Schwarzdorn (Schlehe)
Die Schlehe (Prunus spinosa), auch Schwarzdorn oder Schlehdorn genannt, ist ein kraftvolles Wildgewächs, das seit Jahrhunderten für seine gesundheitlichen, kulinarischen und schützenden Eigenschaften geschätzt wird. Schon ihre weißen Frühlingsblüten sind ein Zeichen für den erwachenden Kreislauf der Natur, während die tiefblauen, herben Früchte im Herbst ihre ganze Heilkraft entfalten.
In der Volksheilkunde gilt die Schlehe als stärkendes, reinigendes und entzündungshemmendes Mittel. Ihre Anwendung reicht von immunstärkenden Tees bis hin zu vitalisierenden Elixieren.
Seit der Steinzeit begleitet sie den Menschen, was Funde von Schlehenkernen in prähistorischen Siedlungen belegen. Selbst Ötzi trug Schlehen bei sich. Heutige Zwetschgen, Mirabellen und Pflaumen sind Züchtungen aus dem ursprünglichen Schlehdorn.
Der botanische Name der Schlehe lautet Prunus spinosa. Sie gehört zur Familie der Rosengewächse (Rosaceae).
In der Ernährung
Erst nach ein paar Frostnächten sind Schlehen verzehrbar, vorher sind sie so bitter-sauer, dass sich beim Versuch sie zu essen, alles im Mund zusammenzieht. Wenn du die Fröste nicht abwarten willst, kannst du die Beeren auch für ein paar Tage ins Gefrierfach legen. Dann kannst du sie hervorragend für Mus, Gelees, Liköre oder Fruchtaufstriche verwenden. Auch getrocknet oder zu Saft verarbeitet sind sie wertvolle Begleiter in der kühleren Jahreszeit.
Essbar sind vor allem die Früchte, aber auch die Blüten finden Verwendung, z. B. für Tees oder Sirup. Die Früchte enthalten viel Vitamin C, Gerbstoffe, Fruchtsäuren und Flavonoide. Sie wirken antioxidativ, abwehrstärkend und stoffwechselanregend und schmecken auch pur direkt vom Strauch, wobei die Kerne nicht mitgegessen werden sollten.
Im März eignen sich die feinen, weißen Schlehdornblüten als Gewürz in Nachspeisen.
Schlehensaft
Schlehensaft selber zu machen ist eine einfache Möglichkeit, die herbstlichen Früchte des Schwarzdorns zu genießen Die dunklen Beeren liefern ein kräftiges Aroma und wertvolle Pflanzenstoffe. Mit etwas Ruhezeit entsteht ein intensiver Saft, der pur in kleinen Mengen oder in Getränken, Desserts und herzhaften Rezepten für Tiefe sorgt. Durch heißes Abfüllen bleibt der Geschmack lange erhalten.

Heilende Anwendungen
Die Schlehe enthält eine Vielzahl sekundärer Pflanzenstoffe, die als antioxidativ gelten.1 In Laborstudien konnten Extrakte der Schlehe freie Radikale bekämpfen.2 Ebenso wurden in Zellmodellen antientzündliche Effekte beobachtet.3 Blüten der Schlehe enthalten Flavonoide wie Kaempferol und Quercetin.4
Traditionell wird die Pflanze bei Erkältungskrankheiten, Appetitlosigkeit oder leichten Verdauungsproblemen angwendet. Ein immunstärkender Tee mit Schlehen oder Schlehensirup kann wohltuend wirken.
Achtung: Die rohen Kerne enthalten Blausäure und sollten nicht zerbissen oder in großer Menge verzehrt werden. Auch bei Menschen mit empfindlichem Magen kann der hohe Gerbstoffgehalt zu Reizungen führen.
Schlehenblütentee
Aus den zarten Blüten der Schlehe lässt sich ein wohlschmeckender Tee bereiten. Er unterstützt traditionell bei Erkältung, Fieber, zur Magenstärkung, bei Verstopfung und krampfartigen Schmerzen. Pfarrer Kneipp verwendete ihn vor allem als unschädliches Abführmittel, welches auch für Kinder geeignet ist.5
Zur Zubereitung einen Esslöffel getrockneter oder frischer Blüten mit 200 ml 60-70 °C heißem Wasser übergießen und zugedeckt zehn Minuten ziehen lassen. Die Blüten können einfach mitgetrunken werden.
Körperpflege und Kosmetik
Die Schlehenblüte wird gerne für kosmetische Anwendungen genutzt. Ihre entzündungshemmenden und hautberuhigenden Eigenschaften machen sie zu einem guten Bestandteil in Gesichtswässern oder Hautölen.6 Ein selbstgemachtes Blütenwasser aus aufgegossenen, frischen Blüten kann bei gereizter Haut helfen und den Teint klären.
Aus den Schlehenblüten kann auch ein feuchtigkeitsspendender Ölauszug hergestellt werden. Traditionell wird es genutzt zur Pflege beanspruchter Haut.
Herstellung von Schlehenblütenöl:
- Ein ausgekochtes Schraubglas mit Schlehenblüten füllen
- Blüten etwas zusammendrücken und mit hochwertigem Bio-Olivenöl oder Mandelöl auffüllen, bis alle Blüten bedeckt sind
- Bei Zimmertemperatur ziehen lassen, regelmäßig schütteln und nach drei Wochen abseihen.
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Erkennung und Sammeltipps

Die Schlehe ist ein sommergrüner, stark verzweigter Strauch, der bis zu drei Meter hoch werden kann. Sie ist leicht zu erkennen, wenn man ihre typischen Merkmale kennt:
- Das Blütenmeer erscheint im März vor den Blättern
- Die Blüten sind weiß, nur 1 cm groß und fünfzählig
- Die Blätter sind 2–4 cm groß, oval bis lanzettlich und am Rand fein gezähnt
- Die Früchte sind zunächst grün und werden im reifen Zustand im Oktober dunkelblau, mit Reifüberzug, erbsengroß, kugelig
- Sie sind rund, mit einem dicken Kern in der Mitte und etwa haselnussgroß
- Die Rinde ist schwarz
- Die Dornen sind 2 cm lang und sehr spitz
Man findet Schlehen vor allem an sonnigen Waldrändern, in Hecken, an Feldwegen oder Böschungen. Sie liebt kalkhaltige, eher trockene Böden und ist sehr anspruchslos. Ihre Blütezeit beginnt je nach Region im März oder April.
Verwechslungen sind mit der Kirschpflaume (Prunus cerasifera) möglich, die jedoch größere, weichere Früchte und keine Dornen hat.
Anbautipps
Die Schlehe lässt sich auch gut im eigenen Garten oder auf dem Balkon ziehen, besonders als naturnahe Heckenpflanze. Sie benötigt einen sonnigen bis halbschattigen Standort und kommt mit magerem, durchlässigem Boden bestens zurecht. Staunässe sollte vermieden werden. Die Vermehrung erfolgt über Wurzelausläufer oder Samen. Geduld ist gefragt, denn Schlehen wachsen eher langsam.
Ein Rückschnitt im Winter oder Frühjahr ist sinnvoll, um die Verzweigung zu fördern. Da sie robust und pflegeleicht ist, eignet sie sich gut für naturnahe Gärten. Die Erntezeit für die Früchte beginnt im späten Oktober oder November.
- Negrean, O., Farcas, A. C., Pop, O. L. & Socaci, S. A. (2023). Blackthorn—A Valuable Source of Phenolic Antioxidants with Potential Health Benefits. Molecules ↩︎
- Karakas, N., Okur, M. E., Ozturk, I., Ayla, S., Karadağ, A. E. & Polat, D. Ç. (2019). Antioxidant activity and cytotoxic effects of Prunus spinosa L. fruit extract on various cancer cell lines. Medeniyet Medical Journal. ↩︎
- Magiera A., Polyphenol-Enriched Extracts of Prunus spinosa Fruits: Anti-Inflammatory and Antioxidant Effects in Human Immune Cells Ex Vivo in Relation to Phytochemical (2022). MDPI ↩︎
- Olszewska M., Flavonoids from the flowers of Prunus spinosa L. (2001). Pubmed. ↩︎
- Madaus G., Lehrbuch der biologischen Heilmittel. Band III mit Register. (2001). Georg Olms. ↩︎
- Bährle-Rapp M., Springer Lexikon Kosmetik und Körperpflege. (2012). Springer ↩︎
Steckbrief
- Kurzbeschreibung
- Die Schlehe ist vielen als wilder und undurchdringlicher Strauch bekannt, doch die Wenigsten wissen von ihren vielseitigen Heilkräften. Nicht nur für uns Menschen ist die Schlehe eine wertvolle Pflanze, auch für viele Tiere wie Igel, Haselmaus und eine Menge Vögel ist Schwarzdorn mit seinem dichten, dornigen Gestrüpp ein wichtiger Schutz- und Rückzugsort vor Fraßfeinden. Im frühen Frühjahr zur Blüte ist er eine wichtige Nahrungsquelle für Bienen und Schmetterlinge.
- Lateinischer Name
- Prunus spinosa
- Andere Namen
- Haferpflaume, Kietschkepflaumen, Saudorn, Schlaia, Schlechbeeri, Schliehen, Bocksbeerli, Schlingenstrauch, Schlinken, Silen, Sauerpflaume
- Familie
- Rosengewächse (Rosaceae)
- Erntemonate
- Mrz - Jun, Okt - Dez
- Verwendbare Pflanzenteile
- Blätter, Blüten, Früchte
- Blattform
- eilanzettlich
- Blütenfarbe
- weiß
- Fundorte
- Waldränder, Wegränder, Hecken
- Verwechslungsgefahr
- nicht bekannt
- Giftigkeit
- ungiftig
- Hinweise zur Giftigkeit
- Die Kerne enthalten Blausäure und sollten daher nicht mitverzehrt werden
- Inhaltsstoffe
- Flavonglykoside, Fruchtsäuren, Gerbstoffe, Pektin, Rutin, Vitamin C
- Eigenschaften
- entzündungshemmend, kräftigend, verdauungsanregend, zusammenziehend
- Hilft bei
- Erkältungen, Fieber, Harnwegsentzündungen, Magenkrämpfe, Verstopfung, Zahnfleischentzündungen


















Heute hab ich die Schlehen mal wie Kaugummi wegen Zahnweh gekaut. Mal abgesehen davon, dass ich sie wirklich lecker finde, ist jetzt auch das Zahnweh weg! Danke für den tollen Tipp!
Liebe Claudia, das freut mich zu hören, dass dir die Schlehen geschmeckt haben und dein Zahnweh weg ist! 😊 Es ist spannend, wie vielseitig diese kleinen Früchte sind. Allerdings würde ich vorsichtig sein, Schlehen wie Kaugummi zu kauen, da die Kerne Blausäure enthalten können, was in größeren Mengen problematisch sein könnte. Vielleicht beim nächsten Mal die Kerne ausspucken, um auf der sicheren Seite zu bleiben. Hast du schon andere Schlehen-Rezepte wie Saft oder Likör ausprobiert? Teile gern deine Erfahrungen!
Ich esse die auch ohne Frost, mir schmecken diese astringierenden Früchte. Habe heute welche gesammelt und weil ich keinen Plastikbeutel mit hatte, habe ich meine Taschentuch missbraucht, um sie nach Hause zu transportieren. Ich werde sie mit DMSO behandeln, dass extrahiert schnell die gesunden Inhaltsstoffe, aber vorher die Kerne entfernen, um keine Blausäure aus den Kernen zu bekommen.
Hallo kann man sie auch mit den Kernen im Schraubglas tun schütteln Saft 60 bis 70 Grad warm übergiessen 24 Stunden ruhen lassen 7 Tage machen habe vergessen es geht um Schlehen vielen Dank im voraus und liebe Grüsse.
Hallo, ich verwende ebenfalls DMSO, doch bisher nur pur oder in Verbindung mit CDL. Hat der Auszug mit DMSO geklappt und wie haben Sie diesen dann für sich genutzt?
Danke im Voraus für die Antwort.
Bärbel
Vielen Dank für diesen Beitrag! Ich habe auf meiner Joggingrunde sehr viele dieser Pflanzen und habe mich schon lange gefragt, ob ich nicht mal kosten sollte!
Likör daraus ansetzen ,schmeckt nach sehr viel mehr.
Aber Vorsicht, wo jetzt noch Beeren dran hängen würde ich auch nicht ran gehen.
Meist Straßenrand, die verschmähen sogar die Vögel.
ich bereite jedes Jahr daraus Likör mit Weinbrandverschnitt und Honig,
aber keine Beeren vom Strassenrand verwenden !!!
die Beeren benötigen aber einen Frost für die volle würzige Aromatik
na dann los,
in Grillenburg hängen noch einige.
freundlichst
Albrecht