Echter Baldrian
Der Echte Baldrian (Valeriana officinalis) ist eine der bekanntesten Heilpflanzen. Vielen Menschen ist er vor allem als sanftes, pflanzliches Mittel gegen Unruhe und Schlafprobleme vertraut. Seine Wirkung wird insbesondere mit Beruhigung, Entspannung und einer förderlichen Wirkung auf den Schlaf in Verbindung gebracht. Er kann aber auch in Stressphasen, bei nervöser Anspannung, innerer Unruhe oder einfach zur Unterstützung eines ausgeglichenen Alltags hilfreich sein.
Gegessen wird er eher selten, ganz anders als sein enger Verwandter, der Feldsalat.
Herkunft, Geschichte und traditionelle Bedeutung
Der Baldrian ist in Europa heimisch und kommt wild auch in manchen Regionen in Asien sowie anderen gemäßigten Zonen vor. Schon in der Antike wurde er zu Heilzwecken genutzt: Damals setzte man ihn offenbar gegen allerlei Leiden ein – von nervösen Beschwerden, über Frauenleiden bis hin zu Magen‑ oder Leberproblemen. Im Mittelalter wurde er zur Linderung von Gicht, nervositätsbedingten Magenkrämpfen oder als Wurmmittel verwendet.1
Im Laufe der Zeit hat sich der Baldrian als klassisches beruhigendes und schlafförderndes Heilkraut etabliert. Bis heute zählt er zu den am meisten genutzten heimischen Arzneipflanzen.
Manche Mythen und alte Erzählungen besagen sogar, dass der Duft der getrockneten Wurzel Katzen und andere Tiere anzieht – daher auch der Name „Katzenkraut“. Aus eigener Erfahrung mit meinen Hauskatzen kann ich das bestätigen. Am besten, du lagerst die Wurzel außerhalb ihrer Reichweite.
In der Ernährung
Du kannst Baldrian auch in der Küche verwenden. Blätter, Blüten und sogar Samen sind essbar, wobei der Geschmack eher bitter bis herb sein kann.
Zarte Baldrianblätter kannst du als Gewürz in Salatsaucen oder auch in Gemüsegerichten verwenden.
Aus den fein aromatischen Blüten kannst du Kräuterlimonaden herstellen, oder du streust sie als Dekoration über Salate und Süßspeisen.
Heilende Anwendungen
Der Baldrian wird vor allem wegen seiner beruhigenden und leicht sedierenden Wirkung geschätzt. Viele Menschen greifen zu Baldrian bei Schlafstörungen, nervöser Anspannung oder Stress.
Die Wurzel enthält verschiedene wirksame Inhaltsstoffe: ätherische Öle, Sesquiterpene, Iridoide, Lignane und organische Säuren wie Valerensäure. Einige dieser Stoffe wirken im zentralen Nervensystem. Sie können ähnlich wie der Neurotransmitter GABA beruhigend wirken und dadurch entspannend und entkrampfend sein.
Trotz intensiver Bemühungen ist es bisher nicht gelungen, die wirksamkeitsbestimmenden Substanzen der Baldrianwurzel eindeutig zu benennen. Studien und traditionelle Erfahrung zeigen aber, dass Baldrian bei leichten nervösen Beschwerden, leichten Schlafproblemen2 und innerer Unruhe helfen kann. Wahrscheinlich liegt es am Zusammenspiel der Inhaltsstoffe.
In der Volksmedizin wurde Baldrian auch bei nervös bedingten Magen- und Darmproblemen, leichten Herz‑Kreislauf‑Beschwerden und allgemeinen nervösen Spannungen angewendet. Weiterhin wurden früher Leiden wie Menstruationsbeschwerden oder nervöse Krämpfe – also Frauenleiden – mit Baldrian behandelt.
Traditionell werden Baldrianwurzeltee getrunken oder die Tinktur eingenommen. Baldrian sollte immer kurweise für 4–6 Wochen verabreicht werden. Oft setzt die Wirkung nicht sofort, sondern erst nach Tagen ein.
Hinweis: Obwohl Baldrian als relativ sanftes Heilmittel gilt, gibt es dennoch Dinge, die du beachten solltest: Manche Menschen reagieren mit Magen-Darm-Beschwerden auf Baldrian. Da Baldrian beruhigend wirkt, kann er die Reaktionsfähigkeit beeinflussen — es wird daher empfohlen, nach der Einnahme für überschaubare Zeit nicht Auto zu fahren oder Maschinen zu bedienen. Während der Schwangerschaft, Stillzeit oder bei Kindern bis zu 12 Jahren wird von einer Anwendung eher abgeraten.
Tinktur
Eine Tinktur kannst du mit frisch geschnittener Baldrianwurzel angesetzen. Wurzelstückchen in ein Schraubglas geben und mit 45-prozentigen Alkohol übergießen, sodass alle Stückchen gut bedeckt sind. Schraubglas verschließen und bei Zimmertemperatur unter gelegentlichem Schütteln zwei Wochen ziehen lassen. Wurzelstückchen abseihen und die Tinktur in ein edunkle Tropfflasche geben. Abends ein bis zwei Teelöffel der Tinktur einnehmen.3
Du kannst die fertige Baldriantinktur auch in der Apotheke oder online kaufen.
Baldrianwurzeltee
Ein Tee mit Baldrianwurzel wird im Kaltansatz zubereitet. Dazu werden zwei Teelöffel Wurzelstückchen mit 250 ml kaltem Wasser übergossen, nach 8–12 Stunden durch ein Sieb gegossen und kalt oder leicht erwärmt getrunken.
Alternativ: 1 Teelöffel zerkleinerte Baldrianwurzel mit 150 ml kochendem Wasser übergießen und nach 10–15 Min. abseihen; 1–2 Tassen täglich (besonders 1 Tasse vor dem Schlafengehen).
Baldriankissen
Gegen Stress und als Einschlafhilfe kann auch ein mit Baldrianblüten gefülltes Kissen helfen. Dafür eignet sich ganz besonders eine Kombination mit anderen Kräutern. Mehr dazu findest du im Beitrag „Ruhig und entspannt schlafen – diese Kräuter helfen dir dabei“.
Badezusatz
Auch außerhalb der inneren Einnahme kann Baldrian praktisch sein – etwa als Badezusatz. Wer ein beruhigendes Vollbad genießen möchte, kann getrocknete Baldrianwurzel oder ein paar Tropfen Baldrianöl ins Badewasser geben; das kann entspannend wirken und insgesamt zur Beruhigung von Körper und Geist beitragen.
Mehr Informationen zu heilenden Kräutern im Badewasser findest du hier.
Viele weitere Tipps und Rezepte für Heilkräuter aus deinem Garten findest du in unserem Buch:
Erkennung und Sammeltipps

Der Baldrian ist eine mehrjährige krautige Pflanze. Er besitzt unterirdisch einen walzenförmigen Wurzelstock mit feinen Wurzeln, aus dem im Frühjahr ein hohler, aufrechter Stängel wächst.
- Die Blätter sind gefiedert und etwa 20 cm groß. Am Grund bildet die Pflanze oft eine „Rosette“, weiter oben sind die Blätter gegenständig am Stängel angeordnet.
- Die Pflanze erreicht eine Höhe von meist 50 bis 150 cm, in günstigen Fällen sogar bis zu 180 cm.
- Von Mai bis August (je nach Region und Witterung) erscheinen die Doldenrispen mit vielen kleinen Blüten – weiß bis rosafarben. Nach der Blüte bildet die Pflanze Früchte: kleine Nüsschen (Achänen), die meist mit einem schirmartigen Anhängsel versehen sind und vom Wind verbreitet werden können.
Wenn du selbst sammeln willst: Ideal ist ein feuchter Standort wie Wiesenränder, Bachufer, lichte Waldränder oder feuchte Wiesen. Baldrian bevorzugt nährstoffreiche, eher durchlässige Böden und gedeiht in Sonne bis Halbschatten. Traditionell werden die Wurzeln im Spätsommer bis Herbst ausgegraben (oft September bis Oktober), wenn die oberirdische Pflanze zurückgeht. Dann ist der Wirkstoffgehalt in der Regel am höchsten.
- Wichtl – Teedrogen und Phytopharmaka. (2015). https://doi.org/10.52778/9783804735217 ↩︎
- Bent, S., Padula, A., Moore, D., Patterson, M. & Mehling, W. (2006). Valerian for Sleep: A Systematic Review and Meta-Analysis. The American Journal Of Medicine, 119(12), 1005–1012. ↩︎
- Fischer-Rizzi S. Medizin der Erde. Legenden, Mythen, Heilanwendung und Betrachtung unserer Heilpflanzen. ↩︎
Steckbrief
- Kurzbeschreibung
- Mehrjährige, krautige Pflanze mit gefiederten Blättern, hohem, hohlem Stängel und rosafarbenen bzw. weißen Blütendolden; unterirdisch mit kräftigem Wurzelstock.
- Lateinischer Name
- Valeriana officinalis
- Andere Namen
- Katzenkraut, Stinkwurz, Hexenkraut, Augenwurzel, Mondwurz, Bullerjan, Tolljan, Allerweltsheil
- Familie
- Baldriangewächse (Valerianaceae)
- Erntemonate
- ganzjährig
- Verwendbare Pflanzenteile
- Blätter, Blüten, Wurzeln
- Blattform
- fiederteilig
- Blütenfarbe
- rosa, weiß
- Fundorte
- Feuchte Wiesen, Bach‑ und Uferbereiche, lichte Wald- und Wiesenränder — vor allem in Europa und gemäßigten Zonen
- Verwechslungsgefahr
- Gilt als gering; durch die typische Blattstruktur und die charakteristischen Blütendolden sowie den Duft bei getrockneter Wurzel gut unterscheidbar.
- Giftigkeit
- ungiftig
- Hinweise zur Giftigkeit
- In der üblichen, normalen Dosierung gilt Baldrian als sicher. Bei Schwangerschaft, Stillzeit und Kindern unter 12 Jahren wird jedoch oft von der Einnahme abgeraten. Mögliche Nebenwirkungen: Magen‑Darm‑Beschwerden, tagsüber erhöhte Müdigkeit oder Beeinträchtigung der Reaktionsfähigkeit — Alkohol und andere Beruhigungsmittel sollten vermieden werden.
- Warnungen
- Es wird empfohlen Baldrian nur in ärztlicher Begleitung anzuwenden.
- Inhaltsstoffe
- ätherische Öle, Flavonoide, Iridoiden, Isovaleriansäure, Lignane, Sesquiterpene, Valerensäure
- Eigenschaften
- beruhigend, entspannend, kräftigend, krampflösend, menstruationsregelnd
- Hilft bei
- Augenschwäche, Erkrankungen der Galle, Halsschmerzen, Herzbeschwerden, Hyperaktivität, Kopfschmerzen, Magenkrämpfe, Muskelschmerzen, Schlafstörungen, Verspannungen
- Erkennung / Sammeltipps
- Achte auf gefiederte Blätter, hohen hohlen Stängel und die Doldenblüten (weiß bis rosa). Wurzeln am besten im Herbst ausgraben — ideal ab dem 2. Standjahr. Standort: feuchte Wiesenränder, Ufer, halbschattige bis sonnige Lagen.
- Anbau
- Sonnig bis halbschattig, humoser und durchlässiger Boden, regelmäßige feuchte Versorgung; Topf oder Gartenbeet möglich; Wurzeln frühestens im 2. Jahr ernten.










Ich nehme die Tropfen auch schon länger bei Bedarf, das hilft wirklich gut um runterzukommen, ohne gleich müde zu werden.
Was mir immer gegen den strengen Geruch beim Ansetzen der Tinktur hilft, ist ein kleines Stückchen Orangenschale mit ins Glas zu geben.
Danke für eure Inspirationen, ich les hier immer wieder gern