Hopfen
Der Hopfen (Humulus lupulus) hat viele Gesichter: Hauptsächlich wird er in der Bierherstellung verwendet. Doch zugleich besitzt er seit Jahrhunderten Bedeutung als traditionelle Heilpflanze. Seine beruhigenden, schlaffördernden und verdauungsfreundlichen Eigenschaften machen ihn zu einem geschätzten Kraut für Körper und Wohlbefinden.
Herkunft, Geschichte und kulturelle Bedeutung
Humulus lupulus stammt ursprünglich aus der gemäßigten Zone der Nordhalbkugel und kommt wild in Auwäldern, an Flussufern und in Gebüschen vor. In Europa wurde der Hopfen seit dem frühen Mittelalter kultiviert, lange bevor er zur zentralen Zutat des Bieres wurde.
Im Mittelalter und in der frühen Neuzeit war Hopfen bereits als Heilpflanze geschätzt. So empfahlen bekannte Botaniker wie Hieronymus Bock oder Leonhart Fuchs im 16. Jahrhundert Hopfen nicht nur als Gewürz fürs Bier, sondern auch als Arzneipflanze.
In alten Kräuterbüchern wurde Hopfen als beruhigend und appetitanregend beschrieben, als Mittel gegen melancholisches Gemüt, wenn die Menstruation ausbleibt, oder als Unterstützung für Verdauung und Stoffwechsel.
In der Ernährung
Von April bis Juli lassen sich oberirdisch die jungen, grünen Hopfentriebe – auch Hopfenspargel genannt – ernten. Sie schmecken wie Spargel und sind eine Delikatesse. Mit etwas Glück kannst du ihn im Frühling bei einigen Hopfenbauern bekommen. Es handelt sich um eine kostspielige Spezialität, da die Ernte sehr aufwändig ist. Frisch geerntet, kannst du ihn in Salate oder Suppen geben. Oder du genießt ihn mit Spaghetti – wie in diesem Rezept.

Rezept: Grüner Waldspargel mit Kräuterbröseln
Junge, grüne Hopfensprossen mit Garn zu kleinen Bündeln binden und in Salzwasser garen. In der Zwischenzeit etwas Butter schmelzen und Semmelbrösel darin goldbraun rösten. Mit frischen gehackten Wildkräutern verfeinern und die gekochten Spargelsprossen damit übergießen.
Die Hopfenblätter haben einen leicht bitteren, würzigen Geschmack. Das kann eine interessante geschmackliche Note geben, besonders in Kräutersalaten oder als aromatische Ergänzung zu Gemüsegerichten. Zusätzlich enthalten sie Bitterstoffe und ätherische Öle, die je nach Sorte und Erntezeitpunkt wertvolle Inhaltsstoffe liefern können.
Heilende Anwendungen
Hopfen wird seit vielen Jahrhunderten als Heilpflanze geschätzt. Moderne Forschung bestätigt einige der traditionellen Effekte. Zu den wichtigsten Wirkungen zählen Beruhigung, Schlafförderung und Unterstützung bei nervöser Unruhe.
In den Hopfen-Dolden (vor allem den weiblichen) stecken Bitterstoffe (vor allem die sogenannten α-Säuren wie Humulon und β-Säuren wie Lupulon), ätherische Öle, Gerbstoffe und Flavonoide. Diese Zusammensetzung verleiht dem Pflanzenmaterial seine entspannenden, angstlindernden und mild beruhigenden Eigenschaften.1
Wissenschaftlich belegt ist, dass Hopfenextrakte und -Zubereitungen sich günstig auf Schlaf und Entspannung auswirken können. Die Bitterstoffe und pflanzlichen Inhaltsstoffe wirken beruhigend und unterstützen den Schlafrhythmus.2 Insbesondere in Kombination mit Baldrian wurde die Wirksamkeit gut belegt.3 Darüber hinaus gelten Hopfenbestandteile als verdauungsfördernd und appetitanregend; dies macht ihn potenziell hilfreich bei leichten Verdauungsbeschwerden oder Appetitlosigkeit.4
Traditionell wurde Hopfen auch bei nervösen Magen- und Darmbeschwerden, Menstruationsproblemen, bei Blasen- oder Harnwegsinfektion sowie bei leichten Hautproblemen eingesetzt. Dies lässt sich auf seine krampflösende, beruhigende und antibakterielle Wirkung zurückführen.5
Doch wie bei allen Kräutern gilt: Hopfen ist kein Wundermittel. Seine beruhigende Wirkung zeigt sich meist bei milderen Beschwerden, nicht bei schweren Erkrankungen. Bei Schwangerschaft, heftigen Verdauungsproblemen oder schweren Erkrankungen sollte man ärztlichen Rat einholen.
Tinktur
In der Volksmedizin wird Hopfentinktur innerlich bei Einschlafstörungen empfohlen. Es empfiehlt sich, diese eine Stunde vor dem Schlafengehen einzunehmen.
Äußerlich kann die antibakterielle Hopfentinktur bei Wunden eingesetzt werden. Hierfür die Hopfentinktur direkt auf die Wunde auftragen und eintrocknen lassen, eventuell mit einer Mullbinde abdecken.
Hier findest du eine Anleitung zur Herstellung von Tinkturen.
Tee
Hopfen, mit Melisse und Baldrian gemischt, ergibt einen wohlschmeckenden Schlaf- und Beruhigungstee.
Übergieße dafür einen Teelöffel Hopfenzapfen mit einem Viertelliter kochendem Wasser. Danach 10 Minuten ziehen lassen und abseihen.
Körperpflege
Hopfenöl ist ein ätherisches Öl, das aus den Dolden des Hopfens gewonnen wird und vor allem wegen seiner beruhigenden, hautpflegenden und leicht antibakteriellen Eigenschaften geschätzt wird.
Herstellung von Hopfenöl:
- Ein paar Handvoll Hopfenzapfen in einem Schraubgefäß mit einem hochwertigen Pflanzenöl übergießen.
- Ein bis zwei Wochen vor Licht geschützt ziehen lassen.
- Abseihen und in einem desinfizierten Glas kühl und lichtgeschützt aufbewahren.
Weitere Anwendungen
In Bayern hat ein Duftkissen mit Hopfen neben dem Kopfpolster Tradition. Es wird traditionell verwendet, um das Einschlafen zu erleichtern.
In einigen alten Bibliotheken finden sich noch heute Hopfen-Dolden als Schutz vor Feuchtigkeit und Ungeziefer.
Dolden und Lupulin-Pulver eignen sich zum Räuchern und sollen bei innerer Unruhe und Anspannung helfen.
Die entspannenden Eigenschaften des Hopfens kann man sich auch in einem Badezusatz zunutze machen. Dafür eine Handvoll Dolden in eine alte Socke füllen, zu knoten und ins Badewasser legen.
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Erkennung und Sammeltipps

Humulus lupulus ist eine kräftige, mehrjährige, krautige Kletter‑ bzw. Schlingpflanze, die jedes Jahr aus einem Rhizom neu austreibt. Die Triebe sind dünn, hohl und besitzen kleine, ankerförmige Kletterhaare, mit denen sie sich an anderen Pflanzen oder Rankhilfen festhalten und emporranken. Bei guten Bedingungen können die Triebe 6 bis 8 Meter lang werden — in der Wildform meist 2–6 m.
- Die Blätter sind wechselständig angeordnet, lang gestielt, rau und borstig behaart. Sie sind oft deutlich gelappt (3–5 Lappen), mit grob gesägtem Rand. Das erinnert ein bisschen an Weinrebenblätter. Manche Blätter sind eher rundlich, andere stark gelappt.
- Hopfen ist zweihäusig: Es gibt männliche und weibliche Pflanzen. Nur an weiblichen Pflanzen bilden sich die charakteristischen Blütenstände – die sogenannten Hopfen-Dolden oder Zapfen. Sie werden zum Brauen, aber auch für Kräuterzwecke verwendet. Die männliche Pflanze bildet hängende, gelbgrüne Rispen. Die weiblichen Blüten sind unscheinbar.
- Die Dolden sind grüngelb bis goldfarben, riechen aromatisch und enthalten an ihren Vorblättern kleine Drüsen. Dort lagern sich Bitterstoffe, Harze und ätherische Öle ab.
- Die Stängel und Blattstiele der Kletterpflanze besitzen ankerartige Häkchen und sind rechtswindend.
Eine Verwechslungsgefahr besteht eher selten. Die Kombination aus Kletter‑Wuchs, kräftigen Ranken, gelappten Blättern und typischen Zapfen ist vergleichsweise markant. Doch wie bei allen Wildpflanzen empfiehlt es sich, sicherzugehen und ggf. mit einem zuverlässigen Pflanzenführer abzugleichen.
Frische Hopfenzapfen können bei empfindlichen Menschen allergische Reaktionen hervorrufen. Trage in dem Fall bei der Ernte Handschuhe.
Anbautipps
Wer Hopfen in seinem Garten kultivieren möchte, sollte darauf achten, dass ein Rankgerüst zur Verfügung steht und der Boden eher stickstoffreich ist. Hopfen verträgt keine Staunässe, sollte aber auch nicht zu trocken stehen.
Ab Mai kann man die Pflanze in ihrem Wachstum unterstützen, indem man die Ranken rechtswindend auf das Rankgerüst aufbringt.
Vor dem neuen Austrieb im Frühjahr die eventuell noch vorhandenen vertrockneten Triebe knapp über dem Boden abschneiden.
In Gegenden, wo Hopfen großflächig kultiviert wird, kann es verboten sein, männliche Pflanze zu ziehen. Diese müssen dann entfernt werden. Im Handel werden nahezu ausschließlich weibliche Pflanzen angeboten.
- Kyrou, I., Christou, A., Panagiotakos, D., Stefanaki, C., Skenderi, K., Katsana, K. & Tsigos, C. (2017). Effects of a hops (Humulus lupulus L.) dry extract supplement on self-reported depression, anxiety and stress levels in apparently healthy young adults: a randomized, placebo-controlled, double-blind, crossover pilot study. HORMONES, 16(2), 171–180. ↩︎
- Benkherouf, A. Y., Eerola, K., Soini, S. L. & Uusi-Oukari, M. (2020). Humulone Modulation of GABAA Receptors and Its Role in Hops Sleep-Promoting Activity. Frontiers in Neuroscience, 14, 594708. 8 ↩︎
- Schicktanz, N., Gerhards, C., Schlitt, T., Aerni, A., Müggler, E., De Quervain, D., Papassotiropoulos, A., Boonen, G., Drewe, J. & Butterweck, V. (2025). Effects of a Valerian‐Hops Extract Combination (Ze 91019) on Sleep Duration and Daytime Cognitive and Psychological Parameters in Occasional Insomnia: A Randomized Controlled Feasibility Trial. Brain And Behavior, 15(6), e70600. ↩︎
- Pusiak R. (2024). Can Hops (cones of Humulus lupulus L.) Cure What Ails You? Relating Hop Chemistry to Bioactivity. DOI:10.20381/ruor-30346 ↩︎
- Committee on Herbal Medicinal Products (HMPC) & Vlietinck, A. J. (2014). Assessment report on Humulus lupulus L., flos. ↩︎
Steckbrief
- Kurzbeschreibung
- Mehrjährige, kräftige Kletterpflanze mit hohlem, windendem Trieb, gelappten, rauen Blättern, blühend im Sommer; weibliche Pflanzen bilden aromatische Dolden (Zapfen) mit Bitterstoffen und ätherischen Ölen.
- Lateinischer Name
- Humulus lupulus
- Andere Namen
- Hoppen, Hopf, Echter Hopfen, Gemeiner Hopfen, Zaunhopfen, Hecken-Hopfen, Hupfen, Weiden-Hopfen, Wilder Hopfen, Gemeiner Hopfen
- Familie
- Hanfgewächse (Cannabaceae)
- Erntemonate
- Mrz - Okt
- Verwendbare Pflanzenteile
- Knospen, Samen, Triebe
- Blattform
- eiförmig, herzförmig
- Blütenfarbe
- gelb, grün
- Fundorte
- In der gemäßigten Zone der Nordhalbkugel — wild in Auwäldern, Fluss‑ und Bachufern, Hecken, Gebüschen; kultiviert in Gärten, Höfen, Hopfenanbaugebieten.
- Verwechslungsgefahr
- mit verwildertem Wein- Hopfen hat Haken auf Blättern und Sprossen
- Giftigkeit
- ungiftig
- Hinweise zur Giftigkeit
- Hopfen gilt als ungiftig bei sachgemäßer Verwendung. Bei Überempfindlichkeit oder in besonderen gesundheitlichen Situationen sollten Bitterstoffe und ätherische Öle mit Bedacht eingesetzt werden.
- Inhaltsstoffe
- ätherische Öle, Bitterstoffe, Flavonoide, Gerbstoffe, Humulon, Lupulon, Phytoöstrogene
- Eigenschaften
- beruhigend, entzündungshemmend, schlaffördernd, verdauungsfördernd, wundheilend
- Hilft bei
- Angstzustände, Nervosität, Schlaflosigkeit, Verdauungsprobleme, Wundheilung
- Erkennung / Sammeltipps
- Sammelzeit für Dolden: Juli–August. Achte auf weibliche Pflanzen mit reifen, festen Zapfen. Standort: feuchte, nährstoffreiche Böden an Auen, Hecken, Gehölzsäumen oder im Garten an Rankgerüst.
- Anbau
- Sonnig bis halbschattig, lockerer, gut durchlässiger Boden, Rankhilfe notwendig. Frühling oder Herbst zum Pflanzen; im Spätwinter zurückschneiden; ausreichende Nährstoffversorgung und ggf. Kompostdüngung.


















Schon lange überlege ich, wie ich besser zur Ruhe komme, und eure Anregungen zum Hopfentee oder einem Duftkissen finde ich wirklich super. Gerade in diesen dunklen Tagen ist guter Schlaf so wichtig, da werde ich das bald mal ausprobieren. Liebe Grüße, Anna Lena
Liebes Team, diese Pflanze klingt ja wirklich vielseitig! Ich wusste von der beruhigenden Wirkung, aber das mit den jungen Trieben als Spargelersatz finde ich sehr spannend für nächstes Frühjahr. Eine Frage hätte ich noch zu den Zapfen für Tee oder Tinkturen: Behalten sie ihre volle Wirkkraft auch über den Winter, wenn man sie im Spätsommer sammelt und gut trocknet? Ich würde nämlich gerne einen kleinen Vorrat anlegen für die dunkle Jahreszeit.
Elli
Vielen Dank für die gute Beschreibung. Nicht zu kurz aber ohne blabla. Sehr informativ.
Hallo! Manchmal wünsche ich mir mehr solcher Artikel. Vielen Dank. Grüße
Euere Seite ist einfach super! Ich finde sie immer höchst interessant und jetzt im neuen look ist es ein Grünes Genuss zum lesen.
Liebe Grüße aus Alto Adige-Südtirol und vor allem Danke🌲💚🌲👋