Pastinake
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Sie sieht ein wenig aus wie eine weiße Karotte oder eine größere Ausgabe der Petersilienwurzel: Obwohl die Gemeine Pastinake bis Mitte des 18. Jahrhunderts zu den Grundnahrungsmitteln gehörte, war sie lange in Vergessenheit geraten. Inzwischen findet man das leckere Gemüse wieder auf dem Markt, denn nicht nur Gourmets haben sie wiederentdeckt, auch Naturheilkundler wissen die heilenden Inhaltsstoffe der Pastinake zu schätzen. Für 2011 und 2012 wurde die Pastinake sogar zum Gemüse des Jahres gekürt. Ursprünglich wuchs die wilde Form der Pastinake in Europa und Nordasien. Funde haben ergeben, dass die Pflanze bereits in der Bronze- und Jungsteinzeit von Menschen verzehrt wurde. Die Germanen kultivierten sie und der römische Feldherr Tiberius brachte das Gemüse mit nach Rom, wo der Saft der Rübe gegen die Pest verwendet wurde, worauf auch der Beiname Pestnacke deutet. Auch Wein und Bier stellte man früher aus der Pastinake her. Heute genießen wir die Pastinake als kalorienarmes Gemüse, das mit wertvollen Inhaltsstoffen punktet. Gleichzeitig hilft ein Tee aus der Wurzel gegen verschiedene Beschwerden.

Steckbrief

Lateinischer Name Pastinaca sativa
Andere Namen Hammelmöhre, Pestnacken, Germanenwurzel oder Welscher Persil, Balsternak, Dickmöhre, Hirschhornröhre, Hirschfraß, Moorwurzel, Pasterna, Pastinak, Pastornak, Spindelwurz, Wilder Dill
Familie Doldenblütler
Erntemonate Mai-Nov
Verwendbare Pflanzenteile Blätter, Früchte, Wurzeln
Blattform fiederteilig
Blütenfarbe gelb
Fundorte Wiesen, Steinbrüche, in Getreidefeldern, Garten, moorige Böden
Verwechslungs­gefahr Mit dem hochgiftigen gefleckten Schierling. Die Dolden ähneln Dill und Fenchel, die Wurzel sehen ähnlich aus wie Petersilienwurzel, nur dicker.
Giftigkeit ungiftig
Warnungen Phototoxische Reaktionen durch Berühren der Pflanze, Wiesengräserdermatitis, Allergie gegen Doldenblütler
Besondere Inhaltsstoffe ätherische Öle, Ballaststoffe, Eiweiß, Inulin, Kalium, Vitamin C
Eigenschaften antimikrobiell, appetitanregend, beruhigend, cholesterinsenkend, fiebersenkend, harntreibend, immunstärkend, krampflösend, kühlend, schmerzlindernd, verdauungsfördernd
Hilft bei Blasenleiden, Fieber, Gallensteine, hoher Cholesterinspiegel, magen, Magen-Darmbeschwerden, Magenkrämpfe, Nierensteine, Schlaflosigkeit, Schmerzen, Unruhezustände, Verstopfung

Anwendungen

Pastinaken bereichern nicht nur verschiedene Gerichte, sie können auch als Heilmittel dienen. So lässt sich aus den Wurzeln ein Tee herstellen, der unter anderem den gesamten Bauchbereich entkrampft.

In der Ernährung

Je nach Pflanzenteil wirkt die Pastinake etwas anders. Da die Wurzel am meisten verwendet wird, stellt sie zugleich Nahrungs- als auch Heilmittel dar. Sie regt den Appetit an, senkt den Cholesterinspiegel und fördert die Verdauung sowie die Nierentätigkeit. Sie wirkt außerdem leicht fiebersenkend und schmerzlindernd, kühlend und stärkt das Immunsystem.

Die Blätter erhöhen die Harnmenge und beruhigen die Nerven, während die Früchte den Magen-Darm-Bereich entkrampfen und ebenfalls die Nieren anregen. Durch ihre ätherischen Öle hat die Pastinake zusätzlich antibakterielle Kräfte.

Ihr Nährwert ist mit 60 kcal / 100 g ausgesprochen niedrig, gleichzeitig liefert die Pastinake viermal so viele Ballaststoffe wie Möhren und hat einen hohen Kaliumgehalt. Sie ist fettarm und hält viele weitere Mineralstoffe sowie wertvolle Aminosäuren bereit.

Pastinaken schmecken wie eine Mischung aus Möhren und Kartoffeln. Früher wurde eingekochte Pastinake zu einem Sirup verarbeitet, der als Brotaufstrich Verwendung fand. Getrocknete Wurzeln mahlte man zu Mehl und backte daraus Kuchen und Brot. Wegen des hohen Zuckergehalts der Pastinake wurde in Irland aus ihr Bier und in England sogar Wein hergestellt. Heute werden Pastinaken hierzulande ähnlich Karotten zubereitet und erfreuen den Gaumen sowohl als Rohkostsalat, gekochtes oder gedünstetes Gemüse, Suppe, Soßengrundlage oder als Brei. Sie sind besonders arm an Nitraten, selbst wenn die Beete gedüngt wurden, daher kannst du sie auch unbesorgt als Babykost verwenden.

Pastinaken-Pommes

Selbst Pommes frites kannst du aus der Pastinake herstellen:

  1. Die Wurzeln dünn schälen und in Stifte schneiden.
  2. Leicht mit Pflanzenöl besprühen oder das Öl über die Pastinakenstifte geben und mit den Händen verteilen.
  3. Im Backofen bei 180 Grad etwa eine halbe Stunde auf dem Blech garen.
  4. Vor dem Essen nach Belieben würzen.

Alternativ kannst du eine Heißluft-Fritteuse verwenden.

Rohkostsalat mit Pastinake und Äpfeln

Möchtest du die Pastinaken für einen Salat verwenden, gib etwas Zitronensaft über die geraspelte Wurzel, damit sie nicht braun wird.

Zusammen mit geraspelten Äpfeln schmeckt die Pastinake besonders frisch. Einfach gleiche Teile von Pastinake und Äpfeln vermischen, noch etwas Zitrone, Rohzucker (unraffinierter Zucker) oder Agavendicksaft sowie Sahne darüber geben und gut vermengen. Zusätzlich kannst du einige klein geschnittene Pastinaken-Blätter als Gewürz über den Salat geben.

Heilende Anwendungen der Pastinake

Da die Pastinake ein heilendes Gemüse darstellt, wird sie gern als Schonkost oder stärkende Suppe angeboten. Dafür werden Wurzeln und Kraut verarbeitet. Lindernde Wirkungen zeigen alle Pflanzenteile auch als Tee, der sowohl aus frischen als auch aus getrockneten Bestandteilen gebrüht werden kann. Die Wirkung ist zwar nicht klinisch belegt, jedoch durch Jahrhunderte lange Erfahrungen in der Volksheilkunde bestätigt.

Tee aus Pastinaken-Blättern

Nimm eine Hand voll mit frischen zerkleinerten Blättern oder einen Esslöffel voll mit getrockneten Blättern der Pastinake und koche sie zehn Minuten lang in einem Liter Wasser. Anschließend abseihen und trinken. Dieser Tee hilft bei Magen- und Nierenbeschwerden sowie Schlafstörungen und eine Tasse kann bis zu dreimal täglich getrunken werden.

Tee aus Pastinaken-Früchten

Für einen Tee aus den Früchten, nimm einfach einen halben Teelöffel frisch geerntete Früchte (Samen) und übergieße sie mit 200 Millilitern kochendem Wasser. Nach sieben Minuten Ziehzeit abgießen und das Kondenswasser in den Tee abtropfen lassen.

Damit die ätherischen Öle der Früchte besser verwertet werden können, gib etwas Vollmilch, Sahne oder pflanzliche Milchalternative zum Tee. Er regt den Appetit an, beruhigt Magen und Blase und wirkt entwässernd. Auch von dieser Zubereitung können bis zu drei Tassen am Tag genossen werden.
Vorsicht: Es sollte nicht mehr als die angegebenen Mengen getrunken werden, da Pastinaken-Tee sonst die Schleimhäute reizen kann!

Suppe aus den Wurzeln der Pastinake

Aus der kleingehackten Wurzel lässt sich ebenfalls ein Tee brühen, sinnvoller ist es jedoch, ein cremiges Süppchen daraus herzustellen:

  1. Die Wurzelstückchen andünsten.
  2. Nach Belieben Zwiebelstücken hinzugegeben.
  3. Mit pflanzlicher Brühe aufgießen, sodass alles bedeckt ist.
  4. Wenn das Gemüse weich gekocht ist, etwas Sahne oder Pflanzenmilch hinzugeben.
  5. Die Suppe pürieren und abschmecken.

Du kannst auch das kleingehackte Kraut der Pastinake statt Petersilie darüber streuen.

Fundorte, Anbau- und Erntetipps

Die Pastinake ist ein altes Wintergemüse mit süßlich nussigem Geschmack und heilenden Inhaltsstoffen.

Die Pastinake wächst sowohl in Europa als auch in Kleinasien und Nordamerika vorwiegend an Wegrändern, Schuttplätzen und wird gern in Bauerngärten kultiviert. Sie bevorzugt eher lehmigen oder moorigen Boden, kann allerdings keine Staunässe vertragen. Den Winter überlebt sie über mehrere Monate bei Temperaturen unter minus zwei Grad Celsius. Der erste Frost verleiht ihr sogar noch mehr Aroma. Die Wurzeln erntet man am besten, wenn der Boden noch nicht oder nicht mehr gefroren ist und legt sie in leicht feuchten Sand ein. Darin halten sie sich mehrere Monate frisch.

Das Kraut der Pastinake kann von Mai bis August geerntet werden, die Samen im August und die Wurzel ab September.
Es empfiehlt sich, das Kraut mit Handschuhen zu ernten, da es einen Hautausschlag verursachen kann. In den Blättern sind Furocoumarine enthalten, die unter Lichteinfluss bei empfindlicher Haut zu Ausschlägen führen können.

Die Pastinake lässt sich durch Samen vermehren. Wenn du samenfeste Sorten angebaut hast, kannst du die Samen ab September absammeln. Die erste Dolde am Haupttrieb liefert die besten Samen.

Achtung:

Der Besuch dieser Seite kann nicht den Besuch beim Arzt ersetzen. Ziehe bei ernsthaften oder unklaren Beschwerden unbedingt deinen Arzt oder Apotheker zu Rate!