Tanne

Nicht nur zu Weihnachten sollten wir der Tanne besondere Beachtung schenken. Gerade im Frühjahr sind ihre Triebe heilend nutzbar.

In der heutigen Heilmedizin werden nicht nur die Nadeln der Tanne, sondern auch ihre Wipfel, ihr Harz und Holz und die Triebe verwendet.

Bei Erkältungsbeschwerden, Rheuma, Blasenentzündungen und Gelenkschmerzen können Anwendungen mit Bestandteilen der Tanne lindernd wirken.

In der Ernährung

In der Küche spielt die Tanne eine eher untergeordnete Rolle. Die im Mai austreibenden hellgrünen Spitzen der Tanne können zum Aromatisieren von Speisen verwendet werden, wie zum Beispiel diese Tannenspitzen-Eiscreme. Aus den Spitzen lässt sich auch ein schmackhafter Sirup oder Honig herstellen.

Tannenspitzenhonig

Honig ist eigentlich der falsche Name, in Wirklichkeit ist das Ergebnis nämlich ein Sirup. Dennoch ist der Begriff Honig weitgeläufig und er wird auch oft Fichtenhonig oder Fichtennadelhonig genannt. Der Grund hierfür ist, dass sowohl Tannen- als auch Fichtentriebe verwendet werden können.

Was benötigt wird:

  • 300 g junge Tannen- oder Fichtenspitzen
  • 300 g Zucker
  • 300 ml Wasser

Und so gehst du vor:

  1. Tannenspitzen frisch nach dem Ernten in einen Topf legen und mit Wasser bedecken
  2. Kurz aufkochen und dann drei Stunden auf niedriger Flamme ziehen lassen
  3. Topf vom Herd nehmen und 18-24 Stunden lang stehen lassen
  4. Die nun milchige Flüssigkeit mit einem feinen Sieb, einer Mullwindel oder einem Nussbilchbeutel absieben
  5. Die verbliebene Flüssigkeit abwiegen und mit der selben Masse an Zucker einkochen

Die Masse sollte so lange gekocht werden, bis sich eine zähe Masse – ähnlich der des Honigs – ergibt. In saubere Einmachgläser gefüllt und gut verschlossen hält sich der Honig dann mehrere Monate.

Ein weiteres Rezept für Sirup mit Tannenspitzen oder Fichtenspitzen und Bienenhonig findest du hier.

Heilende Anwendungen

Die Tanne kann wertvolle Dienste bei der Behandlung von Erkältungen und Atemwegserkrankungen leisten. Darüber hinaus wird sie auch gegen Rheuma und verschiedene Entzündungen eingesetzt.

Tannenspitzentee

Tannenspitzentee hilft aufgrund der enthaltenen ätherischen Öle und des Vitamin-Gehalts, Husten und Halsschmerzen zu lindern. Der gesunde Tee aus frischen oder getrockneten Tannen-Wipfeln ist sehr wohlschmeckend und schnell hergestellt. Für eine große Tasse einfach einen oder zwei Wipfel etwas zerkleinern und mit kochendem Wasser übergießen. Die Ziehzeit beträgt ungefähr 10 Minuten.

Tannensalbe

Aufgrund der kräftigenden Wirkung der Tanne empfahl schon Hildegard von Bingen eine Tannensalbe gegen Kopfschmerzen.

Dafür benötigst du:

  • 50 g Tannenrinde und -nadeln, wenn möglich auch etwas Tannenholz
  • 25 g Salbeiblätter
  • 250 ml Wasser
  • 75 g Butter (besser noch ist die vitaminhaltigere Maibutter, für eine vegane Alternative kannst du auch Kokosöl verwenden)

So rührst du die Tannensalbe an:

  1. Tannennadeln, Holz, Rinde und Salbeiblätter klein hacken
  2. Mit dem Wasser köcheln lassen, bis ein dicker Brei entstanden ist
  3. Unter ständigem Rühren die Butter (oder Kokosöl) hinzugeben
  4. Wenn sich eine gute Konsistenz ergeben hat, die Flüssigkeit durch ein Tuch filtern, in Salbentiegel abfüllen und abkühlen lassen

Die Salbe wird mehrmals täglich zunächst auf die Herzgegend und anschließend auf Stirn und Schläfen aufgetragen und einmassiert. Zur längeren Haltbarkeit muss die Salbe im Kühlschrank aufbewahrt werden.

Erkennung und Sammeltipps

Nicht nur zu Weihnachten sollten wir der Tanne besondere Beachtung schenken. Gerade im Frühjahr sind ihre Triebe heilend nutzbar.
Kilom691 [GFDL, CC-BY-SA-3.0 or Public domain], via Wikimedia Commons

In Europa wachsen vor allem die Weißtanne (Abies alba) und die Nordmanntanne (Abies nordmanniana), die vor allem als Weihnachtsbaum bekannt und beliebt ist.

Die Borke ist in jungen Jahren glatt und gräulich, später teilt sie sich in kleine bräunlich-gräuliche Platten. Charakteristisch sind die grünen Nadeln.

Da sie der Fichte sehr ähnelt, hilft zum Erkennen dieser Spruch: Die Fichte sticht, die Tanne nicht.

Zur Ernte der jungen Triebe besteht meist ein kurzes Zeitfenster von ca. drei bis vier Wochen im Mai. Dann sollten auch Nadeln und Rinde geerntet werden.

Bevorzuge Triebe über Hüfthöhe und achte darauf, niemals zu viel von einem Baum ernten, um die Stärke des Baumes zu erhalten.

Wenn streifenweise Verfärbungen an den Zweigen und Nadeln erkennbar sind, ist die Tanne wahrscheinlich von Blattläusen, Rindenläusen, Wollläusen oder Spinnmilben befallen. Wähle lieber einen anderen Baum, sowohl deiner Gesundheit zu liebe und um den Baum nicht noch weiter zu schädigen.

Anbautipps

Aufgrund ihrer Wuchshöhe von 65 Metern und mehr braucht die Tannne sehr viel Platz. Ein Abstand von wenigstens acht Metern zu anderen Bäumen ist sinnvoll.

Tannen bevorzugen schattige Plätze und eher feuchte Böden. Die richtige Pflanzzeit ist im Herbst, wenn es noch frostfrei ist.

Steckbrief

Kurzbeschreibung
Es gibt etwa 47 Arten der Tanne. In Europa wächst vor allem die Weißtanne, die durch ihre helle Borke auffällt. Diese Art wird bis bis zu 50, in Einzelfällen bis 65 Meter hoch. Einige amerikanische Arten wachsen sogar 90 Meter hoch. Tannen können bis zu 600 Jahre alt werden. Die Nadeln, Triebe, Zapfen, Samen und das Harz der Tanne wurden schon in der Antike zu Heilzwecken verwendet. Später empfahl auch Sebastian Kneipp die Wirkungsweise der Tanne und hob den Tannentee als besonders wirkungsvoll bei Husten und geschwächter Lunge hervor.
Lateinischer Name
Abies
Familie
Kieferngewächse (Pinaceae)
Erntemonate
Mai, Sep - Okt
Verwendbare Pflanzenteile
Blätter, Triebe
Blattform
nadelförmig
Blütenfarbe
rot
Verwechslungsgefahr
mit der giftigen Eibe und der ähnlich genutzten Fichte
Giftigkeit
ungiftig
Inhaltsstoffe
ätherische Öle, Harze, Tannine, Vitamin C
Eigenschaften
blutreinigend, durchblutungsfördernd, harntreibend, schweißtreibend, wurmtreibend
Hilft bei
Blasenentzündungen, Bronchitis, Erkältungen, Frühjahrsmüdigkeit, Gelenkentzündungen, Grippe, Heiserkeit, Husten, Muskelrheuma, Schnupfen, Sehnenscheidenentzündungen, Skorbut, Zahnfleischbluten

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3 Kommentare Kommentar verfassen

  1. Hallo, die gleiche Menge Wasser wie Wipferl scheint mir zu wenig. Die Wipferl nehmen das Wasser sofort auf, es würde nichts davon übrig bleiben. Ich probiere es jetzt mit der doppelten Wassermenge … oder spricht etwas dagegen?
    Ich hätte da noch eine zweite Frage. Bei den Rezepten zur Herstellung der diversen Hustensirupe im „Schichtverfahren“ werden manchmal die „Stehzeiten“ in der Sonne verlangt, manchmal im Dunkeln. Gibt es dafür eine Erklärung? Vielleicht, dass sich der Zucker/Honig in der Sonne leichter verflüssigt? Ich hatte mal das Problem, das sich der Zucker überhaupt nicht aufgelöst hat. Oder hatte ich zu wenig oder zu viel Zucker?
    Danke lg, Sandra

    Antworten
  2. Die Salbe klingt gut, aber klappt das abseihen durch ein Mulltuch, wenn das so dick eingekocht ist?

    Antworten
    • Hallo Sylvie, du hast recht, ein feines Tuch ist hierfür wahrscheinlich weniger geeignet. Wenn es zu dick ist, kannst ist ein Sieb besser geeignet.

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