Gewöhnliches Hirtentäschel
Vielleicht hast du es schon oft übersehen am Wegrand, zwischen Pflasterritzen oder mitten im Gartenbeet: Das Hirtentäschel (Capsella bursa-pastoris) ist eine zarte, unscheinbare Pflanze mit herzförmigen Fruchtständen und einer langen Geschichte in der Volksmedizin. Wer genauer hinschaut, entdeckt in ihm ein vielseitiges Wildkraut, das nicht nur Wildbienen Nahrung bietet, sondern auch uns Menschen in Küche und Hausapotheke unterstützen kann.
Sein Name „Hirtentäschel“ bezieht sich auf die kleinen, dreieckigen Schötchen, die an die Umhängetaschen früherer Hirten erinnern. In der Naturheilkunde gilt es als wichtiges blutstillendes Kraut. Eine Eigenschaft, die schon Hippokrates und Hildegard von Bingen beschrieben. Auch heute noch findet es Anwendung bei zu starker Menstruation oder kleinen Verletzungen.
Herkunft, Geschichte und traditionelle Bedeutung
Das Hirtentäschel ist nahezu weltweit verbreitet und ein typisches „Unkraut“ in Gärten, Äckern und Wegrändern. Seine ursprüngliche Heimat liegt vermutlich in Europa und Westasien. Schon in der Antike wurde es wegen seiner blutstillenden Wirkung bei Verletzungen und inneren Blutungen geschätzt.
Hildegard von Bingen empfahl es bei „blutenden Wunden und Unreinheiten“, und auch Pfarrer Kneipp setzte es bei Frauenleiden ein. Im Volksglauben galt es als Pflanzenhelfer für arme Leute, weil es überall verfügbar und vielseitig verwendbar war. Besonders in der Frauenheilkunde hat es einen festen Platz.
Hirtentäschel in der Ernährung
Auch wenn es hauptsächlich als Heilkraut bekannt ist, ist Hirtentäschel ebenso ein zartes Wildgemüse. Die jungen Blätter schmecken angenehm mild, leicht pfeffrig – eine Art Mini-Rucola. Sie können roh im Salat verwendet werden oder fein gehackt in Kräuterquark und Wildkräuterbutter.
Die enthaltenen Senfölglykoside sorgen für das leicht scharfe Aroma. Auch die kleinen grünen Schötchen und Blüten sind essbar. Sie passen gut in Wildkräuterpesto oder werden wie Kresse über Speisen gestreut. Die zarten Blätter enthalten Vitamin C, Eisen, Kalium und Magnesium.
Reife Samen werden wie Pfeffer verwendet oder zu Senf verarbeitet.
Die Wurzel ergibt getrocknet und gerieben ein ingwerartiges Gewürzpulver. Sie wird dazu im frühen Frühjahr vor der Blüte geerntet.
Heilende Anwendungen
Die bekannteste Wirkung von Hirtentäschel ist seine blutstillende und gefäßverengende Eigenschaft. Sie wird in der Phytotherapie z. B. bei starker Menstruation, leichten inneren Blutungen oder Nasenbluten eingesetzt.1 Verantwortlich dafür sind Flavonoide, Kaliumsalze, Tyramin und Acetylcholin2, die tonisierend auf die Gebärmutter- und Blutgefäße wirken.3
In der Volksmedizin wurde es innerlich als Tee bei Magenblutungen oder Hämorrhoiden verwendet. Äußerlich kam es als Umschlag bei Wunden, Hautausschlägen oder Nasenbluten zum Einsatz. Auch in der Geburtshilfe wurde es genutzt, um den Blutfluss nach der Geburt zu regulieren.
Hinweis: Hirtentäschel sollte in der Schwangerschaft nicht eingenommen werden, da es auf die Gebärmuttermuskulatur wirkt. Bei blutverdünnender Medikation ist ebenfalls Vorsicht geboten. In normalen Mengen ist es aber ungiftig.
Hirtentäschel-Tee
Hirtentäschel hat eine starke Wirkung auf die Gebärmutter und den Unterleib, so wurde es schon von Hildegard v. Bingen bei übermäßigen Blutungen nach einer Geburt, zu starker Regelblutung oder zusätzlichen Blutungen zwischen der Menstruation eingesetzt.
Äußerlich kann Hirtentäschel bei Hautproblemen wie Ekzemen, kleineren Schnittwunden oder entzündlichen Stellen helfen. Außerdem bei Nasenbluten und Wunden. Dazu wird eine Kompresse im Aufguss getränkt und aufgelegt. Bei Zahnfleischbluten kann der Aufguss als Spülung genutzt werden.
Für einen Tee wird das Kraut samt Wurzel geerntet und getrocknet oder frisch verwendet. Zwei Teelöffel des Krautes mit 200 ml kochendem Wasser übergießen und fünf bis zehn Minuten ziehen lassen. Vom Tee am besten über einen Zeitraum von zwei bis vier Wochen bis zu drei Tassen täglich trinken. Zur äußerlichen Anwendung wird die doppelte Menge des Krautes als Aufguss angesetzt.

Tinktur
Eine Tinktur stellst du einfach selbst her, indem du das frische oder getrocknete Kraut mit Alkohol ansetzt und mehrere Wochen ziehen lässt. Sie wirkt intensiver als ein Tee und wird traditionell bei zu starker Regelblutung oder Zwischenblutungen eingesetzt, da sie den Unterleib unterstützen kann. Äußerlich kannst du die Tinktur verdünnt bei kleinen Wunden, Hautproblemen oder Zahnfleischbluten anwenden.

Sitzbad
Ein Sitzbad mit Hirtentäschel soll bei Hämorrhoiden helfen. Gib dazu einen sehr starken Teeaufguss direkt in das Badewasser.
Erkennung und Sammeltipps
Gewöhnliches Hirtentäschel ist einjährig und das ganze Jahr über zu finden. Es erreicht eine Höhe von bis zu 50 Zentimetern und ist sehr zart und eher unscheinbar.
- Es bildet eine bodennahe Blattrosette mit kurzgestielten Blättern
- Sie sind behaart und sehen Löwenzahnblättern sehr ähnlich
- Aus der Mitte der Blattrosette erhebt sich ein Stängel mit ein paar wenigen Blättern, die eng am Stiel anliegen
- Am Ende des Stängels und seinen Seitenästen erscheinen viele winzige, weiße Einzelblüten an kleinen Stielchen
- Aus den Blüten entwickeln sich später herzförmige Früchte, die vom Stiel abstehen
Sammeltipp: Junge Blätter vor der Blüte pflücken, für heilkundliche Anwendungen möglichst das ganze blühende Kraut verwenden.
Anbau im Garten oder auf dem Balkon
Hirtentäschel lässt sich problemlos auch im Garten kultivieren – es sät sich sogar meist selbst aus. Es liebt lockere, leicht feuchte, nährstoffreiche Böden in Sonne bis Halbschatten.
Du kannst es direkt aussäen, entweder im Frühling oder Spätsommer. Es braucht kaum Pflege, wächst schnell und ist auch ein toller Bodendecker zwischen anderen Kräutern. Als Topfkultur funktioniert es mit tiefem Gefäß und durchlässigem Substrat ebenfalls gut.
- EMA. Bursae pastoris herba – herbal medicinal product. Zuletzt aufgerufen am 03.02.2026 ↩︎
- Aleksandra Łukaszyk, Inga Kwiecień and Agnieszka Szopa. (2024). Traditional Uses, Bioactive Compounds, and New Findings on Pharmacological, Nutritional, Cosmetic and Biotechnology Utility of Capsella bursa-pastoris ↩︎
- Naafe, M., Kariman, N., Keshavarz, Z., Khademi, N., Mojab, F. & Mohammadbeigi, A. (2018). Effect of Hydroalcoholic Extracts of Capsella Bursa-Pastoris on Heavy Menstrual Bleeding: A Randomized Clinical Trial. The Journal Of Alternative And Complementary Medicine, 24(7), 694–700. ↩︎
Steckbrief
- Kurzbeschreibung
- Zarte, einjährige Pflanze mit herzförmigen Fruchtständen
- Lateinischer Name
- Capsella bursa-pastoris
- Andere Namen
- Blutkraut, Täschelkraut, Gänsekresse, Herzkraut, Hellerkraut, Bauernsenf
- Familie
- Kreuzblütengewächse (Brassicaceae)
- Erntemonate
- ganzjährig
- Verwendbare Pflanzenteile
- Blätter, Blüten, Früchte, Knospen, Samen, Triebe, Wurzeln
- Blattform
- schrotsägeförmig
- Blütenfarbe
- weiß
- Fundorte
- Äcker, Wiesen, Gärten, Schuttplätze
- Verwechslungsgefahr
- Gering – durch die Fruchtform gut unterscheidbar
- Giftigkeit
- ungiftig
- Hinweise zur Giftigkeit
- Ungiftig, aber bei bestimmten Vorerkrankungen nicht dauerhaft einnehmen
- Inhaltsstoffe
- ätherische Öle, Eisen, Flavonoide, Gerbstoffe, Histamin, Kalium, Kalzium, Rutin, Saponine, Senfölglykoside
- Eigenschaften
- adstringierend, blutstillend
- Hilft bei
- Blutungen, Hämorrhoiden, Nasenbluten, Zahnfleischbluten
- Erkennung / Sammeltipps
- Herzförmige Frucht, weiße Mini-Blüten, Grundrosette
- Anbau
- Pflegeleicht, sät sich selbst aus, ideal für Wildkräuterecken

















Liebes Team von Kostbare Natur, was für eine tolle Zusammenfassung zu diesem vielseitigen Kraut! Ich nutze es besonders gerne als Tee, um den Kreislauf ein wenig anzukurbeln – das tut gerade in der kalten Jahreszeit richtig gut. Es ist so erstaunlich, wie viel Power in unseren Wildkräutern steckt, auch wenn man sie nicht immer sofort auf dem Schirm hat.
Herzliche Grüße,
Lotta Schreibt
Ich liebe Hirtentäschel auch! Ein kleiner Tipp von mir: Man findet es selbst jetzt im November noch ganz gut in geschützteren Ecken, oft wächst es unbemerkt zwischen anderen Pflanzen. Es lohnt sich, genau hinzuschauen!
Was hat die Kratzentfernung mit den Hirtentäschel zu tun.??????
Wir haben deine Frage nicht verstanden …
Liebe Grüße
Anmerkung:
Ich finde den Geschmack von Hirtentäschel als Tee eher nicht so lecker, aber mit einen Beutel Pfefferminze im Becher lässt es sich gut trinken
Lieben Gruß nochmal!
Hallo liebes Team,
die astringierende Wirkung von Hirtentäschel gegen Hämorrhoiden entfaltet sich auch als Tee. Ich habe ihn bei starken Besschwerden 3x täglich eine Woche lang angewendet und hatte jahrelang Ruhe.
Liebe Grüße, Guido
Hallo Team von Kostbare Natur,die Wirkung vom Hirtentaeschel ist sehr intensiv,mit konstantem Trinken des Tees kann man den Blutdruck sehr effecktiv senken.Diese Pflanze,so unscheinbar sie aussieht, hat viele gute Loesungen parat,um unsere Koerper zu unterstuetzen,zu reinigen.Die Pflanze ist extrem universell einzusetzen,einfach toll.
schoenen Tag
Juergen H