Lavendel
Lavendel (Lavandula angustifolia) gehört zu jenen Pflanzen, die sofort ein Gefühl von Ruhe, Sommer und südlicher Wärme hervorrufen. Sein charakteristischer Duft wirkt ausgleichend und beruhigend, seine Blüten leuchten in Violetttönen und ziehen Bienen und Schmetterlinge an. Doch Lavendel kann viel mehr, als nur gut riechen: Er besitzt eine Vielzahl an heilenden und pflegenden Eigenschaften, die seit Jahrhunderten geschätzt werden. Sei es als Tee gegen innere Unruhe, als Badezusatz für besseren Schlaf oder in der Küche für mediterrane Aromen.
Herkunft, Geschichte und traditionelle Anwendung
Ursprünglich stammt der Lavendel aus dem Mittelmeerraum, insbesondere aus den warmen, trockenen Regionen Südfrankreichs, Spaniens und Italiens. Bereits im alten Rom wurde Lavendel zur Körperpflege und als Badezusatz genutzt. Der Name leitet sich vom lateinischen „lavare“ (waschen) ab.
In mittelalterlichen Klostergärten war Lavendel ein fester Bestandteil der Heilpflanzensammlungen.1 Hildegard von Bingen empfahl ihn bei Kopfschmerzen und nervöser Unruhe. Im 19. Jahrhundert setzten Parfumeure in der Provence vermehrt auf Lavendel, was zu seiner heutigen Verbreitung als Duft- und Heilpflanze beitrug. Auch im bäuerlichen Alltag wurde Lavendel verwendet: als Mottenschutz im Wäscheschrank, gegen Kopfläuse und zur Beruhigung bei Einschlafstörungen.
In der Ernährung
Auch wenn Lavendel in erster Linie als Duft- und Heilpflanze bekannt ist, spielt er gelegentlich auch in der Küche eine feine Rolle. Seine Blüten sind essbar und verleihen Speisen ein blumiges, leicht herbes Aroma, ähnlich wie Rosmarin, aber feiner. In der französischen Küche, insbesondere in der Provence, ist Lavendel Bestandteil der berühmten Gewürzmischung “Herbes de Provence”.
Lavendelblüten eignen sich wunderbar zum Aromatisieren von Zucker, Honig oder Sirup. Ein Lavendelsirup bringt eine elegante Note in Limonaden, Desserts oder Cocktails. Auch Lavendelkekse oder -eis sind eine raffinierte Abwechslung. Die Blüten enthalten ätherische Öle, Flavonoide und Gerbstoff: allesamt mit gesundheitsfördernder Wirkung.
Tipp: Reiche diesen saftigen Zitronenkuchen mit Lavendel nachmittags zu Kaffee oder Tee.

Lavendel-Marmelade
Aus den aromatischen Blüten kannst du leicht eine leckere Lavendel-Marmelade herstellen. Sie ist übrigens auch ein schönes Mitbringsel für liebe Menschen!

Heilende Anwendungen mit Lavendel
Wissenschaftlich belegt ist die beruhigende Wirkung von Lavendel auf das Nervensystem. Innerlich eingenommen als Kapsel kann Lavendel bei Schlafstörungen2, Unruhe und nervösem Magen helfen. Studien haben gezeigt, dass das Inhalieren von ätherischem Lavendelöl angstlösende Eigenschaften besitzt und sogar bei leichten Depressionen unterstützend wirken kann.3
Die wichtigsten Wirkstoffe sind Linalool und Linalylacetat, die in hoher Konzentration im ätherischen Öl vorkommen. Sie sind aber nur begrenzt wasserlöslich. Diese Bestandteile wirken antimikrobiell, entzündungshemmend und entspannend.4
In der Volksheilkunde wird Lavendel zudem bei Kopfschmerzen, Herzklopfen und Verdauungsproblemen eingesetzt. Auch äußerlich hat sich Lavendel bewährt: Als Badezusatz, Kompresse oder Massageöl kann er Muskeln entspannen und die Haut beruhigen.5
Allerdings sollte man Lavendel nicht in zu hoher Dosis anwenden. Besonders bei reinen ätherischen Ölen ist Vorsicht geboten. Sie gehören nicht in Kinderhände und sollten nicht unverdünnt auf die Haut gelangen. Auch Schwangere sollten Rücksprache mit ihrer Hebamme oder einem Arzt halten. Lavendel kann die Wirkung von Beruhigungs- oder Schlafmitteln verstärken.
Lavendelblüten-Tinktur
Eine selbstgemachte Lavendeltinktur kann bei vielerlei Beschwerden wie Nervosität, Magenkrämpfe, Kopfschmerzen, Depressionen, Angstzustände, Schlafstörungen und Übelkeit helfen.

Lavendel-Tee
Ein Tee aus Lavendelblüten wird bei denselben Beschwerden angewandt wie die Tinktur. Für eine Tasse überbrühst du zwei Teelöffel Blüten mit 200 ml kochendem Wasser. Nach zehn Minuten Ziehzeit kannst du den Tee, am besten vor dem Schlafengehen warm trinken. Trinke pro Tag nicht mehr als 3 Tassen. Seit Großmutters Zeiten ist auch ein schlafförderndes Milchgetränk als Naturheilmittel bekannt.
Viele weitere Informationen und Rezepte zu Tees mit Heil- und Wildpflanzen findest du in unserem Buch:
Lavendel-Öl
Diesen Ölauszug mit Lavendel kannst du zum Einreiben bei Entzündungen, Wunden und Narben auftragen. Auch als Salbengrundlage lässt es sich verwenden. In Form eines selbstgemachten Lavendelsprays (Wasser, Alkohol und ätherisches Öl) eignet es sich wunderbar als Raumerfrischer oder Kissenspray für besseren Schlaf.
Dafür brauchst du:
- 250 ml Pflanzenöl, z. B. Sonnenblumenöl
- eine Handvoll getrocknete Lavendelblüten
- Schraubglas
- Braunglasflasche, z. B. diese
So stellst du es her:
-
Lavendelblüten in das Schraubglas geben und mit dem Öl bedecken.
-
Verschließen und vier bis sechs Wochen ziehen lassen.
-
Am besten täglich schütteln, um Schimmelbildung vorzubeugen und die Inhaltsstoffe besser zu lösen.
-
Abseihen und in eine Braunglasflasche abfüllen.
Nach dem Filtern unbedingt dunkel und kühl lagern, da Licht die Wirkstoffe zerstört und das Öl ranzig werden lässt.
Dieses Öl kannst du auch sehr gut für eine selbstgemachte Lavendelsalbe verwenden.

Körperpflege mit Lavendel
Lavendel ist ein echter Alleskönner. In der Kosmetik wird er wegen seiner hautpflegenden und beruhigenden Wirkung geschätzt. Nutze die beruhigende Wirkung des Lavendels in einem Entspannungsbad, dem du entweder etwas selbstgemachtes Lavendel-Öl oder ein paar Tropfen ätherisches Lavendelöl hinzufügst.
Lippenbalsam mit Lavendel
Der wunderbare Duft und die heilenden Wirkstoffe des Lavendels machen ihn perfekt für einen selbstgemachten Lippenbalsam.

Heilsame Rezepte mit Lavendel und anderen Garten- und Wildpflanzen findest du auch in unserem Buchtipp:
Anwendungen im Garten
Weil Blattläuse den Geruch des Lavendels nicht mögen, wird er gerne von Gärtnern als Unterpflanzung bei Rosen genutzt. Wenn du den Lavendel früh im Jahr beschneidest, regst du seinen Wuchs an, sodass er erneut Blüten ausbildet.
Andere Anwendungen
Der Lavendel wirkt nicht nur im Garten gegen Insekten. In Duftsäckchen vertreibt er wirkungsvoll Motten und sollte in keinem Kleiderschrank fehlen, besonders bei anfälliger Wollkleidung ist er unerlässlich.
Erkennung und Sammeltipps

Lavendel kommt als Halbstrauch vor und wird zwischen 20 und 60, oftmals auch 100, selten 200 Zentimeter hoch. Im sonnigen Mittelmeergebiet kann er sein volles Aroma entwickeln. Denn je kälter die Gegend, desto weniger Aroma bildet er aus.
- Der Lavendel besitzt viele verholzte und verzweigte Stängel.
- Die graugrünen Blätter wachsen lineal und sind am Ende stumpf.
- Die 40 bis 50 mm langen Blätter sind gegenständig angeordnet.
- Sie sind zum Ende leicht eingerollt.
- Junge Blätter sind an Ober- und Unterseite graufilzig, später grün.
- Die blauvioletten Blüten sind in ährenartigen, bis zu 8 cm langen Scheinquirlen angeordnet.
- Die kurz gestielten Blüten bestehen aus Ober- und Unterlippen und entwickeln einen aromatischen Geruch.
- Die Blütezeit ist von Juni bis August.
Zum Sammeln empfiehlt sich der frühe Morgen, kurz nachdem der Tau abgetrocknet ist. Der beste Sammelzeitpunkt ist kurz bevor alle Blüten geöffnet sind, damit die ätherischen Öle sich nicht im Sonnenschein verflüchtigen.
Von Lavendel existieren im Handel viele Unterarten, die wie der Echte verwendet werden können. Aber Vorsicht: Wenn du Lavendel zur Beruhigung suchst, musst du unbedingt den Echten Lavendel (Lavandula angustifolia) nehmen. Andere Arten wie der Speik-Lavendel (Lavandula latifolia) enthalten viel Kampfer und wirken eher anregend und befreiend auf die Atemwege.
Anbautipps
Lavendel ist eine gerne gesehene Zierpflanze, im Garten und auf dem Balkon, wo er seinen intensiven Duft verströmt. Du kannst den Lavendel durch Samen ziehen, oder durch Stecklinge oder Teilstöcke vermehren, die du in ein lockeres Sand-Erde-Gemisch setzt. Lavendel mag nährstoffarme Böden. Setze die sonnenliebende Pflanze in Südrichtung, damit er sein volles Aroma entfalten kann.
Beachte, dass der Echte Lavendel auch unter anderen lateinischen Namen wie Lavendula angustifolia oder Lavendula vera im Handel erhältlich ist.
- Jost Benedum, Dieter Loew, Heinz Schilcher, Bernd Eberwein, Barbara Steinhoff . (2006) Arzneipflanzen in der traditionellen Medizin. Kooperation Phytopharmaka ↩︎
- Chen, T., Hiyama, A., Muramatsu, M. & Hinotsu, A. (2022). The Effect of Lavender on Sleep Quality in Individuals Without Insomnia. Holistic Nursing Practice, 36(4), 223–231. https://doi.org/10.1097/hnp.0000000000000528 ↩︎
- Yoo, O. & Park, S. (2023). Anxiety-Reducing Effects of Lavender Essential Oil Inhalation: A Systematic Review. Healthcare, 11(22), 2978. https://doi.org/10.3390/healthcare11222978 ↩︎
- EMA Assessment. (2012). Assessment report on Lavandula angustifolia Miller, aetheroleum and Lavandula angustifolia Miller, flos ↩︎
- Hugar, S. M., Gokhale, N., Uppin, C., Kajjari, S., Meharwade, P. & Joshi, R. S. (2022). The Effects of Lavender Essential Oil and its Clinical Implications in Dentistry: A Review. International Journal Of Clinical Pediatric Dentistry, 15(3), 385–388. ↩︎
Steckbrief
- Kurzbeschreibung
- buschiger Halbstrauch mit violetten Blütenähren und silbrig-grünen Blättern
- Lateinischer Name
- Lavandula officinalis
- Andere Namen
- Nervenkräutel, Narden, Lavander, Speick, Schwindelkraut. Spikatblüten, Spiklavendel, Tabaksblüten, Balsam, Balsamblümli, Fanda, Flander, Hirnkraut, Kleiner Speick, Lavandel, Narden, Nervenkraut, Römischer Thymian, Bettstroh
- Familie
- Lippenblütler
- Erntemonate
- Jun - Aug
- Verwendbare Pflanzenteile
- Blüten
- Blattform
- lineal
- Blütenfarbe
- blau, violett
- Fundorte
- trockene, felsige und sonnige Hänge
- Verwechslungsgefahr
- mit Schopflavendel und anderen Lavendelarten
- Giftigkeit
- ungiftig
- Warnungen
- Ätherisches Lavendelöl kann bei Asthma zu Atemproblemen und bei Babys und Kleinkindern im Mund und Nasenbereich angewandt zu Atemnot führen. Bei Überdosierung können Magen- und Darmreizungen auftreten. Durch die schlaffördernde Wirkung kann die Konzentration beeinträchtigt werden.
- Inhaltsstoffe
- ätherische Öle, Cumarine, Flavonoide, Gerbstoffe, Glykoside, Kampfer, Linalool, Linalylacetat, Monoterpene, Phytosterole, Saponine, Sesquiterpene
- Eigenschaften
- antibakteriell, antimykotisch, antiseptisch, antiviral, beruhigend, blähungslindernd, durchblutungsfördernd, entkrampfend, entzündungshemmend, nervenstärkend, schlaffördernd, wundheilend
- Hilft bei
- Angstzustände, Depressionen, Entzündungen, Erschöpfung, Hautprobleme, Husten, Insektenstiche, Kopfschmerzen, Kreislaufschwäche, Magen-Darmbeschwerden, Magenkrämpfe, Migräne, Narben, Nervosität, Schlafstörungen, Übelkeit, Wunden
- Erkennung / Sammeltipps
- intensiver Duft, schmale Blätter, violette Blütenähren, sonnige Standorte
- Anbau
- sonnig, trocken, durchlässiger Boden, Rückschnitt nach der Blüte
















Liebe Menschen von der kostbaren Natur, vielen Dank für die vielen Anregungen zum Lavendel. Gerade jetzt in der dunkleren Jahreszeit sind die Tipps für einen entspannenden Tee oder die Salbe super. ✨ Da weiß man gleich, was man aus den getrockneten Blüten zaubern kann. 😊
Liebes Team, ich kann bestätigen, dass Lavendel im Kleiderschrank gegen Motten hilft, das ist bei uns Standard. Gerade jetzt im Herbst packe ich auch immer ein paar trockene Blüten in kleine Säckchen, die ich bei unruhigen Nächten einfach neben das Bett lege.
Kann man nur den „echten Lavendel“ nutzen? Oder haben auch die Blüten aller sonst im Handel erhältlichen Lavendelpflanzen eine gesundheitsfördernde Wirkung? Genauso gut riechen tun sie ja auch…
Hier auf der Startseite zum Lavendel steht, dass man das Lavendelöl an einem dunklen Ort lagern soll. Auf der Detailseite zum Lavendelöl ist allerdings zu lesen, dass man es im Sonnenlicht ziehen lassen soll…. Wie ist es denn richtig? 🙂
Hallo Nisl, zwei Autoren, drei Meinungen 🙂 Das Öl kann an einem warmen, also mitunter auch leicht sonnigen Ort ziehen. Zu heiß sollte es aber nicht werden. Nachdem du das Öl gefiltert hast, empfiehlt sich eine kühle, dunkle Lagerung. So hält sich das Öl länger.
Habe gerade die Lavendel-Marmelade gemacht. Irgend etwas stimmt nicht. Wenn ich die Blüten mit dem wenigen Wasser püriere, bekomme ich eine ziemlich breiige Masse, die darüber hinaus wie ausgekochte Spinatpampe aussieht, und wenn dann noch im Verhältnis von 200g Lavendelmasse der Gelierzucker dazukommt, kann ich schon gar keine Gelierprobe machen. Was ist hier falsch?
Vielen Dank für den Hinweis Kerstin. Hier kam es anscheinend beim Einstellen zu einem Fehler. Nach Rücksprache mit der Autorin haben wir das Rezept korrigiert.