Birkenporling

Seit der Steinzeit wird der Birkenporling als Vitalpilz verwendet. Neuerdings erregen seine antioxidativen Eigenschaften das Interesse der Wissenschaft.

Der Birkenporling ist aus naturheilkundlicher Sicht ein Pilz mit weit zurückreichender Tradition. Bereits die in den Ötztaler Alpen gefundene steinzeitliche Gletschermumie „Ötzi“ trug zwei Birkenporlinge mit sich, weshalb der Pilz heute auch als Ötzi-Pilz bekannt ist. Forscher sehen in dem Fund den Beweis dafür, dass die antibakterielle und antibiotische Heilkraft des Pilzes schon vor 5300 Jahren bekannt gewesen sein dürfte.

In Russland, Tschechien, Sibirien, Rumänien und den baltischen Ländern hat der Birkenporling, der auch Birkenschwamm oder Birken-Hautporling genannt wird, seinen festen Platz in der Volksheilkunde. In der Traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) kennt man ihn unter der Bezeichnung Hua Bo Guan Jun.

Der Birkenporling wird in der Fachliteratur als ungenießbarer Vitalpilz gelistet, weil er zwar essbar, aber wenig aromatisch ist. Junge, runde Exemplare machen sich zum Beispiel gut in einer vietnamesischen Phở-Brühe. Mit zunehmendem Alter wird der Birkenschwamm jedoch holziger und bitterer.

Heilende Anwendungen

Der Birkenporling ist reich an den Vitaminen B, C und E, Provitamin Betacarotin sowie Mineralstoffen wie Eisen, Phosphor, Kupfer, Selen, Kalium. Außerdem enthält er das Antibiotikum Piptamin. Das reichlich in ihm enthaltene Triterpen Betulin stellt der Pilz nicht selbst her, sondern zapft es – ebenso wie Zunderschwamm und Chaga – als Birken-Schmarotzer aus der Borke seines Wirts

Der Birkenporling wirkt generell entzündungshemmend, antibiotisch, antiviral und blutstillend und ist im Speziellen ein treuer Magen-Darm-Freund. Der ausgewiesene Heilpilz-Experte Hans-Heinrich Kunde empfiehlt den Birkenporling zur Behandlung von Magenschwäche, Magenverstimmungen, Magenreizungen, Magenschleimhautentzündung, Magengeschwüren und als Prophylaktikum für eine gesunde Verdauung.

Auch mit Würmern und anderen Darmparasiten wird der Birkenporling fertig. Seine nachgewiesene antikanzerogene Wirkung verspricht Potential in der Krebstherapie.

Darüber hinaus kommt Fomitopsis betulina, wie der Birkenporling seit 2015 in der wissenschaft bezeichnet wird, traditionell bei Schlafstörungen, brüchigen Nägeln, nachlassendem Haarwuchs und Haarausfall, Ermattung und Erschöpfung zum Einsatz.

Abkochung aus Birkenporling

Ein Tee bzw. eine Abkochung aus Birkenporling enthält die meisten wasserlöslichen Wirkstoffe, wenn der auf Vorrat getrocknete Pilz vor der Zubereitung frisch vermahlen wird. Auf eine Tasse Wasser kommen zwei Teelöffel Pilzpulver, das mindestens 20 Minuten gekocht wird. Der so hergestellte wässrige Auszug schmeckt pilzig und bitter und kann mehrmals am Tag getrunken werden.

Wird die Abkochung zur Behandlung von Magenproblemen eingesetzt, hat sich eine Rollkur bewährt: Dabei legt man sich nach Einnahme der Abkochung auf nüchternem Magen auf den Rücken und wechselt jede Minute in Bauch- und Seitenlage. Auf diese Art wird die Abkochung gleichmäßig auf der Magenschleimhaut verteilt und kann ihre heilende Wirkung tun.

Birkenporling als Tinktur

Da das für seine antientzündliche Wirkung bekannte Betulin nicht in Wasser löslich ist, empfiehlt sich ein alkoholischer Auszug, um das ganze Spektrum an Inhaltsstoffen des Birkenporling auszuschöpfen.

Für eine selbst gemachte Tinktur aus Birkenporling, eine Handvoll frischer Pilze in ein verschließbares Glas geben, mit 300 Milliliter Ansatzalkohol (mindestens 40 Volumenprozent Alkohol, z.B. Wodka oder Kornbrand) übergießen und fest verschlossen vier Wochen an einem dunklen Ort ziehen lassen (mazerieren). Danach die Tinktur durch ein Seihtuch filtern, dabei die Pilze gut ausdrücken und die Tinktur in dunkle Flaschen abfüllen.

Von der Tinktur werden 2 x täglich 5-15 Tropfen der Tinktur mit einem Glas Wasser eingenommen oder pur auf die Zunge gegeben.

Tipp: Für eine optimale Ausschöpfung der Inhaltsstoffe können wässrige und alkoholische Darreichungsformen kombiniert werden. Auch ein heilsamer Ölauszug lässt sich mit dem Birkenporling herstellen.

Erkennung und Sammeltipps

Seit der Steinzeit wird der Birkenporling als Vitalpilz verwendet. Neuerdings erregen seine antioxidativen Eigenschaften das Interesse der Wissenschaft.

Den Birkenporling findest du ausschließlich an Birken, überwiegend auf Totholz. An lebenden Bäumen gilt der Birkenporling als Anzeiger für deren abnehmende Vitalität.
Der Pilz ist einjährig und lässt sich das ganze Jahr über ernten, wobei die besten Monate für das Sammeln zwischen September und Januar liegen, in denen die jungen Birkenschwämme heranreifen.

So erkennst du einen Birkenporling:

  • Im jungen Stadium drücken sich die Fruchtkörper des Birkenporlings als weiße, rundliche Knoten aus der Birkenrinde. Mit dem Alter nimmt der Pilz deutlich an Größe zu und nimmt eine nierenförmige Gestalt mit weiß-bräunlicher Färbung an.
  • Die Oberfläche ist glatt und samtig, teilweise auch leicht oder stärker gebuckelt.
  • Die Unterseite des Birkenporlings ist weiß und mit vielen kleinen Poren übersät. Im jungen Zustand sind diese kaum bis gar nicht sichtbar.
  • Der Rand des Pilzes ragt meist wulstig über die Röhren hinaus und säumt den Fruchtkörper ein.
  • Der bei älteren Pilzen sehr kurze und wenig deutliche Stiel fixiert den Pilz am Untergrund.
  • Fomitopsis betulina ist gut an seinem feinen Pilzgeruch zu erkennen.
  • Das Fleisch ist zunächst elastisch, wird mit der Zeit aber korkähnlich.

Der Birkenporling lässt sich sehr leicht mit der Hand vom Wirtsbaum drehen oder mit einem sauberen Messer an seiner Basis abschneiden.

Wer sich bei der Ernte selbst verletzt, kann den Schnitt bis zur Pflaster-Versorgung mit einem Wundverband aus Birkenporling verarzten. Dafür ein dünnes Stück aus dem Fruchtfleisch schneiden und auf die Verletzung auflegen. Blutungen werden rasch gestillt und einer Wundinfektion wird vorgebeugt.

Birkenporling unterscheiden vom ungenießbaren Zunderschwamm

Der Zunderschwamm gehört ebenfalls zu den Porlingen, Vitalpilzen und Parasiten. Die beiden lassen sich aber an folgenden Merkmalen gut unterscheiden: Der Zunderschwamm ist eher grau und wird von konzentrischen Wulsten gebildet, die – wie Jahresringe eines Baumes – die Wachstumsperioden eines Zunderschwamms anzeigen. Die mehrjährigen Fruchtkörper sind weitaus holziger bzw. korkiger als die des einjährigen Birkenporlings.

Birkenporling unterscheiden vom ungenießbaren Feuerschwamm

Anders als der ebenfalls heilkräftige Feuerschwamm, ist der Birkenporling nicht hart und fest mit dem Wirtsbaum verwachsen, sondern hat eine leicht schaumstoffartige Konsistenz, die sich einfach vom Stamm brechen oder schneiden lässt. Der Gemeine Feuerschwamm hat oft keinen Stiel und seine Oberfläche gleicht im Alter meist einer rissigen, harten Borke von beinahe schwarzer Färbung.

Birkenporling unterscheiden vom ungenießbaren Wulstigen Lackporling

Anders als der Birkenporling ist der stiellose Wulstige Lackporling breit bzw. flächig am Substrat angewachsen. Seine wellig-höckerige rotbraun bis schwarz gefärbte Kruste lässt sich nicht eindrücken. Bei Druck auf die weiße Unterseite des Wulstigen Lackporlings verfärbt sich diese am frischen Pilz bräunlich.

Birkenporling unterscheiden vom ungenießbaren Dunklen Lackporling

In der Fachliteratur sind so gut wie keine Fälle beschrieben, in denen der Dunkle Lackporling auf Laubbäumen nistet, was ihn deutlich vom Birkenporling unterscheidet. Der rot- bis dunkelbraune Fruchtkörper des Dunklen Lackporlings wird nur etwa drei Zentimeter dick und ist von einer glänzenden Harzschicht bedeckt.

Birkenporling unterscheiden von ungenießbaren Saftporlingen

Die Saftporlinge bilden wie der Birkenporling einjährige, weiche Fruchtkörper an Wirtsbäumen aus, allerdings wächst die Mehrzahl der Art an Nadelhölzern und nur einige an Laubholz. Saftporlinge wachsen eher flach bzw. fächerförmig und weniger fleischig als der Birkenporling. Einige Arten sind – wie der Name vermuten lässt – von tauartigen Guttationstropfen bedeckt.

Steckbrief

Kurzbeschreibung
Der Birkenporling ist ein einjähriger Pilz, der – wie sein Name es vermuten lässt – ausschließlich an Birken vorkommt. Die belegte Verwendung des Birkenporlings reicht mehr als 5000 Jahre in der Menschheitsgeschichte zurück. Dabei stehen vor allem die heilkräftigen Eigenschaften des Birkenporlings im Vordergrund.
Lateinischer Name
Fomitopsis betulina (seit 2015), Piptoporus betulinus
Andere Namen
Birkenzungenporling, Birkenschwamm, Birken-Hautporling, Ötzipilz, Hua Bo Guan Jun, Kanbatake
Familie
Baumschwammverwandte (Fomitopsidaceae)
Erntemonate
ganzjährig
Verwendbare Pflanzenteile
Hut, Stiel
Fundorte
In Laub und Mischwäldern der nördlichen Hemisphäre. Ausschließlich an Birken.
Verwechslungsgefahr
Feuerschwamm, Zunderschwamm, Wulstiger Lackporling, Dunkler Lackporling, Saftporlinge
Giftigkeit
ungiftig
Inhaltsstoffe
Beta-Carotin, Betulin, Betulinsäure, Eisen, Heteroglykan, Kalium, Kupfer, Phosphor, Selen, Triterpene, Vitamin B, Vitamin C, Vitamin E (Tocopherol)
Eigenschaften
antibakteriell, antikarzinogen, antiviral, blutstillend, entzündungs­­hemmend
Hilft bei
Darmparasiten, Haarausfall, Krebs, Magen­schleimhaut­entzündungen, Sodbrennen, Verdauungsbeschwerden

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12 Kommentare Kommentar verfassen

  1. Wie verwendet man den Birkenporling gegen Haarausfall?Den Tee nur trinken oder auf Kopf verteilen..

    Antworten
    • Hallo Karin,
      Haarausfall kann viele Ursachen haben. Der Birkenporling kann sowohl innerlich als auch topisch verwendet werden. Zum Beispiel könntest du deine Haarwäsche mit einer Spülung (einem Birkenporlingssud) abschließen. Oder du gibst deiner Kopfhaut tägliche Massagen mit einem Spritzer Birkenporlingstinktur als Haarwasser. Übrigens: Auch die Brennnessel hat sich seit Jahrhunderten im Kampf gegen Haarausfall bewährt: https://www.kostbarenatur.net/brennnesseltinktur-auszug-selbermachen-ansetzen-und-anwenden/
      Liebe Grüße
      Dennis

  2. 2015 hat eine Änderung des wissenschaftlichen Namens stattgefunden. Im Artikel gibt es widersprüchliche Angaben darüber, welcher der alte und welcher der neue Name ist.

    Antworten
    • Vielen Dank für den Hinweis. Ich habe die Verwechslung im Text korrgiert.
      Liebe Grüße

  3. Ich frage mich, ob man den Birkenporling-Tee auch während der Stillzeit zu sich nehmen kann?

    Antworten
    • Liebe Julia,
      meines Wissens spricht nichts gegen den Einsatz von Heilpilzen während der Schwangerschaft und Stillzeit, mit Ausnahme des Judasohres, der zu einer Entspannung der Gebärmutter führen kann. Wende dich aber bei medizinischen Fragen bitte an einen Arzt oder Heilpraktiker, da wir hier grundsätzlich keine ärztliche Individualberatung anbieten können und dürfen.
      Liebe Grüße
      Dennis

  4. Günter Motzel

    Hallo
    Ich bräuchte mal eine genaue Beschreibung wie man den Birkenporling als Tee mehrfach verwenden kann…
    Man liest sehr unterschiedliche Anweisungen vor allem über die Kochzeiten….
    Wenn man die Menge für insgesamt drei mal benutzen möchte muss man dann jedesmal die Kochzeiten erhöhen???
    Mit freundlichen Grüßen
    Motzel Günter

    Antworten
  5. Ella Schoen

    Vielen Dank für diese ausführlichen Tipps und Anwendungen. Ich würde gerne die Dosierung der Tinktur wissen. Ich würde den Birkenporling gerne als Tinktur ansetzen. Vielen Dank für die erhoffte Antwort. Liebe Grüße Silvana

    Antworten
    • Hallo Ella,
      es werden 2 täglich x 5-15 Tropfen der Tinktur in einem Glas Wasser eingenommen oder pur auf die Zunge gegeben.
      Liebe Grüße
      Dennis

  6. Monika Stein

    Danke für diesen Artikel. Wir trinken erst seit fünf Tagen diesen Tee vom getrockneten Birkenporling und spüren schon leichte Verbesserung was Magenprobleme und Schlafstörungen angeht.

    Antworten
  7. diegedankensindfrei

    Vielen Dank, sehr gute Zusammenfassung und vor allem Dosierungstipps. Als Ergänzung: Auch Zunderschwamm und Feuerschwamm sind gute Heilpilze. Nur recht hart und schwer zu zerkleinern…

    Antworten
    • Danke für die ausführliche Bes Beschreibung.

      I hab a Frage:
      Vielleicht a blöde aber ich trinke beim Tee immer das Pulver mit. Spar ich mir dadurch die Tinktur oder kann der Körper die nicht wasserlöslichen Inhaltsstoffe so nicht aufnehmen?
      Und in welchem Stadion ist er eigentlich am gesündndesten?

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