Ackerschachtelhalm
Am bekanntesten ist der Ackerschachtelhalm (Equisetum arvense) als „Kieselpflanze“: Er liefert viel Silizium in pflanzlicher Form und wird traditionell genutzt, um Bindegewebe, Haut, Haare und Nägel zu unterstützen. Gleichzeitig gilt Ackerschachtelhalm als mild harntreibend und wird deshalb gerne in Zeiten eingesetzt, in denen du deinen Flüssigkeitshaushalt und die Ausscheidung sanft anregen möchtest. In der Volksheilkunde hat er außerdem einen Ruf als „Wundkraut“, weil Umschläge und Waschungen mit Schachtelhalm bei strapazierter, unreiner oder gereizter Haut wohltuend sein können.
Wegen seines hohen Kieselsäuregehalts wurde Ackerschachtelhalm früher zum Putzen von Zinngefäßen verwendet. In diesem Zusammenhang erhielt er auch den Namen Zinnkraut.
Herkunft, Geschichte und kulturelle Bedeutung
Ackerschachtelhalm gehört zu den ältesten Pflanzenlinien der Erde: Seine Vorfahren wuchsen schon zu Zeiten, als riesige Schachtelhalmgewächse ganze Landschaften prägten. Der heutige Ackerschachtelhalm ist zwar viel zierlicher, aber er ist unglaublich zäh und anpassungsfähig. Du findest ihn in Europa, Asien und Nordamerika, oft auf Äckern, Böschungen, an Wegen oder auf feuchten Wiesenrändern. Dass er so häufig ist, hat ihn in der Volkskultur fest verankert: Er war eine typische „Wegpflanze“, die man schnell sammeln konnte, wenn zu Hause etwas fehlte.
In der Kräutertradition taucht Schachtelhalm immer wieder als Pflanze auf, die „festigt“ und „reinigt“. In vielen Gegenden wurde er als Tee getrunken, wenn Menschen sich „wasserig“ fühlten oder wenn man die Blase unterstützen wollte. In der Naturheilkunde des 19. Jahrhunderts griffen bekannte Kräuterkundige wie Sebastian Kneipp gerne auf Pflanzen zurück, die als Waschung, Bad oder Umschlag eingesetzt wurden – auch Schachtelhalm passte in dieses Denken, weil er sich gut für äußere Anwendungen eignet.
Noch älter sind Hinweise aus der antiken Kräutermedizin: Autoren wie Dioskurides beschrieben Pflanzen, die bei Wunden und zur Unterstützung der Ausscheidung genutzt wurden; Schachtelhalmarten wurden dabei immer wieder erwähnt oder in späteren Kräuterbüchern entsprechend eingeordnet.
Ackerschachtelhalm in der Ernährung
Ackerschachtelhalm wird in der Ernährung kaum beachtet, da er durch seinen hohen Gehalt an Kieselsäure recht holzig schmeckt. Junge Sprossen lassen sich jedoch als Presssaft oder in einem Smoothie verzehren.
Fein gehackt oder noch besser gemahlen kann man Ackerschachtelhalm in Saucen, Gemüsesuppen oder Püree verwenden.
Heilende Anwendungen
Ackerschachtelhalm gilt als mild diuretisch, also leicht harntreibend. Das passt zu seiner traditionellen Nutzung bei „Durchspülung“ der ableitenden Harnwege. Für Haut, Haare, Nägel und Bindegewebe wird Ackerschachtelhalm ebenfalls häufig genannt, weil er siliziumreiche Pflanzenstoffe liefert.
Die Volksheilkunde setzt Schachtelhalm zusätzlich gern äußerlich ein, etwa bei beanspruchter Haut, kleinen Schürfstellen, zur Pflege nach dem Rasieren oder als Badezusatz bei dem Gefühl von „schweren Beinen“. Hier spielen neben Silizium auch Flavonoide und Gerbstoffe eine Rolle, die zusammenziehend und beruhigend wirken können. Außerdem enthält Ackerschachtelhalm Saponine und Mineralstoffe, die das Gesamtprofil abrunden.1
Hinweis: Ackerschachtelhalm sollte nicht über Wochen und Monate am Stück in hohen Mengen genutzt werden. Schachtelhalme können thiaminasehaltige Enzyme enthalten, die bei sehr langfristigem, hochdosiertem Gebrauch ungünstig sein könnten. In Schwangerschaft/Stillzeit wegen unklarer Datenlage nur nach Rücksprache.
Ackerschachtelhalm-Tee
Für einen Ackerschachtelhalm-Tee wird das gesamte Kraut einer Pflanze geerntet und getrocknet. Alternativ lässt es sich auch frisch verwenden. Zur Herstellung des Tees übergieße einen Teelöffel des Krautes mit einem Viertelliter kaltem Wasser und lasse das Gemisch mehrere Stunden, am besten über Nacht, stehen. Am nächsten Tag den Aufguss kurz aufkochen und abseihen.
Solltest du vergessen haben, den Tee rechtzeitig anzusetzen, kannst du alternativ einen Teelöffel vom Ackerschachtelhalm mit einem Viertelliter Wasser aufkochen und 30 Minuten ziehen lassen.
Traditionell wird eine Teekur für eine Durchspülung genutzt. Maximal fünf Tassen täglich für die Dauer von zwei bis vier Wochen empfohlen.

Ackerschachtelhalm-Tinktur
Die Ackerschachtelhalm-Tinktur kannst du wie folgt selbst herstellen:
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Ackerschachtelhalm klein schneiden und in ein verschließbares Gefäß füllen.
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Mit mindestens 38-prozentigem Alkohol (Wodka, Korn etc.) übergießen, bis alle Pflanzenteile bedeckt sind und gut verschließen.
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Vier Wochen ziehen lassen.
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Immer wieder eventuell entstandenes Kondenswasser im Deckel abwischen, danach schütteln.
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Nach einem Monat durch einen Kaffeefilter oder ein feines Leinentuch filtern.
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In dunkle Flaschen füllen und beschriften.
Die Tinktur kann sowohl innerlich als auch äußerlich angewandt werden. Mehr Informationen dazu findest du hier.

Salben und Lotionen für straffe Haut
Die im Ackerschachtelhalm enthaltene Kieselsäure kannst du auch in einer Salbe oder Creme für straffe Haut einsetzen.
Hier erfährst du, wie du eine Ackerschachtelhalm-Salbe zubereitest. Das Rezept für Zinnkraut-Creme findest du hier.

Voll- und Teilbad
Zur äußerlichen Anwendung gib zwei Teelöffel Ackerschachtelhalm auf einen Viertelliter Wasser und stelle daraus einen Aufguss her.
Ein Vollbad mit Ackerschachtelhalm kann bei Bindegewebsschwäche unterstützen, dafür wird ein starker Teeaufguss zum Badewasser gegeben. Gerbstoffe wirken leicht zusammenziehend, Flavonoide sind antioxidativ, und die siliziumreichen Bestandteile werden traditionell mit „Festigung“ in Verbindung gebracht.
Mehr Rezepte und Anwendungsmöglichkeiten für Ackerschachtelhalm und viele weitere Wildkräuter findest du in unseren Buchtipps:
Ackerschachtelhalm im Garten
Viele Gärtner betrachten das Zinnkraut als unliebsames Unkraut. Wenn es einmal den Weg in den Garten gefunden hat, ist es fast unmöglich wieder zu beseitigen. Dabei kann der Ackerschachtelhalm auch sehr nützlich sein, zum Beispiel als Zutat für selbst hergestelltes Pflanzenschutzmittel.
Ein Wasserauszug mit Ackerschachtelhalm wird traditionell eingesetzt, um Pflanzen zu stärken.

Erkennung und Sammeltipps

Ackerschachtelhalm ist eine mehrjährige Pflanze. Im Frühjahr erscheinen erste hellbraune, astlose Sprosse, die in ihrem Aussehen eher an Pilze erinnern. Diese Sprosse verwelken, erst danach sprießen die für Heilzwecke verwendbaren grünen Sprosse. Sie sind bis in den Herbst hinein zu finden.
- Ackerschachtelhalm erreicht eine Höhe von 10 bis 50 Zentimetern
- Die Pflanze besteht aus einem grünen, quirlig verästelten Spross
- Der Stiel ist gefurcht, die Äste drei- bis fünfkantig
- Das unterste Glied ist länger als die Scheide
- Die Pflanze ist geruchlos
Verwechslungspartner
Verwechslungsgefahr besteht mit dem giftigen Sumpfschachtelhalm, der an feuchteren Stellen wächst. Beim Ackerschachtelhalm ist das unterste Seitenast-Glied länger als die Scheide am Haupttrieb. Beim Sumpfschachtelhalm ist es deutlich kürzer.
Am sichersten ist die Kombination aus 2–4 Merkmalen (Astglied-Länge, Querschnitt, Wuchsplatz, Sporenstände). Lass dir den Unterschied am besten im Rahmen einer Kräuterwanderung erklären, wenn du dir nicht ganz sicher bist.

- EMA. Europea Medicines Agency. (2015) European Union herbal monograph on Equisetum arvense L., herba. ↩︎
Steckbrief
- Kurzbeschreibung
- urtümliche, gegliederte, hohle Triebe, im Sommer grün und quirlig verzweigt, im Frühjahr braune Sporenstände.
- Lateinischer Name
- Equisetum arvense
- Andere Namen
- Zinnkraut, Katzenschwanz, Fegekraut, Katzenwedel, Pferdeschwanz, Schaftheu, Pfannenputzer, Scheuerkraut
- Familie
- Schachtelhalmgewächse (Equisetaceae)
- Erntemonate
- Mai - Sep
- Verwendbare Pflanzenteile
- Triebe
- Blattform
- nadelförmig
- Blütenfarbe
- braun
- Fundorte
- Wiesenränder, Äcker, Wegränder, Böschungen, gern auf frischen bis feuchten, oft lehmigen Böden
- Verwechslungsgefahr
- mit dem giftigen Sumpfschachtelhalm
- Giftigkeit
- ungiftig
- Hinweise zur Giftigkeit
- Ackerschachtelhalm gilt bei richtiger Bestimmung und maßvoller Nutzung als gut verträglich, problematisch wird eher die Verwechslung oder eine überlange, hochdosierte Anwendung.
- Warnungen
- nicht dauerhaft hochdosiert nutzen, bei Schwangerschaft, Stillzeit, Nieren- oder Herzproblemen vorsichtig sein und medizinisch abklären.
- Inhaltsstoffe
- Carbonsäure, Flavonoide, Gerbstoffe, Glykoside, Kalium, Kieselsäure, Saponine
- Eigenschaften
- adstringierend, gewebefestigend, harntreibend, hautpflegend, schleimlösend, wassertreibend
- Hilft bei
- Bindegewebeschwäche, Blasenprobleme
- Erkennung / Sammeltipps
- grüne Sommertriebe sammeln, raues Gefühl, gegliederte Röhren, quirlige Seitenäste; nur an sicheren Standorten und mit sicherer Bestimmung.
- Anbau
- besser im Kübel, da sehr ausbreitungsfreudig.












Liebes Team von Kostbare Natur,
es ist jedes Mal beeindruckend zu sehen, welche Schätze in unseren heimischen Pflanzen stecken!
Die detaillierten Erklärungen hier sind eine echte Bereicherung und inspirieren mich sehr.
Vielen herzlichen Dank für eure wertvolle Arbeit!
Herzliche Grüße,
Ella B.
Vielen Dank für dieses tolle Porträt samt Rezept und die Anregung, den Ackerschachtelhalm auszuprobieren.
Liebe Grüße Alena
Hallo, ich fände es auch schön den Unterschied zum giftigen Schachtelhalm besser zu erklären in Bild und Wort. Ich verstehe leider die Aussage nicht…unterstens Glied der Seitenäste länger als der Hauptspross…??
Vielen Dank
Wie die vorherigen Kommentare, vermisse ich auch die bessere Beschreibung der Unterschiede, vielleicht wären im Vergleich auch Bilder vom Sumpfschachtelhalm hilfreich
Hey, sollten dort nicht die Unterschiede zwichen Acker- und Sumpfschachtelhalm aufgezeigt werden?
LG Skati
Hallo,
Ich vermisse den Kommentar zum Sumpfschachtelhalm?
Sonnige Grüße
Horst Gebauer
Hallo Horst,
welchen Kommentar meinst du?
Liebe Grüße
Dennis