Waldmeister
Der Waldmeister, botanisch Galium odoratum genannt, ist eine heimische Kräuterpflanze, die vor allem durch ihren angenehm süß‑heuartigen Duft auffällt. Er wächst meist im schattigen Wald unter Bäumen und spürt man seinen Duft, erinnert er an frisches Heu oder Waldluft.
In der Anwendung wird er sowohl als Würz‑ und Aromakraut geschätzt (beispielsweise für die traditionelle Maibowle) als auch volksheilkundlich zur Förderung von Entspannung, Verdauung und leichter Leber‑ und Galle‑Unterstützung eingesetzt.
Der Hauptwirkstoff ist das Cumarin, das beim Welken und Trocknen entsteht und dem Waldmeister seinen charakteristischen Duft verleiht.
Kulturelle Bedeutung, Geschichte und Herkunft
Der Waldmeister ist in weiten Teilen Europas heimisch, von Spanien über Mitteleuropa bis nach Russland und ist zudem auch in Teilen Westasiens vertreten. In Mitteleuropa wächst er häufig in feuchten, schattigen Laub‑ oder Buchenwäldern. Sein Name „Waldmeister“ wird manchmal als „Meister des Waldes“ interpretiert, also eine Pflanze, die im schattigen Unterholz eine führende Rolle spielt.
In der Volksheilkunde wurde der Waldmeister schon im Mittelalter eingesetzt – etwa bei Leber‑ und Gallenleiden, Wassersucht, Kopfschmerzen oder Nervosität. In der katholischen Mythologie heißt es, dass die Jungfrau Maria ihr Kindsbett mit Waldmeister beduftete. Aus diesem Grund wurde das Kraut auch heiliggesprochen. 1 Über die Jahrhunderte wurde er auch als Würz‑ und Aromakraut beliebt: Der Duft beim Verwelken macht ihn zum besonderen Aroma‑Traum für Bowlen, Süßspeisen und Getränke.
In der Ernährung
In der Küche kannst du Waldmeister zur Aroma‑Verfeinerung einsetzen – allerdings mit Augenmaß, da das enthaltene Cumarin in höheren Mengen gesundheitsrelevant sein kann (siehe unten).
Verwendet werden in der Regel die oberirdischen Teile vor oder kurz nach der Blüte. Oft wird das Kraut leicht angewelkt oder getrocknet, damit sich der typische Duft entfaltet.
Um das Aroma auf Speisen zu übertragen, lasse das getrocknete Kraut für 6–12 Stunden in Milch, Saft, Wasser oder Wein ziehen und nimm es dann heraus. Die Flüssigkeit kannst du anschließend zu beliebigen Süßspeisen weiterverarbeiten. Damit kannst du Puddings, Götterspeise, Eis, Bowle, Limonaden und andere Getränke mit Waldmeistergeschmack zubereiten.
Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung für köstliche Waldmeisterlimonade findest du hier.
Nutze für einen aromatischen Kräuterwein die Waldmeisterblüten. Dafür einfach für 12 Stunden im Wein einlegen.
Waldmeisterbowle
Es gibt viele verschiedene Rezepte für Waldmeister und deiner Phantasie sind keine Grenzen gesetzt. Früher wurden der Bowle außer Waldmeister auch noch andere Kräuter bei getan. Hier möchte ich dir solch ein eher ursprüngliches Rezept vorstellen.

Du benötigst:
- ein Bund welken Waldmeister
- eine Handvoll Walderdbeerblätter
- eine Handvoll Gundermannblätter
- 6 EL Zucker
- 3 L Weißwein
Zubereitung:
- Kräuter in einen großen Topf geben und Zucker darüberstreuen
- An einem warmen Ort für zwei Stunden ziehen lassen
- Wein darüber gießen und für drei Stunden ziehen lassen
- Abseihen und gekühlt servieren
Weitere kulinarische Rezepte für Waldmeister und 35 andere Pflanzen findest du in unserem Buchtipp:
Heilende Anwendungen
Auch wenn Waldmeister heute vor allem kulinarisch eingesetzt wird, findet er dennoch Anwendung in der traditionellen Pflanzenheilkunde. Volksheilkundliche Quellen nennen Effekte wie krampflösend, harntreibend, unterstützend bei leichten Leber‑ und Gallenbeschwerden sowie beruhigend bei nervöser Unruhe.
In der Phytotherapie wird es insbesondere aufgrund ihrer entzündungshemmenden und antioxidativen Eigenschaften geschätzt. Hauptsächlich liegt das an dem Inhaltsstoff Cumarin (in getrocknetem Zustand entsteht der Duft‑ und Wirkstoffteil), der Iridoid‑Glykoside (z. B. Asperulosid, Monotropein) sowie Bitterstoffen und ätherische Ölen, welche in der Pflanze in geringeren Mengen vorhanden sind.
Waldmeister-Tee
Der Duft und die mild beruhigende Wirkung von Waldmeister machen ihn zu einem beliebten Bestandteil von Kräutertees zur Entspannung. Aber du kannst das Kraut auch pur als Tee trinken. Traditionell wird er bei Migräne, Kopfschmerzen, Angst, Herzklopfen und Magen-Darm-Krämpfen eingenommen. In der Volksmedizin wurde das Kraut verwendet, um die „verlangsamte“ Leberfunktion zu stimulieren.
Für den Tee wird das blühende, getrocknete Kraut verwendet. Einen Teelöffel des Krautes mit 200 ml kaltem Wasser über Nacht ziehen lassen, abseihen und nach Wunsch leicht erwärmen. Maximal zwei Tassen am Tag trinken.
Äußerlich kannst du den Tee anwenden, um die Heilung von entzündeten Hautstellen zu unterstützen.2
Gefahren & Kontraindikationen:
Cumarin kann in höheren Dosen leberschädigend wirken (bei Tierversuchen nachgewiesen), weshalb die Tagesaufnahme begrenzt werden sollte. Es gilt: Nur kleine Mengen verwenden, nicht dauerhaft und nicht in hohen Dosierungen. Besonders bei Leber‑Problemen oder bei Schwangerschaft solltest du Rücksprache mit Fachpersonen halten. Der Waldmeister ersetzt keine medizinische Behandlung.
Waldmeister in Pflegeprodukten
Die beruhigende und schlaffördernde Wirkung des Waldmeisters kannst du mit einer selbst hergestellten Nachtcreme nutzen.
Waldmeister im Haushalt
Früher wurden Säckchen mit trockenem Waldmeister gefüllt und in den Kleiderschrank gelegt, um Motten fernzuhalten. Heutzutage wird dafür jedoch meist der wohlduftende Lavendel genutzt.
Erkennung und Sammeltipps

Waldmeister wächst vor allem in Buchenwäldern, doch auch unter Obstbäumen fühlt er sich wohl.
- Er wird bis zu 30 cm groß
- Der Stängel ist kantig und mit Blattquirlen besetzt
- Jeweils 6–8 rauhe, lanzettliche Einzelblätter sitzen an einem solchen Blattquirl
- Die Blätter sind 2–5 cm lang
- Die kleinen, weißen Blüten sitzen doldenartig am Ende des Stängels
- Beim Zerreiben der Blätter entströmt der markante Waldmeistergeruch
Anbautipps
Der Standort sollte schattig bis halbschattig sein, also z. B. unter Büschen, unter einem Baum oder an Nordseite des Hauses. Der Boden sollte humos, locker, durchlässig und leicht kalkhaltig bis neutral sein. Staunässe gilt es zu vermeiden, aber gleichzeitig sollte der Boden nicht völlig austrocknen. Die Pflanze verträgt feuchte, schattige Lagen gut.
Die Vermehrung gelingt gut durch Teilung im Frühling oder Herbst – Rhizome vorsichtig trennen und an den neuen Standort setzen. Im Garten wird er ca. 15‑25 cm hoch und breitet sich flächig aus; in einem Beet reicht das oft als Bodendecker.
Pflegeaufwand ist gering: gelegentlicher Rückschnitt nach der Blüte bzw. ausgelichtete Stellen nachsetzen. Dünge nur leicht mit Kompost im Frühjahr, vermeide übermäßige Stickstoffgaben, damit nicht das Blattwachstum auf Kosten der Duftstoffe geht.
Im Topf auf dem Balkon kann er ebenfalls gedeihen – beim Umtopfen auf ausreichend Tiefe und passende Erde achten. Ernte die Blätter vor der oder kurz nach der Blüte für kulinarische oder aromatische Zwecke.
Im Winter zeigt sich Waldmeister widerstandsfähig und benötigt meist keine besondere Überwinterung – doch in sehr strengen Lagen kann der oberirdische Teil zurückgehen und im Frühjahr neu austreiben.
- Ravindran P.(2018) The Encyclopedia of Herbs and Spices: Two Volume Set. CABI Publishing ↩︎
- Razzivina, V., Vasiljeva, A., Kronberga, A., Skudrins, G., Nakurte, I., Zogota, M., Mezaka, I., Pugovics, O., Grinberga, S., Dambrova, M. & Sile, I. (2024). Phenolic Content and Anti-Inflammatory Activity of Cultivated and Wild-Type Galium odoratum Extracts in Murine Bone Marrow-Derived Macrophages. Antioxidants, 13(12), 1447. ↩︎
Steckbrief
- Kurzbeschreibung
- Waldmeister ist uns vor allem als Aroma aus verschiedenen Süßspeisen und Limonaden bekannt, doch dieses Aroma ist meist künstlich hergestellt. Da Waldmeister häufig wild zu finden ist, kannst du die schon im 9. Jahrhundert bekannte Maibowle und andere Süßspeisen mit echtem Waldmeister selbst zubereiten. Er ist zudem ein sanftes Heilkraut, welches als Tee getrunken bei Kopfschmerzen und anderen Leiden hilft.
- Lateinischer Name
- Galium odoratum
- Andere Namen
- Herzfreude, Maiblume, Sternleberkraut, Waldmutterkraut, Gliedkraut, Tabakskraut, wohlriechendes Labkraut
- Familie
- Rötegewächse (Rubiaceae)
- Erntemonate
- Mrz - Jul
- Verwendbare Pflanzenteile
- Blätter, Blüten, Triebe
- Blattform
- lanzettlich
- Blütenfarbe
- weiß
- Fundorte
- Wälder
- Giftigkeit
- teilweise giftig
- Hinweise zur Giftigkeit
- schwach giftig bei übermäßigem Verzehr
- Warnungen
- Nicht gleichzeitig mit blutverdünnenden Mitteln einnehmen
- Inhaltsstoffe
- Bitterstoffe, Cumarine, Flavonoide, Gerbstoffe, Glykoside
- Eigenschaften
- beruhigend, entspannend, entzündungshemmend, krampflösend
- Hilft bei
- Brandwunden, Erkrankungen der Galle, Herzklopfen, Kopfschmerzen, Leberschwäche, Magenkrämpfe, Migräne, Schlafstörungen















Man soll das Kraut vor der Blüte für die Bowle ernten, weil die Blüten giftig sein können. Aber für den Tee soll man das blühende Kraut nehmen? Da stimmt doch was nicht?
Nein, die Blüten sind nicht giftig, sondern mit der Blüte steigt der Cumaringehalt (bzw. genauer der Gehalt an Cumaringlycosid) an. Aus diesem Grund verwendet man normalerweise, wenn es um das Waldmeisteraroma geht, stets das Kraut vor der Blüte. Es ist auch wichtig, es stets anwelken oder komplett trocknen zu lassen (siehe Beschreibung oben), weil sich erst dadurch das Cumaringlycosid in Cumarin umwandelt und der Cumaringehalt insgesamt abnimmt.
Beim Tee dagegen sind es gerade die gesundheitlichen Eigenschaften des Cumarins (u.a. blutverdünnend, entzündungshemmend, krampflösend und beruhigend), die erwünscht sind. Daher verwendet man hierfür vorzugsweise das Kraut zum Zeitpunkt des höchsten Cumaringehalts. Wichtig hierbei ist, die Mengengrenzen zu beachten, ebenso wie die individuell unterschiedliche Empfindlichkeit gegenüber Cumarin, und die Menge bei Bedarf zu reduzieren. Es spricht allerdings nichts dagegen, auch das Kraut vor der Blüte für Tee zu verwenden.
Liebe Grüße
Danke für diesen Artikel! Ich kannte Waldmeister bisher auch nur als Brause und als Eis. Das klingt sehr schön und ich werde die Augen nach dem Meister des Waldes aufhalten!