Schopftintling

Der Schopftintling ist ein schwarz zerfließender Pilz. Dabei verfügt er über vielfältige kulinarische und heilende Eigenschaften.

Der Schopftintling (Coprinus comatus), manchmal auch Tintenschopfling genannt, ist ein dünnfleischiger Lamellen- und Speisepilz. Weil er nicht sehr lange haltbar ist und – einmal abgeerntet – schnellstmöglich verarbeitet werden muss, wird er im Handel oder auf dem Wochenmarkt praktisch nicht angeboten.

In der traditionellen Chinesischen Medizin (TCM) wird der Schopftintling vor allem für seinen positiven Einfluss auf den Blutzucker geschätzt.

Jenseits von Küche und Heilkunde wurde aus dem Schopftintling von der Antike bis ins Mittelalter hinein Schreibtinte hergestellt, indem man einige Exemplare in einer Schale zerfließen ließ, die Flüssigkeit abschöpfte und mit Gummi arabicum und Nelkenöl mischte.

In der Ernährung

Vielen stellt sich beim Pilzesammeln die Frage, ob der Schopftintling essbar ist. Das kann prinzipiell bejaht werden. Der Schopftintling ist ein hervorragender Speisepilz, solange er noch weiß und sein Hut noch geschlossen ist. Er besticht durch ein einzigartiges Aroma, das entfernt an Spargelspitzen erinnert – damit macht er seinem Trivialnamen Spargelpilz alle Ehre.

Damit er eine Delikatesse bleibt, ist es notwendig, den Schopftintling unbedingt binnen weniger Stunden zu verarbeiten.

Geröstete Brotzeit mit Schopftintlingen

Diese herzhafte Pilzbrotzeit mit Schopftintlingen ist schnell gemacht, schmeckt warm wie kalt und bringt den feinen Geschmack der wilden Pilze wunderbar zur Geltung. Perfekt für ein spätes Frühstück, eine unkomplizierte Mahlzeit oder als Snack zwischendurch.

Geröstete Brotzeit mit Schopftintlingen – einfaches Rezept mit Wildpilzen. In 25 Minuten zubereitet. Lecker und gesund.

Heilende Anwendungen

In der Naturheilkunde und der Traditionellen Chinesischen Medizin wird der Schopftintling schon sehr lange geschätzt, vor allem weil er die Verdauung anregt und den Magen beruhigt.

Heute interessiert sich auch die moderne Wissenschaft zunehmend für diesen Pilz, besonders wenn es um Diabetes geht. In experimentellen Studien zeigten bestimmte Inhaltsstoffe Effekte auf den Glukosestoffwechsel.1

Aber nicht nur beim Blutzucker, auch beim Schutz unserer Körperzellen zeigt der Pilz Wirkung: Forscher haben im Labor beobachtet, dass Inhaltsstoffe des Schopftintlings das Wachstum von bestimmten Krebsarten bremsen können, die durch Hormone gesteuert werden, wie etwa Prostatakrebs.2 Diese Ergebnisse stammen jedoch aus Laborstudien und lassen sich nicht direkt auf den Menschen übertragen.

Zudem ist der Pilz reich an Antioxidantien, die helfen, schädliche Stoffe abzuwehren und Stress in den Zellen zu verringern – etwa nach Alkoholkonsum oder bei ungesunder Ernährung.3

Da man allerdings riesige Mengen frischer Pilze essen müsste, um diese starken Heilwirkungen zu erzielen, greift man für medizinische Zwecke meist auf konzentriertes Pilzpulver oder Kapseln zurück.

Schopftintlinge in Pulverform

Die Pilze zu trocknen ist extrem schwierig, da der Wärmeprozess oft die Verflüssigung beschleunigt, bevor die Trocknung einsetzt. Durch sehr schnelles Dörren bei offener Tür kann es gelingen.

Auch ein alkoholischer Auszug kann mit getrocknetem Schopftintling hergestellt und zur Prävention oder Krankheitsbehandlung angewandt werden.

Nebenwirkungen von Schopftintlingen

Nach dem Verzehr bzw. der Einnahme von Schopftintlingen kann es zu einer harmlosen Schwarzfärbung des Stuhls kommen. Anders als bei dem Grauen Faltentintling kommt es beim gleichzeitigen Konsum von Alkohol und Schopftintlingen nach aktuellen Erkenntnissen nicht zu negativen Wechselwirkungen. Der Verzehr von überreifen Exemplaren kann zu Magen-Darm-Beschwerden führen.

Erkennung und Sammeltipps

Der Schopftintling wächst gern auf stickstoffreichen, lehmigen Böden und lässt sich vom Spätsommer bis in den Herbst hinein auf Weiden, Wiesen und Waldlichtungen blicken. Wer den Schopftintling kultivieren möchte, kann ihn ohne Probleme mit entsprechenden Kulturen aus dem Gartencenter oder Internetshop auf dem Kompost- oder Misthaufen ansiedeln.

So erkennst du einen Schopftintling in freier Wildbahn:

  • Der Hut ist säulen- oder eiförmig, cremeweiß mit fransigen Schuppen auf der Oberseite. Meist weist der Hutscheitel eine dezente Braun- bis Ockerfärbung auf.
  • Mit der Zeit beginnen sich die Hutränder nach oben zu rollen, nehmen dabei eine glockenförmige Gestalt an und zerlaufen zu einer schwarzen Flüssigkeit.
  • Die Fruchtkörper des Schopftintlings wachsen meist in Büscheln bzw. Gruppen und erreichen eine Höhe von bis zu 20 Zentimetern.
  • Der Stiel des Schopftintlings ist anfangs vollständig vom geschlossenen Hut verhüllt, kommt im Laufe der Reifung zum Vorschein und wächst dann noch einmal in die Länge. Er ist hohl mit flüchtigem Ring und verdickter Stielbasis.
  • Die Lamellen sind erst weiß bis zartrosa. Mit dem Alter färben sie sich schwarz und verflüssigen sich zusammen mit dem Hutfleisch.
  • Die Sporen sind schwarz.
Schopftintling in verschiedenen Phasen.

Lange wurde angenommen, der Schopftintling würde sich ausschließlich durch das Zerfließen vermehren. Tatsächlich werden Sporen bereits vor der Selbstzersetzung an die Luft abgegeben.

Obwohl der Schopftintling zerbrechlich wirkt, wird in der Fachliteratur angegeben, dass er sogar asphaltierte Straßen durchstoßen kann.

Der Schopftintling und seine Verwechslungspartner

Eine Verwechslung mit anderen Pilzen ist aufgrund des typischen Aussehens unwahrscheinlich. Manchmal wird er mit Artverwandten, wie zum Beispiel dem Spechttintling, dem Schneeweißen Tintling oder dem Hasentintling, durcheinandergebracht.

Der Schopftintling und seine Verwechslungspartner Spechttintling, schneeweißer Tintling und Hasentintling.

Der Spechttintling

Der Spechttintling (auch Elstertintling genannt) ist im Vergleich zum Schopftintling kleiner. Verwechslungspotential besteht nur im jungen Stadium, da der Spechttintling mit dem Alter eine völlig andere Färbung aufweist: Sein Hut wird schwarz mit weißen Schleierfetzen, was an das Gefieder der namensgebenden Vögel erinnert. Der Spechttintling schmeckt fad, riecht unangenehm und ist, anders als der Schopftintling, kulinarisch und mykotherapeutisch (pilzheilkundlich) bedeutungslos.

Der Schneeweiße Tintling

Auch der Schneeweiße Tintling bleibt in seinem Wuchs kleiner als der Schopftintling. Der Hut des Schneeweißen Tintlings ist nicht geschuppt, sondern dicht bedeckt mit mehligen, abwischbaren Flocken. Das Fleisch des Schneeweißen Tintlings ist gräulich, ohne markanten Geruch.

Der Hasentintling

Anders als der Schopftintling bringt es der Hasentintling nur auf bis zu zwölf Zentimeter Wuchshöhe und er hat eine weiße, puschelige Hutoberfläche. Auch der ringlose Stiel ist flockig-weiß und verjüngt sich nach oben hin.

  1. Ratnaningtyas, N. I., Hernayanti, H., Ekowati, N. & Husen, F. (2022). Ethanol extract of the mushroom Coprinus comatus exhibits antidiabetic and antioxidant activities in streptozotocin-induced diabetic rats. Pharmaceutical Biology, 60(1), 1126–1136. ↩︎
  2. Zaidman, B., Wasser, S. P., Nevo, E. & Mahajna, J. (2007). Coprinus comatus and Ganoderma lucidum interfere with androgen receptor function in LNCaP prostate cancer cells. Molecular Biology Reports, 35(2), 107–117. ↩︎
  3. Zhao, H., Li, H., Lai, Q., Yang, Q., Dong, Y., Liu, X., Wang, W., Zhang, J. & Jia, L. (2019). Antioxidant and hepatoprotective activities of modified polysaccharides from Coprinus comatus in mice with alcohol-induced liver injury. International Journal Of Biological Macromolecules, 127, 476–485. ↩︎

Steckbrief

Kurzbeschreibung
Der Schopftintling (Coprinus comatus) ist ein leicht erkennbarer, junger Speisepilz mit feinem Aroma, der frisch verarbeitet werden muss und traditionell wie auch in der Forschung wegen seiner Inhaltsstoffe geschätzt wird.
Lateinischer Name
Coprinus comatus
Andere Namen
Spargelpilz, Schopfpilz, Tintenpilz, Tintenschopfling, Porzellantintling, Eiertintling, Sasakure Hitoyotake, JiTui Mo, Mao Tou Gui San
Familie
Champignonverwandte (Agaricaceae)
Erntemonate
Apr - Nov
Verwendbare Pflanzenteile
Fruchtkörper, Hut, Stiel
Fundorte
bevorzugt stickstoffreiche, lehmige Böden, Wiesen, Weiden, Waldlichtungen und Gärten
Verwechslungsgefahr
Schneeweißer Tintling, Hasentintling, Spechttintling
Giftigkeit
ungiftig
Warnungen
überreife Exemplare können Magen-Darm-Beschwerden verursachen
Inhaltsstoffe
Beta-Glucan, Comatin, Essentielle Aminosäuren, Furane, Polysaccharide, Proteine, Vanadium, Vitamin B, Vitamin B2, Vitamin B3, Vitamin C
Eigenschaften
antibakteriell, antikarzinogen, blutfettsenkend, blutzuckersenkend, entzündungs­­hemmend, fungizid, immunstärkend, verdauungsfördernd
Hilft bei
Blutzucker, Diabetes, Immunschwäche, Krebs, Leberschäden, Übergewicht

Über mich

Seit seinem Journalistik-Studium widmet sich Dennis der Frage, ob Lifestyle-Themen grün sein können. Fasziniert vom alten Naturwissen unserer Vorfahren, hegt er ein großes Interesse an volksheilkundlichen Themen. Privat möbelt Dennis Sperrmüll von der Straße auf, versucht als Flexitarier noch seine kulinarische Mitte zu finden und lebt in einem Zimmerpflanzen-Dschungel.

7 Kommentare
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  1. Liebes Team, Schopftintlinge gehören auch zu meinen absoluten Lieblingen! Letzten Herbst hatten wir hier einige Exemplare auf der Wiese, die ich dann ganz schnell verarbeitet habe.
    Der Geschmack ist wirklich unvergleichlich – toll, dass ihr auch die heilenden Aspekte so gut beleuchtet habt.

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  2. Im Hochbeet Feldsalat gesät und 2 Wochen später Schopftintlinge geerntet 😁. Dank diesem Beitrag als Laie erkannt und wie vorgeschlagen auf geröstetem Brot genossen. Lecker! Danke und Gruß

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  3. Ich wollte ihn trocknen im Dörrer. Er ist aber rasch schwarz angelaufen darin.
    Kann ich das getrocknete Ergebnis trotz Schwärze noch zu und als Pulver verarbeiten und verwenden, oder heißt schwarz ungenießbar?

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  4. Und wie lange bleibt er in der pfanne ?

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  5. Rene Saal

    Für mich der beste Pilz weil ihn andere Pilzsammler oft stehen lassen und kaum bis keine Würmer hat. Der Geschmack ist einfach super. Wir braten ihn mit Semmelbrösel und Ei paniert , etwas Satz aber erst wenn er auf dem Teller ist. Einfach lecker.

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  6. Es gefällt mir sehr, dass er im Gegensatz zu vielen anderen Speisepilzen, fast das ganze Jahr zu finden ist.

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  7. Diesen Pilz erkenne ich als Laie auch gut. Danke für den guten Beitrag.

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