Mutterkraut

Mutterkraut hilft natürlich bei Migräne. Erfahre hier alles über die heilende Wirkung, die sichere Erkennung und bewährte Hausmittel.

Das Mutterkraut (Tanacetum parthenium) ist ein treuer Begleiter aus der Natur, der optisch stark an die echte Kamille erinnert. In der modernen Kräuterkunde wird diese kraftvolle Pflanze geschätzt – vor allem zur Vorbeugung von wiederkehrenden Kopfschmerzen und chronischer Migräne. Doch das feine Kraut kann noch viel mehr: Es beruhigt überreizte Nerven, bringt den weiblichen Zyklus in seine natürliche Balance und lindert krampfartige Beschwerden im Unterleib.

Von antiken Geburtshelfern und modernen Entdeckungen

Die Geschichte des Mutterkrauts beginnt im östlichen Mittelmeerraum, von wo aus es über Jahrhunderte hinweg die europäischen Gärten eroberte. Bereits in der Antike wusste der berühmte griechische Arzt Dioskurides die Pflanze sehr zu schätzen und setzte sie erfolgreich ein, um schwere Entzündungen zu lindern und hohes Fieber zu senken. Erfahrene Hebammen reichten den herben Aufguss der Pflanze bevorzugt an junge Mütter, um die Geburt zu erleichtern, die Plazenta abzulösen und schmerzhafte Nachwehen sanft zu mildern.

Im europäischen Mittelalter war das Kraut ein fester Bestandteil von Klostergärten, da Gelehrte wie Hildegard von Bingen ihm eine reinigende Wirkung zusprachen und es gegen die damalige Melancholie einsetzten.1 In der alten Volksmedizin galt es zudem als mächtige Schutzpflanze vor Krankheiten.

Im zwanzigsten Jahrhundert erlebte das Mutterkraut ein wissenschaftliches Comeback in Großbritannien, nachdem eine Patientin ihre chronische Migräne durch das tägliche Kauen der Blätter dauerhaft lindern konnte. Seitdem ist die Pflanze fest in der modernen, evidenzbasierten Phytotherapie etabliert.

Kann man Mutterkraut in der Küche verwenden?

Obwohl das Mutterkraut primär als wirksame Heilpflanze geschätzt wird, findet es aufgrund seines hocharomatischen Charakters auch einen Platz in der Wildkräuterküche. Die Pflanze schmeckt allerdings ausgesprochen bitter und intensiv würzig, weshalb du sie bei der Zubereitung stets sehr sparsam dosieren solltest. Essbar sind vor allem die jungen, zarten Frühlingsblätter sowie die frischen Blütenknospen vor der vollständigen Öffnung. Sie enthalten wertvolle Vitamine, insbesondere Vitamin C und verschiedene B-Vitamine, sowie wichtige Mineralstoffe wie Kalium, Kalzium und Magnesium, die den körpereigenen Stoffwechsel unterstützen.

Wenn du das Mutterkraut in deine Ernährung integrieren möchtest, kannst du zwei bis drei junge Blätter ganz fein schneiden und unter einen bunten Blattsalat mischen. Dort harmonieren sie wunderbar mit süßen Zutaten wie Apfelstücken und einem milden Honig-Dressing.

Welche heilende Wirkung hat Mutterkraut?

Die gesundheitlichen Effekte des Mutterkrauts sind inzwischen zu einem großen Teil hervorragend wissenschaftlich dokumentiert – vor allem die vorbeugende Wirkung bei chronischer Migräne.2 Die enthaltenen Sesquiterpenlactone, allen voran der intensiv erforschte Hauptwirkstoff Parthenolid, hemmen die übermäßige Freisetzung von Serotonin sowie entzündungsfördernden Prostaglandinen, wodurch sich die Häufigkeit und Intensität von Migräneattacken nachweislich reduzieren lassen.3

In der traditionellen Volksheilkunde wird das Kraut darüber hinaus bei rheumatischen Beschwerden, fieberhaften Erkältungen und Menstruationsschmerzen angewendet.

Die harmonische Kombination aus wertvollen Flavonoiden, ätherischen Ölen und Bitterstoffen sorgt dafür, dass die Pflanze krampflösend im Magen-Darm-Trakt wirkt und das Immunsystem sanft unterstützt.

Hinweis: Das Kauen frischer Blätter kann bei empfindlichen Menschen schmerzhafte Schleimhautentzündungen oder kleine Aphthen im Mundraum verursachen. Schwangere Frauen müssen gänzlich auf Mutterkraut verzichten, da die Inhaltsstoffe die Gebärmutter stimulieren und vorzeitige Wehen auslösen können. Auch bei einer bekannten Allergie gegen Korbblütler oder bei der Einnahme von blutverdünnenden Medikamenten ist eine vorherige Absprache mit medizinischem Fachpersonal dringend ratsam, um unerwünschte Wechselwirkungen zu vermeiden.

Mutterkraut-Tee

Als wärmender Haustee lässt sich ein halber Teelöffel der getrockneten Blätter mit heißem Wasser übergießen. Wenn du diesen Aufguss mit einem Löffel hochwertigem Honig verfeinerst, milderst du die starke Bitternote angenehm ab und regst gleichzeitig deine Verdauungssäfte an.

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Mutterkraut-Tinktur

Vorbeugend gegen Migräne hilft ein Alkoholauszug aus Mutterkraut. Erhältlich ist die Tinktur in Reformhäusern oder online, du kannst Tinkturen aber auch leicht selbst herstellen.

Verwende folgende Zutaten

  1. Mit Alkohol auffüllen

    Die frischen oder getrockneten Blüten in das Glas geben und mit Alkohol auffüllen, bis sie komplett bedeckt sind.

  2. Ziehen lassen

    Glas verschließen und vier bis sechs Wochen ziehen lassen.

  3. Abseihen

    Abseihen und in dunkle Fläschchen füllen.

Zur Vorbeugung gegen Migräne kannst du täglich dreimal 15 bis 20 Tropfen in Wasser verdünnt einnehmen.

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Sanfte Pflege für die Haut

In der modernen Kosmetik schätzen Fachleute Extrakte des Mutterkrauts wegen ihrer stark entzündungshemmenden Eigenschaften.

Wissenschaftliche Hinweise deuten darauf hin, dass gezielte Extrakte des Krauts gerötete, irritierte Haut spürbar beruhigen und den natürlichen Heilungsprozess bei leichter Akne oder umweltbedingten Hautschäden beschleunigen können. In der Volksheilkunde nutzt man den abgekühlten Mutterkraut-Tee traditionell für reinigende Gesichtskompressen bei unreiner Haut.

Mutterkraut-Hautöl

Für ein beruhigendes Mutterkraut-Hautöl füllst du ein sauberes Schraubglas zur Hälfte mit getrockneten Mutterkrautblüten und gießt es vollständig mit einem hochwertigen, kaltgepressten Mandelöl auf. Lass das geschlossene Glas für etwa vier Wochen an einem warmen, aber schattigen Ort ziehen und schüttele es täglich leicht durch. Nach dem sorgfältigen Abseihen durch ein feines Tuch erhältst du ein pflegendes Öl, das du ideal zur Beruhigung beanspruchter Hautstellen oder als entspannendes Massageöl für die Schläfen verwenden kannst.

Wichtig: In industriellen Pflegeprodukten wird der Hauptwirkstoff Parthenolid vorab gezielt entfernt, da er auf der Haut allergische Reaktionen auslösen kann. Wer empfindliche Haut hat, sollte bei selbstgemachten Auszügen vorsichtig sein und das Produkt vorab an einer kleinen Hautstelle testen.

Erkennung und Sammeltipps

Nutze das Mutterkraut als starkes Frauenheilmittel, gegen Migräneanfälle und zur natürlichen Behandlung von Insektenstichen.

Mutterkraut ist eine ausdauernde, krautige Pflanze, die auf den ersten Blick oft mit der echten Kamille verwechselt wird, sich jedoch durch markante Merkmale gut unterscheidet.

  • Wuchsform und Höhe: Das Kraut wächst auffallend buschig, stark verzweigt sowie aufrecht und erreicht im Sommer meist eine stattliche Höhe von dreißig bis achtzig Zentimetern.
  • Form und Anordnung der Blätter: Die Blätter sind wechselständig am Stängel angeordnet und präsentieren sich tief fiederspaltig gelappt, was ihnen ein fast farnartiges Aussehen verleiht.
  • Farbe und Beschaffenheit der Blätter: Sie zeigen eine charakteristische, auffallend hellgrüne bis gelblich-grüne Färbung und fühlen sich auf der Oberfläche angenehm weich an.
  • Typischer Geruch: Bereits bei einer ganz leichten Berührung verströmt das gesamte Kraut einen sehr intensiven, stark aromatischen und leicht bitteren Duft, der deutlich herber als der der Kamille ist.
  • Blüten und Blütezeit: Die kleinen Blütenköpfchen stehen in dichten Schirmrispen zusammen und erblühen von Juni bis September mit einem Kranz aus weißen Zungenblüten um ein leuchtend gelbes Zentrum.
  • Beschreibung der Wurzel: Unter der Erde verankert sich die Pflanze fest mit einer kurzen, spindelförmigen und reich verzweigten Wurzel.

Der natürliche Lebensraum des Mutterkrauts umfasst sonnige bis halbschattige Schuttplätze, Wegränder, alte Zäune und nährstoffreiche Brachflächen.

Für ein sicheres Sammeln solltest du die Pflanze am besten an einem sonnigen Vormittag schneiden, wenn die Blüten frisch geöffnet sind und der Gehalt an ätherischen Ölen sein Maximum erreicht.

Achte penibel darauf, das Mutterkraut nicht mit der echten Kamille zu verwechseln, welche im Gegensatz dazu hohle Blütenböden und fein fadenförmige Blätter besitzt, oder mit dem giftigen Rainfarn, dessen gelbe Blütenknöpfe keine weißen Randblätter aufweisen.

Kann man Mutterkraut im Garten anbauen?

Der Anbau von Mutterkraut im eigenen Garten oder auf dem heimischen Balkon gelingt selbst Anfängern mühelos. Sie bevorzugt einen vollsonnigen bis halbschattigen Platz und gedeiht am besten in einem gut durchlässigen, mäßig nährstoffreichen und eher trockenen Boden. Staunässe solltest du unbedingt vermeiden, da die empfindlichen Wurzeln sonst schnell faulen.

Du kannst die feinen Samen im zeitigen Frühjahr direkt ins Beet oder in einen ausreichend großen Topf säen. Da es sich um Lichtkeimer handelt, drückst du die Samen nur leicht an und bedeckst sie nicht mit Erde. Alternativ lässt sich das Kraut wunderbar durch Stecklinge oder die Teilung älterer Pflanzen im Herbst vermehren.

Ein regelmäßiger Rückschnitt direkt nach der ersten Hauptblüte im Sommer fördert einen kompakten Wuchs und regt oft eine zweite, wunderschöne Blütephase an. Zusätzlichen Dünger benötigt das ausdauernde Kraut kaum, sodass eine kleine Gabe Kompost im Frühjahr völlig ausreicht.

  1. Irmgard Müller. Die pflanzlichen Heilmittel bei Hildegard von Bingen: Heilwissen aus der Klostermedizin (German Edition). Verlag Herder GmbH ↩︎
  2. Diener, H. C., Pfaffenrath, V., Schnitker, J., et al. (2005): Efficacy and safety of 6.25 mg t.i.d. feverfew CO2-extract (MIG-99) in migraine prevention — a randomized, double-blind, placebo-controlled multi-centre trial. erschienen in Cephalalgia ↩︎
  3. Murphy, J. J., Heptinstall, S., Mitchell, J. R. (1988): Randomised double-blind placebo-controlled trial of feverfew in prevention of migraine. erschienen in The Lancet ↩︎

Steckbrief

Kurzbeschreibung
Ausdauernde, buschige Pflanze mit hellgrünen, farnartigen Blättern und kamillenähnlichen Blüten, die stark und herb duftet.
Lateinischer Name
Tanacetum parthenium (auch Chrysanthemum parthenium)
Andere Namen
Falsche Kamille, Zierkamille, Fieberkraut, Bocksblum, Breselkraut, Jungfernkraut, Mägdeblümen, Mählerkraut, Magdblum, Maraun, Mater, Materie, Matram, Matran, Matrenen, Matrenichen, Matron, Matronkraut, Mehlert, Meidblumen, Meter, Metern, Metra, Metter, Metterich, Mettram, Mettrs, Mütrich, Muattachrut, Muterkrut, Sonnenauge, Mutterkamille
Familie
Korbblütler (Asteraceae)
Erntemonate
Jun - Sep
Verwendbare Pflanzenteile
Blätter, Blüten, Triebe
Blattform
unpaarig gefiedert
Blütenfarbe
weiß
Fundorte
Wegränder, Schuttplätze, Gärten, Brachflächen, lichte Waldränder
Verwechslungsgefahr
Echte Kamille, Geruchlose Kamille, Römische Kamille, Rainfarn
Giftigkeit
ungiftig
Hinweise zur Giftigkeit
Ungiftig für Menschen, kann jedoch bei Kontakt Hautirritationen auslösen.
Warnungen
Nicht während der Schwangerschaft (wehenfördernd). Kann beim Kauen frischer Blätter Schleimhautentzündungen im Mund verursachen. Vorsicht bei Korbblütlerallergie.
Inhaltsstoffe
ätherische Öle, Bitterstoffe, Flavonoide, Sesquiterpenlactone
Eigenschaften
entkrampfend, entzündungs­­hemmend, fiebersenkend, menstruationsregelnd, Migräneprophylaxe
Hilft bei
Fieber, Hautentzündungen, Kopfschmerzen, Menstruationsbeschwerden, Migräne, Verdauungsprobleme
Erkennung / Sammeltipps
Erkennbar am intensiv herben Chrysanthemengeruch beim Zerreiben der gelbgrünen, gelappten Blätter. Ernte zur vollen Blütezeit.
Anbau
Unkompliziert, sonnig, durchlässiger Boden, Lichtkeimer, sät sich gerne selbst aus.

Über mich

Nach dem Studium in Nachhaltigem Tourismusmanagement begann Nesrin Nachhaltigkeit im Alltag umzusetzen. Wichtig ist ihr die Naturverbindung, aus der jedes nachhaltige Handeln entspringt.

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Ein Kommentar
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  1. Vielen Dank für die ausführlichen Tipps! Ich habe neulich probiert, mir bei den üblichen Herbstwehwehchen damit zu helfen, aber so richtig merke ich noch keine Besserung. 😔 Vielleicht braucht es einfach etwas mehr Zeit oder eine höhere Dosis?

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