teelöffel der frischen oder fünf Teelöffel der getrockneten Queckenwurzel und -rhizome mit einem halben Liter Wasser übergossen und über Nacht stehen gelassen, ehe der Ansatz abgeseiht werden kann.

Für einen heißen Queckentee übergieße drei gehäufte Teelöffel der frischen oder ein Teelöffel der getrockneten Wurzel mit einem Viertelliter kochendem Wasser. Lasse das Ganze zehn Minuten ziehen und seihe den Tee ab.

Es empfehlen sich für eine Teekur gegen Harnwegsleiden drei bis vier Tassen Queckentee täglich, die von mindestens zwei Litern Kräutertee und Wasser ergänzt werden.

Tipp: Queckensaft soll eine ähnliche Wirkung haben und lässt sich mittels Entsafter aus den frischen Rhizomen gewinnen.  Dreimal täglich einen Esslöffel davon kurmäßig verwenden.

Erkennung und Sammeltipps

Die Quecke ist als lästiges Unkraut verpönt, dabei lassen sich aus ihr ein lindernder Tee gegen Harnwegsinfekte und sogar ein nährstoffreiches Mehl gewinnen.

Gesammelt werden in den Monaten März bis Oktober die Blüte, Rhizome und Wurzeln der Quecke. Du kannst die Pflanze an folgenden Merkmalen erkennen:

  • Die Halme der Quecke sind aufrecht, glatt und können bis über anderthalb Meter hoch werden.
  • Die Laubblätter sind lang und schwach gerieft.
  • Rhizome der Pflanze wurzeln flach, haben eine helle bis gänzlich weiße Färbung und können sehr fleischig und dick werden.
  • Zum Leidwesen vieler Gärtnerinnen und Gärtner wurzelt die Quecke bis in eine Tiefe von 80 Zentimetern hinein und ist daher schwer zu bekämpfen.
  • Von Juni bis August blüht das Gras.
  • Bei den Blüten der Quecke handelt es sich um zweizeilige, grüne Ähren. Jede dieser Ähren produziert um die 50 Samen, die im Boden bis zu zehn Jahre keimfähig bleiben.

Die Quecke im Garten

Aufgrund ihrer Konkurrenzstärke ist die Quecke von Ordnung liebenden Gärtnern und Gärtnerinnen nicht gern sehen. Ihre unterirdischen Teile breiten sich nicht nur extrem schnell aus, sondern produzieren auch Stoffe, die Nachbarpflanzen in ihrem Wachstum hemmen.

Durch diese Taktik kann sich die Quecke in Rasen und Beeten besonders gut vermehren. Selbst kleine im Boden verbliebene Rhizome bringen neue Pflanzen hervor.

Bevor du die den Garten erobernde Quecke bekämpfen musst, kannst du sie von vornherein in einen Kübel pflanzen und stets vor der Samenbildung zurückschneiden. Auf diese Weise hältst du das Schnürgras im Zaum.

Im Ökosystem Naturgarten übernimmt die Quecke neben ihren zahlreichen oben beschriebenen Verwendungsmöglichkeiten eine weitere wichtige Rolle: Sie beheimatet mehr als 80 verschiedene Insektenarten.

Steckbrief

Kurzbeschreibung
Die Gemeine oder Gewöhnliche Quecke ist ein ausdauerndes, weltweit verbreitetes Ährengras, das auch im Kleingartenbau als Un- beziehungsweise Beikraut vorkommt. Ihren alternativen Namen Kriech-Quecke trägt die flachwurzelnde Pflanze aufgrund ihrer weit kriechenden, unterirdischen Ausläufer.
Lateinischer Name
Elymus repens
Andere Namen
Kriech-Quecke, Gemeine Quecke, Gewöhnliche Quecke, Schnürgras, Weißwurzel, Rischgras, Graswurz, Agropyron repens
Familie
Süßgräser (Poaceae)
Erntemonate
Mrz - Sep
Verwendbare Pflanzenteile
Blätter, Rhizom, Samen, Stiele, Triebe, Wurzeln
Blattform
lineal
Blütenfarbe
grün
Fundorte
Äcker, Wiesen, Wegränder, Schuttplätze, Brachland
Verwechslungsgefahr
Mit anderen Süßgräsern
Giftigkeit
ungiftig
Warnungen
Wie viele Gräser ist die Quecke anfällig für Viren und Pilze, darunter den Mutterkorn bildenden Pilz Claviceps purpurea, deren Verzehr giftig ist.
Inhaltsstoffe
ätherische Öle, Beta-Carotin, Eisen, Eiweiß, Glykoside, Kalium, Kieselsäure, Polysaccharide, Schleimstoffe, Vitamin A, Vitamin B, Vitamin C, Zuckeralkohole
Eigenschaften
blutreinigend, entzündungs­­hemmend, gefäßstärkend, harntreibend, reizlindernd, schweißtreibend, stoffwechselanregend
Hilft bei
Blasenentzündung, Gicht, Harngrieß, Harnwegs­­entzündungen, Harnwegsinfekte, Hautausschläge, Nierensteine, Prostatabeschwerden, Rheuma, Unterleibsschmerzen

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