Gelber Steinklee

Entdecke den Gelben Steinklee: Eine starke Heilpflanze für Venen & Lymphe. Tipps zu Anwendung, Rezepten und sicherem Erkennen.

Vielleicht bist du auch schon einmal an einem warmen Sommertag an einem Feldweg entlang spaziert und warst plötzlich umhüllt von einem süßen, fast berauschender Duft nach frisch gemähtem Heu und Vanille. Wahrscheinlich stehst du gerade vor dem Gelben Steinklee (Melilotus officinalis). Diese Pflanze, die oft über einen Meter hoch wird und mit ihren unzähligen kleinen, gelben Schmetterlingsblüten in der Sonne leuchtet, ist weit mehr als nur ein „Unkraut“. Er ist ein wahrer Spezialist für unsere Gefäße und ein wunderbarer Begleiter für alle, die sich leichte Beine und ein gesundes Lymphsystem wünschen.1

Geschichte und kulturelle Bedeutung

Die Geschichte des Gelben Steinklees als Heilpflanze reicht weit in die Antike zurück. Schon der berühmte griechische Arzt Hippokrates schätzte die Pflanze und setzte sie vor allem äußerlich ein, um Geschwüre zu erweichen und Entzündungen zu lindern. Im Mittelalter war der Steinklee ein fester Bestandteil der Klostergärten. Die Mönche und Nonnen nutzten ihn als Pflaster bei Schwellungen oder bereiteten Umschläge für müde Gliedmaßen vor. Interessanterweise wurde er früher auch oft in Kleiderschränke gehängt, um Motten zu vertreiben – daher rührt auch einer seiner Volksnamen “Mottenklee”.

Eine besonders spannende Wendung nahm die Geschichte des Steinklees in der modernen Medizin des 20. Jahrhunderts. In den 1920er Jahren bemerkten Landwirte in Nordamerika, dass Rinder, die verschimmeltes Steinklee-Heu gefressen hatten, an inneren Blutungen starben. Wissenschaftler wie Karl Paul Link untersuchten dieses Phänomen und entdeckten, dass sich das im Steinklee enthaltene Cumarin durch Pilzbefall in Dicumarol verwandelt hatte – einen starken Blutgerinnungshemmer. Diese Entdeckung war der Grundstein für die Entwicklung moderner Medikamente zur Blutverdünnung und sogar für Rattengift (Warfarin). Für uns Menschen bedeutet das: In frischer oder korrekt getrockneter Form ist die Pflanze ein Segen für die Venen, doch bei der Lagerung muss man extrem sorgfältig sein.

Der Gelbe Steinklee in der Ernährung

In der Küche ist der Gelbe Steinklee ein echter Geheimtipp für Feinschmecker. Sein Aroma verdankt er dem Inhaltsstoff Cumarin, der sich besonders stark entfaltet, wenn die Pflanze leicht angewelkt ist. Er schmeckt süßlich-würzig und erinnert stark an Waldmeister oder Vanille. Du kannst fast alle Teile der Pflanze verwenden, solltest sie aber aufgrund des Cumarins nur in Maßen genießen, da zu große Mengen Kopfschmerzen verursachen können. Die jungen Blätter passen im Frühjahr fein gehackt in Wildkräutersalate, während die Blüten im Sommer eine fantastische Zutat für Süßspeisen sind.

Wenn du den Steinklee probieren möchtest, empfehle ich dir ein Steinklee-Aroma-Zucker. Mische dazu eine Handvoll leicht angewelkte Blüten mit herkömmlichem Zucker und lass das Ganze einige Tage ziehen. Dieser Zucker gibt Gebäck oder Obstsalaten eine unvergleichliche Note. Auch in herzhaften Gerichten macht er sich gut – probiere doch mal ein Steinklee-Pesto aus den jungen Triebspitzen, kombiniert mit Walnüssen und einem milden Olivenöl. Das herbe Aroma des Klees gibt dem Pesto eine ganz besondere Tiefe.

Die Blüten des Echten Steinklees können zum Aromatisieren von Speisen und Getränken, z.B. Limonaden und Likören genutzt werden.

Steinklee-Marmelade

Echter Steinklee passt gut zu Früchten wie Kirschen, Marillen oder Johannisbeeren, die zur gleichen Zeit reifen wie die Steinkleeblüten. Probiere doch einmal eine Marillen-Steinklee-Marmelade aus!

Du brauchst:

  • 500 g Früchte
  • 250 g Gelierzucker (2:1)
  • 2-3 EL Steinkleeblüten

So bereitest du die Marmelade zu:

  1. Steinkleeblüten vom Stängel abstreifen und mindestens 24 Stunden anwelken lassen.
  2. Früchte waschen und gegebenenfalls entsteinen.
  3. Früchte mit Gelierzucker nach Packungsangabe einkochen.
  4. Zum Schluss Steinkleeblüten hinzufügen und pürieren.
  5. In desinfizierte Schraubgläser füllen und verschließen.

Heilende Anwendungen: Power für die Venen und die Lymphe

Die moderne Wissenschaft hat bestätigt, was die Volksheilkunde schon lange wusste: Steinklee wirkt ödemprotektiv. Das bedeutet, er hat Einfluss auf den Lymphabfluss und verhindert so, dass Flüssigkeit aus den Adern ins Gewebe austritt.2 Das ist besonders hilfreich bei chronischer Venenschwäche, wenn die Beine abends schwer sind und die Knöchel anschwellen. Hauptverantwortlich dafür sind die Cumarine, Flavonoide und Saponine.3

In der Volksheilkunde wird er zudem bei Verdauungsbeschwerden und als leichtes Beruhigungsmittel eingesetzt. Äußerlich wirken Umschläge mit Steinklee-Extrakt wunderbar bei Prellungen, Verstauchungen und oberflächlichen Blutergüssen, da er den Abtransport von Entzündungsstoffen beschleunigt.

Vorsicht: Wenn du bereits Blutverdünner einnimmst oder unter einer Lebererkrankung leidest, solltest du auf Steinklee verzichten. Auch in der Schwangerschaft und Stillzeit ist die Anwendung nicht ratsam, da keine ausreichenden Daten zur Sicherheit vorliegen.

Steinklee-Tee

Eine weitere tolle Idee ist ein Steinklee-Tee zur Entspannung. Du brauchst lediglich etwas getrocknetes Steinkleekraut und Wasser.

So bereitest du Steinklee-Tee zu:

  1. Überbrühe ein bis zwei Teelöffel blühendes Steinklee-Kraut mit 250 ml kochendem Wasser.
  2. Lasse das Ganze maximal fünf Minuten ziehen und seihe dann ab.

Aufgrund des lebertoxisches Potenzials von Cumarin darf Steinklee-Tee nur kurmäßig (maximal 1-2 Wochen) und in geringen Mengen (max. 1-2 Tassen pro Tag) getrunken werden. Von einer langfristigen Einnahme ist dringend abzuraten.

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Steinklee-Tinktur

Äußerlich wird wird eine Tinktur in der Volksmedizin angewendet und leistet gute Dienste bei Prellungen oder oberflächlichen Blutergüssen. Hierfür kannst du die Tinktur entweder pur auftupfen oder sie als Wirkstoff in eine selbstgemachte Salbe einrühren. Auch bei Migräne, die auf Durchblutungsstörungen zurückzuführen ist, berichten viele Anwender von einer lindernden Wirkung, wenn sie ein paar Tropfen auf die Schläfen einmassieren.

Von einer inneren Anwendung in Eigenregie würden wir aufgrund schwankender Wirkstoffgehalte eher abraten. Greife hierfür lieber auf standardisierte Fertigpräparate mit Dosierungsempfehlungen aus der Apotheke oder dem Online-Handel zurück.

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Kosmetik und Haushalt: Natürliche Pflege für müde Haut

Nicht nur innerlich, auch äußerlich ist der Gelbe Steinklee ein kleiner Alleskönner. Durch seine entzündungshemmende Wirkung ist er eine tolle Zutat für selbstgemachte Kosmetik.

Wichtig: Die Pflanzenteile müssen absolut trocken sein! Schon bei unsichtbarem Schimmelbefall kann sich das hochgiftige Dicumarol bilden, das die Blutgerinnung massiv stört. Bei kleinsten Zweifeln muss das Öl sofort entsorgt werden.

Steinklee-Öl

Um die volle Kraft des Honigklees zu nutzen, eignet sich ein Ölauszug aus Steinklee hervorragend. Das Öl dient als Lösungsmittel für die fettlöslichen Bestandteile und lässt sich wunderbar in die Haut einmassieren.

Steinklee und Öl im Schraubglas

Im Haushalt kannst du dir die Geschichte der Pflanze zunutze machen. Getrocknete Steinkleeblüten in kleine Stoffbeutel gefüllt, sind nicht nur ein wunderbarer Duftspender für die Wäschekommode, sondern halten eben auch unliebsame Insekten fern.

Im Garten ist der Steinklee übrigens ein hervorragender Bodenverbesserer. Er gehört zu den Leguminosen, die mit Hilfe von Knöllchenbakterien Stickstoff aus der Luft binden und im Boden anreichern. So düngt er ganz nebenbei deine anderen Pflanzen und lockt mit seinem Nektar Scharen von nützlichen Insekten an.

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Erkennung und Sammeltipps

Nutze den herrlich duftenden Echten Steinklee für Kräuterkissen, aromatische Getränke, Venensalben gegen schweren Beinen, Krampfadern, Besenreiser und viel mehr.

Bevor du losziehst und sammelst, ist es wichtig, die Pflanze genau zu kennen. Der Gelbe Steinklee ist ein imposantes Gewächs, das oft zwei Jahre alt wird. Im ersten Jahr bildet er nur eine Blattrosette, im zweiten schiebt er seinen kräftigen, oft rötlich angelaufenen Stängel bis zu 1,5 Meter in die Höhe.

  • Wuchsform: Aufrecht, reich verzweigt und buschig.
  • Blätter: Dreizählig gefiedert, wie man es von Klee kennt. Die Einzelblättchen sind länglich-eiförmig und am Rand fein gezähnt.
  • Blüten: Zahlreiche, sehr kleine gelbe Schmetterlingsblüten, die in langen, traubigen Blütenständen angeordnet sind.
  • Geruch: Ein sehr charakteristischer Duft nach Cumarin (Heu/Vanille), besonders intensiv beim Trocknen oder Welken.
  • Wurzel: Eine kräftige Pfahlwurzel, die tief in den Boden reicht.

Du findest ihn vor allem auf kalkhaltigen, eher trockenen Böden. Er liebt die volle Sonne und besiedelt gern Brachflächen, Schotterplätze und Wegränder. Sammeln solltest du das blühende Kraut (die oberen 20-30 cm der Pflanze) von Juni bis August.

Wichtiger Bestimmungstipp: Verwechsle ihn nicht mit dem Weißen Steinklee (Melilotus albus). Dieser sieht fast identisch aus, hat aber weiße Blüten und eine etwas schwächere Heilwirkung. Achte beim Sammeln unbedingt darauf, dass die Pflanze gesund aussieht und keine weißen Schimmelbeläge hat, um die Entstehung von giftigem Dicumarol zu vermeiden.

Tipps für den eigenen Anbau im Garten

Wenn du den Gelben Steinklee in deinen Garten holen möchtest, machst du alles richtig – vor allem, wenn du einen naturnahen Garten pflegst. Er ist extrem anspruchslos. Er braucht lediglich einen sonnigen Platz und einen Boden, der nicht zu sauer ist. Da er tief wurzelt, lockert er den Boden wunderbar auf. Du kannst den Samen einfach im Frühjahr oder Spätsommer direkt ins Freiland säen. Eine Düngung ist meist nicht nötig, da er sich selbst mit Stickstoff versorgt. Wenn er dir zu groß wird, kannst du ihn nach der Blüte einfach zurückschneiden. Sei dir aber bewusst, dass er sich gerne selbst aussät – er ist ein kleiner Wanderer im Garten.

  1. Pastore, W. et al. (1999). Effect of Melilotus officinalis extract on lymphedema. ↩︎
  2. M. Matos. Coumarin and Its Derivatives—Editorial. Published in Molecules 1 October 2021
    Chemistry, Medicine ↩︎
  3. EMA. European Union herbal monograph on Melilotus officinalis (L.) Lam., herba. 21 November 2017 EMA/HMPC/44166/2016 Committee on Herbal Medicinal Products (HMPC) ↩︎

Steckbrief

Kurzbeschreibung
Hochwüchsige Pflanze mit gelben Blütentrauben und dreizähligen, gezähnten Blättern. Duftet intensiv nach Heu.
Lateinischer Name
Melilotus officinalis
Andere Namen
Honigklee, Gewöhnlicher Steinklee, Gebräuchlicher Steinklee, Echter Steinklee, Bärenklee, Mottenklee, Meliotenklee, Goldklee, Schotenklee, Mottenkraut, Wetterklee, Siebenzeit
Familie
Hülsenfrüchtler (Fabaceae)
Erntemonate
Jun - Aug
Verwendbare Pflanzenteile
Blätter, Blüten
Blattform
dreizählig, länglich oval, unpaarig gefiedert
Blütenfarbe
gelb
Fundorte
Unkrautflure, Wege, Bahndämme, Ufer, Schuttplätze, Wege, Steinbrüche
Verwechslungsgefahr
Weißer Steinklee (weiße Blüten), evtl. Luzerne (andere Blütenfarbe/Form).
Giftigkeit
ungiftig
Hinweise zur Giftigkeit
Schwach giftig bei Überdosierung (Cumarin); toxisch für Tiere bei Schimmelbefall (Dicumarol).
Warnungen
Nicht bei Blutgerinnungsstörungen, Leberproblemen oder Schwangerschaft anwenden.
Inhaltsstoffe
Cumarin, Flavonoide, Gerbstoffe, Saponine
Eigenschaften
beruhigend, entzündungs­­hemmend, lymphanregend, wundheilend, zusammenziehend
Hilft bei
Hämorrhoiden, Lymphstau, Ödeme, Prellungen, Quetschungen, Schwellungen, Schwere Beine, Venenerkrankungen
Erkennung / Sammeltipps
Blühende Triebspitzen im Sommer bei sonnigem Wetter ernten; auf Schimmelfreiheit achten.
Anbau
Sonnig, kalkreich, trocken; Direktsaat im Frühjahr.

Über mich

Nach dem Studium in Nachhaltigem Tourismusmanagement begann Nesrin Nachhaltigkeit im Alltag umzusetzen. Wichtig ist ihr die Naturverbindung, aus der jedes nachhaltige Handeln entspringt.

Ein Kommentar
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  1. Anna Meier

    Liebes Team von Kostbare Natur,

    danke für die ausführliche Übersicht! Ich mache mir schon seit ein paar Wintern regelmäßig einen Steinklee-Tee bei Erkältungen und finde, er hilft wirklich gut, besonders wenn der Husten festsitzt. Das ist eine tolle natürliche Unterstützung in der kalten Jahreszeit.

    Herzliche Grüße,
    Anna Meier

    Antworten

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