Chaga

Der Chaga oder Schiefe Schillerporling ist aus der Volksmedizin Finnlands und Russlands nicht wegzudenken. Was der Heilpilz alles kann, erfährst du hier.

Bis heute sind über 200 aktive biologische Substanzen und Antioxidantien im Schiefen Schillerporling identifiziert worden – damit ist er eine echte Vitalstoff-Bombe.

Unter den aktiven Wirkstoffen sind verschiedene Triterpene, Hauptbestandteile ätherischer Öle, sowie Tannine und Alkaloide, also organische Säuren wie Hydroxybenzoesäure, Vanillinsäure und Syringasäure.

Der extrem harte Pilz besitzt für den Menschen keinen Wert als Speisepilz, allerdings sind fünfzehn Prozent seiner Masse reine Mineralstoffe, wie Kalium, Natrium, Magnesium und Mangan.

Von größter Bedeutung sind seine wasserlöslichen Extrakte, die Polysaccharide (darunter das Immunsystem stimulierende Beta-Glucane) und die Polyphenole (zum Beispiel das dunkel färbende Pigment Melanin). Kein Wunder also, dass bereits die Urvölker Nordamerikas, Osteuropas und Asiens den Chaga seit Jahrtausenden zur Vitalisierung und Krankheitsbekämpfung verwenden.

Insgesamt besitzt der Chaga eine nachweislich entzündungshemmende, antivirale, antibakterielle, stoffwechselanregende und cholesterinsenkende Wirkung. Auch das Immunsystem soll der Chaga bei regelmäßiger Einnahme stärken können.

Heilende Anwendungen

Der Chaga wird in Form seines stark zerfurchten, holzig-korkigen Sklerotiums geerntet und verwendet. Dieses ist ein dichter, fester Myzelknoten, der an Bäumen wächst, Kälte und Trockenheit widersteht und auch als imperfekter Fruchtkörper bezeichnet wird.

​​Das Heilspektrum des Schiefen Schillerporlings ähnelt dem des Birkenporlings, mit dem er verwandt ist. Er soll Magen-Darm-Beschwerden, auch chronisch-entzündliche Erkrankungen des Verdauungstraktes, heilen und lindern. Als antihyperglykämische Droge reguliert er den Blutzucker bei Typ-2-Diabetes (vgl. Studie), fängt freie Radikale (vgl. Studie) und hat insgesamt eine stärkende Wirkung auf das Immunsystem.

Auch bei der Behandlung verschiedener Krebserkrankungen scheint der Baumpilz vielsprechend zu sein (vgl. Studie). Da die Birke der bevorzugte Wirt des Chaga ist, wird angenommen, dass für die antikarzinogene (krebshemmende) Eigenschaft der Birkenwirkstoff Betulin verantwortlich ist.

In der Traditionellen Chinesischen und Traditionellen Japanischen Medizin wird der Pilz aktuell zur Unterstützung bei einer Chemotherapie verabreicht, um negative Begleiterscheinungen zu lindern.

Hinweis: Der Chaga war und ist Gegenstand vieler vielversprechender klinischer Studien, die seine Heilwirkung belegen. Allerdings wurden jene Untersuchungen bisher lediglich an gezüchteten Zellen im Labor (in vitro) oder an Tieren durchgeführt. Ob der Schiefe Schillerporling im menschlichen Körper die gleiche Wirkung hat und entsprechend Krankheiten heilen und vorbeugen kann, ist noch nicht ausreichend erforscht.

Wässriger Extrakt: Der Chaga-Tee

Der Schiefe Schillerporling lässt sich einfach auskochen und als angenehm milder Tee konsumieren. Um aus dem Chaga einen Heißwasserextrakt zuzubereiten, wird der Pilz zunächst getrocknet.

Zerkleinere das Sklerotium dafür und lege es auf eine Heizung oder in einen Kräutertrockner. In einem Mörser lässt sich der Pilz schließlich zu einem feinen Granulat zerstoßen.

Tipp: Mit einer Kaffeemühle lässt sich der getrocknete Pilz zu einem feinen Chaga-Pulver mahlen.

Für einen Chaga-Tee kochst du einen Teelöffel Pulver oder Granulat für circa 20 Minuten in 200 Milliliter Wasser, bis die Färbung der Flüssigkeit an Schwarztee oder Kaffee erinnert. Danach filterst du den Tee durch ein Sieb und kannst ihn trinken.

Empfohlen wird eine Dosis von etwa zwei Tassen Tee pro Tag.

Alkoholischer Extrakt: Chaga-Tinktur

Da einige der hochwirksamen Wirkstoffe (unter anderem das Betulin) nicht wasser-, aber alkohollöslich sind, kannst du aus dem Schiefen Schillerporling auch eine Tinktur selber machen.

Indem du den wässrigen und den alkoholischen Extrakt zu einem Dualextrakt kombinierst, schöpfst du das größte Potential aus dem Chaga.

Mögliche Nebenwirkungen

Der Chaga enthält eine hohe Konzentration Oxalate (Salze der Oxalsäure). Im menschlichen Körper können diese bei der Ausscheidung über die Nieren kleine Kristalle bilden. Bei regelmäßigem und hohem Konsum kann dies das Auftreten von Nierensteine fördern.

Allerdings weisen viele alltägliche Lebensmittel einen deutlich höheren Oxalat-Gehalt auf als der Chaga, darunter zum Beispiel Rhabarber, Spinat, Petersilie, Rote Bete, Pfefferminze und Kakao.

Erkennung und Sammeltipps

Der Chaga oder Schiefe Schillerporling ist aus der Volksmedizin Finnlands und Russlands nicht wegzudenken. Was der Heilpilz alles kann, erfährst du hier.

Den Chaga kannst du das ganze Jahr über in den Wäldern Europas, Kanadas und Russlands finden. In Deutschland bevorzugt er den Küstenstrich der Ostsee, denn er gedeiht vor allem in einem kalt feuchten Milieu. Dafür solltest du die Augen lieber nicht auf den Boden, sondern nach oben an die Stämme und Äste von Birken.

Im Herbst, Winter und Frühling – wenn die Bäume saisonbedingt kein oder wenig Laub tragen – kannst du die schwarzen Knollen besonders leicht an Stämmen und Ästen ausmachen.

Hinweis: Da der Pilz – wie der Birkenporling – die wirksamsten seiner Inhaltsstoffe (unter anderem Betulin und Betulinsäure) aus der Birke zapft, sind nur solche Exemplare von heilkräftiger Bedeutung, die auch wirklich an den genannten Wirtsbäumen wachsen.

So erkennst du einen Chaga-Pilz:

  • Das Sklerotium (der „falsche Fruchtkörper“) des Chaga kann auf eine Größe von bis zu 40 Zentimetern Durchmesser heranwachsen.
  • Jung ist dieses noch haselnussbraun, wird mit dem Alter aber zunehmend dunkler, bis es schließlich schwarz ist. Es wächst zunächst unterhalb der Rinde und bricht dann durch diese hindurch.
  • Der perfekte, tatsächliche Fruchtkörper hingegen besteht aus einer eher unauffälligen, flachen, schwarzbraunen Form, die auf der Oberfläche Sporen bildet.
  • Die Sporen haben eine gelbbraune Farbe.
  • Das Fleisch des Chaga ist reh- beziehungsweise rotbraun und oft weiß geädert. Eine Faustregel zur Bestimmung des Schiefen Schillerporlings lautet: Außen wie Kohle, innen wie Glut. Das frische Pilzfleisch färbt sich zudem bei Kontakt mit Kalilauge schwarz.
  • Einen Stiel sucht man am Schiefen Schillerporling vergebens. Das Sklerotium des Pilzes ist direkt mit Substrat verwachsen.
  • Die Röhrenschicht des Chaga erzeugt an frischen Fruchtkörpern schräg seitlich betrachtet einen silbrig-wechselnden Schimmer.

Beachte beim Sammeln, dass der Chaga mindestens fünf Jahre alt sein muss, bevor er genug heilkräftige Inhaltsstoffe produziert hat, um geerntet zu werden. Ein solcher Pilz hat dann meist schon einen Durchmesser von 10 bis 20 Zentimetern.

Um den Schiefen Schillerporling zu sammeln, brauchst du unter Umständen viel Kraft, da er fest mit dem Baumstamm verwachsen ist. Im Winter löst er sich häufig leichter. Dennoch lohnt es sich, Pilzmesser gegen Hammer und Meißel oder eine Axt zu tauschen.

Chaga-Pilz unterscheiden vom ungenießbaren Baumkrebs

Häufig wird der Chaga mit Baumkrebs verwechselt. Bei diesem handelt es sich um durch Infektionen ausgelöste Wucherungen, an denen oft ein Pustelpilz beteiligt ist. Der Baum versucht, eine infizierte Wunde durch verstärkte Bildung von Wundgewebe zu überwallen, sodass mitunter großflächige und voluminöse Geschwülste entstehen. Achte zur Unterscheidung auf die typische Färbung von Kruste und Fleisch des Schiefen Schillerporlings. Zudem sind Schiefe Schillerporlinge deutlich kleiner als Baumkrebs.

Chaga-Pilz unterscheiden von der ungenießbaren Vielgestaltigen Kohlenbeere

Wie der Chaga ist auch die Vielgestaltige Kohlenbeere (Jackrogersella multiformis) pechschwarz und sitzt bevorzugt Birken auf. Anders als die Fruchtkörper des Vitalpilzes sind jene des Verwechslungspartners jedoch kleiner (bis fünf Zentimeter Durchmesser) und nicht gefurcht, sondern höckerig mit punktförmigen Mündungen.

Steckbrief

Kurzbeschreibung
Der Chaga (gesprochen: Tschaga), oder Schiefe Schillerporling, wächst als ganzjähriger Folgezersetzer an lebenden oder toten Laubbäumen – überwiegend an Birken – und hat in den letzten Jahren eine regelrechte Renaissance als Naturheilmittel erlebt, obwohl er schon seit vielen Jahrhunderten als solches genutzt wird. Seinen deutschen Namen verdankt der Schiefe Schillerporling der Optik seiner Röhrenschicht, die je nach Lichteinfall silbrig schimmert.
Lateinischer Name
Inonotus obliquus
Andere Namen
Glänzendschwarzer Schichtporling, Sibirischer Chagapilz, Tschaga, Gagapilz, Schillerporling-Pustelpilz
Familie
Hymenochaetaceae (Borstenscheiblingsverwandte)
Erntemonate
ganzjährig
Verwendbare Pflanzenteile
Fruchtkörper
Fundorte
In Europa, Nordamerika, Skandinavien, Russland und Teilen Asiens, fast ausschließlich an Birken (Weiß- und Gelb-Birken)
Verwechslungsgefahr
Vielgestaltige Kohlenbeere, Baumkrebs
Giftigkeit
ungiftig
Warnungen
Der Chaga enthält eine hohe Konzentration Oxalate bzw. Oxalsäure. Bei übermäßigem Konsum können diese die Nieren schädigen und zu Nierensteinen führen.
Inhaltsstoffe
Ameisensäure, B-Vitamine, Beta-Glucan, Betulinsäure, Eisen, Essigsäure, Flavonoide, Kalium, Kalzium, Magnesium, Mangan, Natrium, organische Säuren, Oxalsäure, Polyphenole, Polysaccharide, Tannine, vanillinsäure, Zink
Eigenschaften
antibakteriell, antikarzinogen, antiviral, cholesterinsenkend, entzündungs­­hemmend, immunstärkend, immunstimulierend, stoffwechselanregend
Hilft bei
Bluthochdruck, Diabetes, Erkrankungen der Leber, Immunschwäche, Krebs, Magen-Darmbeschwerden, Morbus Crohn

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