Echter Ehrenpreis

Echter Ehrenpreis: erkennen, sammeln, anbauen und vielseitig nutzen – als Wildkraut, Tee und Hausmittel, mit praktischen Tipps.

Der Echte Ehrenpreis (Veronica officinalis) ist so ein stilles Wildkraut, das viele schon tausendmal am Wegesrand gesehen haben, ohne es zu beachten. Dabei steckt in ihm eine lange Tradition als sanftes „Kraut für Haut und Atemwege“. Heute wird er vor allem als Tee genutzt, oft in Erkältungs- und Hustenteemischungen, und äußerlich als milder Aufguss zum Spülen, Gurgeln oder für Umschläge. Seine Wirkung wird meist als leicht entzündungshemmend, zusammenziehend und reizlindernd beschrieben. Gleichzeitig ist wichtig zu wissen, dass die moderne Studienlage zur Wirksamkeit insgesamt eher dünn ist und viele Anwendungen eher aus der Volksheilkunde stammen.

Herkunft, Geschichte und kulturelle Bedeutung

Der Echte Ehrenpreis ist in Europa weit verbreitet und wächst auch über Europa hinaus bis nach Westasien. In Mitteleuropa begegnet er dir recht häufig, besonders an lichten Stellen in Wäldern, an Wegrändern und in Heide-ähnlichen Lebensräumen. Weil er so „alltäglich“ wirkt, überrascht es viele, wie groß sein Ruf früher war. In alten Kräutertraditionen taucht er als eine Art Universalpflanze auf, was sich auch in Volksnamen wie „Heil aller Welt“ oder „Grundheilkraut“ spiegelt.

Spannend ist, dass er schon sehr früh in Kräuterbüchern erwähnt wurde: Im „Kleinen Destillierbuch“ von Hieronymus Brunschwig (um 1500) wird der Ehrenpreis genannt, inklusive einer Erzählung, dass ein französischer König durch äußerliche Anwendung von Ehrenpreis-Saft von einer chronischen Hautkrankheit profitiert haben soll.

In der europäischen Volksheilkunde wurde Ehrenpreis dann über Generationen hinweg besonders bei rauem Hals, Husten und „unreiner Haut“ verwendet – und zwar oft ganz praktisch: als warmer Aufguss zum Trinken, als Gurgelwasser oder als Umschlag mit abgekühltem Sud.

Echter Ehrenpreis: erkennen, sammeln, anbauen und vielseitig nutzen – als Wildkraut, Tee und Hausmittel, mit praktischen Tipps.

In der Ernährung

Der Ehrenpreis kann herb bis bitter wirken, besonders wenn die Blätter älter sind. Genau deshalb macht er sich am besten in kleinen Mengen oder als feine Beigabe. Essbar sind grundsätzlich die oberirdischen Pflanzenteile, vor allem junge Blätter und Blüten – die sind milder und wirken optisch in der Küche richtig hübsch.

Wenn du ihn probieren willst, starte sanft: Ein paar Blüten über den Salat gestreut geben eine zarte, leicht herbe Note. Junge Blättchen kannst du zusammen mit milderen Wildkräutern wie Vogelmiere oder Giersch mischen, damit der Ehrenpreis nicht dominiert. Manche nutzen ihn auch im grünen Smoothie, aber wirklich nur in kleiner Menge, weil die Bitterkeit sonst schnell übernimmt.

Mit grünen Smoothies kann man leicht und lecker täglich mehr Gemüse essen. Wildkräuter machen sie noch gesünder!

Heilende Anwendungen

In der Volksheilkunde ist der Echte Ehrenpreis breit eingesetzt worden, wissenschaftlich gut abgesicherte Aussagen sind jedoch begrenzter. In seriösen Zusammenfassungen wird häufig betont, dass die Wirksamkeit für viele beworbene Anwendungen nicht ausreichend belegt ist, auch wenn traditionelle Nutzung bei Atemwegen, Verdauung und äußerlich im Mund-Rachen-Raum beschrieben wird.1

Was man recht gut einordnen kann, sind seine Inhaltsstoffe: Genannt werden besonders Iridoidglykoside wie Aucubin und Catalpol, außerdem Flavonoide, Triterpensaponine und Gerbstoffe. Solche Stoffgruppen passen grundsätzlich zu dem, was Menschen traditionell beobachten: Gerbstoffe können zusammenziehend wirken, Saponine werden oft mit einer mild schleimlösenden Wirkung in Verbindung gebracht2, und Flavonoide sind als Pflanzenstoffe mit antioxidativen Eigenschaften bekannt.

Ehrenpreis-Tee

Ein Ehrenpreis-Tee kann bei einem gereizten Hals als warmes Getränk angenehm sein, und als Gurgellösung kann ein abgekühlter Aufguss im Mund- und Rachenraum wohltuend wirken. Die volksheilkundlichen Anwendungen gehen weiter und umfassen auch Magen-Darm-Beschwerden, „Frühjahrsreinigung“, Gicht und rheumatische Beschwerden.

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Kosmetische Anwendungen

In der Volksheilkunde wurden Umschläge mit Ehrenpreis-Sud bei gereizter, juckender oder „unruhiger“ Haut beschrieben, etwa wenn man zu Ekzemen neigt oder kleine Stellen beruhigen möchte.

Für ein einfaches Hausmittel kannst du dir einen Ehrenpreis-Aufguss wie einen Tee zubereiten, ihn vollständig abkühlen lassen und dann als sanfte Kompresse verwenden: Ein sauberes Tuch darin tränken, leicht ausdrücken und für einige Minuten auf die betroffene Stelle legen.

Wenn du eher etwas „Pflegendes“ möchtest, kannst du auch ein Öl ansetzen, indem du gut getrocknetes Kraut in ein neutrales Pflanzenöl gibst und es mehrere Wochen warm, aber nicht sonnig stehen lässt. Das Öl eignet sich dann als Massageöl für trockene Hautstellen, wobei du es bei empfindlicher Haut erst an einer kleinen Stelle testest

Erkennung und Sammeltipps

Echter Ehrenpreis: erkennen, sammeln, anbauen und vielseitig nutzen – als Wildkraut, Tee und Hausmittel, mit praktischen Tipps.

Wenn du den Echten Ehrenpreis einmal „wirklich“ gesehen hast, erkennst du ihn leichter wieder: Er wirkt bodennah, weich, ein bisschen graugrün und trägt kleine, zarte Blüten, die oft blau bis blauviolett erscheinen. Typisch ist auch, dass er nicht wie eine stolze Einzelpflanze dasteht, sondern eher kriechend und teppichartig wächst.

  • Die Pflanze ist ausdauernd und bleibt meist niedrig, oft um etwa 10 bis 20 Zentimeter, mit niederliegenden bis aufsteigenden, teils wurzelnden Trieben
  • Die Blätter sitzen gegenständig, sind eher klein, behaart und am Rand meist grob gekerbt bis gezähnt.
  • Die Stängel wirken graugrün und sind meist weich behaart, was der Pflanze ein „sanftes“ Erscheinungsbild gibt.
  • Die Blüten sind klein und stehen in Trauben; insgesamt wirkt die Blüte zierlich, aber in der Nähe sehr hübsch.
  • Der Standort ist oft mäßig trocken und eher nährstoffarm, zum Beispiel an lichten Waldstellen, Wegrändern oder in Heidegesellschaften.

Verwechslungspartner

Beim Sammeln ist die sichere Bestimmung das A und O, weil es mehrere Ehrenpreis-Arten gibt, die sich ähneln. Der sehr ähnliche Gamander Ehrenpreis (Veronica chamaedrys) und der seltenere Berg-Ehrenpreis (Veronica montana) sind ebenso zu verwenden. Dasselbe gilt auch für den Persischern Ehrenpreis (Veronica persica), Acker-Ehrenpreis (Veronica agrestis) und Feld-Ehrenpreis (Veronica arvensis), welche keine Blütentrauben haben, sondern Einzelblüten.

Gesammelt wird traditionell das oberirdische Kraut zur Blütezeit; schneide dabei nur so viel, wie du wirklich brauchst, und lass genug stehen, damit die Pflanze sich erholen kann.

Bedingungen für kultivierten Anbau

Wenn du den Echten Ehrenpreis im Garten oder auf dem Balkon kultivieren willst, denk an seinen natürlichen Charakter: Er mag es eher mager als üppig. Ein lockerer, durchlässiger Boden ist wichtiger als viel Dünger, denn zu nährstoffreiche Erde macht ihn oft weich und weniger typisch. Ein sonniger bis halbschattiger Platz funktioniert gut, und im Topf hilft dir eine eher „schlanke“ Erde, die Wasser zwar hält, aber nicht vernässt.

Du kannst ihn als bodendeckenden Begleiter setzen, wo er flach wachsen darf, oder in eine Wildblumen- bzw. Kräuterecke integrieren. Gießen solltest du maßvoll: Lieber gut angießen und dann wieder etwas abtrocknen lassen, statt ständig feucht zu halten. Wenn du ernten möchtest, schneide zur Blütezeit nur die oberen, gesunden Triebteile. So regt die Pflanze oft einen frischen Austrieb an und bleibt stabil.

  1. Bahare Salehi et. al., (2019). Veronica Plants—Drifting from Farm to Traditional Healing, Food Application, and Phytopharmacology. Molecules, 24(13), 2454 ↩︎
  2. Rositsa Mihaylova et. al, (2022). Targeting Inflammation with Natural Products: A Mechanistic Review of Iridoids from Bulgarian Medicinal Plants. Molecules, 30(17), 3456; https://doi.org/10.3390/molecules30173456 ↩︎

Steckbrief

Kurzbeschreibung
niedrige, teppichbildende Wildpflanze mit kleinen blauen Blüten und behaarten Trieben
Lateinischer Name
Veronica officinalis
Andere Namen
Wundheilkraut, Gundheilkraut, Allerweltheil, Grindheil, Männertreu, Veronika, Katzenäuglein
Familie
Wegerichgewächse (Plantaginaceae)
Erntemonate
Feb, Apr - Sep
Verwendbare Pflanzenteile
Blätter, Blüten, Triebe
Blattform
eiförmig
Blütenfarbe
blau, violett, weiß
Fundorte
Lichte Wälder, Heideflächen, Wegränder, eher nährstoffarme Standorte
Verwechslungsgefahr
mit anderen Ehrenpreisarten
Giftigkeit
ungiftig
Hinweise zur Giftigkeit
gilt in üblichen Mengen als mild, dennoch umsichtig verwenden
Warnungen
bei Schwangerschaft, Stillzeit, Kindern und bei Medikamenteneinnahme vorsichtig sein
Inhaltsstoffe
Aucubin, Bitterstoffe, Catalpol, Eisen, Flavonoide, Gerbstoffe, Iridoiden, Saponine
Eigenschaften
schleimlösend, stoffwechselanregend
Hilft bei
Blasenentzündungen, Hautprobleme, Husten, Zahnfleischentzündungen
Erkennung / Sammeltipps
bodennaher, behaarter Wuchs, kleine Blütentrauben, Sammlung des Krauts zur Blütezeit und naturverträglich schneiden
Anbau
sonnig bis halbschattig, eher mager und durchlässig, wenig düngen

2 Kommentare
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  1. Ich freue mich immer wieder für Eure interessanten Beiträge im Newsletter. Dankeschön

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  2. welche Kräutersaftpresse verwendet ihr?

    Antworten

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