Kräuterpfarrer Künzle: Der Mann, der “Unkraut” servierte

Kräuterpfarrer Künzle: Leben, Bücher und Produkte. Warum sein Kräuterwissen bis heute relevant ist und was du daraus mitnehmen kannst.

Vielleicht kennst du jemanden, der Giersch rupft, über Brennnesseln flucht und alles auf den Kompost wirft. Darüber würde irgendwo ein Pfarrer aus der Ostschweiz wahrscheinlich verwundert den Kopf schütteln. Johann Künzle, der Kräuterpfarrer, war überzeugt: Die besten Heilpflanzen wachsen nicht in fernen Ländern, sondern direkt vor deiner Haustür. Genau das macht ihn bis heute so aktuell.

Das Leben von Johann Künzle

Johann Künzle wurde 1857 in Hinterespen bei St. Gallen geboren und wuchs auf einem Bauernhof auf. Früh lernte er Pflanzen kennen, später studierte er Theologie und Philosophie und wurde 1881 zum Priester geweiht.

Als Pfarrer wirkte er in mehreren Gemeinden. Besonders bekannt war er in Wangs (1909 bis 1920). Dort kamen immer mehr Menschen zu ihm, weil er ihnen mit Kräuterwissen und einfachen Hausmitteln half.

Das blieb nicht ohne Konflikte. Ärzte kritisierten seine Rolle als Heilkundiger und auch innerhalb der Kirche gab es Gegenwind, weil seine Kräuterpraxis immer mehr Raum einnahm. Schließlich wurde er versetzt, baute in Zizers seine „giftfreie Heilkräuterpraxis“ aus und legte sogar ein Examen vor einem Ärztekollegium ab, um praktizieren zu dürfen.

Künzle machte Wissen greifbar, nahm Menschen die Scheu und zeigte, dass regionale Pflanzen eine Ressource sein können – nicht nur ein lästiges Problem.

Wenn die Menschen das “Unkraut” nicht nur ausreißen, sondern einfach aufessen würden, wären sie es nicht nur los, sondern würden auch noch gesund.

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Sein Werk: Bücher, Kalender, Kräuterwissen für alle

Künzle war nicht nur Seelsorger und Kräuterkundiger, sondern auch ein früher „Popularisierer“: Mit Büchern, Kalendern und leicht verständlichen Texten machte er Pflanzenwissen für viele Menschen zugänglich.

Sein bekanntestes Buch ist „Chrut und Uchrut“ (Erstausgabe 1911). Es wurde in mehrere Sprachen übersetzt und erreichte eine riesige Verbreitung. Häufig werden „über 2 Millionen Exemplare“ genannt. Das Buch stand früher in fast jedem Haushalt in der Schweiz und Süddeutschland neben der Bibel.

Später folgte „Das grosse Kräuterheilbuch“ (1945), ebenfalls ein Klassiker, der bis heute immer wieder aufgelegt wird.

Sein Prinzip war simpel: bezahlbare Hausmittel, Pflanzenkunde ohne Fachchinesisch – und trotzdem der klare Hinweis, dass es Fälle gibt, in denen ein Arzt nötig ist.

Für jede Krankheit ist ein Kraut gewachsen sei – man muss nur die Augen aufmachen.

Aus seiner Kräuterarbeit entstand zudem ein Kräuterhandel, der später in ein Unternehmen überging (Kräuterpfarrer Künzle AG, gegründet 1939). Auch moderne Handelsprodukte unter dem Namen Künzle findest du bis heute, etwa rund um Venen und Beine (z.B. „Pinus Pygenol“ und weitere Präparate).

Kräuterpfarrer Künzle zum Selbermachen

Du musst nicht alles fertig kaufen. Viele „Klassiker“ aus der Hausapotheke lassen sich mit wenigen Zutaten selbst machen. Hier sind einige Beispiele:

Giersch-Tee

Ein Tee mit Giersch schmeckt mild und wird traditionell dabei verwendet, Giftstoffe und überschüssige Harnsäure auszuspülen. Er wirkt somit der Übersäuerung des Körpers entgegen.

Meist wird Giersch nur als Unkraut gesehen, das sich im Garten vermehrt. Doch statt Giersch zu jäten, nutze Giersch als Heilkraut.

Spitzwegerich-Hustensirup

Ein Hustensirup mit Spitzwegerich ist wird traditionell bei Bronchitis, Lungenleiden und Husten angewendet. Denn die enthaltenen Schleimstoffe legen sich wie eine Schutzschicht auf die gereizten Schleimhäute. Darüber hinaus stärkt in den Blättern enthaltene Kieselsäure das angegriffene Gewebe.

Der Spitzwegerich ist ein altbekanntes Mittel bei Bronchitis. Finde heraus, wie du einen Hustensirup mit Spitzwegerich herstellst.

Waden-Öl mit Rosskastanie (äußerlich)

Ein unkompliziertes Öl für müde Beine – perfekt nach einem langen Tag.

Zutaten:

  • 4–6 Rosskastanien (oder alternativ 2 EL getrocknete Kastanienstücke)
  • 200 ml Olivenöl oder Rapsöl
  • 1 sauberes Schraubglas, feines Sieb/Filter

So geht’s:

  1. Öl vorbereiten

    Kastanien grob hacken (Handschuhe helfen, sie sind hart). Alles ins Schraubglas geben und mit Öl bedecken.

  2. Ziehen lassen

    2–3 Wochen ziehen lassen (dunkel, zimmerwarm), alle paar Tage schütteln.

  3. Abseihen

    Abseihen, in eine dunkle Flasche füllen.

Anwendung: Abends von den Knöcheln Richtung Knie einmassieren.

Hinweis: Nur äußerlich verwenden, nicht auf offene Hautstellen. Bei plötzlichen, starken Schmerzen/Schwellung/Wärme im Bein bitte ärztlich abklären.

Brennnessel-Suppe

Die Brennnessel ist nicht nur eine wunderbare Heilpflanze, sie kann auch in der Küche in vielen Gerichten verarbeitet werden. Einer der Klassiker ist eine leckere Brennnesselsuppe. Sie ist schnell zubereitet und du brauchst nur wenige Zutaten.

Brennnesselsuppe zubereiten leicht gemacht. Wildkräuter Rezept mit frischen Brennnesseln und Kartoffeln. Ideal vom Frühjahr bis Herbst.

Wirkung bis heute: Warum Künzle bleibt

Künzles Ansatz, Heilpflanzen aus der direkten Umgebung zu nutzen, ist bis heute inspirierend. Gleichzeitig wissen wir jetzt: Einige seiner Aussagen zu Heilwirkungen sind zu pauschal oder stark. So beschreibt er etwa Heidelbeerblätter-Tee als „insulinartig“ und empfiehlt ihn gegen „leichtere Fälle der Zuckerkrankheit“ (Diabetes). Zudem werden seine Diagnoseverfahren wie das Pendeln kritisiert.

Mir persönlich gefällt seine zupackende Herangehensweise: Schau hin, was wächst. Nutze es sinnvoll. Und mach es dir nicht komplizierter als nötig.

Hast du schon mal ein „Unkraut“ bewusst genutzt, statt es zu bekämpfen? Schreibe gerne in die Kommentare, was bei dir wächst – und was du daraus machst.

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Über mich

Seit einigen Jahren widme ich mich leidenschaftlich der Heilkräuterkunde. Ich experimentiere mit verschiedenen Methoden, um ihre Kräfte zu nutzen: von Räucherungen und Tees bis hin zu Salben und Ölauszügen. Meine Erfahrungen teile ich hier gerne mit dir und freue mich auf dein Feedback, um jeden Tag etwas Neues zu lernen.

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Ein Kommentar
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  1. Ines Schmid

    Liebe Eva, ich habe mich schon immer mit Kräutern beschäftigt. Ich denke ich habe dieses Wissen in mir und fühle mich eins mit der Natur. Ich esse und trinke hauptsächlich “Unkraut”, sammle die Kräuter übers ganze Jahr, mach Tee’s, Salben, Tinkturen und konnte auch schon vielen Menschen helfen. Viel Wissen habe ich auch aus deinem Kanal und bin sehr dankbar dafür. Der Mensch sollte sich wieder mehr mit der Natur verbinden und nicht mit dem Internet, denn gegen jede Krankheit ist ein Kraut gewachsen, nur nicht gegen Dummheit. Doch die Menschheit verdummt immer mehr.

    Antworten

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