Gemeiner Rainkohl
Hast du schon einmal eine Pflanze am Wegesrand entdeckt, die auf den ersten Blick wie ein unscheinbarer Verwandter des Löwenzahns aussieht, aber viel höher hinaus will? Das ist der Rainkohl (“Lapsana communis“). Er ist ein wahrer Überlebenskünstler, den du fast überall finden kannst, wenn du erst einmal weißt, worauf du achten musst. In der Welt der Wildkräuter gilt er als der sanfte Einsteiger, da er im Gegensatz zu vielen anderen Wildpflanzen kaum Bitterstoffe besitzt und sich wunderbar in die tägliche Küche integrieren lässt. Seine Hauptwirkung entfaltet er traditionell vor allem bei kleineren Hautirritationen und als unterstützendes Kraut für eine leichte Verdauung.
Geschichte und kulturelle Bedeutung
Der Rainkohl begleitet uns Menschen schon seit der Steinzeit, was archäologische Funde von Samen in alten Siedlungen belegen. Sein Name leitet sich schlicht von seinem bevorzugten Standort ab: dem „Rain“, also dem Rand von Äckern, Wegen oder Hecken. In der Antike schätzten Gelehrte wie Dioskurides die Pflanze bereits für ihre wundheilenden Eigenschaften. Besonders spannend ist sein volkstümlicher Name „Nippelkraut“. Dieser rührt daher, dass man die zerquetschten Blätter in der Volksheilkunde früher stillenden Müttern auflegten, um entzündete Brustwarzen zu beruhigen. Auch bei den Bauern im Mittelalter war er als „Kohl“ bekannt, den man nicht säen musste, sondern einfach am Feldrand ernten konnte, wenn die Vorräte im Winter knapp wurden.
In der Ernährung
Insbesondere die jungen Blätter des Gemeinen Rainkohls spielen für die Ernährung eine Rolle. Sie erinnern geschmacklich an eine Mischung aus Kopfsalat und Radieschen, mit einer ganz feinen nussigen Note. Die Blätter schmecken hervorragend in Frühlingssalaten, Suppen, Kräuterquark und grünen Smoothies. Auch als Zugabe in Spinat oder Wildkräuter-Spinat sowie als Belag auf Flammkuchen, Pizza oder Quiche. In ihnen stecken beachtliche Mengen an Vitamin C, was dein Immunsystem unterstützt, sowie wichtige Mineralstoffe wie Kalium und Kalzium.
Die leichte Bitterkeit der Blätter lässt sich mindern, wenn sie vor Verwendung für zehn Minuten in kaltes Wasser gelegt werden. Ältere Rosettenblätter sowie die Stängelblätter sind eher herb und faserig und weniger für den Verzehr geeignet.
Die geschlossenen Blütenknospen des gemeinen Rainkohls lassen sich auch wie Kapern einlegen und auf Salaten, Vorspeisen oder in Marinaden verwenden. Die Zubereitung der eingelegten Knospen funktioniert genauso wie in diesem Rezept für falsche Kapern aus Malvensamen.
Die gelben Blüten sind eine schmackhafte Dekoration auf süßen und herzhaften Speisen wie Desserts, Salaten oder belegten Broten. Die grünen Blütenkelche haben einen eher herben Geschmack und können vor dem Verzehr entfernt werden.
Für einen Vorrat aus dem Kraut werden die Stiele mit Blättern und geöffneten Blüten im oberen Drittel abgeschnitten, zu Sträußen gebunden und zum Trocknen aufgehängt.
Vollständig getrocknet, lassen sich Blüten und Blätter leicht von den Stängeln streifen und in einem Schraubglas oder einer Teedose aufbewahren. So kannst du sie als Tee, aber auch zum Würzen von Speisen verwenden. In einer Gewürzmühle können sie praktisch dosiert werden.
Heilende Anwendungen
In der modernen Pflanzenheilkunde steht der Rainkohl zwar etwas im Schatten von Giganten wie der Brennnessel, doch seine Inhaltsstoffe sind nicht zu unterschätzen. Er enthält Flavonoide, die als Antioxidantien wirken, sowie Schleimstoffe und geringe Mengen an Bitterstoffen.
In der Volksheilkunde wird er primär zur Unterstützung der Verdauung eingesetzt, da er den Gallenfluss leicht anregt und so dabei hilft, schwere Speisen besser zu verarbeiten. Durch den hohen Vitamin-Gehalt dient er als klassisches Frühjahrskraut zur Stärkung der Abwehrkräfte.
Große Gefahren oder Kontraindikationen sind beim Rainkohl nicht bekannt, was ihn zu einer sehr sicheren Pflanze für Anfänger macht. Dennoch gilt wie bei allem: Die Dosis macht das Gift. Eine übermäßig große Menge als Monokost könnte zu leichter Übelkeit führen, aber im Rahmen einer normalen Ernährung ist er völlig unbedenklich.
Tee
Ein heilsamer Teeaufguss mit Rainkohl wird traditionell zubereitet, um die Verdauung anzuregen.
Für die Zubereitung wird ein Esslöffel frische oder getrocknete Blüten und Blätter mit 250 Millilitern kochendem Wasser übergossen. Nach zehn Minuten Ziehzeit den Tee abseihen und warm genießen.
Trinke eine Tasse Rainkohltee vor dem Essen. Bis zu drei Tassen können über den Tag verteilt getrunken werden.
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Äußerliche Anwendungen
Äußerlich angewendet hilft der frische Saft der Pflanze oft bei kleinen Hautunreinheiten oder Insektenstichen, da er kühlend und beruhigend wirkt.
Dafür wird aus den frischen Stielen und Stängelblättern ein Brei zubereitet, zum Beispiel in einem Mörser oder einem Standmixer. Den Brei dann auf ein Tuch streichen und auf die intakte Haut auflegen. Dieser Vorgang kann mehrmals am Tag wiederholt werden.
Wichtig: Bei offenen Wunden sollte wegen der Infektionsgefahr (z.B. Tetanus) auf das Auflegen von ungewaschenen Pflanzenteilen unbedingt verzichtet werden.
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Erkennung und Sammeltipps

Der Rainkohl ist eine einjährige Pflanze, die erstaunlich schnell wächst und Höhen von bis zu einem Meter erreichen kann. Er wirkt im Vergleich zu anderen Korbblütlern eher grazil und verzweigt sich im oberen Bereich stark.
- Wuchsform: Aufrecht, stängelreich und im oberen Teil locker verzweigt.
- Blätter: Die unteren Blätter sind leierförmig gefiedert mit einem großen Endlappen, während die oberen Blätter eher lanzettlich und ganzrandig sind.
- Blüten: Kleine, gelbe Korbblüten (etwa 1 cm groß), die nur bei Sonnenschein am Vormittag geöffnet sind.
- Stängel: Er enthält einen weißen Milchsaft, der austritt, wenn man ihn bricht.
- Wurzel: Eine spindelförmige Pfahlwurzel, die fest im Boden verankert ist.
Du findest ihn bevorzugt an schattigen bis halbschattigen Plätzen, in Gärten, an Schuttplätzen oder Waldrändern. Er liebt nährstoffreiche, lockere Böden. Die Blütezeit erstreckt sich von Juni bis September. Beim Sammeln solltest du darauf achten, ihn nicht mit dem Pippau oder dem Habichtskraut zu verwechseln. Ein sicheres Merkmal ist jedoch die typische Blattform der unteren Blätter und die Tatsache, dass seine Blütenkörbchen im Vergleich zum Löwenzahn sehr klein und zahlreich an einem verzweigten Stiel sitzen. Sammle am besten nur die jungen Blätter vor der Blüte, da diese das feinste Aroma haben.
Anbautipps
Wenn du den Rainkohl dauerhaft nutzen möchtest, kannst du ihn problemlos im Garten oder sogar in einem größeren Topf auf dem Balkon anbauen. Er stellt kaum Ansprüche und wächst fast von allein. Am wohlsten fühlt er sich an einem Standort mit Halbschatten und einem Boden, der gerne etwas humos und feucht sein darf. Du kannst die Samen im Frühjahr einfach direkt ins Beet streuen und leicht andrücken – als Lichtkeimer dürfen sie nicht zu tief vergraben werden.
Da der Rainkohl eine Pionierpflanze ist, benötigt er keinen zusätzlichen Dünger. Ein regelmäßiger Schnitt der Blätter fördert den Neuaustrieb von zarten Jungblättern. Wenn du ihn einmal im Garten hast, wird er sich wahrscheinlich durch Selbstaussaat erhalten. Möchtest du eine unkontrollierte Ausbreitung verhindern, solltest du die Blütenstände kappen, bevor die Samen reif werden. Krankheiten oder Schädlinge kennt der robuste Rainkohl so gut wie gar nicht.
Steckbrief
- Kurzbeschreibung
- Aufrechte, bis 1m hohe Pflanze mit kleinen gelben Blüten und milchsaftführenden Stängeln.
- Lateinischer Name
- Lapsana communis
- Andere Namen
- Rainkohl, Gewöhnlicher Rainkohl, Gemeine Milche, Nippelkraut, Milchkraut
- Familie
- Korbblütler (Asteraceae)
- Erntemonate
- Apr - Sep
- Verwendbare Pflanzenteile
- Blätter, Blüten, Knospen, Stiele, Triebe
- Blattform
- länglich eiförmig, lanzettlich
- Blütenfarbe
- gelb
- Fundorte
- Auf Wiesen und an Weg- und Waldrändern in Städten und Dörfern
- Verwechslungsgefahr
- Pippau, Habichtskraut (beide meist ungiftig, aber bitterer)
- Giftigkeit
- ungiftig
- Inhaltsstoffe
- Bitterstoffe, Flavonoide, Inulin, Schleimstoffe, Vitamin C, Vitamine
- Eigenschaften
- appetitanregend, kräftigend, verdauungsfördernd, wundheilend
- Hilft bei
- Hautprobleme, Verdauungsprobleme, Verstopfung, Wunden
- Erkennung / Sammeltipps
- Leierförmige Grundblätter, kleiner gelber Blütenkorb, Vormittagsblüher
- Anbau
- Absolut anspruchslos, Halbschatten, stickstoffliebend










